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Kapitel 8

Author: Blütenkranz
Als Clara die Augen wieder öffnete, zwang sie das grelle weiße Licht, unwillkürlich die Lider zusammenzukneifen.

Der Geruch von Desinfektionsmittel drang ihr in die Nase. An ihrem Ohr erklang das regelmäßige Piepen eines Herzmonitors.

„Sie sind wach?“

Der Arzt trat heran und prüfte ihre Pupillen.

„Drei Rippen sind gebrochen. Zum Glück wurden Sie rechtzeitig eingeliefert, sonst hätten Sie Ihr Leben verlieren können.“

Clara starrte benommen an die Decke.

In ihrem Kopf tauchte die letzte Szene vor dem Absturz des Aufzugs auf.

Alexander hatte ohne Zögern entschieden, Mara zu retten. Und als die verformte Aufzugtür auf Clara niederschlug, hatte er sich nicht einmal umgedreht.

Sie versuchte, sich zu bewegen. Sofort breitete sich ein heftiger Schmerz von ihrer Brust in den ganzen Körper aus.

Seltsam war nur, dass keine einzige Träne kam.

Vielleicht hatte der Schmerz einen solchen Höhepunkt erreicht, dass sogar ihr Herz taub geworden war.

Drei Tage später kam Alexander, um sie aus dem Krankenhaus abzuholen.

Er stand in tadellosem Anzug an der Tür des Krankenzimmers. Sein Blick fiel auf ihre bandagierte Brust. Lange schwieg er, bevor er sagte:

„Mara muss auch in Zukunft noch tanzen. Ich konnte nicht zulassen, dass ihrem Bein etwas zustößt.“

Clara hob langsam den Kopf und sah ihn an.

„Also musstest du eben zurückstehen.“

Sein Ton war ruhig, als spräche er über das Wetter.

„Du bist Hausfrau. Selbst wenn du dich nicht gut bewegen kannst, ist der Einfluss nicht groß.“

Clara sagte nichts.

Zum ersten Mal sah sie diesen Mann, den sie ein halbes Leben lang geliebt hatte, so klar.

Seine Brauen und Augen waren noch immer schön wie die einer Gottheit.

Doch in diesen Augen hatte es nie einen Schatten von ihr gegeben.

„Alexander Falkenberg.“ Ihre Stimme war heiser. „Wenn ich an jenem Tag gestorben wäre, hätte es dich gekümmert?“

Alexanders Brauen zogen sich noch fester zusammen. Er antwortete nicht.

Er zog eine schwarze Kreditkarte aus der Innentasche seines Anzugs und legte sie auf den Nachttisch.

„Stell keine sinnlosen Fragen. Das ist eine Entschädigung. Solange du dich anständig verhältst und die beiden Kinder großziehst, wirst du für immer Frau Falkenberg bleiben.“

Clara lachte plötzlich.

In ihrem früheren Leben hatte sie bis zu ihrem Tod den Titel „Frau Falkenberg“ getragen.

Und was hatte es ihr gebracht?

Die, die einsam gealtert war, war sie gewesen.

Die, die vergessen worden war, war sie gewesen.

Die, deren Körper schließlich von Flammen verschlungen worden war, war ebenfalls sie gewesen.

Deshalb verachtete sie es in diesem zweiten Leben, noch einmal seine Ehefrau zu sein.

Sie wollte besser leben, glänzender leben. Sie wollte Menschen haben, die sie wirklich liebten ...

Sie konnte es beinahe nicht mehr zurückhalten. Fast wäre ihr herausgerutscht, dass sie ihn nicht mehr wollte.

„Alexander Falkenberg, ich ...“

Das Klingeln seines Handys unterbrach sie plötzlich.

Alexander nahm ab, und Maras süße Stimme drang aus dem Hörer:

„Alexander, die Kinder und ich warten im Restaurant auf dich. Wir haben eine Überraschung!“

Sein Blick wurde augenblicklich weich.

„Ich komme sofort.“

Nachdem er aufgelegt hatte, warf Alexander einen Blick auf seine Uhr. Sein Ton wurde wieder kalt.

„Ich muss kurz weg. Der Fahrer wartet unten auf dich.“

Sein Rücken war gerade und hochgewachsen, als er sich zum Gehen wandte.

Claras Finger gruben sich unbewusst in ihre Handfläche. Am Ende sagte sie kein Wort, um ihn aufzuhalten.

Vergiss es.

Sehr bald würde er ohnehin von Mara erfahren, dass die Scheidungsvereinbarung wirksam geworden war.

Sie wollte ihn nicht mehr.

Und die beiden Kinder, die sie wie eine Fremde behandelten, wollte sie ebenfalls nicht mehr.

„Bitte lassen Sie mein Gepäck zum Flughafen bringen“, sagte Clara, nachdem sie die Klingel gedrückt hatte.

Eine Stunde später löschte sie alle Kontaktmöglichkeiten zu Alexander und ließ die schwarze Karte in der Schublade des Krankenzimmers zurück.

Als das Flugzeug abhob, waren die Wolken vor dem Kabinenfenster von der untergehenden Sonne in ein prächtiges Goldrot getaucht.

Clara sah in diesen leuchtenden Himmel hinaus, lächelte und schloss die Augen.

In diesem zweiten Leben würde sie sich für niemanden mehr selbst erniedrigen.

All die Tage, an denen sie aus Liebe demütig gewesen war, sollten mit diesem Flugzeug für immer jenseits der Wolken verschwinden.

Vor ihr wartete eine vollkommen neue Zukunft.

Eine Zukunft, die nur ihr allein gehörte.

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