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Kapitel 3

Penulis: Jana Jäger
Erschrocken richtete Juna ihr Bewusstsein sofort auf die Taschendimension.

Die Taschendimension war noch da, ebenso ihre Vorräte. Probeweise holte Juna einen Gegenstand heraus, und im nächsten Moment lag ein Kohlebrikett in ihrer Hand.

Bei einer genaueren Kontrolle bemerkte sie, dass die leuchtende Zeitanzeige auf null stand.

Endlich verstand Juna: Sie durfte sich pro Tag höchstens zwei Stunden in der Taschendimension aufhalten.

Zwei Stunden … Nun gut. Es war immer noch besser als nichts!

Als Juna nach dem Duschen aus dem Bad kam, war es bereits nach Mitternacht.

Ein Blick in die Taschendimension zeigte ihr, dass der Zähler wieder bei zwei Stunden stand. Erst da ließ ihre Anspannung ein wenig nach.

Im Bett fand Juna lange keinen Schlaf. Schließlich griff sie zu Melatonin.

Trotzdem schlief sie unruhig. Wieder träumte sie von den Männern, die sie damals gejagt hatten. Rost- und blutbefleckte Klingen sausten mit voller Wucht auf sie herab …

Juna fuhr schweißgebadet aus dem Schlaf.

Es war fünf Uhr morgens, und draußen lag die Stadt noch im Dunkeln. Juna sah nach ihren Vorräten in der Taschendimension. Erst danach beruhigte sie sich wieder.

An Schlaf war nicht mehr zu denken. Juna nahm die Autoschlüssel und fuhr zum größten Lebensmittelgroßmarkt der Stadt.

Der Himmel wurde gerade erst hell, doch vor dem Markt herrschte bereits reger Lieferverkehr.

Juna ging zuerst in die Gemüsehalle und kaufte frische Ware, auf der noch Tautropfen lagen.

Kohl, Kürbisse, Lotuswurzeln, Möhren, weißer Rettich, Auberginen, grüne Bohnen, Bittermelonen, Sellerie, Tomaten und anderes lagerfähiges Gemüse – von jeder Sorte kaufte sie fünfzig Kilogramm. Von Kartoffeln und Süßkartoffeln nahm sie jeweils hundert Kilogramm.

Von Ingwer und Knoblauch nahm sie ebenfalls je fünfzig Kilogramm. Beides eignete sich zum Würzen und zum Anpflanzen. Bei extremer Kälte konnte eine Tasse heißer Ingwertee sogar Leben retten.

Juna arbeitete sich Stand für Stand vor. Nur bei empfindlichem Blattgemüse hielt sie sich zurück. Am Ende zahlte sie rund vierhundert Euro.

Nach einem schnellen Frühstück war es fast neun Uhr, und der erste Ansturm auf dem Großmarkt ließ allmählich nach.

Juna verglich die Angebote mehrerer Händler, ehe sie ihre Grundvorräte bestellte: hundert Säcke Reis à fünfundzwanzig Kilogramm und fünfzig ebenso große Säcke Mehl. Dazu kamen jeweils zweihundertfünfzig Kilogramm Spaghetti, Eiernudeln, Bandnudeln und Vollkornnudeln. Von Linsen, Kidneybohnen, Kichererbsen, weißen Bohnen und Erbsen nahm sie jeweils hundert Kilogramm. Außerdem kaufte sie je fünfzig Großkanister Rapsöl, Sonnenblumenöl und Olivenöl.

Die gesamte Bestellung kostete weniger als dreitausend Euro. Nach zähen Verhandlungen legte die Händlerin noch drei Säcke Reis kostenlos dazu.

Allein diese Vorräte würden Juna dreißig Jahre lang ernähren.

Während die Händlerin die Bestellung zusammenstellen ließ, ging Juna zur benachbarten Gewürzhalle.

Sie kaufte je zehn Zwanzig-Liter-Kanister Flüssigwürze und Essig sowie zweihundert Ein-Liter-Flaschen Korn. Dazu kamen jeweils fünfzehn Kilogramm Pfeffer, Paprikapulver, Kümmel, Majoran und Zimt. Von braunem Zucker, weißem Zucker und Kandiszucker nahm sie jeweils hundertfünfzig Kilogramm. Salz kaufte sie in Packungen zu fünfhundert Gramm – insgesamt anderthalb Tonnen.

Grundnahrungsmittel waren in der kommenden Katastrophe wichtig, doch Salz war noch wertvoller. Ohne genügend Salz würde der Körper rasch schlappmachen.

Im dritten Jahr nach der Katastrophe hatte Juna selbst erlebt, wie jemand eine einzige Packung Salz gegen fünfzehn Kilogramm Getreide tauschte.

Die anderthalb Tonnen brauchten erstaunlich wenig Platz. Sobald die Vorräte knapp wurden, konnte Juna das Salz gegen andere Dinge eintauschen. Hätte ihr nicht der Platz gefehlt, hätte sie am liebsten gleich mehrere Dutzend Tonnen gekauft.

Juna ließ alles aufladen, fuhr an eine abgelegene Stelle ohne Überwachungskameras und brachte die Waren in der Taschendimension unter. Danach ging es weiter zur Tiefkühlhalle.

Sie nahm je zehn Großkartons mit Aufbackbrötchen, Laugenstangen, Croissants, Quarktaschen, Apfeltaschen und kleinen Gemüsestrudeln. Von fertigem Gebäck mit Fleisch ließ sie wegen der zweifelhaften Qualität die Finger. Stattdessen kaufte sie hundert Kilogramm tiefgekühlten Nudelteig, um später selbst Maultaschen zuzubereiten. Während der langen Überschwemmung konnte sie sich damit die Zeit vertreiben.

Danach ging es in die Trockenwarenabteilung. Juna kaufte getrocknete Steinpilze, Pfifferlinge und Champignons, getrocknetes Suppengemüse, Apfelringe, Pflaumen, Rosinen sowie Kürbis- und Sonnenblumenkerne, teils geröstet und gewürzt. Damit waren erneut mehr als tausend Euro weg.

In der Fleischhalle suchte Juna den Stand auf, der auch die Mensa ihrer Universität belieferte. Der Händler begrüßte sie herzlich. „Juna, was darf es sein?“

Vor dem Taifun war die Luft ungewöhnlich schwül. Um diese Uhrzeit lag nur noch wenig Fleisch in der Auslage, und ganz frisch war es nicht mehr. Dafür stimmten die Preise.

Juna bestellte jeweils hundert Kilogramm Schweinebauch, Schweineschulter, Schweinelende, Rippchen, Rindfleisch, Lammfleisch und Kaninchenfleisch. Dazu kamen hundert Hähnchen, ebenso viele Enten, fünfzig Gänse sowie Leber, Herzen, Nieren und andere Innereien von Schweinen und Rindern.

Der Händler starrte sie an. „Juna, das meinst du doch nicht ernst?“

Seine Frau arbeitete in einem Schlachthof, und Juna hatte ihm schon häufig Kunden vermittelt und dafür Provision erhalten. Juna erklärte: „In der Verwandtschaft steht eine Hochzeit an. Hauptsache, der Preis stimmt.“

„Nach all den Kunden, die du mir vermittelt hast? An dir verdiene ich doch nichts. Du bekommst alles dreißig Prozent billiger!“

Fleisch war teuer. Schweinefleisch war erst in den letzten beiden Jahren günstiger geworden, Rind und Lamm dagegen nicht. Deshalb lohnte es sich besonders, bei einem Bekannten einzukaufen.

Am Ende kam Juna auf etwa dreitausend Euro. Sie handelte nicht weiter, stellte jedoch eine zusätzliche Bedingung: Sie wollte zwei schwere Hackmesser und zwei Schlachtermesser.

Waffen zur Selbstverteidigung waren unverzichtbar. Für etwas Besseres fehlten Juna jedoch Zeit und Kontakte, also musste sie nehmen, was sie auf die Schnelle bekommen konnte.

Der Händler wurde misstrauisch. „Wozu brauchst du die?“

„Keine Sorge. Ich werde damit schon niemanden umbringen.“

Der Gewinn stimmte, und die beiden kannten sich gut. Der Händler sagte bereitwillig zu.

Beim Fischhändler bestellte Juna hundert ausgenommene Fische. Sie sollten ganz bleiben und erst später abgeholt werden.

Außerdem kaufte sie dreitausend Hühnereier und tausend Enteneier. Vielleicht würde die Katastrophenserie eines Tages enden. Für diesen Fall nahm sie zusätzlich je zwei Packungen befruchteter Hühner-, Enten-, Gänse- und Wachteleier sowie einen kleinen Brutautomaten für den Hausgebrauch.

Dann dachte Juna an den Garten in ihrer Taschendimension. In einem Saatgutladen kaufte sie Samen von Dutzenden schnell wachsenden Gemüsesorten, darunter Pflücksalat, Spinat, Rucola, Radieschen, Kresse und Frühlingszwiebeln.

Saatgut war billig. Für fünfzig Euro bekam Juna genug, um jahrzehntelang Gemüse anzubauen.

Das Beet maß zwar nur zehn Quadratmeter, doch auch die beiden Balkone konnten bepflanzt werden. Bei dem Gedanken daran packte Juna sofort der Tatendrang. Sie kaufte Pflanzkübel, eine Hacke, einen Spaten und mehrere Säcke Anzuchterde.

Voller Vorfreude ging sie anschließend zum Bereich für Obstgehölze. Dort fand sie Dutzende Sorten, darunter Apfelbäume, Weinreben, Orangen- und Mandarinenbäume. Von jeder Sorte nahm sie drei kräftige Jungpflanzen, die bereits mehrere Jahre alt waren.

Fleisch war ein Verbrauchsgut. Je länger die Katastrophen dauerten, desto seltener würde frisches Fleisch werden. Selbst einflussreiche Menschen würden irgendwann keines mehr bekommen.

Juna kaufte deshalb ein Zuchtpaar Kaninchen. Die Tiere konnten von Gemüse leben, vermehrten sich schnell und würden Junas Fleischbedarf langfristig decken.

Juna aß gern deftige Schmorgerichte und kalten Braten. Deshalb kaufte sie insgesamt hundert Kilogramm tiefgekühlte Hähnchenschenkel und Entenkeulen sowie jeweils fünfzig Kilogramm Geflügelleber, Hühnerherzen, Putenbrust und Schweinebraten.

Das Geld rann ihr durch die Finger, und jeder Einkauf tat weh. Doch die Vorräte in der Taschendimension wuchsen stetig. Ihr Anblick erfüllte Juna mit einer schwer zu beschreibenden Mischung aus Zufriedenheit und Zuversicht.

Juna verbrachte den ganzen Tag auf dem Großmarkt. Als sie ihn schließlich verließ, leuchteten bereits die Straßenlaternen. Die Stadt war voller Menschen, Licht und Stimmen. Für viele begann der schönste Teil des Tages gerade erst.

Juna ging in ein Restaurant und bestellte geschmorte Schweinerippchen, Frikadellen und ein Tomatenomelett. Sie gönnte sich ein richtig gutes Essen und ließ sich die Reste einpacken.

Als Juna nach Hause kam, war es noch früh. Sie ordnete die Vorräte in der Taschendimension, bis das größere Schlafzimmer vollständig gefüllt war. Gemüse und Obstgehölze stellte sie ins Wohnzimmer, die beiden Kaninchen kamen auf den Balkon.

Diesmal ging Juna auf Nummer sicher. Sie behielt die Zeitanzeige im Blick und verließ die Taschendimension zehn Minuten vor Ablauf.

Kaum war sie draußen, wurden auch die beiden Kaninchen aus der Taschendimension geschleudert. Sie schlugen hart auf dem Boden auf und kamen nur knapp mit dem Leben davon.

Juna brachte kein Wort heraus.

Erst war Juna frustriert, dann überwältigte sie eine Welle der Freude.

Die Taschendimension beschränkte nicht nur Junas eigene Aufenthaltszeit. Solange sie nicht darin war, konnten auch andere Lebewesen dort nicht bleiben.

Das bedeutete: Niemand konnte ihr die Taschendimension entreißen.

Gut gelaunt setzte Juna sich hin und ging ihre Listen noch einmal durch. Sie hatte beinahe alles gekauft, was ihr eingefallen war. Auf dem Konto lagen noch ungefähr zweitausend Euro.

In der Taschendimension waren nur noch das Wohnzimmer und das Bad frei. Für ein Leben unter extremen Bedingungen fehlte trotzdem noch vieles. Juna wollte den restlichen Platz jedoch nicht mit weiteren sperrigen Waren vergeuden.

Sie öffnete eine Bestell-App und suchte sich bei einigen der bestbewerteten Restaurants der Stadt all die Gerichte aus, die sie sich früher nie gegönnt hatte: Garnelen in Knoblauchbutter, Hähnchen in Kräutersauce, gefüllte Paprika, Schweinebraten und vieles mehr – insgesamt gut zwanzig verschiedene Gerichte. Von jedem bestellte sie zehn Portionen.

Dazu kamen Laugenstangen, kleine gefüllte Teigtaschen, gebratene Maultaschen, belegte Fladenbrote, Rindfleischfrikadellen, Käsebrötchen, Grillspieße, Aufschnitt, Grillfleisch und Milchshakes, insgesamt mehrere Dutzend verschiedene Snacks und Getränke.

Juna gab mehr als tausend Euro aus. Damit alles frisch blieb und gut schmeckte, vereinbarte sie feste Abholzeiten und verzichtete auf die Lieferung.

Obwohl Juna todmüde war, wollte sie die Stadt noch ein letztes Mal in all ihrer Lebendigkeit erleben …

Am Nachmittag kam eine Mitteilung der Universität. Wegen des bevorstehenden Supertaifuns fiel der Lehrbetrieb vorerst für drei Tage aus. Über die Wiederaufnahme sollte später entschieden werden.

Die Studenten jubelten. Viele verabredeten sich zum Feiern und wollten vor dem Sturm noch einmal die Nacht durchmachen.

In dieser milden Küstenregion zogen jedes Jahr mehr als ein Dutzend Taifune vorbei. Bei jeder Warnung hofften die Studenten auf Unterrichtsausfall. Diesmal ging ihr Wunsch endlich in Erfüllung.

Früher hatte Juna genauso gedacht. Keiner von ihnen wusste, dass es diesmal ernst wurde und der Unterricht nie wieder beginnen würde.

Während Juna Grillfleisch aß und Bier trank, holte sie eine Bestellung nach der anderen ab. Dabei wusste sie selbst nicht recht, was sie empfinden sollte.

Als Juna zurückkam, ließ ein ungutes Gefühl sie nicht los. Etwas Wichtiges fehlte. Nur was?

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