LOGINKAPITEL 4: DIE RETTUNG.
KAELAN: Meine Krieger und ich waren auf einer unserer regelmäßigen Patrouillen an den Grenzen unterwegs, als mir an einem Abend der Geruch von Blut in die Nase stieg. Der faulige Gestank der Schurken war stark und unverkennbar, aber da war noch etwas anderes. Etwas Schwaches, aber Vertrautes. „Bleibt konzentriert und wachsam“, befahl ich meinen Kriegern, während wir der Spur folgten. Sobald wir um die Ecke in die Gasse einbogen, ließ der Anblick vor mir mein Blut kochen. Da waren drei Schurken, die eine einsame Wölfin angriffen – eine Frau. „Genug!“, knurrte ich, und meine Alpha-Aura wälzte sich wie eine Welle über sie. Die Schurken erstarrten und ihre Augen weiteten sich, als sie sich umdrehten, um mir ins Gesicht zu blicken. Meine Krieger flankierten mich mit einem tiefen, bedrohlichen Knurren. „Alpha“, stammelte einer der Schurken, während er anfing zurückzuweichen. „Verschwindet aus meinem Territorium“, befahl ich mit kalter und drohender Stimme. „Jetzt.“ Sie mussten es sich nicht zweimal sagen lassen. Die Schurken ergriffen die Flucht, den Schwanz eingezogen. Meine Krieger wollten den Feiglingen eine Lektion erteilen, aber ich hielt sie zurück. Ein Kampf vor den Augen des Mädchens könnte sie noch mehr ängstigen. Außerdem musste sie sofort in die Klinik gebracht werden. Ich richtete meine Aufmerksamkeit auf die Frau. Sie war auf dem Boden zusammengerollt, ihre Atmung flach. Ihr Geruch traf mich erneut, wilde Blumen und regengetränkte Erde. Der Geruch war dieses Mal stärker, und meine Wölfin drängte nach vorn. Gefährtin. Ich ging neben ihr in die Hocke und warf einen gründlichen Blick auf sie. „Geht es dir gut?“ Sie nickte schwach und sah mir in die Augen. Sie war wahrscheinlich eine starke Frau, um dem Angriff der Schurken standhalten zu können, aber in diesem Moment wirkte sie so verletzlich, dass ich spürte, wie etwas an meinem Herzen zog. Ich strich ihr vorsichtig das Haar aus dem Gesicht. Sie war verletzt, ihre Kleidung zerfetzt, aber als sie zu mir aufblickte, konnte ich Trotz in ihren Augen sehen. „Wer bist du?“, flüsterte sie mit heiserer Stimme. — EVERLY: Ich sah den Mann vor mir an und fragte mich, wo er wohl hergekommen war. Er war wahrscheinlich ein Botenjunge der Mondgöttin, da er Macht auszustrahlen schien und seine bernsteinfarbenen Augen mich durchdringend musterten. Er glich niemandem, den ich je zuvor gesehen hatte – groß, breit gebaut, mit einer Aura, die Respekt gebot. „Ich bin Kaelan“, sagte er mit sanfterer Stimme als zuvor. „Alpha des Crescent-Moon-Rudels. Und du?“ „Ich bin Everly“, sagte ich leise und zuckte zusammen, als ich versuchte, mich aufzurichten. „Bewege dich noch nicht“, sagte er, seine Stimme fest, aber nicht unfreundlich. „Du bist verletzt.“ Ich schüttelte den Kopf. „Mir wird es gut gehen.“ Seine Stirn legte sich in Falten, und für einen Moment wirkte er besorgt um mich. „Diese Schurken haben dich angegriffen, und du hättest dich fast umgebracht. Warum bist du hier draußen allein?“ Die Frage traf mich härter als erwartet. „Ich… ich gehöre zu keinem Rudel mehr.“ Ich sah zu, wie sich sein Gesichtsausdruck verdüsterte und so etwas wie Wut in seinen Augen aufblitzte. „Was ist passiert?“ Ich öffnete den Mund, als wollte ich meine Lebensgeschichte erzählen, aber kein Wort kam heraus. Ich senkte meine Wimpern und kämpfte gegen eine Flut von Tränen an, die überzulaufen drohte. Er musterte mich einen Moment lang. „Sie haben dich verstoßen?“, fragte er, als keine Antwort von mir kam. „Ich bin gegangen“, korrigierte ich, meine Stimme kaum lauter als ein Flüstern. „Es ist… eine lange Geschichte.“ Er schien sich meine Situation vorzustellen, als sein Blick weicher wurde. „Nun, du bleibst hier keine Minute länger. Komm mit.“ Ich blinzelte, völlig überrascht. „Was?“ „Du kannst nicht in dieser Gasse bleiben“, sagte er einfach. „Es ist zu gefährlich für dich. Komm schon, mein Rudel wird dich aufnehmen.“ Ich zögerte einen Moment lang. Es fiel mir heutzutage schwer, Menschen zu vertrauen, besonders nach allem, was ich durchgemacht hatte. „Warum solltest du das tun? Du kennst mich nicht einmal.“ Er beugte sich näher, sein Blick heftete sich auf den meinen. „Nun, niemand verdient es, so zu leben. Und ich glaube, die Mondgöttin hat mich aus einem bestimmten Grund hierhergeschickt.“ Seine beruhigenden Worte rührten tief in meinem Herzen etwas an, und ich spürte einen Funken Hoffnung, den ich seit Monaten nicht mehr gefühlt hatte. Aber ich erinnerte mich selbst daran, dass Hoffnung gefährlich war. Sie machte einen angreifbar. „Ich brauche dein Mitleid nicht“, sagte ich mit festerer Stimme, als ich mich fühlte. Er lächelte, ein kleines, fast trauriges Lächeln. „Gut. Denn ich habe kein Mitleid mit dir, Everly. Ich biete dir die Chance, all das wieder aufzubauen, was dein früheres Rudel dir genommen hat.“ Nun, eine Chance war genau das, was ich jetzt brauchte. Aber ich wusste nicht, ob ich bereit war, ihm zu vertrauen. Doch nach dem Stand der Dinge im Moment: Habe ich überhaupt eine Wahl? Wenn er nicht rechtzeitig eingegriffen hätte, wäre ich jetzt wahrscheinlich tot. Ich nickte langsam, meine Stimme klang nun sanfter. „Okay. Ich komme mit dir.“ KAELAN: Ich war erleichtert, als sie einwilligte, mit mir zu kommen. Es lag ein Feuer in ihr, selbst in ihrem gebrochenen Zustand, das nach meiner Wölfin rief. Ich nahm ihre Hand und half ihr auf die Beine, stützte ihr Gewicht, während wir zum Patrouillenteam zurückgingen. Sie lehnte sich an mich, ihre Schritte waren wackelig, aber entschlossen. Als wir die anderen erreichten, hob mein Beta Duncan eine Augenbraue. „Wer ist das?“ „Ihr Name ist Everly“, sagte ich schlicht, und mein Ton ließ keinen Raum für Fragen. „Sie kommt mit uns.“ Duncan nickte, aber ich konnte die Neugier immer noch in seinen Augen sehen. Auf dem Weg zurück in das Territorium des Crescent-Moon-Rudels konnte ich nicht anders, als Everly ab und zu anzusehen. Sie war still, ihr Blick nach vorne gerichtet, aber sie besaß eine Stärke, die ich nicht ignorieren konnte. Welche Umstände sie auch immer in diese Gasse geführt hatten, was auch immer sie so vernarbt und allein zurückgelassen hatte – ich würde dafür sorgen, dass sie sich nie wieder so fühlen musste. Die Mondgöttin machte keine Fehler. Und ich hatte das Gefühl, dass sie sich endlich an mich erinnert hatte.KAPITEL 40: WUNDERWIRKERINKAELAN:Als wir zurück zum Rudel fuhren, fühlte ich mich friedlich, weil ich wusste, dass meine Gefährtin glücklich war. Everly saß neben mir und legte ihre Hand leicht auf meine. Der Abend war genau das gewesen, was wir gebraucht hatten: Zeit zum Entspannen nach dem Chaos der letzten Tage.Als wir uns dem Rudelgelände näherten, sah ich Feuerwerk und hörte Lachen und Musik. Die Tore standen weit offen, und Dutzende Rudelmitglieder hatten sich versammelt, sangen und tanzten.„Was ist da los?“, fragte Everly mit verwirrt gerunzelter Stirn.„Ich weiß es nicht“, gab ich zu und brachte den Wagen zum Stehen. „Bleib dicht bei mir.“Sobald wir aus dem Auto gestiegen waren, begann die Menge zu jubeln. Rudelmitglieder eilten auf uns zu und verneigten sich tief. Ihre Gesichter waren voller Ehrfurcht und Dankbarkeit.„Alpha! Luna!“, rief einer der Krieger freudig. „Ihr seid zurück!“Everly warf mir einen neugierigen Blick zu. „Haben wir etwas verpasst?“Bevor ich antwor
KAPITEL 39: ZURÜCK INS LEBENEVERLY:Die gefallenen Krieger wurden in einem Tempel mitten im Verbotenen Wald aufgebahrt. Ich wollte versuchen, sie mit meinen Kräften ins Leben zurückzuholen.Ich stand vor dem Körper des ersten gefallenen Kriegers und streckte die Hände aus. Sie glühten und strahlten mächtige Energie aus. Meine Augen waren fest geschlossen, während ich mich bewegte.Kurze Zeit später zeichnete ich einen großen Kreis aus einer Mischung von Wolfsblut und Asche. Der Körper eines der gefallenen Krieger wurde in die Mitte des Kreises gelegt.Ich kniete neben dem Kreis nieder, meine Hände zitterten, als ich einen zeremoniellen Dolch umklammerte. Mein Herz schlug dreimal so schnell, aber jetzt konnte ich nicht mehr zurück. Ich schloss die Augen und begann, in einer uralten Sprache zu singen, einer Sprache, die ich nicht einmal kannte.Als meine Stimme lauter wurde, nahm auch die Energie um mich herum zu. Der Wind heulte durch die Bäume, und mein Körper bebte heftig.Ich drück
KAPITEL 38: WO IST SIE?KAELAN:Everlys Geruchsspur war schwach, aber ich war mir sicher: wilde Blumen und regennasse Erde. Es war einzigartig ihr Duft.Meine Krieger und ich hatten Everlys Entführern durch den dichten Wald nachgespürt. Mein Wolf war nervös, lief auf und ab und knurrte, verzweifelt darauf aus, sich zu befreien und meine Gefährtin zu finden.Viktor.Ich hätte es wissen müssen. Der arrogante Narr war mir immer ein Dorn im Auge gewesen, und jetzt war er zu weit gegangen.Wir erreichten den Rand seines Territoriums, und ich gab meinen Kriegern ein Zeichen, anzuhalten. Dies war ein Kampf, den ich mir nicht leisten konnte zu verlieren, und ein unüberlegter Angriff würde Everly nur noch mehr in Gefahr bringen.„Verteilt euch“, befahl ich. „Umstellt das Gelände. Niemand darf das Rudel ohne meine Erlaubnis verlassen oder betreten.“Ich eilte vor und verwandelte mich nahtlos in meine Wolfsgestalt. Meine Sinne schärften sich, und der schwache Geruch von Everly traf mich erneut.
KAPITEL 37: DU HÄTTEST DIEJENIGE SEIN SOLLEN, DIE TOT ISTEVERLY:Ich erstarrte mitten im Schritt, als ich ihn sah.Viktor.Er stand grinsend vor mir. „Ich wusste, dass du dumm genug sein würdest, hier herauszukommen“, sagte er, und seine Stimme triefte vor Hohn. „Ich habe auf diesen Moment gewartet.“Mein Herz hämmerte, während ich überlegte, wie ich mich am besten verteidigen konnte. Seine Männer packten mich, aber ich zwang mich, ruhig zu bleiben. Ich musste einen Fluchtweg finden. Und wenn mir das nicht gelang, würde Kaelan mich holen kommen.—Der kalte Steinboden fraß sich in meine Haut, und der Geruch feuchter Erde stieg mir in die Nase. Ich sah mich um, hatte aber keine Ahnung, wo ich war. Meine Hände waren hinter meinem Rücken gefesselt, und die Seile gruben sich in meine Handgelenke, aber der Schmerz in meiner Brust war weitaus schlimmer.Ich hatte Kaelan im Stich gelassen.Sie hatten mich weggeschleift wie eine hilflose Beute. Aber ich war nicht hilflos. Ich war Kaelans beg
KAPITEL 36: HALLO, LUNAEVERLY:Wir kehrten nach der Ratssitzung in Kaelans Zimmer zurück, als ich plötzlich stehen blieb und mich zu ihm umdrehte.Kaelans Schultern waren noch immer steif, und seine Hände waren zu Fäusten geballt, obwohl ich versucht hatte, ihn zu besänftigen.Er hatte zehn Krieger verloren, und die Last des Angriffs setzte ihm bestimmt schwer zu.Ich sah in sein besorgtes Gesicht. „Kaelan, ich habe eine Idee.“Er erwiderte meinen Blick, und seine durchdringenden Augen hielten meine fest. „Was denn?“„Ich werde mich selbst als Köder benutzen, um sie aus der Deckung zu locken.“Zuerst starrte er mich eine Weile nur an, bevor meine Worte wie ein Stein sackten. Dann verfinsterte sich seine Miene, und sein Kiefer spannte sich an. „Auf keinen Fall.“„Kaelan …“„Nein, Everly!“ Seine Stimme war scharf und voller Autorität. „Ich erlaube es nicht. Hast du mich verstanden?“Ich holte tief Luft, denn ich wollte mich nicht so leicht abweisen lassen. „Hör mir zu. Du hast Jonas da
KAPITEL 35: WIE KONNTE DAS PASSIEREN?KAELAN:Ich schlief tief, Everly in meinen Armen. Die Nacht war kurz, und ich wünschte, sie hätte länger gedauert. Doch da hörte ich das Geräusch von hektischem Geschrei draußen. Ich schoss im Bett hoch und lauschte angestrengt.Es war eine so glückselige Nacht mit Everly gewesen, und ich hatte nicht vorgehabt, so früh aufzuwachen.Der Schlafdunst verschwand aus meinen Augen und wich einer wachen Aufmerksamkeit. Everly regte sich neben mir und öffnete die Augen. Ich sah, wie sie die Stirn runzelte, während der Lärm draußen lauter wurde.„Kaelan“, murmelte sie mit schlaftrunkener Stimme, „was ist los?“Ich schwang die Beine aus dem Bett und griff nach einer Hose von dem Stuhl in der Nähe. „Ich weiß es nicht, aber ich werde es herausfinden.“Sie setzte sich auf und wickelte sich das Laken um den Körper. „Ich komme mit.“Ich wandte mich ihr zu und biss die Zähne zusammen. „Nein, bleib hier. Ich kümmere mich darum.“Sie sah mich entschlossen an. „Ich







