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Author: Helsa
last update publish date: 2026-08-20 13:46:14

KLARA

Eine Handvoll meiner Haare wurde so hart gezogen, dass mein Kopf nach hinten schnellte.

Schmerz explodierte über meine Kopfhaut, als ich direkt in Verenas wütendes Gesicht sah.

„Wenn du denkst, du könntest mir Markus wegnehmen, irrst du dich.“

Eine Sekunde lang starrte ich sie nur an. Sie war hier, stand in meiner Küche und sah vollkommen in Ordnung aus. War sie nicht gestern Abend am Lagerfeuer ohnmächtig geworden? Alle waren zu ihrer Seite geeilt, und Markus hatte mich in dem Moment verlassen, als jemand ihren Namen schrie. Jetzt stand sie vor mir ohne das geringste Zeichen von Schwäche.

Die Erkenntnis traf hart und kalt. Sie hatte denselben Trick wieder gezogen, ihn vorgetäuscht, damit ich aufhöre, mit Markus zu reden, und der Moment zwischen uns sterben würde, bevor er weitergehen konnte.

Gott, hatte sie überhaupt ein Leben, das sich nicht um Alpha Markus drehte? Selbst er war nicht so besessen von ihr.

„Dein Markus ist derjenige, der nicht von mir wegbleiben will“, schoss ich zurück und weigerte mich wegzusehen. „Warum bin ich die Schuldige, wenn du deinen Mann nicht im Zaum halten kannst?“

„Wie kannst du es wagen, so über meinen Markus zu reden?“

Ich hatte endgültig genug. Ich rammte mein Knie in ihren Magen. Ihr Griff löste sich sofort. Ich riss mich frei und schlug ihr hart ins Gesicht.

„Ich rede über wen und wie ich will“, sagte ich und starrte ihr direkt in die Augen. „Erbärmliche Schlampe.“

„Markus gehört mir. Du wirst ihn mir nicht wegnehmen. Verstehst du das? Ich werde dich töten. Und das ist ein Versprechen.“

Sie war mein ganzes Leben lang grausam zu mir gewesen. Jetzt war sie körperlich geworden und drohte sogar, mich zu töten.

In genau diesem Moment öffnete sich die Haustür und mein Name erklang.

„Klara?!“ schrie Tobias.

Verena schenkte mir ein böses kleines Grinsen und legte dann sofort den traurigsten Ausdruck an, den sie schaffen konnte.

Mein Bruder und Markus kamen in die Küche.

„Klara? Verena?“ fragte Tobias und sah völlig verwirrt aus. „Was ist hier los?“

„Ich wollte nur mit ihr über diese ganze Gefährten-Sache sprechen“, sagte Verena mit plötzlich tränenreicher Stimme. „Mich entschuldigen. Sicherstellen, dass kein schlechtes Blut zwischen uns ist. Wir sind Schwestern. Ich glaube, sie nimmt das wirklich hart.“

Sie war so eine gute Lügnerin. Ich war fast beeindruckt. Ich wusste nicht einmal, was ich sagen sollte.

„Klara, ich weiß, das ist schwer für dich“, sagte Markus. „Aber du kannst nicht so mit deiner zukünftigen Luna reden.“

„Oh, bitte halt die Klappe, Arschloch.“ Ich hatte genug davon, dass er die Wahrheit nicht sehen wollte.

Verena sah empört aus. Markus sah erschüttert aus.

„Weißt du was? Scheiß auf euch beide.“

Ich drehte mich um und ging hinaus.

„Klara!“ rief Tobias hinter mir her.

„Es ist in Ordnung, Tobias. Lass sie gehen“, hörte ich Verena hinter mir sagen. „Sie braucht nur eine Minute, um sich zu beruhigen.“

Ich erreichte die Trainingsplätze gerade rechtzeitig für meine Einheit. Ich war in keiner Verfassung zum Trainieren. Ich hatte seit meinem Geburtstag vor zwei Tagen nicht geschlafen und nichts gegessen. Aber ich brauchte es. Ich brauchte den körperlichen Schmerz, um alles andere zu übertönen.

Nach einer halben Stunde Sparring landete Petras Schlag falsch und etwas knackte in meiner Seite. Ein scharfer Atemzug riss aus meinen Lungen, als ich auf die Knie fiel.

„Oh meine Göttin, Klara!“ schrie Petra und fiel neben mich. „Geht’s dir gut? Es tut mir so leid!“

„Es ist in Ordnung, Petra“, schaffte ich und atmete vorsichtig. „Es ist meine Schuld. Ich war abgelenkt.“

Nina und Benjamin kamen angerannt.

„Klara!“ schrie Nina. „Was ist passiert?“

„Ich glaube, ihre Rippen sind gebrochen“, sagte Petra, während sie Nina half, mich wieder auf die Beine zu ziehen.

Ich verzog das Gesicht vor Schmerz. Bevor ich ein weiteres Wort sagen konnte, hoben mich zwei starke Arme im Brautstil hoch.

„Ben, mir geht’s gut. Du musst mich nicht tragen“, protestierte ich.

„Hör auf, Klara“, knurrte er. „Ich lasse dich nicht mit gebrochenen Rippen herumlaufen.“

Ich wurde still und ließ mich von ihm zum Büro des Rudelarzes tragen. Nina und Petra gingen hinter uns her und beobachteten mich beide besorgt.

Als wir ankamen, setzte Benjamin mich so sanft wie möglich auf das Bett. Die Krankenschwester sagte uns, der Arzt werde bald kommen, und ging mit einem warmen Lächeln hinaus.

„Petra, würdest du bitte draußen warten?“ fragte Benjamin. „Nina und ich müssen etwas mit Klara besprechen.“

„Natürlich“, sagte sie mit einem kleinen Lächeln und schloss die Tür hinter sich.

Ich sah zu Benjamin auf. Er starrte mich an, wie ein Vater ein Kind anstarrt, das etwas Schlimmes angestellt hat.

„Was zum Teufel ist da draußen passiert, Klara?“ knurrte er.

Ich seufzte und verzog das Gesicht. „Ich war müde. Ich habe den Fokus verloren.“

„Du verlierst niemals den Fokus auf einem Schlachtfeld, Klara“, knurrte er erneut. „Niemals!“

„Ben, beruhige dich“, schnitt Nina ein. „Lass sie erklären.“

Sie sah mich mit einem stillen, fragenden Ausdruck an. Sie würden das nicht auf sich beruhen lassen.

Ich seufzte erneut. „Ich habe seit meinem Geburtstag nicht geschlafen, okay? Ich war müde, und sie hat mich unvorbereitet erwischt.“

Benjamin stieß ein lautes Knurren aus. „Du hättest heute keinen Fuß auf diesen Trainingsplatz setzen dürfen! Das hätte so viel schlimmer enden können!“

„Es tut mir leid, Ben“, sagte ich leise und starrte auf meine Hände.

Er begann im Raum auf und ab zu gehen und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. Er war wütend auf mich, aber es berührte trotzdem etwas Tiefes in mir, zu sehen, wie sehr er sich kümmerte.

Nina ignorierte seinen Ausbruch und nahm meine Hand in ihre.

„Wie wäre es, wenn du heute Abend zu mir kommst?“ fragte sie und lächelte sanft. „Wir könnten eine Pizza bestellen, einen Film schauen, vielleicht sogar schlafen.“

Sie zwinkerte, und ich lachte, bevor der Schmerz mich zusammenzucken ließ. Lachen tat weh. Alles tat weh, wenn die Rippen gebrochen waren.

Bevor ich Nina antworten konnte, flog die Tür auf.

Mein Bruder und Markus rannten herein.

Markus’ Augen verriegelten sich zuerst auf mir, dann auf der Art, wie Benjamins Arme noch um mich lagen.

Ein tiefes, gefährliches Knurren erfüllte den Raum.

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