ANMELDENKapitel 2 – Aus der Sicht des Alphas
Das Licht in der L’Osteria war gedämpft, die meisten Gäste murmelten leise Gespräche, das Klirren von Besteck und Gläsern vermischte sich mit dem leichten Brummen der Kaffeemaschine. Ich saß am Tisch mit Rico, meinem Beta, und beobachtete die Leute, während ich den Abendplan durchging. Doch trotz all der Routinen, trotz der Stimmen und Bewegungen um mich herum, fiel mein Blick sofort auf sie. Sie war klein, zierlich, mit dunklen, glänzenden Haaren, die zu einem Pferdeschwanz gebunden waren. Ihre Augen funkelten, als sie Bestellungen aufnahm, schnell, effizient, und trotzdem schien sie jede Bewegung des Raums zu spüren. Doch als unsere Blicke sich trafen, spürte ich es sofort. Dieses Flattern in der Brust, die Wärme, die sich in mir ausbreitete. Meine Zunge fühlte sich trocken an, und selbst mein Herzschlag schien langsamer zu werden, während sie mich ansah. Gefährten. Das Wort hallte in meinem Kopf wider wie ein Schlag auf eine Trommel. Jeder Alphawolf wusste es sofort, wenn es geschah. Diese Verbindung ließ sich nicht leugnen, ließ sich nicht ignorieren. Und doch war da dieses Hindernis, das mich lähmte: sie war ein Mensch. Kein Wolf, keine Luna, kein Rudelmitglied. Und ich hatte einen Plan, einen klaren Weg — eine starke Luna an meiner Seite, wie Katherine, die seit zwei Jahren meine Partnerin war. Jemand, der mein Rudel verstand, der meine Welt teilte. Diese Frau hier… sie war alles andere als das. „Alpha?“, Rico’s Stimme brach durch meine Gedanken. Ich bemerkte, dass ich schon seit Minuten starrte. „Du bist wieder ganz woanders.“ „Hm?“, murmelte ich, und zwang mich, den Blick von ihr abzuwenden. „Nichts. Nur… Gedanken über den Abendplan.“ Rico nickte skeptisch, aber er war Beta. Er wusste, wann man mich nicht weiter belästigte. Ich wandte mich wieder meinen Gedanken zu, versuchte, die Verbindung zu unterdrücken, die prickelnde Hitze, die sich in mir ausbreitete, als ich Marciella in Bewegung sah. Ihr Lächeln, ihr Gang, die Art, wie sie die Gäste bediente — es war, als würde sie direkt auf mein Rudelgespür wirken. Ich wusste, dass mein Instinkt bereits Alarm schlug, dass mein Körper auf eine Weise reagierte, die ich nicht zulassen durfte. „Alpha, zahlen wir?“, Rico fragte schließlich. Er hatte bereits die Rechnung auf den Tisch gelegt, ein klarer Hinweis. Ich nickte stumm, zwang mich, aufzustehen und das Geld zu greifen, während ich versuchte, die Kontrolle über die aufsteigenden Gefühle zu bewahren. Ich konnte spüren, wie sich meine Muskeln anspannten, wie mein Herz schneller schlug, wie mein Schwanz, verborgen unter der Hose, unruhig wurde. Dieses primitive, animalische Verlangen, das durch die Berührung der Kellnerin ausgelöst wurde, machte mich unruhig. Es war stark. Zu stark, um es einfach zu ignorieren. „Alpha? Alles in Ordnung?“ Rico’s Stimme war ruhig, aber aufmerksam. Ich nickte erneut, zwang mir ein neutrales Gesicht auf, während ich die Tür erreichte. „Ja, alles gut. Lass uns gehen.“ Ich warf einen letzten Blick über die Schulter, und sie sah mich an. Ihre Augen waren wie Magnete, und ich spürte, wie jeder Instinkt in mir schrie, mich ihr zu nähern. Aber ich durfte nicht. Ich musste Katherine schützen. Ich musste mich an die Regeln halten, die ich mir selbst gesetzt hatte. Meine Hände zitterten leicht, als ich die Tür öffnete, und der kalte Abendwind traf mein Gesicht. Ich atmete tief durch, versuchte die aufwallende Erregung zu unterdrücken, während ich neben Rico die Straße entlangging. Jeder Schritt fühlte sich schwer an, jeder Atemzug brannte in meiner Lunge. Im Auto war ich still. Rico verstand, dass es besser war, nicht zu fragen. Als Beta wusste er, wann Worte überflüssig waren. Ich konzentrierte mich auf den Weg zum Rudelhaus, auf die Kontrolle, die ich zurückgewinnen musste. Aber innerlich tobte ein Sturm. Die Erinnerung an ihre Berührung, das kurze Zusammentreffen unserer Hände, brannte wie Feuer auf meiner Haut. Mein Schwanz blieb angespannt, mein Unterleib reagierte auf eine Weise, die ich nicht zulassen konnte. Es war unvernünftig, gefährlich, aber es war nicht zu leugnen: diese Frau war etwas Besonderes. Im Rudelhaus angekommen, zog ich Katherine in den Griff, versuchte, sie zu mir zu holen, wie ich es sonst tat. Wir waren seit zwei Jahren zusammen, unser Rhythmus eingespielt, aber als ich sie berührte, passierte etwas Seltsames. Ich spürte nichts. Keine Lust, kein Verlangen, keine Reaktion. Mein Körper reagierte nicht wie gewohnt, und das machte mich wütend. Frustriert stieß ich sie leicht von mir, obwohl ich es hasste, sie zu verletzen. „Was ist los?“, fragte Katherine leise, aber mit diesem forschenden Blick, der mich normalerweise beruhigte. Ich schüttelte den Kopf. „Nichts. Es ist… ich bin müde.“ „Müde? Immer müde, Alpha?“, ihr Tonfall war halb neckend, halb besorgt. Ich konnte ihre Verwirrung spüren, und es machte alles noch schlimmer. Ich wollte sie nicht anlügen, aber ich konnte ihr nicht erklären, warum mein Körper sich gerade gegen mich wandte. Ich wollte nicht, dass sie wusste, dass es die Berührung der Kellnerin war, die alles in mir aufwühlte. Frustriert drehte ich mich um und verließ das Schlafzimmer. Nicht das, in dem wir normalerweise schliefen, sondern mein eigenes Alpha-Schlafzimmer. Katherine wollte mir folgen, aber ich schloss die Tür hinter mir und hörte, wie sie stutzte. Ich konnte ihre Enttäuschung fühlen, aber ich wollte sie nicht, nicht jetzt. Mein Wolf, meine animalische Seite, verlangte Bewegung. Ich zog mich schnell aus, duschte, um den Schweiß und die aufgestaute Energie abzuwaschen, und spürte die kühle Duschwand gegen meine erhitzte Haut. Ich versuchte zu schlafen, doch selbst im Dunkeln, eingekapselt in mein eigenes Bett, spürte ich die Präsenz von Marciella, ihre Wärme, die Nachhall ihrer Berührung. Ich drehte mich auf die andere Seite, zog die Decke hoch bis zum Kinn und versuchte, die Gedanken zu vertreiben. Aber es funktionierte nicht. Jede Erinnerung an ihre Augen, die Tiefe ihres Blicks, das winzige Zittern in ihrem Lächeln — alles kam zurück, stärker als zuvor. Mein Wolf brannte darauf, sie zu finden, zu riechen, zu spüren, doch ich durfte nicht. Ich musste diszipliniert bleiben. Meine Luna, Katherine, war hier. Sie war mein Rudel, mein Partner, meine Verpflichtung. Aber mein Herz, mein Instinkt, rebellierte gegen jede Vernunft. Schließlich gab ich auf. Ich stand auf, zog mich an und verwandelte mich in meine Wolfsgestalt. Der Übergang fühlte sich natürlich an, wie das Einatmen frischer Luft nach einem langen Winter. Meine Pfoten berührten den Boden, mein Herzschlag beschleunigte sich, und die Nachtluft umhüllte mich. Ich lief durch das Rudelgelände, spürte die vertrauten Energien, die sich mit meiner eigenen mischten, doch Marciellas Präsenz war überall. Ich konnte sie in Gedanken sehen, riechen, fühlen. Und je mehr ich versuchte, Abstand zu gewinnen, desto stärker wurde das Verlangen. Stundenlang lief ich, bis die Müdigkeit mich schließlich übermannte. Ich kehrte ins Haus zurück, schlüpfte in mein Alpha-Bett, allein, und ließ mich fallen. Keine Luna neben mir, keine Berührung, nur die Leere und der Nachhall des Gefühls, das ich nicht kontrollieren konnte. Mein Körper entspannte sich, mein Wolf legte sich zur Ruhe, doch im Inneren blieb das Verlangen. Ein Sturm, der nicht nachließ, ein Feuer, das brannte und nicht gelöscht werden konnte. Ich wusste, dass dies erst der Anfang war. Sie war hier, in meiner Stadt, in meiner Nähe, und ich konnte nicht leugnen, was sie in mir auslöste. Ein Gefährtenblick, ein menschlicher Körper, und doch… ein Instinkt, der stärker war als alles, was ich bisher gekannt hatte. Die Nacht verstrich, und ich lag wach, lauschte dem leisen Atmen der anderen im Rudelhaus, doch mein Geist war bei Marciella. Sie war die Herausforderung, die ich nicht gesucht hatte, und doch konnte ich nicht aufhören, an sie zu denken. Ich war Alpha, mächtig, kontrolliert — und doch war ich ein Gefangener meiner eigenen Instinkte.Kapitel 11– Caelen im PackhausDas Packhaus lag still da, nur das leise Tropfen von Wasser irgendwo zwischen den Regalen war zu hören. Caelen hatte seinen Wagen abgestellt, sprang aus dem Lederwagen, die Stiefel hallten auf dem Betonboden. Der Mantel war eng um die Schultern gezogen, die Muskeln angespannt. Jeder Schritt war bewusst, kontrolliert, wie ein Herzschlag, der durch den Raum vibrierte.Rico folgte ruhig hinter ihm, wie immer der stille Beobachter, die Hände locker an den Oberschenkeln. Er wusste, dass Caelen alles im Griff hatte, solange er sich nicht von seinem Zorn treiben ließ.Caelen trat zwischen die Regale, die Augen wachsam, die Hände locker, bereit. Katherine. Sie hatte Grenzen überschritten, und die Bedrohung war nicht nur ihre, sondern auch für alles, was er beschützen wollte. Die Wut in ihm kochte leise, aber intensiv, wie ein Feuer, das jeden Moment ausbrechen konnte.„Rico…“ Caelens Stimme war tief, hart, Alpha pur. „Sie denkt, sie könnte mich testen, meine Ged
Kapitel 9 – CaelenDer Motor seines Wagens summte noch nach, als Caelen ihn abstellte. Die Straßen Hamburgs waren belebt, voll von hupenden Autos, Menschen auf Fahrrädern, Kinder, die auf dem Bürgersteig hin und her rannten, und Lieferwagen, die quer über die Gassen parkten. Der Duft von gebratenem Fisch, Kaffee und Salz vom Hafen mischte sich in die Luft. Es war kein leerer, stiller Moment – und genau das gefiel ihm. Das Leben der Stadt pulsierte um ihn herum, während er seine Gedanken sammelte.Er öffnete die Tür, spürte den leichten Luftzug, der durch die geparkten Autos auf die Straße zog, und trat heraus. Jeder Schritt auf dem Asphalt war bewusst, kontrolliert. Die Lederstiefel klackten kurz auf dem Boden, als er seinen Mantel enger zog. Seine Schultern waren gerade, der Blick klar, und selbst inmitten des Trubels strahlte er Autorität aus. Jeder Mensch, der ihn passierte, spürte instinktiv diese Präsenz – nicht aggressiv, nicht auffällig, aber unübersehbar.Die Tür zum Packhaus
Kapitel 8 – CaelenEr parkte den Wagen vor dem Restaurant und atmete tief durch. Die Sonne stand schon hoch über Hamburg, die Straßen waren lebendig, voll von Lieferwagen, Radfahrern und Menschen, die sich durch die Gassen schlängelten. Der Duft von frischem Gebäck und Salz aus dem Hafen mischte sich in die Luft – alles wie immer. Und doch war es anders.Er freute sich. Ja, zum ersten Mal seit Tagen freute er sich auf einen Ort, an dem er wusste, dass sie war. Marciella. Schon der Gedanke an sie ließ ihn kurz lächeln. Heute nach Feierabend wollte er mit ihr spazieren gehen. Nicht als Alpha, nicht als Rudelführer, sondern als Mann. Einfach nur sie kennenlernen. Ohne Drohungen, ohne Druck, ohne Katherine. Nur ein Spaziergang durch die Straßen Hamburgs, die Lichter, der Geruch des Hafens, die Stadt bei Nacht.Er trat ein. Das Restaurant war lebendig wie immer, das Stimmengewirr, das Klirren von Tellern, das Lachen der Gäste – alles wie ein pulsierender Herzschlag, und mitten darin war si
Kapitel 8 – MarciellaDie Mittagsstunde im Restaurant war hektisch, und Marciella versuchte verzweifelt, sich auf die Bestellungen zu konzentrieren. Die Luft war warm, nach Fisch und Kaffee und gebratenem Gemüse, und überall klingelte Geschirr, riefen Gäste nach Aufmerksamkeit. Aber all das konnte nicht verhindern, dass ihr Herz jedes Mal einen Schlag aussetzte, sobald sie die Tür hörte, die sich öffnete.„Marciella!“ Marco war neben ihr, noch immer halb lachend, halb ernst. „Du solltest besser aufpassen – jemand wartet auf dich.“Sie schob den Gedanken beiseite, zwang sich, die Kunden zu bedienen, doch sie wusste, dass es keine Flucht vor der Realität gab. Sie hatte recht: Jemand war im Restaurant. Und sie konnte es kaum glauben, als sie aufblickte und Caelen sah, der durch die Tür trat. Sein Mantel leicht geöffnet, dunkle Haare unordentlich, aber perfekt, und diese Präsenz, die den Raum sofort erfüllte. Nicht nur ein Mann – ein Alpha.Ihr Herz stolperte. Ihr Verstand schrie, sie sol
Kapitel 7 – MarciellaDer Morgen begann hektisch. Die Straßen Hamburgs waren voll, die Autos hupten, Radfahrer schlängelten sich durch die Lücken, und die Sonne spiegelte sich auf den nassen Pflastersteinen. Marciella schlug den Schal enger um den Hals und versuchte, die Müdigkeit aus ihren Augen zu wischen. Die Nacht war kurz gewesen. Sie hatte kaum geschlafen, und die Erinnerung an gestern Abend drängte sich immer wieder in ihren Kopf.„Mama, Frühstück!“ rief sie in die Diele, während sie sich hastig einen Kaffee einschenkte und zwei Teller auf das Tablett stellte.„Na, du siehst müde aus“, bemerkte ihre Mutter, als sie in die Küche kam. „Alles in Ordnung?“„Nicht wirklich“, gab Marciella zu, während sie sich einen Toast schnappte. „Ich habe schlecht geschlafen… aber ich muss jetzt zur Arbeit.“Der Weg zum Fischmarkt war lebendig, wie immer zu dieser Stunde. Menschen eilten über die Straßen, Händler riefen ihre Angebote, Lieferwagen parkten hektisch am Straßenrand. Marciella atmete
Kapitel 6 – CaelenDer Wagen schnurrte, als Caelen die Lichter Hamburgs hinter sich ließ, aber sein Wolf war unruhig. Nicht wegen des Verkehrs. Nicht wegen des Wetters. Wegen ihr. Marciella. Ihr Duft hatte sich in sein Unterbewusstsein gefressen, hartnäckig, wild, brennend. Jeder Kilometer, den er sich vom Fischmarkt entfernte, machte das Verlangen greifbarer – und gleichzeitig gefährlicher. Sein Herzschlag war ruhig, aber unter der Oberfläche knurrte etwas in ihm, etwas, das er weder unterdrücken noch ignorieren konnte.Er parkte vor dem Anwesen, stieg aus, spürte die kühle Nachtluft auf der Haut. Sein Rudelgebiet lag still, die Bäume warfen lange Schatten, das Gebäude ragte dunkel gegen den Nachthimmel. Sicherheit. Kontrolle. Ordnung. Dinge, die er beherrschte. Doch heute war nichts beherrschbar.Katherine hatte heute die Kontrolle verloren. Gelbe Augen. Knurren. Angriffslust. Vor Menschen. Vor Marciella. Sie war keine Beta, die man zurechtweisen oder einschüchtern konnte. Sie war e







