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Kapitel 3

Author: J. C. Veyra
last update publish date: 2026-02-28 00:54:13

Kapitel 3 – Begegnung am Fischmarkt

Der Morgen war wieder frisch, die Sonne schickte ihre ersten Strahlen über den Hamburger Hafen, als ich aus der Tür trat. Der Duft von Salz, Fisch und nassem Holz lag in der Luft, eine Mischung, die ich mittlerweile zu lieben gelernt hatte. Heute würde ein ganz normaler Arbeitstag werden, oder zumindest dachte ich das.

Ich schlenderte zur L’Osteria, meine Tasche lässig über der Schulter, und versuchte, den Gedanken an den Fremden vom Vortag zu verdrängen. Sein Blick, seine Hände, diese unglaubliche Präsenz — sie hatten sich tief in mein Gedächtnis gebrannt. Ich schüttelte leicht den Kopf, versuchte, mich auf den Tag zu konzentrieren.

Kaum hatte ich die Tür geöffnet und die warme Luft des Restaurants eingeatmet, spürte ich den typischen Trubel des Mittagsgeschäfts. Teller klapperten, Stimmen mischten sich mit dem Rattern der Kaffeemaschine, und ich bewegte mich automatisch durch den Raum, bereit, jeden Gast zu bedienen.

Doch dann passierte es. Ein Mann, groß, kräftig gebaut, stieß unabsichtlich gegen mich, während er einen Schritt zur Seite machte. Ich verlor beinahe das Gleichgewicht, gerade als ein Tablett in meiner Hand wackelte.

„Oh! Entschuldigen Sie, bitte!“ Ich richtete mich schnell auf, doch der Mann grinste nur, als hätte er keine Absicht gehabt.

„Kein Problem“, sagte eine tiefe Stimme plötzlich hinter ihm. „Ich sollte mich entschuldigen.“

Ich drehte mich um und starrte in die Augen eines Mannes, der stark, autoritär und unglaublich attraktiv wirkte. Er hatte dunkle Haare, die leicht ins Gesicht fielen, und Augen, die so intensiv waren, dass ich kurz den Atem anhielt.

„Ich bin… Caelen“, stellte er sich vor, und das Wort rollte über meine Lippen wie ein sanftes Murmeln: „Caaelen…“

Kaum hatte ich den Namen ausgesprochen, durchzuckte etwas meinen Körper. Mein Herz klopfte schneller, meine Haut prickelte, und ich spürte eine Hitze, die mir den Atem raubte. Gleichzeitig schoss durch den Raum eine plötzliche Spannung, als würde die Luft dichter werden. Sein Blick verfinsterte sich sofort, seine Kiefermuskeln spannten sich, und er wirkte aggressiv, als müsste er die Kontrolle über etwas gewinnen, das in ihm kochte.

Ohne ein weiteres Wort drehte er sich abrupt um und verschwand aus der L’Osteria, während ich nur dastehen blieb, noch immer verwirrt von meinem eigenen körperlichen Aufruhr. Hinter mir beobachtete sein Begleiter, der ebenfalls groß und beeindruckend wirkte, nur lächelnd die Szene. Er sagte kein Wort, nickte nur leicht, und ich ahnte nicht, dass hinter ihm etwas lauerte, das ich nicht verstehen konnte.

„Alles okay, Bella?“ Marco, mein Schichtleiter, kam mit einem Tablett herbei und unterbrach meine Gedanken. Ich nickte nur stumm und riss mich zusammen, versuchte, die Verwunderung zu verbergen.

Den restlichen Vormittag über spürte ich immer wieder, wie die Erinnerung an Caelen in mir nachhallte. Seine Präsenz, sein Blick, der Moment, als er mich sah, hatte etwas in mir geweckt, das ich noch nie gefühlt hatte. Ich konnte nicht genau sagen, was es war, aber ich wusste, dass es intensiv und gefährlich zugleich war.

Die Mittagspause kam wie eine Erlösung. Ich zog mich in die kleine Pausecke zurück, zog die Jacke aus und ließ die Beine auf dem Stuhl ausstrecken. Ich seufzte leise, als ich die Augen schloss, und dachte daran, wie merkwürdig der Morgen verlaufen war.

„Darf ich mich zu dir setzen?“ Eine Stimme ließ mich die Augen öffnen. Dort stand Caelen, ruhig, lächelnd, mit einem Tee in der Hand und einem kleinen Teller Pasta. Ich schluckte. Mein Herz setzte einen Schlag aus.

„Äh… ja, klar“, stotterte ich, überrascht, dass er mich angesprochen hatte. Ich nahm Platz, während er den Tee und die Pasta vor mich stellte. Seine Nähe ließ meinen Puls erneut steigen, aber er wirkte fast… harmlos. Kaum zu glauben, dass der Mann vor mir so eine Wucht ausstrahlen konnte, dass mein Körper auf bloße Worte reagierte.

„Ich wollte mich nochmal entschuldigen“, begann er, und seine Augen funkelten dabei. „Für vorher. Es war nicht meine Absicht, dich zu bedrängen.“

„Schon… in Ordnung“, murmelte ich und spürte, wie meine Stimme zitterte, obwohl ich mich bemühte, ruhig zu bleiben. Ich konnte es nicht verleugnen: er hatte etwas in mir ausgelöst, etwas Unkontrollierbares.

Wir aßen die Pasta, sprachen über belanglose Dinge, doch ich bemerkte, wie er mich immer wieder ansah, aufmerksam, fast prüfend. Ich versuchte, meinen Blick auf den Teller zu lenken, aber es war unmöglich, seine Präsenz zu ignorieren. Und jedes Mal, wenn ich seinen Namen leise aussprach – Caelen – spürte ich wieder diese prickelnde Hitze, die meine Sinne aufwühlte.

„Danke, dass du mich mitkommen lassen hast“, sagte ich schließlich, als wir nach dem Tee fertig waren. „Für… das Mittagessen.“

Er nickte nur und lächelte. „Es war mir ein Vergnügen.“

Nachdem ich zurück an die Arbeit musste, half er mir sogar noch, einige Gäste zu bedienen, ohne dass es aufdringlich wirkte. Als meine Schicht schließlich endete, blieb er vor dem Restaurant stehen und bot an, mich nach Hause zu fahren.

„Du musst nicht“, begann ich, unsicher, aber er schüttelte nur den Kopf. „Ich möchte.“

Die Fahrt war ruhig. Wir unterhielten uns über belanglose Dinge, über Hamburg, das Wetter, und ich merkte, wie angenehm seine Stimme war, tief und beruhigend, selbst wenn mein Körper bei seiner bloßen Nähe reagierte. Ich roch seinen Duft in seinem Auto, männlich, stark, fast hypnotisch, und ein warmes Kribbeln durchlief mich bei jeder Berührung, wenn er das Lenkrad hielt.

Zu Hause angekommen, verabschiedeten wir uns mit einem leichten Lächeln, und ich ging hinein, doch diesmal fühlte ich mich anders. Die Gedanken an ihn verfolgten mich nicht mehr so aufdringlich. Sein Duft war noch auf meiner Kleidung, der Geruch von Leder, Holz und einem Hauch von Wildheit, und er hatte etwas Beruhigendes. Ich schloss die Tür, legte mich ins Bett und spürte die Wärme in meinem Körper, die durch die Erinnerung an den Tag blieb.

Ich schlief ruhig ein, sinnlich, träumte von nichts Bestimmtem, nur von dem sanften Gewicht seiner Präsenz und dem Gefühl, dass etwas zwischen uns war, das tief und geheimnisvoll lag. Eine Ahnung, dass unser Schicksal noch nicht entschieden war, und dass der Tag im Restaurant nur der Anfang von etwas Größerem war.

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