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Kapitel 8

last update Last Updated: 2026-01-22 04:31:15

Ihr Herz schlug so laut, dass sie es in den Ohren hörte.

Jeder Atemzug tat weh, als würde die Luft einen Widerstand bilden.

„Warum… ich?“, flüsterte sie heiser.

Das tote Mädchen reagierte wieder nicht.

Es stand da wie eine Schaufensterpuppe.

Einfach nur… wartend.

Ein Windstoß, plötzlich, mitten in dieser geschlossenen Schwärze, fuhr Mila durch die Haare.

Er roch nach altem Holz, kaltem Eisen… und etwas Süßem.

Zu süß.

Verwesung.

Sie presste den Arm vor die Nase und hustete.

Das Handy vibrierte erneut, diesmal heftiger, fast aggressiv.

Die Worte auf dem Display zitterten, verzerrten sich, formten sich neu wie lebendiges Fleisch:

DU KENNST DIE REGELN.

ANTWORTE.

Mila schüttelte panisch den Kopf.

„Nein… ich will das nicht! Lass mich raus! Lass mich—“

Das tote Mädchen machte einen Schritt.

Einen langsamen, nach vorne ziehenden Schritt, bei dem die Gelenke knackten wie alte Zweige.

Mila erstarrte.

4… 3…

„Okay!“, keuchte sie, die Stimme brach.

„Okay! Ich wähle…“

Das Handy wartete wie ein Raubtier vor dem Sprung.

Die Zahlen liefen erbarmungslos weiter.

2…

Mila schloss die Augen.

„Wahrheit.“

Die Dunkelheit zuckte.

Ja — sie spürte es.

Als würde ein kalter Strom durch den Raum huschen, an ihren Knöcheln entlang, über ihren Rücken, hoch bis in die Schädeldecke.

Das tote Mädchen hob den Kopf ruckartig.

Die Bewegungen waren jetzt schneller.

Unruhiger.

Ein Geräusch ertönte tief hinter ihr.

Nicht nah — aber auch nicht weit.

Ein Scharren.

Etwas Schweres, das über Boden gezogen wurde.

Sie drehte sich nicht um.

Sie wollte nicht wissen, was jetzt noch mit ihnen in der Dunkelheit war.

Das Handy zeigte nun keinen Timer mehr.

Nur noch einen Satz.

Jeder Buchstabe erschien einzeln, hörbar in ihrem Kopf, wie ein scharfes Klacken:

DIE WAHRHEIT:

WENN DU HEUTE NACHT EINSCHLÄFST…

WIRST DU NICHT ALLEINE AUFWACHEN.

Mila packte das Handy fester.

Ihre Finger verkrampften.

„Was… heißt das?“, flüsterte sie zitternd.

Das tote Mädchen hob langsam einen Arm.

Der Arm hing schlaff, als wäre der Knochen darin schon lange zerbrochen.

Es zeigte auf etwas hinter Mila.

Langsam.

Ganz langsam drehte sie sich.

Nichts.

Nur Dunkelheit.

Doch als sie genauer hinsah…

War da ein Umriss.

Hoch.

Breit.

Atmend.

Ein zweites Wesen stand jetzt in der Schwärze — viel größer als das Mädchen.

Ein Atemzug, feucht und heiß, strich über ihre Haarspitzen.

Das Handy vibrierte ein letztes Mal.

RUNDE 4 IST NOCH NICHT VORBEI.

Mila presste die Lippen zusammen.

Die Luft um sie herum wurde eiskalt.

„Bitte…“, flüsterte sie, „bitte nicht…“

Doch die Dunkelheit schloss sich um sie wie ein Maul, das gerade tief Luft holte.

Die Luft war feucht, schwer und roch nach Regen, Erde und Verfall.

Mila spürte jeden Herzschlag in ihrem ganzen Körper.

Die Beine zitterten, die Hände krampften sich um ihr Handy, das sie wie einen Schild vor sich hielt.

Das tote Mädchen stand nur wenige Meter entfernt, reglos.

Ihr Kopf war schief geneigt, die Augen vollständig weiß, starrten direkt in Milas Seele.

Ihr Mund öffnete sich, langsam, viel zu langsam, und ein feuchtes, gurgelndes Geräusch entwich ihr, das die Stille zerschnitt.

Mila wich zurück, stieß gegen eine Wand.

Die Kälte des Mauersteins brannte in ihren Fingern.

Sie wollte schreien, doch die Stimme blieb in ihrer Kehle stecken.

„Runde vier beginnt jetzt“, hallte die Stimme des Mantelmanns, direkt hinter ihr.

Sie konnte nicht atmen, konnte nicht bewegen, konnte nicht denken.

Nur fühlen: Angst, Kälte, Todesnähe.

Das Mädchen hob einen Arm.

Langsam, quälend langsam, viel zu lang.

Die Finger streckten sich wie Krallen auf Milas Handgelenk zu.

Eiskalt trafen sie sie, und ein Schmerz, der nicht körperlich war, sondern tief in ihr Gehirn schnitt, durchfuhr sie.

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