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Kapitel 4: Die Scheidungspapiere

Author: Noona Aurora
last update publish date: 2026-09-06 13:38:37

Sienna sah Damian an, der mit leicht beschleunigtem Atem auf der Türschwelle stand.

Die Spannung erfüllte augenblicklich den kleinen Raum. Sienna versuchte nicht einmal, die Dokumente auf dem Tisch oder den Karton darunter zu verstecken. Sie legte das Buch, das sie in den Händen hielt, langsam ab und richtete sich auf, um ihrem Ehemann entgegenzutreten.

„Ich tue das nicht hinter deinem Rücken, Damian“, sagte Sienna, während ihre Stimme in einem gleichbleibend ruhigen, sachlichen Ton verharrte. „Morgen ist der letzte Tag unseres Vertrags. Ich bereite nur das vor, was wir vor einem Jahr schriftlich vereinbart haben.“

Damian trat näher und überbrückte den Abstand zwischen ihnen, bis er die Spuren der Erschöpfung, aber auch die unumstößliche Entschlossenheit in Siennas Gesicht deutlich erkennen konnte.

„Unsere Vereinbarung sah vor, dass wir uns im Guten trennen, sobald jeder seine Ziele erreicht hat“, sagte Damian mit tiefer, scharfer Stimme. „Aber dein Verhalten in den letzten Tagen erweckt den Eindruck, als wäre ich hier der Bösewicht. Du ziehst dich im Haus zurück, ignorierst meine Familie und bereitest nun diese Dokumente vor, noch bevor wir uns überhaupt zusammengesetzt haben, um mit meinem Anwalt darüber zu sprechen!“

Sienna ließ ein leises Lachen vernehmen – ein Lachen, das in Damians Ohren überaus bitter klang.

„Zusammensetzen? Mit deinem Anwalt?“, sah Sienna Damian mutig in die Augen. „Wozu, Damian? Damit dein Anwalt eine neue Klausel aufsetzen kann, die sicherstellt, dass ich nicht einen einzigen Cent aus dem Vermögen der Familie Blackwell fordere?“ Siennas Blick wurde für einen Moment schärfer, ehe sie weitersprach. „Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Sieh dir das an.“

Sienna nahm die Mappe vom Tisch und hielt sie Damian entgegen.

„Ich habe bereits unterschrieben. Darin steht klipp und klar, dass ich auf sämtliche Ansprüche auf nachehelichen Unterhalt verzichte. Ich verlange keinen einzigen Quadratmeter Land der Blackwells und ich ziehe keinen Cent Nutzen aus dem Einkaufszentrum-Projekt, das du dank meiner Mithilfe bei den Unterlagen zur Vermögenskooperation gewonnen hast. Ich gehe mit genau dem, was ich mitgebracht habe, als ich zum ersten Mal hierherkam.“

Damian starrte auf die Blätter. Siennas Unterschrift stand dort, sauber und bestimmt.

Die Tinzenspuren verrieten keinerlei Zögern. Bei diesem Anblick traf Damian plötzlich eine merkwürdige Leere mitten in die Brust. Der Mann, der gewohnt war, am Verhandlungstisch alles zu kontrollieren, spürte nun, wie ihm diese Kontrolle vollkommen entglitt.

„Warum hast du es auf einmal so eilig?“, fragte Damian, und seine Stimme wurde unwillkürlich sanfter, während sich eine verborgene Unruhe darin widerspiegelte. „Das Haus deiner Mutter ist wieder in deinem Besitz. Was die Position deiner Stiftung angeht … wenn du willst, kann ich mit Mutter reden, damit sie wieder in die Wohltätigkeitsgala aufgenommen wird.“

„Nicht nötig“, unterbrach Sienna ihn rasch. „Deine Mutter hat recht, Damian. Ich passe einfach nicht in euren Kreis. Und ich bin es leid, so zu tun, als würden mir Schuhe passen, die viel zu klein sind, nur um nach außen hin elegant zu wirken, während meine Füße bluten, wenn ich vor den Medien auftrete. Meine Aufgabe als Vorzeige-Ehefrau ist erfüllt. Mein Vertrag läuft morgen Früh um Punkt acht Uhr ab.“

Damian blickte auf den Karton auf dem Boden.

Darin lagen lediglich einige alte Bücher, die Perlenkette ihrer verstorbenen Mutter und ein paar einfache Kleidungsstücke, die Sienna vor ihrer Hochzeit mit ihm gekauft hatte.

All die luxuriösen Kleider und der Diamantschmuck, den er ihr einst für formelle Anlässe gekauft hatte, lagen weiterhin ordentlich im Schrank des Hauptschlafzimmers. Sienna hatte nichts davon angerührt.

„Glaubst du etwa, es wird leicht sein, unter den Umständen deiner Familie wieder bei null anzufangen?“, versuchte Damian erneut seine Geschäftslogik einzusetzen, um Sienna umzustimmen – in der Hoffnung, sein Ego und seinen Widerwillen zu verbergen. „Dein Vater und deine Stiefmutter werden dich nicht in Ruhe lassen, sobald sie wissen, dass du nicht mehr von der Blackwell Group unterstützt wirst. Zoe wird diese Gelegenheit garantiert nutzen, um dich wieder demütigen zu wollen.“

Sienna lächelte, diesmal mit einem Lächeln voller neu erwachtem Selbstbewusstsein. „Ich weiß. Es wird schwer werden, mich ihnen zu stellen. Aber zumindest kämpfe ich dort für mich selbst – und nicht mehr als Schutzschild für das Ansehen eines Mannes, der sich nicht einmal umgedreht hat, als seine Familie meine Würde mit Füßen getreten hat.“

Diese Worte trafen Damian wie ein Schlag ins Gesicht. Die Erinnerung an den Ballabend ging ihm erneut durch den Kopf. Wie Sienna ihn aus der Ecke des Saales heraus um Hilfe gebeten hatte – und er sich lieber abgewandt hatte, um einen Minister zu begrüßen.

Damian schwieg, ihm fehlten schlagartig die Worte. Der ehrgeizige Mann fand nicht ein einziges logisches Argument mehr, um Siennas Worten etwas entgegenzusetzen.

Sienna beugte sich wieder hinab, nahm das letzte Buch und legte es in den Karton. „Es ist spät, Damian. Geh bitte schlafen. Morgen ist ein großer Tag für die Blackwell Group – und ein neuer Tag für mich.“

Damian stand noch einige Augenblicke wie angewurzelt mitten in dem stillen Raum, ehe er sich schließlich umdrehte und den Raum verließ, während ein Gefühlswirrwarr seine Brust verbrannte.

Er redete sich immer noch ein, dass dies nur eine Frage der „Gewohnheit“ sei. Er war es schlichtweg gewohnt, gut umsorgt zu werden, mehr nicht.

Morgen, wenn diese Frau erst einmal weg war, würde ganz sicher wieder Normalität einkehren. So dachte er in seiner tiefen Verleugnung.

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