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Der Gestank nach Schwefel und verbranntem Öl gehörte zu Sektor 4 wie das ständige, leise Summen der gigantischen Plasmakuppel über uns.
Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn und zog die Klemme an der modifizierten Energiezelle fest. Für die Elite in den oberen Ebenen war das hier alles nur Schrott. Wertloser Müll, der durch die Schächte nach unten in die Slums fiel. Aber für mich war es das Leben. Vorsichtig justierte ich das rostige Lüftungsrohr, das ich an das leere Gehäuse eines alten Enforcer-Droiden geschweißt hatte. Gefüllt mit selbst hergestellter Aktivkohle war daraus ein erstklassiger Wasserfilter geworden. Ein leises Zischen ertönte, dann fiel ein einzelner, kostbarer Tropfen kristallklares Wasser in den Auffangbehälter. Er tropfte genau auf die Erde meiner versteckten Beete, die ich in ausrangierten Raketenhülsen angelegt hatte. Ein kleines, funktionierendes Ökosystem mitten in der giftigen Hölle. Mein eigener kleiner Triumph über das Konsortium. „Perfekt“, murmelte ich und strich liebevoll über die grünen Blätter der Pflanze. Dann heulten die Sirenen auf. Das Geräusch schnitt durch Mark und Bein. Es war kein normaler Alarm. Es war das schrille, durchdringende Kreischen, das eine Razzia der Purifiers ankündigte – der militärischen Eliteeinheit des Konsortiums. Mein Herzschlag hämmerte gegen meine Rippen. Sie waren in meinem Block. Ich fackelte nicht lange. Ich griff nach meinem Rucksack, warf meine wichtigsten Werkzeuge hinein und schnappte mir meinen Elektroschocker – eine weitere Eigenkreation aus einem kaputten Plasmagewehr und Autobatterien. Als ich die schwere Stahltür meines Unterschlupfs aufstieß, roch ich bereits den Ozongehalt in der Luft. Die Gänge leuchteten im grellen Rot der Notfallbeleuchtung. Schreie hallten durch das Metalllabyrinth der Slums. Ich rannte. Links. Rechts. Durch einen schmalen Lüftungsschacht, den nur ich kannte. Ich kannte jeden rostigen Winkel dieser Ebene. Ich war fast am Rand von Sektor 4, fast in der Dunkelzone, als sich plötzlich eine massive Gestalt in schwarzer Hightech-Rüstung aus dem Schatten löste. Ein Purifier. Noch bevor ich meinen Schocker heben konnte, traf mich der harte Schaft seines Gewehrs in die Magengrube. Die Luft entwich meinen Lungen. Ich brach keuchend auf den kalten Gitterboden zusammen. Ein schwerer Stiefel trat auf mein Handgelenk, zwang mich, die Waffe loszulassen. „Rebellin gesichert“, dröhnte die mechanische Stimme des Soldaten durch seinen Helm. Zwei weitere Wachen tauchten auf. Einer packte mich grob an den Haaren und zog meinen Kopf nach hinten. Ich spuckte Blut auf seine glänzende Rüstung, aber er lachte nur leise. Er zog ein flaches, metallisches Gerät aus seinem Gürtel – den ID-Scanner. Sie würden mich registrieren, mich wegen Diebstahls und illegalem Anbau verurteilen und in die Minen schicken. Ein Todesurteil auf Raten. Der kalte Sensor wurde hart gegen meinen Nacken gepresst, genau dort, wo mein implantierter Chip saß. Das Gerät piepte. Doch es war nicht das grüne Bestätigungssignal. Der Scanner stieß einen grellen, pulsierenden Warnton aus. Das Display flackerte blutrot. Der Soldat, der mich hielt, erstarrte. Die Atmosphäre im Gang veränderte sich schlagartig. Die Überheblichkeit der Wachen wich purer, nackter Panik. „Was… was ist das?“, stammelte der Purifier, der den Scanner hielt. Seine Hand zitterte so stark, dass er das Gerät fast fallen ließ. „Lies es vor!“, blaffte der andere, doch seine Stimme überschlug sich fast. „Identität: Jada. Status: Slum-Bewohnerin. Aber… hier ist eine Override-Direktive direkt vom Oberkommando.“ Der Soldat schluckte hörbar. Er sah auf mich herab, als wäre ich ein Geist. „Genetische Kompatibilität für Sektor Omega bestätigt. Stufe: Absolut.“ Sektor Omega. Der Name allein war ein Mythos, eine Geistergeschichte, die wir uns nachts in den Slums erzählten. Ein Ort tief unter der Erde, von dem niemand je zurückkehrte. Der Ort, an dem die Monster gemacht wurden. „Sichern Sie sie“, flüsterte der Kommandant, während er langsam einen Schritt vor mir zurückwich, als würde ich plötzlich explodieren. „Betäuben Sie sie. Bringt sie sofort nach unten… zum Apex.“ Ich wollte schreien, wollte kämpfen, doch ein Zischen ertönte, als eine Injektionsnadel in meinen Hals fuhr. Die Welt verschwamm in Dunkelheit, und das letzte, was ich hörte, war das angstvolle Flüstern meiner Entführer.Glühende Schlacke tropfte von der Decke und zischte bedrohlich, als sie auf den nassen Beton traf. Das Loch im Gewölbe der Zisterne wurde mit jeder Sekunde größer. Die Hitze des Plasma-Schneidbrenners war so extrem, dass die Luft im Raum zu flimmern begann. „Sie werden uns einkesseln“, grollte Kael. Seine Krallen fuhren mit einem leisen Klicken aus, seine Muskeln spannten sich an, bereit, sich auf den ersten Purifier zu stürzen, der durch die Decke brechen würde. „Nein“, rief ich über den ohrenbetäubenden Lärm hinweg und packte seinen massiven Unterarm. „Wir können sie nicht alle bekämpfen. Wir nehmen den Fluttunnel!“ „Der Kanal?“ Kaels leuchtend grüne Augen fixierten mich. Sogar in Sektor Omega kannte man die Gerüchte über die untersten Ebenen. Das Wasser dort war hochgradig kontaminiert, ein tödlicher Mix aus industriellen Abwässern und Kühlflüssigkeit. „Vertrau mir“, sagte ich. Ich riss meine Werkzeugtasche auf und zog zwei provisorische Atemmasken heraus. Ich hatte sie in näch
Das Blut in meinen Adern gefror. Der ID-Chip. Jeder Bürger unter der Kuppel bekam ihn bei der Geburt direkt in die Nackenwurzel implantiert. In den Slums hieß es, er sei nur für die Rationenverteilung. Eine Lüge. Es war ein Peilsender, direkt mit dem zentralen Raster des Konsortiums verbunden. Ein dumpfes Grollen drang von der Decke der Zisterne zu uns herab. Es klang, als würden schwere Maschinen direkt über unseren Köpfen in Stellung gebracht. „Sie scannen die tieferen Ebenen“, knurrte Kael. Seine Iris zog sich zu dünnen Schlitzen zusammen, während er unablässig an die Betondecke starrte. „Sie haben das Signal eingegrenzt.“ Ich verlor keine Sekunde. In Sektor 4 lernt man eine eiserne Regel: Wenn dich etwas umbringt, schneidest du es ab. Ich stürzte zu meiner Werkzeugkiste, die unter den Paletten verborgen war, und riss den Deckel auf. Zwischen rostigen Muttern und Kabeln zog ich meine improvisierte medizinische Ausrüstung hervor – eine Flasche hochprozentigen, selbstgebrannten
Die Dunkelheit des Wartungsschachts verschluckte mich. Ich rutschte durch die enge, rostige Röhre, der Geruch nach altem Schmierfett und stehendem Wasser füllte meine Lungen. Über mir hörte ich das dumpfe Wummern der Plasmakanonen, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Knirschen, als Kael den Zugang hinter uns mit purer Gewalt zusammendrückte, um die Verfolger auszusperren. Sekunden später landete er mit einem schweren, metallischen Scheppern direkt neben mir im knöcheltiefen Wasser des Abwasserkanals. Es war stockfinster. Die Art von Dunkelheit, die schwer auf den Schultern lastet. „Kael?“, flüsterte ich atemlos. Eine heiße, schwielige Hand fand im Dunkeln sofort meinen Arm. Sein Griff war sanft, aber unverrückbar. „Ich bin hier.“ Seine Stimme klang erschöpft, ein raues Kratzen in der Stille. Der Kampf und die extrem schnelle Heilung der Plasma-Wunden hatten unglaublich viel Energie gekostet. „Wir dürfen nicht hierbleiben“, sagte ich leise. „Wenn sie den Schacht aufschweißen, sitze
Sechzig Sekunden. Das System tickte unbarmherzig herunter. Ich starrte auf die ausgestreckte Hand des Apex. Seine Handfläche war riesig, gezeichnet von Schwielen und den Narben unzähliger Kämpfe. Aber in seinen Augen brannte kein Wahnsinn mehr. Da war nur dieser eine, absolut fokussierte Wille: mich hier rauszuholen. Ich zögerte nicht länger. Ich legte meine Hand in seine. Ein elektrisirendes Knistern schoss meinen Arm empor, als sich unsere Haut berührte. Es war kein Schmerz, sondern eine Welle von intensiver, heißer Energie, die meinen erschöpften Körper flutete. Kael schloss die Finger um meine Hand – fest genug, um mich zu halten, aber erstaunlich vorsichtig – und zog mich mit einer einzigen, mühelosen Bewegung auf die Füße. „Halt dich an mir fest“, raunte er. Bevor ich antworten konnte, schlang er seinen freien Arm um meine Taille und hob mich hoch, als würde ich nichts wiegen. Ich schlang die Arme um seinen Nacken, presste mein Gesicht an seine warme Schulter und atmete sein
Für den Bruchteil einer Sekunde herrschte absolute Stille. Es war die Art von Stille, die entsteht, wenn die Luft selbst vor Anspannung brennt. Dann schrie der Kommandant der Purifiers: „Feuer! Brennt das Ding nieder!“ Fünf Plasmagewehre surrten gleichzeitig auf. Grellblaue Energieblitze zuckten durch die Zelle und erhellten die Dunkelheit wie Stroboskoplicht. Die Hitze war sofort unerträglich. Ich riss die Arme schützend über den Kopf und presste mich flach auf den Boden. Die Schüsse trafen Kael. Ich hörte das zischende Geräusch verbrennenden Fleisches, roch den beißenden Gestank. Jeder normale Mensch wäre in diesem Hagel aus Plasma sofort verdampft. Aber Kael war nicht normal. Er zuckte nicht einmal zusammen. Die Energiegeschosse schienen ihn nur noch wütender zu machen. Mit einem Brüllen, das die Betonwände zum Beben brachte, stieß er sich ab. Er war schneller, als das menschliche Auge folgen konnte. Ein schwarzer, massiver Schatten, der direkt in die Formation der schwer gepa
Das Monster stieß sich ab. Ein gewaltiger Schatten löste sich aus der Dunkelheit und schoss mit der Geschwindigkeit einer Peitschenschlange auf mich zu. Mein Überlebensinstinkt, geschmiedet in den gnadenlosen Gassen von Sektor 4, übernahm die Kontrolle. Ich riss mich zur Seite, rollte über den eiskalten Stein und schlug hart gegen die feuchte Zellenwand. Wo ich gerade noch gelegen hatte, zerschmetterten gewaltige Klauen den Betonboden. Splitter regneten auf mich herab. Das Wesen brüllte auf – ein ohrenbetäubender Laut aus Wut und Blutdurst. Ich riss das scharfe Stück Metall aus meinem Stiefel, umklammerte es, bis meine Knöchel weiß hervortraten, und presste mich an die Wand. Ich würde nicht kampflos sterben. Wenn dieses Ding mich in Stücke riss, würde ich ihm zumindest ein Auge ausstechen. Die leuchtenden grünen Augen wirbelten zu mir herum. Die Bestie war riesig, eine groteske, albtraumhafte Kreuzung aus Wolf und Mensch. Schwarzes, borstiges Fell bedeckte massive Muskelberge. An







