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Nagrani schritt leichtfüßig und schnell durch die großen Tore des Draven-Palastes.
Ihre Finger verweilten auf dem Innenfutter ihrer Seidenrobe und spürten das dicke, gerollte Pergament an ihren Rippen. Das Wachssiegel von König Herzog fühlte sich hart und kühl unter ihren Fingern an. Jahrzehntelang waren ihre Leute durch S&uu
HUNDERTFÜNFZIGNagrani schritt leichtfüßig und schnell durch die großen Tore des Draven-Palastes.Ihre Finger verweilten auf dem Innenfutter ihrer Seidenrobe und spürten das dicke, gerollte Pergament an ihren Rippen. Das Wachssiegel von König Herzog fühlte sich hart und kühl unter ihren Fingern an. Jahrzehntelang waren ihre Leute durch Sümpfe gekrochen und hatten sich in feuchten Höhlen versteckt, von jedem Königreich mit einem Heer wie Ungeziefer behandelt. Nun sollte sich all das ändern.Sie hielt die Kapuze tief ins Gesicht gezogen.Ihre gelben Augen huschten über die steinernen Höfe, erfassten die hohen Galerien und schattigen Torbögen. Sie wollte weder Derek noch Deborah noch Selen
Die massiven Eichentüren der großen Halle schlugen zu.Einer nach dem anderen traten die Ratsältesten in den kalten Steinkorridor hinaus und tuschelten über das Blut auf dem Boden und den Wahnsinn ihres Prinzen. Isabella warf mir einen letzten, besorgten Blick zu und folgte dann unserem Vater aus dem Saal.König Herzog hatte kein Wort gesagt. Er hatte nur auf das zerbrochene Wachs auf seinem Tisch gestarrt, den Kiefer so fest zusammengebissen, dass die Sehnen in seinem Hals hervortraten, bevor er uns ganz den Rücken zukehrte.Schließlich war die große Halle leer. Die tiefe Stille wurde nur vom leisen Knistern von sterbendem Feuerholz im Hochland unterbrochen.Nagrani stand vor uns, das königliche Dekret eng in ihrem Seidenärmel zusammengerollt. Ihre kalten, schlangenhaften Augen huschten zur leeren Türöffnung und blieben dann an Alice haf
HUNDERTAUCHUNDVIERZIGNagrani blickte auf das schwere königliche Edikt in ihren Händen. Das rote Wachssiegel fühlte sich noch leicht warm vom Siegelring des Königs an, und ein langsames, zufriedenes Lächeln breitete sich auf ihren dunklen Lippen aus.„Danke, Kane“, sagte Nagrani ruhig, ihre gelben Augen funkelten vor seltsamem Respekt. „Du hast dich als ein weitaus besserer Mann erwiesen als dein Vater. Du hast dein Wort gehalten.“„Halt den Mund und beweg dich!“, zischte ich, meine Hand immer noch fest um ihr Handgelenk gepresst, Blut aus meinem Hals tropfte über mein Schlüsselbein und spritzte auf die Steine. „Heb dir die Reden für später auf. Alice schwebt im Sterben. Saug das Gift sofort ab, sonst verbrennt dieses Pergament mit dir.“Nagrani zuckte bei meinem Tonf
HUNDERTSÜDWANZIGIch konnte die Worte, die aus dem Mund meines Vaters kamen, nicht verarbeiten.Mein Kopf war wie leergefegt. War es nun Zeit für Alice zu sterben? Das Mädchen, das sich vor einen Giftpfeil geworfen hatte, der eigentlich für meine Brust bestimmt war? Das Mädchen, das im Dunkeln meine Hand gehalten hatte, zitternd in der Hütte eines alten Mannes, und mir vertraut hatte, dass ich sie lebend nach Hause bringen würde?Ich blickte zurück zum Sofa.Alices Haut hatte sich tiefviolett verfärbt. Ihr Körper zitterte schwach und gebrochen, die Krämpfe hörten erst auf, als ihre Kräfte sie verließen. Sie starb, direkt vor den Augen des
Ich habe keine Sekunde verloren.Ich wandte mich von Nagrani ab und marschierte geradewegs den langen Flur entlang. Meine Stiefel knallten auf die Steinplatten und klangen wie Kriegstrommeln.Mein Vater stand nahe dem großen Kamin, umgeben von den Ältesten seines hohen Rates. Er sah mich auf sich zukommen, und für einen Augenblick wich die Anspannung aus seinem faltigen Gesicht. Sein grauer Bart war von einem stolzen, erleichterten Lächeln umrahmt.„Kane, mein Junge“, dröhnte König Duke mit tiefer, königlicher Stimme. „Du hast Oakhaven überlebt. Gepriesen seien die Götter! Das ganze Reich glaubte, du seist in diesen dunklen Bergen verschollen.“„Vater, halt!&ld
HUNDERTFÜNFUNDVIERZIGAlice zuckte in meinen Armen mit einem weiteren heftigen Ruck zusammen. Ihre Zähne klapperten aufeinander, dicke, violette Adern pulsierten unter der Haut ihres Halses.„Was hast du ihr angetan?!“, brüllte ich, meine Stimme ließ die hohen Steinbalken der Halle erzittern. „Warum verhält sie sich so?! Du hast doch gesagt, du hättest sie geheilt!“Nagrani wich keinen Schritt zurück. Sie blinzelte nicht. Mit in ihren dunklen Seidenärmeln verschränkten Armen stand sie da und blickte auf Alice herab, als beobachte sie ein Insekt, das sich auf dem Boden windet.„Ich habe sie nicht geheilt, Kane“, sagte Nagrani mit sanfter, eiskalter Stimme. „Ich habe dem Gift, das sich bereits durch ihre B







