
BLUT & MONDSTEINLena Vael hat ihr ganzes Leben lang unsichtbar gelebt. Verschiedene Schulen, ein Stiefvater, der kaum vom Handy aufschaut, eine Mutter, von der man ihr sagte, sie sei gestorben, als Lena drei war. Nach jedem Maßstab ist sie ein Niemand.
Dann kommt ein Stipendium für die Voss-Akademie – ein Internat, das in einen Berg gehauen wurde, von dem sie noch nie gehört hat – und Lena sagt innerhalb von drei Sekunden Ja. Sie redet sich ein, sie wolle einfach nur einen neuen Ort, an dem sie unsichtbar sein kann.
Sie irrt sich in fast allem.
Die Voss-Akademie ist keine Schule. Es ist der Sitz eines Rudels. Der Berg ist kein Berg. Er ist lebendig, uralt und hat auf sie gewartet. Einer nach dem anderen beginnen vier Alphas, sie zu umkreisen – Ren, der sie hergebracht hat, um eine Schuld ihrer Mutter zu begleichen; Soren, der weiß, dass es nicht richtig ist, und es trotzdem fühlt; Finn, der schon in der Lichtung war, bevor sie ankam; und der Vierte, dessen Namen sie noch nicht kennt, dessen Abwesenheit sie jedoch bereits wie einen fehlenden Ton spürt.
Die Berg-Bindung hat sie beansprucht. Sie hat nicht darum gebeten. Es ist ihr egal.
Irgendwo läuft ihre Mutter – sehr lebendig – vor genau demselben Rudel davon, das gerade ihre Tochter hineingezogen hat.
Lena hat zwei Möglichkeiten: Sie lässt sie definieren, was sie ist, oder sie findet es zuerst heraus – und verwendet es gegen sie.
Sie wird Gewalt wählen.