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Kapitel 2

Jana Jäger
Nachdem Juna die Anzahlungen bezahlt hatte, fuhr sie zum größten Outdoorladen der Innenstadt.

Der Konkurrenzdruck in der Branche war enorm. Das Geschäft stand kurz vor der Schließung und verramschte seinen gesamten Bestand. Manche Artikel waren um bis zu achtzig Prozent reduziert.

Für Juna kam das wie gerufen.

Sie kaufte zwei Schlauchboote mit Außenbordmotor und vier einfache Schlauchboote, Notfallsets für Erdbeben und Brände, Zelte, eine Feuerwehraxt, Kletterseile, Ferngläser, ein Radio, wasserdichte Taschenlampen, leistungsstarke Solarladegeräte und vieles mehr.

Bei Ausrüstung, die über Leben und Tod entscheiden konnte, durfte sie keine Abstriche machen. Juna nahm nur hochwertige Modelle.

Als der Verkäufer erkannte, was für eine Großkundin er vor sich hatte, empfahl er ihr mit Feuereifer Funktionsjacken, Schlafsäcke und weitere Artikel. „Heute ist alles reduziert. Mit der Qualität werden Sie garantiert zufrieden sein.“

Juna verzog das Gesicht. „Haben Sie auch etwas, das minus sechzig bis siebzig Grad aushält?“

Der Verkäufer erschrak. „Wir sind hier im Süden. Bei uns kann man im Winter manchmal noch im T-Shirt herumlaufen.“

„Ich fahre demnächst für ein Forschungsprojekt in die Arktis.“

Da Juna es offenbar ernst meinte, telefonierte der Verkäufer sofort mit einigen Branchenkollegen. Dann wandte er sich wieder an sie: „Ich kann Polarschutzanzüge und Mumienschlafsäcke besorgen. Zusammen halten sie solche Temperaturen aus. Die Sachen sind allerdings teuer und müssen von weit her geliefert werden.“

Einer seiner Kollegen betrieb einen Onlineshop und hatte recht gute Bewertungen. Per Express sollte die Ware am nächsten Nachmittag eintreffen.

Juna bestellte von beidem je zwei Stück und zahlte etwas mehr als sechshundert Euro.

Für die übrige Ausrüstung gab sie weitere zwölfhundert Euro aus. Danach war der Lieferwagen bis oben hin voll. An einem unbeobachteten Ort brachte Juna alles in der Taschendimension unter.

Die Außenbordmotoren liefen mit Benzin, doch größere Mengen bekam sie als Privatperson nicht ohne Weiteres.

Juna kaufte in einer Werkstatt eine Absaugpumpe und mehrere Kanister. Dann fuhr sie verschiedene Tankstellen an, tankte den Lieferwagen jedes Mal voll und pumpte das Benzin an menschenleeren Orten ohne Überwachungskameras aus dem Tank in die Kanister. Nach mehreren Fahrten hatte sie fünfhundert Liter zusammen.

In der bevorstehenden Katastrophe würden Gewalt und Grausamkeit an der Tagesordnung sein. Deshalb fuhr Juna als Nächstes zu einem Geschäft für Sicherheitsausrüstung. „Ich muss für längere Zeit nach Ameria.“

Der Besitzer holte sofort seine besten Waren aus dem Lager. „Dort kann es bekanntlich ziemlich rau zugehen. An Ihrer Sicherheit sollten Sie deshalb nicht sparen.“

Juna kaufte drei schnitt- und stichfeste Schutzanzüge sowie zwei ballistische Westen. Ohne sich eine Pause zu gönnen, fuhr sie danach zum größten Textilgroßmarkt außerhalb der Stadt.

Im Lieferwagen landeten Daunenjacken, lange Wintermäntel, Kaschmirpullover, Thermowäsche, Schals, Handschuhe, Socken, rutschfeste Winterstiefel, leichte Sportschuhe, gefütterte Schuhe und Hausschuhe.

Juna kaufte alles, was ihr einfiel und irgendwann nützlich werden konnte. Marken waren ihr gleichgültig, solange die Qualität stimmte.

Auf dem Textilmarkt gab sie weitere zwölfhundert Euro aus. Anschließend fuhr sie direkt zum benachbarten Großhandel für Haushaltswaren.

Sie kaufte leichte Sommerdecken, Daunendecken und vor allem dicke Baumwolldecken. Von den vier und fünf Kilogramm schweren Ausführungen nahm sie jeweils drei Stück. Alles musste in Vakuumbeuteln verpackt werden.

Dazu kamen Shampoo, Duschgel, Waschmittel, Damenbinden, Papiertücher, Zahnpasta, Zahnbürsten, Thermoskannen, Feuerzeuge und Wärmflaschen. Allein von den selbstwärmenden Wärmepads bestellte Juna zwanzigtausend Stück. Bei extremer Kälte konnten sie Leben retten.

Bei einem Händler stieß sie auf echte Raritäten: gläserne Petroleumlampen und wind- und wetterfeste Sturmlaternen, Modelle aus einer längst vergangenen Zeit.

Juna kaufte von jeder Ausführung fünf. „Haben Sie auch Petroleum?“

Der Händler hatte tatsächlich Petroleum, doch weil es sich schlecht verkaufte, hatte er nur hundert Liter auf Lager.

Juna nahm alles und bat den Händler, ihr noch einige Lampendochte dazuzulegen. Damit konnte sie um ein Vielfaches länger Licht erzeugen als mit gewöhnlichen Kerzen.

Sie kaufte außerdem Spirituskocher, Brennstofftabletten und tragbare Gaskocher. Da es in der Taschendimension Strom gab, nahm sie auch mehrere Induktionsplatten mit.

Insektenspray, Desinfektionsmittel, Tabletten zur Reinigung von Trinkwasser, Mückenschutzmittel und alles andere, was ihr noch einfiel, landete ebenfalls im Einkaufswagen. Insgesamt gab sie dort zweitausend Euro aus.

Direkt nebenan befand sich ein Obstgroßmarkt. Juna kaufte Äpfel, Birnen, Wassermelonen, Kiwis, Bananen, Honigmelonen, Sternfrüchte, kernlose blaue Weintrauben, grüne Tafeltrauben und viele andere Obstsorten – insgesamt gut zwanzig. Weitere sechshundert Euro waren weg.

Als Juna den Großmarkt verließ, war es bereits dunkel.

Auf ihrem Handy sah sie mehrere verpasste Anrufe von Bastian. In einer WhatsApp-Nachricht schrieb er, dass die Medikamente bereitstanden.

Juna fuhr zum Firmensitz des Pharmagroßhändlers. Vor dem Eingang standen mehr als zwanzig große Kartons mit Antibiotika, entzündungshemmenden Medikamenten, Jodlösung, medizinischem Alkohol, sterilen Kompressen, Verbandsmaterial und sogar Tetanusimpfstoff.

In einer Katastrophe konnten diese Medikamente Leben retten. Sie hatten zwar etwas mehr als viertausend Euro gekostet, doch Juna fühlte sich mit ihnen gleich viel sicherer.

Bastian überwies ihr zweihundert Euro Provision. „Deine Liste war ziemlich bunt zusammengewürfelt. Vieles davon hatten wir nicht da, also musste ich es bei anderen Händlern auftreiben.“

„Ich liefere die Ware erst einmal ab. In ein paar Tagen lade ich dich zum Essen ein“, sagte Juna hinter dem Steuer. Dann erinnerte sie ihn: „Der Supertaifun ist bald da. Leg dir zu Hause einen Vorrat an Speiseöl und haltbaren Lebensmitteln an.“

Bastian nahm die Warnung überhaupt nicht ernst. Allein in diesem Jahr waren mehr als ein Dutzend Taifune über die Region hinweggezogen. Jedes Mal hatte es dramatische Warnungen gegeben, und am Ende war kaum etwas passiert.

Nachdem Juna die Medikamente in der Taschendimension verstaut hatte, fuhr sie zum Ausgehviertel rund um den Campus und bestellte sich Bratwurst vom Grill, ein Bier und gebratene Schupfnudeln.

Die Straßen waren voller Menschen. Überall saßen Studenten und junge Paare, lebensfroh und unbeschwert. Keiner von ihnen ahnte, welche Katastrophe unmittelbar bevorstand.

Auf ihre Bestellung musste Juna warten. Ihr Blick blieb an der rot glühenden Holzkohle hängen.

In der ganzen Hektik hätte sie beinahe etwas Entscheidendes vergessen.

Juna bat den Imbissbesitzer sofort um die Kontaktdaten von Händlern für Holzkohle, Kohlebriketts und Propangas.

Sie rief alle drei nacheinander an und wollte sich die Waren am nächsten Tag liefern lassen.

Diesmal hatte sie Pech. Die Geschäfte lagen in einem tief gelegenen Stadtteil, und die Behörden hatten den Betreibern angeordnet, ihre Waren wegen der Sturmwarnung in Sicherheit zu bringen. Für Lieferungen blieb ihnen in den nächsten beiden Tagen keine Zeit.

Alle drei Händler befanden sich im selben Gewerbegebiet. Juna ließ sogar ihr bestelltes Essen stehen und fuhr sofort hin.

Holzkohle war billig, nahm jedoch viel Platz ein. Nach einem Blick auf den freien Raum in der Taschendimension beschränkte sich Juna auf zweihundertfünfzig Kilogramm raucharme Holzkohle mit hohem Heizwert. Dazu bekam sie einen Kohleofen und mehrere Packungen Anzünder.

Eine Propangasflasche reichte etwa zwei Monate. Falls der Strom in der Taschendimension doch einmal ausfiel, wollte Juna vorbereitet sein. Sie nahm zehn Flaschen.

Kohlebriketts brannten sehr lange. Wegen der landesweiten Energiekrise und ausbleibender Kohleimporte waren die Preise jedoch stark gestiegen. Ein einzelnes Brikett kostete inzwischen zwanzig Cent. Juna biss die Zähne zusammen und bestellte zweitausend Stück.

Als Juna in ihre Wohnung zurückkehrte, war es fast neun Uhr. Sie gönnte sich nur eine kurze Verschnaufpause, bevor sie die Taschendimension betrat und begann, die chaotisch verteilten Vorräte zu ordnen.

Um möglichst viel Platz zu sparen, stapelte sie die Gasflaschen, Kohlebriketts und Holzkohle in der Küche.

Sie entfernte sämtliche unnötigen Umverpackungen. Kleidung, Decken und andere weiche Waren presste sie in Vakuumbeutel und stapelte alles bis unter die Decke.

Geld verschwand erschreckend schnell. Allein an diesem Tag hatte Juna mehr als zwölftausend Euro ausgegeben. Damit waren das kleinere Schlafzimmer und die Küche vollständig gefüllt. Die Vorräte nahmen schätzungsweise fünfzig Kubikmeter ein.

Kaum war sie fertig, schleuderte eine unsichtbare Kraft sie aus der Taschendimension. Im nächsten Augenblick lag Juna in ihrer Wohnung auf dem Boden.

Benommen blieb Juna liegen und brachte kein Wort heraus.

Juna versuchte erneut, die Taschendimension zu betreten, doch eine unsichtbare Barriere hielt sie zurück.

„Verdammt! Die Taschendimension hat meine gesamten Vorräte verschluckt!“

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