LOGINVor vier Jahren musste ich mit ansehen, wie Alpha Adrian meine Eltern abschlachtete und das Nightfall-Rudel dem Erdboden gleichmachte. Jeder, den ich liebte, starb in jener Nacht zwischen Blut und Flammen – jeder außer Asher, meinem besten Freund, der mich aus dem Feuer zog. Jetzt schleuse ich mich als Sklavin in sein Rudel ein, mit nichts als Rache in meinem Herzen. Vier Jahre habe ich auf diesen Moment gewartet. Vier Jahre darauf, Adrian nahe genug zu kommen, um ihn genauso zu töten, wie er meine Eltern getötet hat. Doch das Schicksal ist eine verdammte Schlampe. In dem Moment, als ich seine Gemächer betrete, schnappt das Gefährtenband zu und bindet mich an den einen Mann, den ich geschworen habe zu töten. Mein Körper verrät mich, verlangt nach seiner Berührung, während mein Verstand nach seinem Tod schreit. Und als Adrian die Bindung schließlich ebenfalls spürt, als er erfährt, dass ich die letzte Überlebende des Rudels bin, das er ausgelöscht hat, verändert sich alles. Er behauptet, er brauche mich. Dass ich die Heilung für das Leiden bin, das ihn langsam umbringt. Ich brauche ihn ebenfalls – denn nur er kann meinen gebrochenen Wolf heilen und mir die Fähigkeit zurückgeben, mich endlich wieder zu verwandeln. Das Band lügt nicht. Und die Wahrheit über jene blutige Nacht, die ich Stück für Stück ans Licht bringe, ebenso wenig. Mein Herz wird zerrissen zwischen meinem besten Freund, der mir das Leben rettete, und dem Gefährten, der meine Eltern ermordete und den einzigen Schlüssel dazu besitzt, mich wieder vollständig zu machen.
View MoreVOR VIER JAHREN
🪷ISORA🪷 „Atme tief durch, mein Schatz … Atme weiter, lass sie heraus.“ Ich schrie mir die Tränen in die Nacht hinaus, während meine Knochen splitterten und sich neu formten. Die Stimme meiner Mutter blieb ruhig, obwohl mein Körper unkontrolliert zuckte. Heute ist mein achtzehnter Geburtstag und meine allererste Verwandlung … „Es tut weh, Mom … es tut so weh.“ Ich konnte die Schmerzen nicht ertragen. „Ich weiß, mein kleines Mädchen, ich weiß. Aber du machst das großartig. Deine Wölfin ist wunderschön.“ Die Stimme meiner Mutter blieb ruhig und gelassen. „Nur noch ein kleines bisschen—“ Sie kam nicht dazu, ihren Satz zu beenden. Die Explosion schnitt ihr das Wort ab. Feuer brach entlang der östlichen Baumgrenze aus und verwandelte die Nacht in hellen Tag. Die Druckwelle traf einen Herzschlag später ein, heiß und nach Rauch stinkend und nach etwas noch Schlimmerem. Nach etwas, das niemals hätte brennen dürfen. „Was—“ schrie ich, während der Schmerz sich bis tief in mein Innerstes fraß. Ich war immer noch mitten in der Verwandlung. „Was passiert hier?“ Meine Mutter verwandelte sich bereits. Ihre Knochen knackten mit geübter Leichtigkeit. Mein Vater brach durch die Bäume, riesig und dunkel in seiner Wolfsgestalt. Shadow Pack, donnerte seine Stimme durch das Rudelband. Sie sind überall. Bringt Isora hier raus— Das Rudelband explodierte in Schreien. Dutzende Stimmen, alle auf einmal. Schmerz. Panik. Tod. „Mom?“ Meine Stimme klang klein und zerbrochen. Ich bin getroffen worden. Ich bin jetzt in meiner Wolfsgestalt, aber ich blute schrecklich. Die silberne Wölfin meiner Mutter stieß mich kräftig an. „Lauf zum Fluss. Asher wartet dort. Lauf, Isora. Hör nicht auf. Dreh dich nicht um.“ „Ich lasse euch nicht allein!“ Du hast keine Wahl. Sie stieß mich fort, während Pfeile durch die Luft flogen. Einer traf mein Bein, und ich wurde mit brutaler Gewalt zurück in meine menschliche Gestalt gezwungen. Wölfe strömten wie lebendige Schatten aus den Bäumen. Zu viele. Zu schnell. Sie bewegten sich mit brutaler Effizienz und machten alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellte. Ich versuchte erneut, mich zu verwandeln. Ich versuchte zu helfen. Ich versuchte zu kämpfen und mein Rudel zu retten. Schmerz explodierte in meiner Seite. Benommen blickte ich auf das Blut, das sich über meine Rippen ergoss. Ein weiterer Pfeil musste mich getroffen haben. Das Heulen meines Vaters zerriss den Rest der Nacht. Roh. Qualvoll. Endgültig. Ich hob den Kopf gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie er unter einer Masse aus schwarzem Fell und zuschnappenden Kiefern zusammenbrach. Ich sah, wie die Wölfe ihn zerrissen, brutal und gnadenlos. Ich sah, wie das Licht aus seinen Augen verschwand. „Nein … nein—DAD!“ Ich stolperte nach vorn, doch meine Mutter stellte sich mir in den Weg. Blut verklebte ihr silbernes Fell. So viel Blut bereits. Lauf. JETZT. „Nein! Ich werde nicht—Ich kann nicht—“ Ein Wolf sprang von links auf uns zu. Meine Mutter fing ihn mitten im Sprung ab. Ihre Kiefer schlossen sich um seine Kehle. Das Knacken von Knochen. Das Gurgeln seines letzten Atemzugs. Dann rückten drei weitere Wölfe nach. Hände packten mich von hinten – menschliche Hände, stark und zitternd. Asher. „Wir müssen gehen“, keuchte er, sein Gesicht voller Ruß und Tränen. „Isora, wir müssen—“ „Lass mich los!“ Ich kämpfte gegen ihn an und kratzte nach seinen Armen. „Meine Eltern—MOM!“ schrie ich. Es war roh. Es war brutal. Mitten im Chaos, mitten zwischen Feuer, Blut und Schreien sah ich ihn. Ein Mann stand im Zentrum des Massakers. Groß. Dunkel. Und erschreckend ruhig. Seine nackte Brust war mit Blut verschmiert, sein schwarzes Haar war zerzaust, seine Augen hatten das kalte Blau eines Winterhimmels. Er bewegte sich durch mein Rudel wie der leibhaftige Tod – präzise, brutal, unaufhaltsam. Er erreichte den leblosen Körper meines Vaters. Er stand einen einzigen schrecklichen Moment über ihm. Dann ging er auf meine Mutter zu. „Nein“, flüsterte ich. „Nein, nein, nein—“ Meine Mutter kämpfte. Sie kämpfte wie die Kriegerin, die sie war, riss zwei Wölfe zu Boden, dann einen dritten. Doch es waren zu viele. Immer zu viele. Der dunkelhaarige Mann – Alpha Adrian, erkannte sie voller Entsetzen – kam näher. „MOM!“ Mein Schrei riss mir die Kehle auf. Die silberne Wölfin meiner Mutter drehte sich ein letzztes Mal zu mir um. Obwohl sie blutete. Obwohl sie im Sterben lag. Fanden ihre Augen mich mitten im Gemetzel. „Ich liebe dich. Überlebe. Lass sie dafür bezahlen.“ Dann schlossen sich Alpha Adrians Kiefer um ihre Kehle. Das Geräusch, das meine Mutter von sich gab … halb Heulen, halb Gurgeln … würde mich bis an mein Lebensende verfolgen. „Sieh nicht hin.“ Ashers Hand legte sich über meine Augen, doch es war zu spät. Ich hatte es gesehen. Ich hatte gesehen, wie meine Mutter reglos zusammensackte. Ich hatte gesehen, wie Adrian ihren Körper wegwarf, als wäre sie nichts weiter als Müll. Ich hatte gesehen, wie er seine blutverschmierte Schnauze zum Mond hob und triumphierend heulte. Etwas in mir zerbrach. Meine Wölfin, bereits verletzt, bereits voller Angst, zog sich so tief in mein Innerstes zurück, dass ich sie nicht mehr spüren konnte. Ich konnte gar nichts mehr fühlen außer einer gewaltigen, heulenden Leere an dem Ort, an dem früher meine Familie gewesen war. „Isora.“ Asher schüttelte mich. „Isora, wir müssen hier weg—“ Um uns herum war das Nightfall Pack von Blut überzogen. Überall Fell. Überall Körper. Überall Blut. Das Rudelband verstummte. Asher schleifte mich in Richtung Fluss. Meine Beine gehorchten mir kaum noch. Ich drehte mich nur ein einziges Mal um. Alpha Adrian stand zwischen den Ruinen, umgeben von Leichen. Meine Leute. Mein Rudel. Meine Familie. Er verwandelte sich zurück in seine menschliche Gestalt. Blut tropfte von seinen Händen. Sein Gesicht war aus Eis und Grausamkeit gemeißelt. Mit seinen kalten blauen Augen betrachtete er sein Werk, und ich wusste … ich wusste, dass er nichts empfand. Keine Reue. Kein Mitleid. Nur brutales, gnadenloses Abschlachten. „Ich werde dich töten“, flüsterte ich. Meine Worte gingen beinahe im Tosen der Flammen unter. „Ich schwöre bei der Mondgöttin, ich werde dich dafür töten.“Liebe Tintenliebhaber 🌸💞 Wenn du das hier liest, hast du es durch das Feuer geschafft. Und ich meine nicht nur die Flammen, die das Nightfall-Rudel verbrannt haben. Ich meine die Flammen des Verrats, des Herzschmerzes, des Zusehens, wie Figuren, die du geliebt hast, auseinanderfallen und wieder aufstehen. Ich meine die Flammen einer Geschichte, die dir nie ein glückliches Ende versprochen hat – nur ein ehrliches. Dieses Buch sollte nie sanft sein. Es sollte nie sicher sein. Es sollte sich echt anfühlen – roh, gebrochen und schmerzhaft menschlich, selbst in einer Welt voller Wölfe und Flüche und schicksalhafter Gefährten. Als ich anfing, diese Geschichte zu schreiben, wusste ich genau, wie sie enden würde. Nicht weil ich wollte, dass sie so endet, sondern weil die Figuren es verdienten. Adrians Tod war nie eine Strafe – er war eine Vollendung. Er verbrachte zwanzig Jahre damit, vor seinem Fluch davonzulaufen, sich vor sich selbst zu verstecken, alle wegzustoßen, weil er To
🪷ISORA🪷 Sechs Monate waren vergangen seit dem Feuer, und ich stand immer noch. Das Rudel hatte seinen Rhythmus wiedergefunden. Die Krieger trainierten im Hof, ihre Schwerter klirrten, und ihre Stimmen riefen Befehle. Die Diener bewegten sich durch die Hallen, ihre Schritte leise auf dem Stein, ihre Hände mit ihren Aufgaben beschäftigt. Die Kinder spielten in den Gärten, ihr Lachen hallte von den Wänden wider wie ein Lied, das zu lange gefehlt hatte. Das Leben hatte nicht aufgehört. Es war einfach weitergegangen, so wie es immer tat, so wie es immer tun würde. Garrick hatte die Rolle des amtierenden Alphas mit einer Stabilität übernommen, die ich bewunderte, seine Gegenwart füllte die Räume, die Adrian hinterlassen hatte. Er hatte nicht versucht, ihn zu ersetzen. Er hatte einfach das Rudel zusammengehalten, so wie Adrian es gewollt hätte. Olivine war sein Anker geworden, ihre grünen Augen fanden ihn immer über den Raum hinweg, ihre Hand griff immer nach seiner, wenn sie dachte, n
🪷ISORA🪷 Das Tagebuch zitterte in meinen Händen, als ich auf die dritte Seite starrte. Die Tränen fielen bereits, verschwommen meine Sicht, aber ich konnte es trotzdem klar sehen. Ein zwei Jahre altes Baby-Mädchen, das auf den Stufen eines Hauses saß, ihr dunkles Haar ein Durcheinander aus Locken, ihre haselnussbraunen Augen weit und unschuldig. Das Baby, das die Bestie angelächelt hatte. Das Baby, das ihn zum ersten Mal zurückverwandelt hatte. Das Baby, das ich gewesen war. Meine Finger zitterten, als ich die Seite umblätterte. Eine weitere Zeichnung. Ein Mädchen in einem schlichten grauen Kleid, das in seinem Arbeitszimmer stand, ihre Augen brannten vor Hass. Der erste Tag, an dem ich sein Rudel betreten hatte. Der erste Tag, an dem er mich gesehen hatte. Der Tag, an dem ich versucht hatte, ihn zu töten. Ich erinnerte mich so klar an diesen Tag, die Art, wie er mich angesehen hatte, die Art, wie er mich gebeten hatte, ihn anzusehen, die Art, wie die Bindung sich geschlossen hatt
🪷ISORA🪷 Das Feuer brannte immer noch. Ich saß auf dem kalten Boden, meine Knie an meine Brust gezogen, meine Augen auf die Flammen gerichtet, die ihn verzehrten. Der Regen hatte vor Stunden aufgehört, aber der Himmel war immer noch dunkel, und die Luft war dick vom Geruch von Rauch und Asche und Kummer. Ich saß seit Stunden hier, sah zu, wie das Feuer brannte, sah zu, wie die Flammen an seinem Körper leckten, sah zu, wie die letzten Spuren von ihm in den Himmel verschwanden. Meine Hände waren taub vor Kälte, mein Gesicht war roh von den Tränen, und meine Kehle war roh vom Schreien, aber ich konnte mich nicht bewegen. Ich konnte nicht wegsehen. Ich konnte nichts tun außer hier zu sitzen und ihm beim Brennen zuzusehen. Sein Gesicht war immer noch da, durch die Flammen, durch den Rauch. Ich konnte seine Augen sehen, seine Lippen, die Narbe an seinem Kiefer. Ich konnte sehen, wie er mich angesehen hatte, als er sagte, dass er mich liebt. Ich konnte sehen, wie seine Hand von meinem Ge

















