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KAPITEL 2: Die erste Warnung

作者: k_writes.
last update publish date: 2026-07-08 15:40:06

Melanies Sicht

Ich konnte kaum schlafen. Der Regen wollte einfach nicht aufhören. Rastlos lief ich in meinem Wohnzimmer auf und ab. Ich hatte so viele Fragen.

„Du stellst dieselben Fragen, wegen derer deine Eltern gestorben sind“, sagte ich leise zu mir selbst. „Was hat er damit gemeint?“

Ich ballte die Fäuste, während ich seine Worte immer wieder in meinem Kopf hörte.

Welches Recht hatte er, so über meine Eltern zu sprechen?

Typisch Milliardär.

Mein Blick fiel auf das beschädigte Türschloss.

Warum passierte das alles ausgerechnet mir?

Ich versuchte, nicht zu weinen.

Die Sicherheitsleute, die Philip geschickt hatte, hatten das Chaos bereits beseitigt, bevor sie gegangen waren, aber überall waren noch Spuren des Einbruchs zu sehen.

Schubladen waren herausgerissen worden.

Der Schrank war völlig durchwühlt.

Papiere lagen verstreut auf dem Boden.

Der Eindringling hatte ganz eindeutig nach etwas gesucht.

Doch das Beängstigendste war...

Es war nichts Offensichtliches gestohlen worden.

Das bedeutete, dass sie entweder gefunden hatten, wonach sie suchten...

oder genau wussten, was sie brauchten, es aber noch nicht gefunden hatten.

Mein Handy vibrierte auf der Küchentheke.

Schon wieder eine unbekannte Nummer.

Einen Moment lang starrte ich auf das Display, bevor ich ranging.

„Hallo?“

„Öffnen Sie die Tür.“

Er war es.

Vorsichtig ging ich zum Fenster und blickte auf die Straße hinunter.

Ein schwarzer Geländewagen stand vor dem Gebäude.

Lässig dagegen gelehnt, eine Hand in der Tasche seines dunklen Mantels, stand Philip Harrington.

„Das kann doch nicht Ihr Ernst sein“, murmelte ich, während ich aus dem Fenster sah.

Obwohl einige Meter zwischen uns lagen, wirkte er immer noch einschüchternd.

Ich hasste das.

„Ich lasse Sie nicht rein.“

„Sie haben zwanzig Sekunden, bevor mein Sicherheitsteam ohnehin zu Ihnen hochkommt. Es liegt also ganz bei Ihnen.“

Ich lachte bitter.

„Sie überraschen mich immer wieder, Philip Harrington.“

„Glauben Sie mir, Sie haben noch gar nichts gesehen. Jetzt lassen Sie mich herein.“

Sein Gesichtsausdruck blieb vollkommen ernst.

Ich schnaubte.

„Sie sind wirklich unglaublich.“

„Fünfzehn.“

Ich legte wütend auf.

„Für wen hält der sich eigentlich?“

Drei Minuten später riss ich meine Wohnungstür wütend auf.

„Zwanzig Sekunden später... und Sie haben trotzdem nichts gemacht.“

Philip stand völlig unbeeindruckt vor der Tür.

Er trug seine schwarzen Handschuhe.

Hinter ihm standen zwei Sicherheitsmänner.

Ich verschränkte die Arme.

„Macht es Ihnen Spaß, Menschen zu bedrohen? Ist das so ein Hobby von euch Reichen?“

„So sehen Sie mich also?“

„Glauben Sie wirklich, ich bin dumm genug zu glauben, dass Ihnen plötzlich etwas an mir liegt?“

Er ließ den Blick kurz durch meine Wohnung schweifen, ignorierte meine Frage und sah mich dann wieder an.

„Ich glaube, Sie lassen sich von Ihrer Wut leiten. Und Sie sind zu verblendet, um die Gefahr zu erkennen, obwohl sie direkt vor Ihnen steht.“

Seine Stimme war fest.

Ich konnte meinen Ärger nicht verbergen und trat nur wortlos zur Seite.

„Fünf Minuten. Danach lassen Sie mich in Ruhe.“

Philip trat ein und ließ seinen Blick aufmerksam durch meine Wohnung wandern.

Er bemerkte Dinge, die mir zuvor gar nicht aufgefallen waren.

Offensichtlich war das nicht das erste Mal, dass er einen Tatort begutachtete.

Einer seiner Männer blieb vor der Tür stehen, während der andere den Flur überprüfte.

Ich schloss die Tür.

„Was wollen Sie wirklich?“

Anstatt sofort zu antworten, ging Philip auf meine beschädigte Schublade zu.

Sein Gesichtsausdruck wurde etwas ernster.

„Was war hier drin?“, fragte er.

„Wie meinen Sie das?“

„Bevor sie diesen Ort durchsucht haben.“

„Keine Ahnung. Erwarten Sie, dass ich jedes einzelne Detail meiner Wohnung auswendig kenne?“

Philip packte mich an den Schultern.

„Denken Sie sorgfältig nach.“

„Ich habe gesagt, ich weiß es nicht.“

Zwischen uns entstand eine lange Stille.

Dann seufzte er leise und zog seine Handschuhe aus.

Sofort bemerkte ich die frischen Blutergüsse über seinen Fingerknöcheln.

Ich konnte nicht anders, als zu fragen:

„Hatten Sie eine Schlägerei?“

Er betrachtete einen Moment lang seine Hände.

„So ähnlich.“

„Schon wieder so eine vage Antwort.“

Ich ging in Richtung Küche.

„Sie haben mir immer noch nicht erklärt, warum Sie wirklich hier sind.“

„Das habe ich bereits.“

„Nein, haben Sie nicht.“

„Sie sind nach all den Jahren des Chaos, das Ihre Familie verursacht hat, einfach in mein Leben geplatzt. Die Öffentlichkeit hält mich für verrückt, und jetzt erwarten Sie plötzlich, dass ich Sie heirate, nur weil jemand in meine Wohnung eingebrochen ist und irgendwelche Leute hinter mir her sind? Das ist für mich keine Erklärung.“

Philip schwieg.

Ich fragte mich, woran er gerade dachte.

Dann lächelte er leicht.

„Wissen Sie... Sie sehen Ihrer Mutter nicht nur ähnlich, Sie sprechen auch wie sie.“

Diese Worte trafen mich tief.

Mir stiegen Tränen in die Augen.

Sein Gesichtsausdruck blieb schwer zu deuten, doch seine Stimme hatte sich verändert.

Sie klang weicher.

Mitfühlender.

„Sie konnte es genauso wenig ertragen, wenn Menschen sie anlogen.“

Sofort kehrte meine Wut zurück.

„Sie haben kein Recht, über sie zu sprechen, als hätten Sie sie gekannt.“

„Aber ich habe sie gekannt.“

Ich starrte ihn ungläubig an.

Wie konnte er meine Mutter gekannt haben?

Für einen Moment wusste ich nicht, was ich sagen sollte.

„Sie lügen.“

„Nein. Aber Sie vertrauen mir ohnehin nicht.“

„Ver... vertrauen? Die letzten vierundzwanzig Stunden meines Lebens waren völlig überwältigend, und Sie reden von Vertrauen?“

Philip drehte sich um und ging zum Fenster.

Draußen fiel noch immer leichter Regen.

„Sie hat lange vor dem Brand mit meinem Vater zusammengearbeitet.“

Ich sagte kein Wort.

Meine Mutter hatte die Familie Harrington nie erwähnt.

Schon gar nicht, dass sie geschäftlich mit ihnen zu tun gehabt hatte.

Es fühlte sich einfach falsch an.

„Warum erzählen Sie mir das erst jetzt?“

„Weil sich Menschen gegen Sie wenden, Melanie. Ich weiß nicht, wie ich es Ihnen sonst erklären soll. Und wenn ich Ihnen zu früh alles erzähle, werden Sie weglaufen.“

„Weglaufen?“

Ich lachte bitter.

„Glauben Sie mir, ich bin Ihnen da längst einen Schritt voraus.“

Philip hob amüsiert die Augenbrauen.

„Glauben Sie mir... Sie würden nicht weit kommen.“

Sein Tonfall brachte mich auf die Palme.

Am liebsten hätte ich ihm eine Ohrfeige verpasst.

Er wusste eindeutig Dinge, die ich nicht wusste.

Dieses Gefühl, völlig ahnungslos zu sein...

Ich hasste es.

Ich griff nach dem Ehevertrag, den ich zuvor auf die Arbeitsplatte geworfen hatte.

„Sie glauben wirklich, dass ich das unterschreiben werde?“

Ich hielt ihm das Papier direkt vor das Gesicht.

„Nein“, antwortete er ohne zu zögern.

„Aber ich weiß, dass Sie irgendwann erkennen werden, dass Sie es müssen.“

Bevor ich etwas erwidern konnte, hallte plötzlich ein lauter Knall von draußen durch das Gebäude.

Philip reagierte sofort.

Ich hingegen erstarrte vor Schreck.

Er bewegte sich als Erster.

Er packte mein Handgelenk und zog mich von den Fenstern weg, genau in dem Moment, als rote Lichtblitze durch die Wohnung zuckten.

Unten raste ein schwarzer SUV vorbei.

Diese Leute sahen nicht wie gewöhnliche Einbrecher aus.

Noch bevor ich den Gedanken zu Ende denken konnte, fielen Schüsse.

Das Fensterglas zersprang augenblicklich.

Menschen schrien.

Sie rannten panisch in Deckung.

Mein Herz blieb fast stehen.

Ich war noch nie in einer solchen Situation gewesen.

Philip ließ meinen Arm nicht los.

Im Gegenteil.

Er zog mich noch näher an sich.

„Bleiben Sie unten.“

Ich nickte.

Ich konnte nicht aufhören zu zittern.

Doch seine Stimme klang so ruhig...

so beruhigend.

Die Schreie wurden lauter und rissen mich erneut aus meinen Gedanken.

Ich ballte die Fäuste, um mich irgendwie zu beruhigen.

Plötzlich flog meine Wohnungstür auf.

Einer von Philips Sicherheitsleuten stürmte herein.

„Sir! Wir müssen Sie beide sofort in Sicherheit bringen!“

Philip widersprach kein einziges Mal.

Sein Schweigen machte mir mehr Angst als die Schüsse.

Denn wenn jemand wie Philip Harrington wirklich Angst hatte...

dann war das, was hier gerade geschah, weitaus schlimmer, als ich es mir jemals hätte vorstellen können.

„Warten Sie, ich muss noch etwas holen.“

Ich riss mich schnell von ihm los.

„Nein! Es ist zu gefährlich, Mel.“

„Ich kann es nicht zurücklassen. Gut, dann kommen Sie mit!“

Er nickte.

Wir bewegten uns schnell auf allen Vieren zu meinem Schreibtisch, während ich nach meinem Buch suchte.

Doch es war weg.

„W-Was... wie?“

Meine Stimme begann zu brechen.

„Was ist los?“

„Mein Buch. Das, das mein Vater mir gegeben hat... es ist weg!“

Die Schüsse hörten nicht auf.

Sie wurden immer lauter und alles wurde chaotischer.

„Mel, wir müssen jetzt gehen.“

Mir lief eine Träne über die Wange, aber ich wusste, dass ich nicht länger bleiben konnte.

Wir rannten hinter seiner Security her.

Wir erreichten einen sicheren Ort und warteten auf sein Auto.

Endlich sah er zu mir hinunter.

Sein Gesichtsausdruck veränderte sich.

Von Sorge...

zu völliger Leere.

„Verstehen Sie es jetzt?“

Ich wollte antworten, aber ich konnte es nicht richtig verarbeiten.

Meine Gedanken kreisten nur um das Buch.

War das der Grund, warum sie gekommen waren?

Etwas Beunruhigendes fügte sich plötzlich zusammen.

Ich begann darüber nachzudenken, was er zuvor gesagt hatte.

Vielleicht...

war er nicht die Gefahr, für die ich ihn gehalten hatte.

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