LOGINLyra Vales Welt zerbrach in nur einer Nacht. Ihr Vater wurde in Blut gefunden, während sie zusehen musste, wie ihre Mutter von feralen Rogues angegriffen wurde. Ihr Leben brach im selben Moment zusammen, und der einzige Zufluchtsort, der ihr blieb, war der letzte Ort, an dem sie hingehörte … in den Armen von Alpha Kael Draven. In dem Augenblick, als er sie sah, schnappte die Bindung zu. „Gefährtin.“ Doch anstatt sie zu beanspruchen, stieß er sie zurück, weil er glaubte, sie sei wolflos. Gefangen in einem Territorium, in dem sie unerwünscht und ungeschützt war, wurde Lyra zum Zentrum von etwas weit Gefährlicherem als einer Zurückweisung. Als Feinde näher rückten und Geheimnisse sich enthüllten, entdeckte Amara die Wahrheit: Sie war nie schwach gewesen. Sie war nie wolflos gewesen. Und der Alpha, der sie beiseitegeschoben hatte, hatte möglicherweise gerade die mächtigste Luna abgelehnt, die es gibt.
View MoreLyra
Ein durchdringender Schrei riss mich aus dem Schlaf. Meine Augen flogen auf, als der Laut durch die Wände des Resorts hallte – roh, scharf und erfüllt von unerträglicher Qual. Einen Moment lang lag ich regungslos im Bett, mein Herz hämmerte heftig gegen meine Brust. Was ging hier vor? Ich sprang sofort aus dem Bett und band mit zitternden Fingern den Gürtel meines Bademantels zu. Wurde das Resort angegriffen? Nein. Das ergab keinen Sinn. Niemand würde es wagen, das Resort meines Vaters anzugreifen. Das gesamte Territorium war schwer bewacht von Wölfen, die ihm treu ergeben waren. Die Sicherheit patrouillierte Tag und Nacht jeden Abschnitt des Geländes. Wir lagen isoliert tief in den Bergen, weit entfernt von den meisten Rudeln und verborgen vor den Menschen. Was also konnte… Meine Schlafzimmertür flog so heftig auf, dass sie gegen die Wand krachte. Ich keuchte und stolperte rückwärts. „Mutter?!“ Für genau eine Sekunde fühlte ich Erleichterung, bevor die Angst sie vollständig verdrängte. Meine Mutter sah verängstigt aus. Ich hatte sie noch nie so gesehen. Ihr sonst so beherrschter Ausdruck war vollständig zerbrochen. Ihr dunkles Haar war zerzaust und löste sich teilweise aus dem Zopf, und Blut klebte an dem Ärmel ihres Kleides. Hinter ihr standen zwei Wachen mit Waffen in den Händen, ihre Gesichter bleich vor Panik. „Mutter, was ist los?“ Sie stürzte so schnell auf mich zu, dass ich kaum Zeit hatte zu reagieren, bevor sie mein Handgelenk fest umklammerte. „Wir müssen das Resort sofort verlassen.“ Was? Das Resort verlassen? Das war mein Zuhause. Ich hatte fast mein ganzes Leben hier verbracht. Das Resort war nicht einfach irgendein vorübergehender Aufenthaltsort – es war alles, was ich kannte. Mein Vater hatte diesen Ort lange vor meiner Geburt erbaut. Jeder Flur, jedes Zimmer, jede versteckte Ecke der umliegenden Berge trug Teile meiner Kindheit in sich. Ich reiste selten überhaupt außerhalb des Resortgeländes. Und wenn doch, dann nur, weil ich endlos gebettelt hatte, bis Vater endlich nachgab – aber nie ohne Wachen, die mich die ganze Zeit umgaben. „Mutter, was passiert hier?“ Doch sie antwortete mir nicht. Stattdessen zog sie mich zur Tür. In dem Moment, als ich den Flur betrat, erstarb die Frage in meiner Kehle. Ein Körper lag auf dem Boden… oder das, was von ihm übrig war. Die Gliedmaßen waren brutal auseinandergerissen, Fleischstücke lagen über den blutgetränkten Flur verstreut. Ein Arm lag mehrere Meter entfernt verdreht, während tiefe Krallenwunden seine Brust aufgerissen hatten. Blut bedeckte die Wände und sammelte sich unter ihm, doch es war sein Gesicht, das mich völlig zerstörte. Seine Augen fehlten… herausgerissen. Die leeren Höhlen starrten so schrecklich nach oben, dass sich mein Magen heftig umdrehte. Ein Schrei entriss sich meiner Kehle. Mutter preßte ihre Hand fest über meinen Mund, bevor der Laut vollständig entweichen konnte. „Leise!“ flüsterte sie scharf. Ich konnte nicht atmen. Mein ganzer Körper begann heftig zu zittern, während sie mich von der grauenhaften Szene wegzog. Wer oder vielmehr *was* hätte jemanden auf so entsetzliche Weise zerfleischen können? Das Einzige, was mir in den Sinn kam, waren… ferale Rogues. Nein… Nein, nein, nein. Nicht hier. Seit meiner Kindheit wusste ich von Rogues. Ich war eine. Meine Eltern waren ebenfalls Rogues gewesen. Obwohl sie selten über das Rudel sprachen, dem sie einst angehört hatten, wusste ich, dass sie vor Jahren aufgebrochen waren, um hier im Resort ein anderes Leben aufzubauen. Ich hatte sie nie besonders danach gefragt, weil ich immer glaubte, sie hätten ihre Gründe. Vielleicht waren sie verraten worden. Vielleicht wollten sie Freiheit. Vielleicht suchten sie einfach Frieden, fern von der Rudelpolitik. Was auch immer der Grund gewesen war – sie hatten hier ein sicheres Leben für uns geschaffen. Doch ferale Rogues waren anders. Sie waren nicht einfach Wölfe, die sich entschieden hatten, außerhalb eines Rudels zu leben. Sie waren Monster. Korrumpierte Wölfe, deren menschlicher Verstand vollständig von ihrem Wolfsgeist verschlungen worden war. Wölfe, die vom Blutrausch und vom Tod in den Wahnsinn getrieben wurden, bis nichts Menschliches mehr in ihnen übrig war. Als Kind hatte ich Geschichten über sie gehört, die die Diener spät in der Nacht flüsterten. Ferale Rogues töten aus Lust. Sie reißen Menschen auseinander. Sie hören nicht auf. Ich hatte gedacht, es seien übertriebene Schauermärchen, um Kinder zum Gehorsam zu bewegen. Jetzt wusste ich, dass sie real waren. Ein weiteres Heulen hallte durch das Resort. Diesmal näher. Ich stolperte beinahe. Ich bemerkte erst, dass Tränen über mein Gesicht liefen, als meine Mutter mich erneut vorwärts zog. „Weiterlaufen“, flüsterte sie eindringlich. Ich zwang meine Beine, sich zu bewegen, obwohl sie schwach unter mir wirkten. Die beiden Wachen folgten dicht hinter uns, während wir durch die Flure eilten. Überall, wohin ich blickte, gab es Anzeichen von Zerstörung. Blut smeerte an den Wänden, zerbrochenes Glas bedeckte den Boden, der Geruch von Blut war so stark, dass mir übel wurde. Irgendwo in der Nähe schrie jemand vor Qual auf, bevor es plötzlich still wurde. Ich zuckte so heftig zusammen, dass ich fast stürzte. Mutter stieß ein verstecktes Paneel hinter einem der Wandteppiche auf, und dahinter offenbarte sich ein enger Steingang. Mein Vater hatte mir einmal erzählt, dass es ein Notausweg sei. Ich hätte nie gedacht, dass wir ihn tatsächlich benutzen würden. Wir eilten in den Gang, und die versteckte Tür schloss sich hinter uns. Der Tunnel war kalt und feucht, nur von schwachen Fackeln an den Wänden erhellt. Mein Atem hallte laut um mich herum, während wir vorwärts stürzten. Über uns vibrierten dumpfe Krachen und Knurren durch den Stein. Ich weiß nicht, wie lange wir durch den Tunnel rannten. Minuten fühlten sich wie Stunden an, doch Mutter verlangsamte nie. Schließlich erreichten wir eine Öffnung am Ende des Gangs. Kalte Nachtluft traf sofort auf mein Gesicht. Ein schwarzes Fahrzeug wartete bereits auf der Lichtung hinter den Bäumen, und Samuel stand alarmiert daneben. Samuel hatte jahrelang für Vater gearbeitet. Er hatte mir beigebracht zu fahren, als ich jünger war, und schmuggelte mir immer extra Desserts, wenn Vater nicht hinsah. „Lyra“, sagte er hastig, als wir näher kamen. Mutter drehte sich zu mir und packte beide meiner Hände fest. „Du musst jetzt mit Samuel gehen.“ Ich blinzelte sie an. „Was?“ „Er bringt dich zum Stormfang-Rudel. Der Alpha dort wird dich beschützen.“ „Und was ist mit dir?“ fragte ich sofort. „Was ist mit Vater? Wo ist er?“ In dem Moment, als ich fragte, brach etwas in Mutters Ausdruck. Ihre Augen füllten sich sofort mit Tränen, die sie verzweifelt zurückhielt. „Dein Vater ist tot.“ Alles in mir zerbrach so heftig, dass ich rückwärts taumelte. Tot? Nein. Das war unmöglich. Mein Vater konnte nicht sterben. Er war der stärkste Wolf, den ich kannte. Nichts konnte ihn töten. Tränen verschleierten augenblicklich meine Sicht. Ich konnte nicht atmen. Es fühlte sich an, als hätte jemand mir das Herz aus der Brust gerissen. Mutter packte mein Gesicht fest und zwang mich, sie anzusehen. „Lyra, hör mir zu! Du musst stark bleiben. Verstehst du mich?“ Ich konnte nicht denken. Konnte nichts verarbeiten. Mein Vater war tot. „Du darfst dich nicht von der Angst beherrschen lassen“, fuhr sie eindringlich fort. „Erinnere dich an alles, was dein Vater und ich dir beigebracht haben. Erinnere dich an dein Training.“ Training. Kämpfen. Überleben. All die Lektionen, die Vater mir aufgezwungen hatte, auch wenn ich endlos geklagt hatte. Gebrochene Schluchzer entrangen sich meinen Lippen, während ich schwach nickte. Mutter griff in ihre Tasche und zog einen versiegelten Brief hervor. „Gib das Alpha Kael Draven vom Stormfang-Rudel“, sagte sie und drückte ihn in meine zitternden Hände. „Verlier ihn nicht.“ Ich starrte auf das unbekannte Siegel auf dem Umschlag. Meine Hände zitterten so heftig, dass ich ihn beinahe fallen ließ. Dann nahm Mutter rasch das silberne Amulett von ihrem Hals. Sie hatte diese Halskette nie abgenommen. Niemals. Ohne Zögern legte sie sie mir um den Hals. „Mutter…“ „Bewahre es gut auf“, flüsterte sie. Plötzlich hallten Knurren über die Lichtung. Der Laut ließ mein Blut erstarren. Die beiden Wachen traten schützend vor uns, während Mutter meinen Arm packte. „Steig ins Auto. Sofort.“ „Nein, Mutter!“ Ich klammerte mich fest an sie. „Komm mit mir! Ich kann dich nicht auch noch verlieren!“ „Es bleibt keine Zeit.“ Ein weiteres Knurren zerriss die Luft, dann traten sie aus dem Wald. Zwei riesige ferale Rogues traten auf die Lichtung, und jede Spur von Wärme wich augenblicklich aus meinem Körper. Sie waren entsetzlich. Ihr Fell war mit Blut verklebt, ihre Augen glühten von etwas Leerem und Monströsem. Es war keine Menschlichkeit in ihnen… nur Tod und Hunger. Ich konnte mich nicht bewegen. Die beiden Wachen verwandelten sich sofort in ihre Wölfe und stürzten sich auf die Feralen. Doch selbst ich konnte den Unterschied sehen. Die feralen Rogues waren viel größer, viel stärker. Der Zusammenprall zwischen ihnen war brutal. „GEH!“ schrie Mutter. Bevor ich reagieren konnte, stieß sie mich mit aller Kraft zum Auto. Ich stolperte auf den Rücksitz, und die Tür knallte hinter mir zu. „Fahr jetzt!“ schrie Mutter Samuel zu. Die Zentralverriegelung klickte sofort. „Nein!“ schrie ich und warf mich gegen die Tür. „Mutter!“ Das Auto schoss vorwärts. Ich hämmerte verzweifelt gegen das Fenster, während Tränen unkontrolliert über mein Gesicht liefen. „Halt an!“ schrie ich hysterisch. „Samuel, bitte halt an! Wir können sie nicht zurücklassen!“ Doch Samuel fuhr weiter. Mutter stand auf der Lichtung und sah uns nach, dann sah ich, wie eine Träne ihr Gesicht hinunterlief. Ich kratzte frenetisch am Türgriff, versuchte ihn aufzuzwingen, doch er bewegte sich nicht. Ich blickte verzweifelt durch die Heckscheibe, und meine ganze Welt zerbrach. Einer der Wachen war bereits tot. Sein Wolf lag zerrissen auf dem Boden. Dann hob einer der feralen Rogues den Kopf, seine glühenden Augen fixierten meine Mutter. „Nein…“ flüsterte ich schwach. Das Biest sprang, und in absoluter Entsetzung sah ich zu, wie es meiner Mutter auf den Rücken sprang. „NEIN!!!!!!!!!!“MayaDas Geräusch der sich öffnenden Tür riss mich aus meinen ruhelosen Gedanken.Isabella trat in den Raum, schloss leise die Tür hinter sich und drehte sich dann zu mir um.„Sie… haben nach mir geschickt, Luna?“Ihre Stimme war ruhig und respektvoll, aber ich konnte die leichte Unsicherheit darunter hören.Einen kurzen Moment lang sah ich sie einfach an.Ein Kloß bildete sich in meiner Kehle.Egal, wie sehr ich es versuchte… jedes einzelne Mal, wenn ich sie sah, drängte sich dieses Bild von ihr und Alaric zusammen im Bett in meinen Kopf.Ich schloss für eine kurze Sekunde die Augen und versuchte hart, es zu vergessen und diesen Anblick aus meinem Geist zu tilgen.Über eine Woche lang hatte ich Isabella verboten, vor mir zu erscheinen, weil ich es nicht ertragen konnte, sie anzusehen, ohne mich an diese Nacht zu erinnern.Während dieser langen Tage allein hatte ich das Gespräch zwischen Alaric
KaelDas Geräusch der sich öffnenden Tür lenkte meine Aufmerksamkeit von der E-Mail ab, die ich auf meinem Handy durchging.Ich hob sofort den Kopf, und Lyra kam herein.Ihr Haar war leicht feucht, mit ein paar Strähnen, die lose um ihr Gesicht fielen. Ihre Augen trafen kurz die meinen, aber statt der üblichen Wärme, die ich so gewohnt war, lag etwas Fernes in ihnen.Dann sah sie weg.Ohne etwas zu sagen, ging sie in Richtung Badezimmer und wollte direkt an mir vorbeilaufen.Meine Brauen zogen sich zusammen.„Wo warst du?“Sie blieb stehen. Ihre Hand war bereits auf dem Weg zur Badezimmertür, als meine Stimme sie innehalten ließ.Ich richtete mich auf dem Bett auf.„Und warum bist du plötzlich so aus der Krankenstation gegangen?“Langsam drehte sie sich um und sah mich mit hochgezogener Braue an.„Oh, also hast du bemerkt, dass ich weg war?“Ich starrte sie an. Der To
Lyra„Autsch!“Der schmerzhafte Aufschrei riss mich aus meiner Wut.Meine Augen weiteten sich, als ich mich umdrehte.Eine vertraute Gestalt lag ausgestreckt auf dem Boden, eine Hand fest gegen die Wange gepresst, während die andere ihn gegen den Schmutz stützte.„…Ronan?“ Mein Herz zuckte. „Oh meine Göttin!“Ich eilte ohne nachzudenken zu ihm und hockte mich neben ihn.„Es tut mir so leid!“ platzte es aus mir heraus, während ich nach seinem Arm griff. „Ich wusste nicht, dass jemand hinter mir war.“Er stöhnte dramatisch, als ich ihm auf die Beine half.„Ich sehe Sterne…“, murmelte er und rieb sich mit übertriebenem Schmerzgesicht den Kiefer. „Ich glaube, du hast mir gerade die Seele aus dem Körper geklopft.“Trotz allem, was auf mir lastete, konnte ich das schuldige Lachen nicht unterdrücken, das mir entwich.„Das hast du verdient, weil du dich an mich herangeschlichen hast!“
LyraDen ganzen Weg zur Krankenstation sagte ich mir immer wieder, ich solle nicht zu viel darüber nachdenken.Kael hatte gesagt, Alara habe wieder eine Episode. Das war alles.Sie war krank.Sie brauchte Hilfe.Mehr steckte nicht dahinter.Als ich die Krankenstation erreichte, hatten sich meine Schritte von selbst verlangsamt. Ich holte leise Luft und stieß die Tür auf.Das Erste, was mich begrüßte, war das leise Murmeln von Stimmen und der schwache medizinische Geruch, der immer in dem Raum lag.Dann fand ich sie mit den Augen.Alara lag auf dem Krankenhausbett, mit einer Tropfinfusion am Arm, ihr Gesicht deutlich blass. Trotzdem trug sie ein schwaches Lächeln, während Kael neben ihr saß, einen Arm sicher um sie geschlungen, und sie sich an ihn lehnte. Zwei Krankenschwestern standen in der Nähe und ordneten leise ein Tablett mit Medizin am Bett.Der Anblick ließ mich wie angewurzelt stehen.











