ANMELDENIch dachte, mein erster Tag an dieser neuen Schule würde ganz gewöhnlich verlaufen. Ich habe mich geirrt. Ein einfacher freier Platz am Ende des Klassenzimmers führte mich direkt zu den Lycan-Brüdern. Zwei Zwillinge. Zwei brennende Blicke. Zwei Männer, vor denen ich fliehen sollte … doch mein Herz weigert sich, ihnen zu widerstehen. Ich spüre eine ebenso starke wie unerklärliche Anziehung zu ihnen. Als hätte etwas tief in mir sie längst erkannt. Dann entdecke ich ihr schreckliches Geheimnis: Sie sind Werwölfe. Und ich … bin auf eine Weise mit ihnen verbunden, die niemand hätte vorhersehen können. Zwischen Verlangen, Gefahr und den Gesetzen des Rudels muss ich mich einer Wahrheit stellen, die alles erschüttert, was ich über die Liebe zu wissen glaubte. Ich sollte keinen von beiden lieben. Doch mein Herz weigert sich, sich zu entscheiden.
Mehr anzeigenDer Himmel, schwer von anthrazitfarbenen Wolken, bricht genau in dem Moment über dem Wald auf, als das Intervalltraining beginnt. Ein dichter, eisiger Regen prasselt auf das Laub und verwandelt den Pfad in einen Morast aus Schlamm und durchnässten Kiefernnadeln.Die Schüler murren, fluchen, schlagen den Kragen ihrer Jacken hoch, aber Marchetti ist unerbittlich.Der Regen, verkündet er, sei ein ausgezeichneter Lehrer. Er zeige, wer Herz habe und wer nicht.Nicole spürt die Kälte nicht. Seit dem Gespräch mit ihrer Mutter, seit Claire dem diffusen Gefühl des Andersseins, das sie verfolgt, Worte gegeben hat, knistert eine neue Energie unter ihrer Haut.Sie absolviert die Übungen mit einem fast beunruhigenden Eifer. Die 200-Meter-Serien, die 400-Meter-Serien, die Beschleunigungen am Hang. Ihr Körper gehorcht.Zum ersten Mal seit Langem denkt sie an nichts anderes als an den nächsten Schritt, den nächsten Atemzug, an das Schlagen ihres Herzens, das die Sekunden taktet.Der Wald schließt sic
Die Flure des Gymnasiums erfüllen sich mit gedämpften Gesprächen, eiligen Schritten und schrillen Klingeltönen, die die Stunden takten.Nicole bahnt sich ihren Weg zur Bibliothek, das Herz schwer von einer diffusen Angst.Der Vorfall in der Umkleide verfolgt sie, dreht sich in endloser Schleife in ihrem Kopf.Sie sieht die aufgeschlitzten Schuhe wieder vor sich, Dantes stillen Abgang, und sie fragt sich zum hundertsten Mal, was der nächste Angriff sein wird.Sie stößt die schwere Holztür der Bibliothek auf. Der vertraute Geruch alter Bücher, staubigen Papiers und Bienenwachs hüllt sie sofort ein.Es ist ein Geruch nach Kindheit, nach Zuflucht, nach Abenden, an denen sie unter der Lampe las, während ihre Mutter arbeitete.Die große Silhouette von Claire Blanchard zeichnet sich hinter dem Ausleihtresen ab. Ihr kastanienbraunes Haar, durchzogen von helleren Strähnen, wird von einem Bleistift in einem ungefähren Dutt gehalten. Sie blickt auf, und ihr Lächeln erblüht, als sie ihre Tochter
Kapitel 8Die Sporthalle, eingehüllt in den orangefarbenen Dunst dieses frühen Oktobermorgens, vibriert bereits vom Hämmern der Sohlen auf dem gewachsten Parkett. Kurze Rufe, vom Coach Marchetti gebrüllte Anweisungen hallen von den Ziegelwänden wider. Nicole steht am Rand der Innenbahn, die Arme vor der Brust verschränkt, den Blick auf die weiße Linie gerichtet, die die Aufwärmzone vom Rest der Welt trennt.Sie atmet tief ein und versucht, das unregelmäßige Schlagen ihres Herzens zu beruhigen. Jede Trainingseinheit ist eine Prüfung, nicht wegen der körperlichen Anstrengung, sondern wegen der Blicke der anderen, die wie eine bleierne Last auf ihrem Nacken lasten.Sie dehnt sich, die Muskeln noch kalt, als eine vertraute Gestalt in ihr Blickfeld gleitet. Agatha geht mit lässigem Schritt zu den Rängen, ihre langen braunen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden, der mit einstudierter Arroganz tanzt. Sie sieht Nicole nicht an, nicht direkt. Sie spricht mit einem Mädchen aus ihrer Clique, ei
Kapitel 7 Dante. Einer der Zwillinge. Er ist aus dem Nichts aufgetaucht, still wie ein Geist, und hält sie mit einer einzigen Hand, die flach auf ihrem Schlüsselbein liegt, gegen den kalten Stein. Seine schwarzen Augen versinken in ihren mit einer Intensität, die ihr den Atem raubt. „Mein Bruder hat mit dir gesprochen.“ Seine Stimme ist tiefer als die von Damien, auch ruhiger, aber von einer verhaltenen Intensität erfüllt, die fast noch beängstigender ist. Nicole spürt, wie ihr Herz schneller schlägt und ihre Handflächen feucht werden. „Er hat mir gesagt, ich solle mich nicht neben euch setzen.“ „Das war richtig von ihm.“ Dantes Hand bewegt sich nicht. Sie ist warm durch den Stoff ihrer Jacke, seltsam warm, als wäre seine Körpertemperatur höher als normal. „Aber ich werde dir etwas anderes sagen, das dir mein Bruder nicht gesagt hat.“ Er beugt sich zu ihr vor, so nah, dass sein Atem ihre Wange streift. Sein Geruch ist anders als der von Damien. Holziger, tiefer, mit Noten von











