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Jojo Hartz
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Novels by Jojo Hartz

Das Gewicht zweier Herzschläge

Das Gewicht zweier Herzschläge

In der Nacht, als ich im sechsten Monat schwanger war, zerbrach ich meinen Ehering und floh mit einer Reisetasche. Zuerst nahm ich den Zug, dann einen Bus und schließlich einen kleinen Regionalbus, bis ich mich im oberen Stockwerk einer alten Schmiede versteckte. Der Vermieter hieß Eli. Er war schweigsam und wortkarg. An seiner linken Hand fehlten zwei Finger. Er verlangte nur die Hälfte der Miete, fragte nie nach meiner Vergangenheit. Jeden Abend stellte er mir Ingwertee vor die Tür, klopfte dreimal und ging wieder. Fünf Monate lang schlief ich mit dem Geräusch seiner Metallsäge im Hintergrund ein. Ich dachte, endlich in Sicherheit zu sein. Bis ich tief in seiner Schublade ein vergilbtes Foto fand. Darauf war mein Ehemann in Polizeiuniform zu sehen, seinen Arm um Elis Schulter gelegt. Auf der Rückseite stand: „Für meinen besten Bruder – du warst immer meine schärfste Klinge.“ In diesem Moment verstand ich es. Er hatte nie gefragt, warum ich weggelaufen war… weil er die Antwort längst kannte. Mit dem Foto in der Hand stürmte ich die Treppe hinunter. Eli stand mit dem Rücken zu mir und polierte gerade ein Jagdmesser. Ich warf ihm das Foto gegen den Rücken. Meine Stimme zitterte: „Worauf wartest du? Darauf, dass ich mein Kind zur Welt bringe? Darauf, dass ich nicht mehr fliehen kann?“ Er drehte sich nicht um. Er schob das Messer langsam zurück in die Scheide an seinem Bein und sagte mit einer Ruhe, als würde er über das Wetter sprechen: „Darauf, dass du bereit bist.“ „Dein Ehemann schuldet mir zwei Finger.“ „Morgen kommt dein Kind zur Welt. Und ich werde für seine Frau Rache nehmen.“ Ich hielt mich am Treppengeländer fest und blickte zu ihm hinunter. In seiner Hand lag etwas, das mir den Atem raubte. Eine Tablettenhülle. Die von der Schlaftablette, die ich letzte Nacht neben meinem Kissen ausgespuckt und vergessen hatte wegzuwerfen.
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Chapter: Kapitel Fünfundsiebzig: Was nach dem Sieg kommt
Adalyn dachte sorgfältig über die Frage nach. Sie wusste, dass ihre Antwort mehr sein würde als eine beiläufige Äußerung. Es wäre eine öffentliche Erklärung ihrer Absichten – und wahrscheinlich würde sie die Erwartungen an die zukünftige Ausrichtung der Stiftung beeinflussen.„Ich glaube, es ist an der Zeit, mich eine Weile nach innen zu wenden“, sagte sie schließlich.Die Worte überraschten sie selbst ein wenig, obwohl sie sie aufrichtig meinte.„Wir haben auf systemischer Ebene etwas Bedeutendes erreicht. Jetzt möchte ich sicherstellen, dass die direkten Angebote unserer Stiftung dieselbe sorgfältige Aufmerksamkeit und dieselben Ressourcen erhalten wie die Gesetzgebungskampagne.“Die Journalistin hörte aufmerksam zu.„Ich meine die Menschen, die wir jeden einzelnen Tag unterstützen. Die Überlebenden, die tatsächlich durch unsere Türen kommen. Politische Veränderung ist von enormer Bedeutung. Aber sie bedeutet nichts, wenn die Organisationen, die den Betroffenen vor Ort helfen sollen
Last Updated: 2026-09-23
Chapter: Kapitel Vierundsiebzig: Was sich schließlich bewegte
„Das Büro des Hauptinitiators hat gerade bestätigt, dass genügend Stimmen gesichert sind, um die Gesetzesvorlage weiterzuführen“, berichtete Denise.Ihre Stimme war voller echter, unverkennbarer Begeisterung.„Die ursprünglichen Bestimmungen zur Sicherheit der Datenbanken bleiben weitgehend erhalten. Es gab einige Kompromisse beim Zeitplan der Umsetzung. Kleinere Behörden bekommen mehr Zeit, um die neuen Sicherheitsstandards einzuführen. Aber die grundlegenden Schutzmaßnahmen, über die du ausgesagt hast, sind im Wesentlichen unverändert geblieben.“Adalyn wurde von einer Welle der Erleichterung erfasst, die ihr für einen Moment die Sprache verschlug.Die monatelange erschöpfende und unsichere Advocacy-Arbeit hatte endlich ein konkretes Ergebnis hervorgebracht.„Wie ist das passiert?“, fragte sie, sobald sie wieder sprechen konnte. „Was hat sich tatsächlich verändert?“„Ehrlich gesagt glaube ich, dass es der anhaltende Druck war“, antwortete Denise. „Die Kundgebungen, die Koalitionstre
Last Updated: 2026-09-23
Chapter: Kapitel Dreiundsiebzig: Der Preis des Kompromisses
Adalyn nahm die Nachricht mit einer vertrauten, erschöpften Frustration auf. Erfolgreiche und überzeugende Aussagen waren oft nur der erste Schritt in einer langen, komplizierten politischen Verhandlung.Als sie der Mitarbeiter des Kongresses bei dem Empfang über die möglichen Änderungen informiert hatte, hatte sie bereits geahnt, dass die eigentliche Arbeit erst begann.„Was genau soll abgeschwächt werden?“, fragte sie. Ihre Stimme klang angespannt vor Sorge.„Die Bestimmungen zur Sicherheit der Datenbanken verursachen für die Strafverfolgungsbehörden die größten zusätzlichen Kosten“, erklärte der Mitarbeiter. „Deshalb gibt es Widerstand von Abgeordneten, deren Wahlbezirke Behörden umfassen, die bereits mit erheblichen Budgetproblemen kämpfen.“Adalyn schwieg.„Es wird darüber gesprochen, die Frist zur Umsetzung deutlich zu verlängern“, fuhr er fort. „Außerdem könnten einige der konkreten Strafverschärfungen reduziert werden – gerade jene, deren Notwendigkeit Sie in Ihrer Aussage her
Last Updated: 2026-09-23
Chapter: Kapitel Zweiundsiebzig: Der Ausschussraum
Adalyn sah sich den Ausschnitt aus der Fernsehsendung mit einer komplizierten Mischung aus vertrauter Erschöpfung und neu gewonnener, hart erarbeiteter Widerstandskraft an.Das Muster war ihr bekannt: Ihre dokumentierten, selbst erlebten Erfahrungen wurden als ideologische Übertreibung dargestellt. Noch vor einigen Jahren hätte sie ein solcher Angriff möglicherweise unmittelbarer getroffen. Doch inzwischen hatte sie gelernt, ihre Geschichte nicht von anderen definieren zu lassen.Trotzdem besaß die gewaltige Reichweite dieses Kommentators ein eigenes, beunruhigendes Gewicht.„Ich denke immer wieder darüber nach, wie viele Menschen diesen Beitrag gesehen haben“, sagte sie am Abend vor der Anhörung zu Eli in ihrem Hotelzimmer. „Viel mehr, als jemals meine eigentliche Aussage sehen werden.“Eleanor schlief im angrenzenden Bett. Der lange Tag voller Besichtigungen und Vorbereitungsgespräche hatte sie erschöpft.Eli saß am Fenster und blickte auf die Lichter der Stadt.„Vielleicht“, sagte
Last Updated: 2026-09-23
Chapter: Kapitel Einundsiebzig: Washington
Die Einladung, vor einem Unterausschuss des Kongresses auszusagen, traf mit deutlich größerer Förmlichkeit ein als jede frühere Anfrage, die Adalyn während ihrer langjährigen Advocacy-Arbeit erhalten hatte.Ein umfangreiches Paket lag in dem Umschlag: Hintergrundmaterialien, detaillierte Informationen zum Ablauf, organisatorische Hinweise und eine genaue Anleitung der Ausschussmitarbeiter zu dem Format und den zeitlichen Beschränkungen einer Aussage auf Bundesebene.Adalyn verbrachte einen ganzen Abend damit, die Unterlagen durchzulesen. Sie machte sich mit der besonderen Sprache des Bundesgesetzgebungsverfahrens vertraut, mit der Zuständigkeit des Ausschusses und mit den einzelnen Schritten, die ein Gesetz nach einer Anhörung im Unterausschuss durchlaufen musste.Eine Aussage vor dem Ausschuss bedeutete noch lange keine Abstimmung. Danach würde das Gesetz möglicherweise an den vollständigen Ausschuss weitergeleitet werden, anschließend in beiden Kammern des Kongresses beraten werden
Last Updated: 2026-09-23
Chapter: Kapitel Siebzig: Die Premiere
Der Veranstaltungsort der Premiere, ein elegantes Theater im Stadtzentrum im Kunstviertel, füllte sich allmählich mit einem Publikum, das deutlich größer und vielfältiger war als jede Versammlung, die Adalyn während ihrer Jahre der Fürsprachearbeit bisher angesprochen hatte.Journalisten und Filmkritiker saßen neben Betroffenen und Fürsprechern von Organisationen aus dem ganzen Land, die eigens angereist waren, um diesen bedeutenden Höhepunkt jahrelanger sorgfältiger, engagierter Erzählarbeit mitzuerleben.Monica empfing Adalyn und Eli herzlich bei ihrer Ankunft. Ihre eigene Vorfreude auf den Abend war trotz der professionellen Fassung, die sie während des langen Produktionsprozesses bewahrt hatte, deutlich spürbar.„Ich glaube, Sie werden wirklich bewegt sein, wie das Publikum reagiert“, sagte sie. „Wir hatten letzte Woche eine kleinere Vorschauvorführung mit Fachpresse, und die Reaktion übertraf sogar meine eigenen optimistischen Erwartungen.“ Die VorführungDie Vorführung selbst b
Last Updated: 2026-09-06
Sie zurückzugewinnen

Sie zurückzugewinnen

Vor drei Jahren ging Adrian Cole von der einzigen Frau weg, die ihn die Last seines Familiennamens vergessen ließ. Amara Whitfield war mehr als eine Liebesgeschichte, mehr als eine Zukunft, die er einst für sich erträumte. Sie war die einzige Person, die hinter Reichtum, Erwartungen und das Erbe schaute, das er antreten sollte. Überzeugt, dass das Weggehen der einzige Weg war, sie vor den Verstrickungen seiner Welt zu schützen, beendete Adrian ihre Beziehung und redete sich ein, es sei das Beste gewesen. Er irrte. Nun ist Amara in die Stadt zurückgekehrt, stärker, klüger und entschlossen, ein Leben aufzubauen, das ganz ihr gehört. Drei Jahre lang hat sie von einem Liebeskummer geheilt, der sie fast zerstört hätte, und sie weigerte sich, dem Mann, der sie verlassen hat, diese Macht noch einmal zu geben. Doch das Schicksal hat andere Pläne. Als eine risikoreiche Fusion ihre Unternehmen auf Kollisionskurs bringt, wird ein Ausweichen unmöglich. In Zwangsterminen, Verhandlungen und langen gemeinsamen Stunden erkennt Adrian schnell, dass die Gefühle, die er vergrub, nie wirklich verschwunden sind. Je mehr Zeit er mit Amara verbringt, desto klarer wird ihm, dass sie zu verlieren der größte Fehler seines Lebens war. Diesmal steht jedoch nicht nur die Liebe zwischen ihnen. Alte Wunden sind nicht verheilt, Vertrauen lässt sich schwer wiederaufbauen, und die Ängste, die sie einst trennten, liegen noch zwischen ihnen. Während die Grenze zwischen Geschäft und Gefühlen zu verschwimmen beginnt, muss Adrian beweisen, dass er nicht mehr der Mann ist, der gegangen ist. Denn zweite Chancen sind rar. Und Amara ist sich nicht mehr sicher, ob sie eine will.
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Chapter: Kapitel Achtzig: Dreißig Jahre
Kapitel Achtzig: Dreißig JahreDie Monate nach Desmonds Tod waren von einer komplizierten Mischung aus Trauer und stiller Dankbarkeit geprägt. Die Familie gewöhnte sich allmählich an seine Abwesenheit, während sie sein Andenken durch das Stipendienprogramm und die gemeinnützige Arbeit ehrte, denen er seine letzten Jahre gewidmet hatte.Julian übernahm die offizielle Aufsicht über die Verwaltung des Stipendienprogramms. Er sorgte dafür, dass das Vermächtnis seines Vaters weiterhin genau jene jungen Menschen erreichte, in die Desmond am Ende seines Lebens zu investieren gelernt hatte – junge Menschen, die echte Unterstützung und faire Chancen verdienten.Amara kehrte während dieser Zeit der Trauer oft zu ihren eigenen Erinnerungen an Desmonds Veränderung zurück. Sie dachte an den kalten, berechnenden Fremden, der sie einst bei jenem verheerenden Abendessen gedemütigt hatte. Und sie dachte an den bescheidenen, aufrichtig reumütigen Mann, der seine letzten Jahre damit verbracht hatte, un
Last Updated: 2026-09-18
Chapter: Kapitel Neunundsiebzig: Was Desmond sagen wollte
Amara und Adrian erreichten Desmonds Krankenbett wenige Stunden nach Julians Anruf. Das kleine Krankenzimmer war deutlich ruhiger als beim letzten Mal, als die Familie sich dort Jahre zuvor zu seiner Bypass-Operation versammelt hatte. Die Atmosphäre trug diesmal eine andere, sanftere Schwere.Desmond wirkte gegen die Kissen ungewöhnlich gebrechlich. Doch seine Augen waren weiterhin scharf und wach. Sie hellten sich sichtbar auf, sobald seine Familie den Raum betrat.„Ich hatte gehofft, dass ihr kommt“, sagte Desmond. Seine Stimme war schwächer, als Amara sie in Erinnerung hatte, doch sie enthielt keine Spur von Angst. Stattdessen lag darin ein stiller, gefestigter Frieden, der sie angesichts der Umstände unmittelbar beeindruckte.„Ich wollte noch die Gelegenheit haben, einige Dinge richtig zu sagen, solange ich noch die Kraft habe, mich klar auszudrücken.“Julian und Adrian traten näher und nahmen zu beiden Seiten des Bettes Platz. Amara blieb am Fußende stehen und beobachtete die dre
Last Updated: 2026-09-18
Chapter: Kapitel Achtundsiebzig: Die Hochzeit an der Küste
Marco machte Lily fast ein Jahr nach jener Preisverleihung einen Heiratsantrag. Es geschah während eines ruhigen Spaziergangs durch dieselbe Küstengemeinde, in der ihre Beziehung einst ihren Anfang genommen hatte.Was Lily nicht wusste: Marco hatte Amara und Adrian heimlich einfliegen lassen. Sie sollten den besonderen Moment aus einiger Entfernung miterleben.Als Lily schließlich ihre Eltern bemerkte, die hinter einem nahe gelegenen Gebäude hervortraten, blieb sie ungläubig stehen. Der Verlobungsring an ihrem Finger fühlte sich noch ungewohnt an.„Ihr wart die ganze Zeit hier?“, fragte sie und lachte unter Tränen, während sie ihre Eltern umarmte.„Marco hat sich vor Monaten bei uns gemeldet“, gab Adrian zu. Er grinste über den fassungslosen Gesichtsausdruck seiner Tochter. „Er wollte, dass deine Eltern bei diesem Moment dabei sind – auch wenn du nichts davon wissen solltest.“„Das ist unglaublich aufmerksam“, sagte Amara und umarmte Marco herzlich. „Willkommen in der Familie. Diesmal
Last Updated: 2026-09-18
Chapter: Kapitel Siebenundsiebzig: Marco
Amara spürte eine Welle der Freude und unmittelbaren Neugier bei der Nachricht ihrer Tochter. Sie setzte sich bequemer hin, um dem Gespräch ihre ganze Aufmerksamkeit zu widmen.„Erzähl mir alles“, sagte sie. „Zuerst von der Nominierung, und dann natürlich von diesem Jemanden.“Lily lachte, sichtlich erfreut über die Begeisterung ihrer Mutter.„Die Nominierung ist beinahe zufällig passiert. Eine Kunstjournalistin, die über das Stipendienprogramm berichtet hat, schrieb einen Artikel über unser Wandgemälde. Offenbar wurde der Beitrag vom Auswahlkomitee des International Public Art Prize gelesen. Ich kann immer noch nicht ganz glauben, dass das wirklich passiert.“„Lily, das ist eine außergewöhnliche Ehre“, sagte Amara. In ihrer Brust breitete sich echter Stolz aus. „Ganz gleich, ob du tatsächlich gewinnst – allein die Nominierung für einen so angesehenen Preis, so früh in deiner Karriere, ist bemerkenswert.“„Das hat Marco auch gesagt“, erwiderte Lily.Amara bemerkte die kleine, verräter
Last Updated: 2026-09-18
Chapter: Kapitel Sechsundsiebzig: Jetzt nur noch wir
Lilys Abreise zu ihrem Stipendium fiel auf einen hellen Frühlingsmorgen. Die gesamte Familie versammelte sich am Flughafen, um sie zu verabschieden. Für Amara fühlte sich dieser Moment wie der letzte große Meilenstein eines langen, allmählichen Prozesses an: Sie hatte beobachtet, wie beide Töchter Schritt für Schritt in ein unabhängiges Erwachsenenleben hineingewachsen waren.Lily umarmte jedes Familienmitglied nacheinander und blieb bei Amara am längsten. Beide kämpften gegen ihre Tränen an, obwohl sie zuvor vereinbart hatten, den Abschied nicht emotionaler zu machen, als unbedingt nötig.„Sechs Monate werden schneller vergehen, als du denkst“, sagte Adrian und umarmte seine jüngere Tochter. Trotz seiner eigenen sichtbaren Rührung lag Stolz in seinem Gesicht. „Und wir werden jede deiner Entwicklungen anhand der Fotos verfolgen, die du postest. Das verspreche ich dir.“„Ich werde euch ständig auf dem Laufenden halten“, versprach Lily und lachte durch ihre Tränen. „Ihr werdet mich nich
Last Updated: 2026-09-18
Chapter: Kapitel Fünfundsiebzig: Was als Nächstes kommt
Amara fand Lily am nächsten Morgen. Die angenehme Erschöpfung der Hochzeitsfeier lag noch warm über dem Haus. Lily saß still am Küchentisch, eine Tasse Kaffee in der Hand und einen vorsichtigen, nervös erwartungsvollen Ausdruck im Gesicht, der Amaras Aufmerksamkeit sofort auf sich zog.„Dein Vater hat etwas von einem Stipendium erwähnt“, sagte Amara sanft und ließ sich ihrer jüngeren Tochter gegenüber auf einem Stuhl nieder. „Lily, warum hast du mir nicht erzählt, dass du dich beworben hast?“Lily stellte ihre Tasse ab und sah ihrer Mutter trotz ihrer offensichtlichen Nervosität entschlossen in die Augen.„Ich wollte nicht, dass du dir Sorgen machst oder das Gefühl bekommst, ich würde irgendwie mit Graces Nachricht konkurrieren. Ich weiß, dass gestern ganz ihrer Hochzeit gehören sollte.“„Lily, hier gibt es keinen Wettbewerb“, sagte Amara bestimmt. „Ich freue mich immer über beide meiner Töchter gleichermaßen. Erzähl mir von diesem Stipendium.“Lily wirkte bei der Beruhigung ihrer Mut
Last Updated: 2026-08-26
ausschließlich gebunden

ausschließlich gebunden

Am Abend vor dem Bankrott meiner Firma landete ich in einer Hotelbar im Bett eines völlig fremden Mannes. Am nächsten Morgen floh ich, ohne auch nur nach seinem Namen zu fragen. Zwei Stunden später betrat ich den Konferenzraum, in dem über die Zukunft meines Unternehmens entschieden werden sollte. Und auf der anderen Seite des Verhandlungstisches saß er. Dominic Reyes. Milliardenschwerer CEO von Reyes Global. Der Mann, der über Leben und Tod meiner Firma entscheiden konnte. Er lehnte sich entspannt in seinem Stuhl zurück, drehte langsam seinen Stift zwischen den Fingern und blätterte durch meinen Vorschlag. „Ivy Calloway… gestern Nacht warst du aber nicht annähernd so zurückhaltend.“ Totenstille erfüllte den Raum. Ich biss so fest die Zähne zusammen, dass meine Fingernägel sich in meine Handfläche gruben. Er schloss die Unterlagen, schob sie zu mir zurück und sagte ruhig: „Ich kann deine Firma retten. Meine Bedingung ist…“ „Dreißig Tage. Du gehörst in dieser Zeit nur mir.“ „Keine Versprechen. Keine Zukunft. Nach dreißig Tagen gehen wir getrennte Wege.“ Ich sah ihn an, stand auf und riss den Vertrag in zwei Hälften. „Dominic, eine Nacht mit mir war dir also nicht genug? Jetzt willst du dreißig Tage kaufen?“ „Wenn meine Firma untergeht, akzeptiere ich das. Aber mich? Mich kannst du dir nicht leisten.“ Ich drehte mich um und ging zur Tür. Hinter mir erklang seine ruhige, beinahe amüsierte Stimme: „Ivy… letzte Nacht hast du im Bett die ganze Zeit gerufen: ‚Verlass mich nicht.‘“ Ich blieb stehen. „Und jetzt willst du mir erzählen… wen genau du dir nicht leisten kannst?“
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Chapter: Kapitel Fünfundsiebzig: Maren begegnet Julian
Das Wochenende kam mit einer nervösen Erwartung, die Ivy unangenehm an ihre eigene vorsichtige Begleitung bei Josephines erster Begegnung mit der Familie erinnerte.Doch dieses Wiedersehen trug zusätzliches Gewicht. Julian brachte eine belastete Vergangenheit mit, und alle Erwachsenen im Raum verspürten den natürlichen Wunsch, Marens Wohlergehen zu schützen.Adriana hatte ihre Tochter in den vergangenen Tagen behutsam auf die Begegnung vorbereitet. Sie erklärte ihr in kindgerechten Worten, dass sie einen Onkel hatte, den sie noch nie getroffen hatte – einen Mann, der ernsthafte Fehler gemacht hatte, sich nun aber bemühte, ein besserer Mensch zu werden.„Ist er ein böser Mann?“, hatte Maren gefragt. Ihre Direktheit war typisch für sie, besonders wenn es um komplizierte Situationen zwischen Erwachsenen ging.„Er hat schlechte Entscheidungen getroffen“, hatte Adriana vorsichtig erklärt. „Aber Menschen können aus ihren Fehlern lernen und sich verändern, wenn sie sich wirklich darum bemühe
Last Updated: 2026-09-23
Chapter: Kapitel Vierundsiebzig: Was Deborah wusste
Ivy starrte auf die Nachricht. Trotz der Monate relativer Ruhe flammte ihre alte Vorsicht sofort wieder auf. Der Name Deborah Kensington weckte unerwünschte Erinnerungen an Vances größeres kriminelles Netzwerk.Sie zeigte Dominic die Nachricht und beobachtete, wie auch sein Gesichtsausdruck in vorsichtige, beschützende Wachsamkeit überging.„Ich dachte, wir wären endlich damit durch, von irgendjemandem aus seinem Umfeld zu hören“, sagte Ivy. Erschöpfung schlich sich in ihre Stimme, obwohl sie sich bemühte, gefasst zu bleiben. „Jedes Mal, wenn ich glaube, dieses Kapitel sei wirklich abgeschlossen, kommt etwas Neues ans Licht.“„Ich weiß“, sagte Dominic sanft und nahm ihre Hand. „Aber wir haben jede Überraschung bisher gemeinsam bewältigt. Das werden wir auch diesmal tun, ganz gleich, was dahintersteckt.“Er blickte auf ihr Telefon.„Ruf sie an. Aber stell den Lautsprecher ein. Ich möchte genau verstehen, was sie behauptet, bevor wir zulassen, dass es die Präsentation morgen beeinflusst
Last Updated: 2026-09-23
Chapter: Kapitel Dreiundsiebzig: Was Patrice sagen wollte
Sie vereinbarten das Treffen für die folgende Woche. Als neutralen Ort wählten sie Corinnes Büro.Der Ort wirkte deutlich formeller als die Parkbank, auf der Adriana kürzlich die vorsichtige Versöhnung mit ihrem eigenen Bruder begonnen hatte. Dennoch lag auf diesem Treffen eine besondere Schwere, denn Patrices Verrat hatte einst unmittelbar alles bedroht, was Dominic aufgebaut hatte.Ivy wusste nicht, was sie erwarten sollte. Patrices tränenreiche Beichte Monate zuvor hallte trotz allem, was seitdem geschehen war, noch immer in ihren Gedanken nach.Während sie zu Corinnes Büro fuhren, sagte Dominic: „Ich weiß nicht, was ich mir von diesem Gespräch erhoffe.“„Abschluss, nehme ich an. Aber ich bin mir nicht sicher, wie ein Abschluss mit Patrice überhaupt aussehen soll. Sie war so tief in mein berufliches und persönliches Leben eingebunden, bevor alles zusammenbrach.“„Vielleicht muss es jetzt noch keinen Namen haben“, sagte Ivy sanft. „Vielleicht hörst du ihr einfach zu und findest erst
Last Updated: 2026-09-23
Chapter: Kapitel Zweiundsiebzig: Was Adriana brauchte
Ivy zeigte Dominic die Nachricht. Trotz seines anhaltenden Misstrauens gegenüber Julians plötzlichem Auftauchen wurde sein Gesichtsausdruck von echtem Mitgefühl weicher.„Natürlich gehen wir mit ihr“, sagte er sofort. „Was auch immer sie braucht, um sich dieser Sache richtig zu stellen.“„Machst du dir Sorgen?“, fragte Ivy und musterte seinen vorsichtigen Gesichtsausdruck. „Angesichts dessen, was Julians Betrug dich persönlich gekostet hat, kann es nicht leicht sein, diese Begegnung zu unterstützen.“„Ich mache mir Sorgen“, gab Dominic zu. „Nicht, dass Adriana die falsche Entscheidung treffen könnte. Sondern dass Julian sie erneut aufrichtig enttäuschen könnte – und ich gezwungen wäre, mitanzusehen, wie sie denselben Schmerz ein zweites Mal ertragen muss.“Er hielt kurz inne.„In den vergangenen Monaten ist sie mir sehr ans Herz gewachsen. Mehr, als ich angesichts unserer komplizierten gemeinsamen Vergangenheit erwartet hätte.“„Das ist mir auch aufgefallen“, sagte Ivy leise. „Ich gla
Last Updated: 2026-09-23
Chapter: Kapitel Einundsiebzig: Der Mann am Fenster
Es war Marla, die ihn zuerst bemerkte. Als sie nahe dem vorderen Bereich des Büros ein Tablett mit festlichen Häppchen auffüllte, fiel ihr die unbekannte Gestalt hinter der Glasscheibe auf.Etwas an seiner reglosen Haltung irritierte sie. Er ging nicht einfach vorbei. Er blieb absichtlich dort stehen, als würde er warten.Marla überquerte den Raum und sprach Ivy leise und vorsichtig an, um unter den feiernden Mitarbeitern keinen Alarm auszulösen.„Draußen steht ein Mann“, sagte sie. „Er steht dort seit mindestens zehn Minuten und beobachtet uns. Ich kenne ihn nicht, aber irgendetwas an ihm kommt mir merkwürdig vor.“Ivys Magen verkrampfte sich. Dieses außergewöhnliche Jahr hatte sie eine besondere, erschöpfende Wachsamkeit gelehrt. Trotzdem zwang sie sich, im Interesse der Feier, die weiterhin um sie herum stattfand, einen neutralen Gesichtsausdruck zu bewahren.Sie blickte zum Fenster. Ihr Atem stockte beim Anblick des Mannes, der ihr zugleich vertraut und völlig unbekannt vorkam. Se
Last Updated: 2026-09-23
Chapter: Kapitel Siebzig: Das Feature
Ivy starrte lange auf Marlas Nachricht. Ein echtes, unbewachtes Lächeln breitete sich auf ihren müden Zügen aus bei der unerwarteten, völlig willkommenen Art dieser besonderen Unterbrechung.„Business Weekly möchte die Agentur porträtieren", sagte sie zu Dominic und drehte das Telefon zu ihm. „Nicht wegen eines Skandals diesmal. Weil wir ihn überwunden haben."„Das ist bemerkenswert", sagte Dominic. Echter Stolz war in seinem Gesichtsausdruck deutlich sichtbar. „Wirst du es machen?"Ivy überlegte die Frage ernsthaft. Sie wog ihren natürlichen Instinkt zur Privatsphäre gegen die echte Gelegenheit ab, die ein solches Feature für das weitere Wachstum der Agentur darstellen könnte.„Ich glaube, ich möchte es", sagte sie langsam. „Nicht, um alles noch einmal öffentlich zu durchleben. Sondern um die Geschichte diesmal tatsächlich richtig zu erzählen. Zu meinen eigenen Bedingungen – statt zuzulassen, dass Schlagzeilen und geleakte Dokumente die Erzählung kontrollieren, so wie sie es während
Last Updated: 2026-09-07
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