LOGINElara hat ihr ganzes Leben lang geglaubt, dass sie ein gewöhnliches Mitglied ihres Rudels ist. Doch an ihrem achtzehnten Geburtstag geschieht das Unmögliche: Ihr Wolf erwacht nicht. Stattdessen erwachen Kräfte in ihr, die niemand erklären kann. Als Lucian, der zukünftige Alpha, nach Jahren an der Alpha-Akademie in sein Rudel zurückkehrt, erkennt sein Wolf sofort seine Gefährtin. Elara sollte die Frau sein, nach der er sein ganzes Leben gesucht hat. Doch als Lucian sie berührt, spürt er etwas, das ihn zutiefst erschüttert: Er kann ihren Wolf nicht erreichen. Für einen zukünftigen Alpha ist eine Gefährtin ohne Wolf nicht nur ungewöhnlich – sie könnte seine gesamte Zukunft zerstören. Lucian weist Elara zurück. Und damit bricht etwas in ihr, das sie nie wieder reparieren kann. Doch der Schicksalsbund zwischen ihnen lässt sich nicht so einfach brechen. Je mehr sie versuchen, einander zu entkommen, desto stärker zieht er sie wieder zusammen. Sie spüren den Schmerz, die Wut und die Sehnsucht des anderen, selbst wenn Welten zwischen ihnen liegen. Während Lucian zwischen seiner Pflicht als zukünftiger Alpha und seinen Gefühlen für Elara gefangen ist, beginnt Elara zu erkennen, dass das Erwachen ihrer Kräfte kein Zufall war. Denn in ihr schlummert ein Geheimnis, das älter und mächtiger ist, als irgendjemand in ihrem Rudel ahnt. Und wenn die Wahrheit ans Licht kommt, wird Lucian vor einer Entscheidung stehen: Sein Rudel schützen – oder die Gefährtin wählen, die er niemals hätte lieben dürfen. Doch manche Seelenbande lassen sich nicht brechen. Nicht einmal durch Ablehnung.
View MoreSeraphinas Sicht
Meine Wölfin Selene heulte vor demselben Schmerz auf, den auch ich fühlte – dem Schmerz, meinen Gefährten, Alpha Alexander Lockwood, zu verlieren. Ich spürte, wie das Band zwischen uns zerbrach, und es war unerträglich. Ich sank auf die Knie und weinte laut. Dann durchdrang das schrille Weinen meines Babys meine Trauer und riss mich in die Gegenwart zurück. Ich überließ Selene sofort die Kontrolle, und sie nahm den Korb behutsam ins Maul. Selene mobilisierte ihre letzten Kräfte, um uns trotz der schweren Dosis Wolfswurz zu befreien – auch wenn unsere Körper brannten. Wir wussten beide, dass uns das Gift töten würde, aber wir mussten unseren Welpen retten. Ich spürte die Erde unter meinen Pfoten beben und rief Selene in meinen Gedanken. „Selene… lauf.“ Selene gehorchte. Tief in meinem Inneren spürte ich, wie sie sich anstrengte, unser Tempo zu halten, verzweifelt bemüht, diesen dreckigen Streunern zu entkommen und unseren Welpen in Sicherheit zu bringen. Wir näherten uns der Grenze des Territoriums des Red Moon Rudels. Selene verbarg unseren Geruch, und für eine Weile gelang es uns, sie abzuschütteln. Dann, ohne Vorwarnung, sprangen uns zwei Streuner in den Weg und blockierten ihn. Selene stellte sich schützend über den Korb, fletschte die Zähne und knurrte. Sie griffen gemeinsam an – und begingen ihren tödlichen Fehler. Selene war eine Luna-Wölfin; sie hätte zehn starke Wölfe zur Strecke bringen können, ohne auch nur ins Schwitzen zu geraten. Einer stürzte sich auf ihre Kehle; der andere zielte auf ihr Hinterbein. Mit einer Schulterhöhe von fast 1,75 Metern war Selene deutlich größer als ihre Angreifer. Sie stieß den Wolf, der nach ihren Hinterläufen schnappte, kraftvoll zur Seite, wich dem Angriff auf ihre Kehle geschmeidig aus und wandte sich blitzschnell dem ersten Streuner zu – dabei rammte sie ihr volles Gewicht so hart in den zweiten, dass er fast drei Meter durch die Luft geschleudert wurde. Ihre Eckzähne gruben sich tief in seine Kehle, und mit einer brutalen Bewegung riss sie ihm die Kehle auf. Er fiel sofort tot um, und sie warf seinen Körper achtlos zur Seite. Dann wandte sie sich dem letzten Streuner zu, der benommen taumelte. Sie schlug ihm mit den Vorderpfoten wuchtig gegen den Bauch und riss ihm mit ihren Krallen den Bauch auf. Sie nahm den Korb wieder sicher ins Maul. „Wir müssen uns beeilen, Selene.“ Ich spürte, wie wir mit jeder Sekunde schwächer wurden. Selene schüttelte den Kopf und drängte weiter, rannte auf unsere Zuflucht zu. „Noch ein bisschen, Selene… wir sind fast da.“ Tränen verschleierten meine Sicht. Ich wusste, dass sie kurz vor dem Zusammenbruch stand. Der Tod war nah – aber bevor er uns holte, würde ich sicherstellen, dass unser Kind in Sicherheit war. Dann veränderten sich die Geruchsmarkierungen, und ich wusste, dass wir ihr Territorium betreten hatten. Ich wurde nicht langsamer. Fast augenblicklich umzingelten uns Wölfe, die knurrend näher kamen. Selene fletschte wütend die Zähne, ließ den Korb jedoch nicht los. Die fremden Wölfe hielten sich misstrauisch zurück und passten sich unserem Tempo an. Meine Größe, meine Aura – sie verrieten ihnen, dass ich kein Feind war. Selene nahm ihre letzten Kräfte zusammen und rannte schneller. Endlich brachen wir vor ihrem Rudelhaus zusammen. Die Kriegerwölfe blieben wachsam um mich herum – und ich verübelte es ihnen nicht. Ich war unangekündigt eingedrungen und hatte mich geweigert, anzuhalten und mich auszuweisen; für sie hätte ich eine Bedrohung sein können. „Wir haben es geschafft, Selene…“ Ein schwaches Lächeln umspielte ihre Schnauze, als sie ihren Kopf auf den Boden legte – aber nicht, bevor sie den Korb sanft und sicher abgestellt hatte. Jemand legte mir einen Umhang um, und ich verwandelte mich in meine menschliche Gestalt zurück. Das Territorium des Red Moon Rudels lag fast zwei Laufstunden von unserem eigenen Rudel entfernt. Angesichts des Wolfswurz, das in unseren Körpern brannte, war es ein wahres Wunder, dass wir es überhaupt geschafft hatten. Ich spürte, wie Selene mir entglitt. „Nein… Selene… bitte… nur noch ein bisschen länger… bitte…“ Ich flehte und klammerte mich an sie, als ihre Augen begannen, sich zu schließen. Ich brauchte nur noch ein paar Minuten – genug Zeit, um alles zu erklären und ihnen die Wahrheit zu sagen. „Oh, Mondgöttin… Seraphina!“ Luna Celeste rief meinen Namen und eilte herbei. „Jemand muss sie zur Heilerhöhle bringen!“ „Nein… Celeste… bitte… hör zu…“ Meine Augenlider wurden schwer. „Sera… geh nicht… wir werden dich retten…“, rief Celeste – und schrie dann nach ihrem Gefährten. „Darius!“ Ich konnte ihre Angst und Verzweiflung spüren. Ich lächelte und rang nach meinen letzten Atemzügen. „Celeste… rette… meine Tochter… lies… den Brief…“ Die Dunkelheit brach herein. Ich tat meinen letzten Atemzug, und Selene starb mit mir. Wir gingen gemeinsam – in Frieden, denn wir hatten unseren Welpen in Sicherheit gebracht. Ich wusste, dass sie von Darius und Celeste geliebt und beschützt werden würde. Elaras Sicht Warmes, goldenes Sonnenlicht fiel auf mein Bett und weckte mich sanft. Ich lächelte und sah aus dem Fenster – ich hatte es schon immer geliebt, den Sonnenaufgang zu beobachten, wie er alles in Licht und Versprechen tauchte. Heute war der Tag, von dem ich mein ganzes Leben geträumt hatte. Mein Name ist Elara Miller, und ich bin die Erbin der Beta-Position im Red Moon Rudel. Meine Eltern sind die aktuellen Betas, und ich bin ihr einziges Kind. In unserer Welt erwecken Werwölfe an ihrem sechzehnten Geburtstag ihren Wolf – ihre andere Hälfte. Und heute wurde ich sechzehn. Irgendwann nach Mitternacht würde meine Wölfin erwachen, und ich würde die Stärke erlangen, die ich brauchte, um mein Beta-Training ernsthaft zu beginnen. Ich eilte unter die Dusche und schrubbte mich schnell ab. Ich durfte nicht zu spät kommen. Mein Vater, Marcus Miller, war ein strenger Ausbilder – gnadenlos, wenn es um Pünktlichkeit ging. Eine Verspätung von auch nur zwei oder drei Sekunden zog eine Bestrafung nach sich, und diese Lektion hatte ich bereits zu oft gelernt. Ich war seine Tochter, aber das gewährte mir keine Gnade. Ich stieg aus der Dusche und zog gepolsterte schwarze Trainingskleidung und eine Yogahose an. Werwölfe waren mit starken, markanten Körpern gesegnet, und ich bildete da keine Ausnahme – ein Meter siebzig groß, mit Kurven, die bereits Aufmerksamkeit erregt hatten. Ich bewunderte mich ein letztes Mal im Spiegel, warf dann einen Blick auf die Uhr und fluchte leise. Ich band meine Haare zu einem straffen Pferdeschwanz zusammen und sprintete in Richtung des Trainingsgeländes. Ich hatte noch fünf Sekunden Zeit. Ich schlitterte auf das Feld. Meine Brust hob und senkte sich schwer, und Schweiß brannte in meinen Augen. Ich warf einen Blick auf meine Uhr und grinste. Ich hatte es geschafft. „Elara Miller.“ Ich kniff die Augen zusammen. In diesem Tonfall bei meinem vollen Namen gerufen zu werden, war nie ein gutes Zeichen. Ich blickte vorsichtig auf. Vater stand dort mit kaltem Blick. „Ich bin pünktlich hier, Beta Miller – sieh mal.“ Ich hob mein Handgelenk. Ich hatte den Alarm meiner Uhr exakt so eingestellt, dass er genau in dem Moment klingelte, als ich ankam. Er sagte nichts, aber sein Gesichtsausdruck verriet mir, dass Ärger im Anmarsch war – und ich kannte ihn besser als jeder andere. Er war schließlich mein Vater. „Auf eure Positionen – sofort!“ Ich zuckte zusammen und beeilte mich, mich in die Reihe der anderen einzugliedern. Unser Zuhause lag auf der anderen Seite des Rudelhauses, und das Trainingsgelände befand sich in der entgegengesetzten Richtung – fast zwei Kilometer um das weitläufige Gelände herum. Deshalb musste ich jeden Morgen wie verrückt rennen, nur um rechtzeitig anzukommen. „Heute“, verkündete er, „werden alle Laufzeiten offiziell erfasst. Zehn volle Runden um das Gelände – los.“ Ich seufzte. Ein perfekter Start an meinem Geburtstag.Elaras SichtIch stöhnte auf, während mein ganzer Körper schmerzte, als hätte mich ein ganzes Rudel Wölfe überrannt. Jede Faser meines Körpers fühlte sich zerschlagen an. Dieser Schmerz war mir vertraut – er kehrte jedes Jahr um dieselbe Zeit zurück –, doch dieses Mal war er so viel schlimmer. Das Einzige, was mir Trost spendete, war Kierans Berührung. Ich wollte ihm eigentlich nicht nahe sein, aber ich ertrug den Gedanken nicht, dass er allein litt – nicht, wenn unser Gefährtenband bedeutete, dass er jedes einzelne Bisschen davon spürte. Und als Alpha traf es ihn hundertmal härter als mich. Dennoch war er hier gewesen und hatte mich die ganze Nacht festgehalten.Sein warmer Atem strich über meinen Nacken. Er schlief tief und fest, seine Arme fest um mich geschlungen, als befürchtete er, ich würde verschwinden, sobald er mich losließ. Ich erinnerte mich an unseren Kuss, und augenblicklich brannten meine Wangen. Ich verstand immer noch nicht ganz, warum ich es getan hatte – es hatte si
Kierans SichtDie Willkommensfeier war in vollem Gange, doch meine Stimmung war schon ruiniert gewesen, lange bevor die Musik überhaupt eingesetzt hatte. Alle feierten meine Rückkehr – alle außer ihr. Ich leerte mein Glas in einer einzigen, scharfen Bewegung. Meine Gefährtin hätte heute Nacht an meiner Seite sein sollen. Stattdessen stand sie drüben, lachte und tanzte mit jemand anderem.Es war mehr, als ich ertragen konnte. Elara wirbelte und lachte mit Alex, umgeben von drei anderen Wölfinnen. Sie wirkte völlig unbeschwert, ihre Hände ruhten leicht auf seinem Nacken. Das hätte ich sein sollen. Wir standen kaum auf gutem Fuß miteinander, das wusste ich – aber wir waren trotzdem Gefährten. Sie wusste genau, was wir füreinander waren. Warum also tat sie so, als würde ich gar nicht existieren?„Du weißt, was du heute Nacht tun musst, mein Sohn.“Ich schloss die Augen, während sich Frustration eng in meiner Brust zusammenzog. Alles fühlte sich verstrickt und falsch an. Trish und Alex hat
Elaras SichtWarum? Warum musste das ausgerechnet mir passieren? Was hatte ich getan, um das zu verdienen? Ich war erst sechzehn. Ich hatte mich nicht verwandelt, als die Zeit dafür gekommen war, und jetzt musste ich mit der Tatsache leben, dass ich keinen Wolf hatte.Heute… hatte ich ihn gerochen. Dieser Duft – frische Rosen, vermischt mit Regen auf feuchtem Waldboden. Es sollte gar nicht möglich sein. Eine Werwölfin sollte ihren Gefährten in diesem Alter noch gar nicht spüren können, nicht vor der ersten Verwandlung. Und ich hatte nicht einmal einen Wolf. Warum also hatte ich es gespürt?Als er mich fast gewaltsam aus Alex’ Armen riss, schoss Elektrizität durch jede Faser meines Körpers. Ich konnte meinen Blick nicht von seinen tiefen, smaragdgrünen Augen wenden. Für einen einzigen Herzschlag fühlte ich mich sicher. Und dann sah ich es – Verwirrung, Schmerz und schließlich Abscheu. Kieran. Der Sohn des Alphas. Mein ältester Freund. Und nun mein Schicksalsgefährte. Die Mondgöttin sel
Kierans SichtIch wusste nicht, was vor vier Tagen passiert war. Mir ging es völlig gut, und plötzlich brandeten Wellen von Schmerzen durch meinen Körper, schlimmer als alles, was ich je gefühlt hatte – selbst bei meiner ersten Verwandlung. Meine Freunde taten alles, was sie konnten, aber niemand konnte es lindern. Ich war fast ohnmächtig geworden. Im Moment befand ich mich an der Alpha-Akademie – jeder von uns war der nächste in der Erbfolge, um unser Rudel anzuführen. Wir waren hier, um zu Alphas ausgebildet zu werden. Man sagte, die Sinne eines Alphas seien hundertmal schärfer als die eines normalen Wolfs.Dann rief mein Vater an und befahl mir, sofort nach Hause zu kommen. Mein Training war bereits abgeschlossen. Er wollte nicht sagen, warum es so eilig war. Ich wollte ihm von diesen Schmerzen erzählen, entschied mich aber zu warten, bis ich ihm von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand.„Mama.“ Ich zog sie in eine feste Umarmung. Es war fast vier Jahre her gewesen. Es tat so gut,











