MasukImmer wieder stürzten sich Menschen auf die beiden. Einige wollten ihre Vorräte, andere das Schlauchboot.So gut Marlene auch kämpfen konnte, gegen Angriffe von allen Seiten kam sie nicht an. Ein Teil der Lebensmittel wurde ihnen entrissen, jemand schnitt ihr in den Arm, und ein anderer versuchte sogar, das Schlauchboot mit einem Messer aufzuschlitzen.„Wäre die Außenhaut des Bootes nicht so robust gewesen, hätten wir es vermutlich nicht mehr zurückgeschafft.“Marlene konnte kaum fassen, wozu Menschen fähig waren, und lehnte sich erschöpft an Noel.Juna wusste nicht, wie sie ihre Freundin trösten sollte. Dabei hatte der Untergang gerade erst begonnen.Noch bevor die beiden wieder zu Atem gekommen waren, hämmerte jemand gegen die Stahltür am Zugang zum achtzehnten Stock.Davor drängten sich mehrere Dutzend Menschen. Nicht einmal der Flur im siebzehnten Stock bot genug Platz für alle.Juna runzelte die Stirn. War die Menge etwa gekommen, um ihnen die Vorräte mit Gewalt abzunehmen?Für di
Menschen ertrugen Mangel leichter als das Gefühl, schlechter dazustehen als andere.Schließlich steckten alle in derselben Katastrophe. Warum sahen die einen wohlgenährt und unbeschadet aus, während die anderen verhungerten?Die Umstehenden dachten gar nicht daran, Marlene und Noel zu helfen. Einige warteten sogar nur darauf, dass die beiden näher kamen, um sie auszurauben.Juna war mit zwei Messern bewaffnet: In der linken Hand hielt sie das Schlachtermesser, in der rechten ein Ausbeinmesser.Mit eisiger Miene drängte Juna sich durch die Menge und versperrte den Zugang zum Fenster.Auf den scharfen Klingen klebte noch getrocknetes Blut. Bei ihrem Anblick wichen die Bewohner erschrocken zurück.Ein Mann setzte bereits zu einer empörten Standpauke an, doch da trat auch Leander ans Fenster.Nun flankierten Leander und Juna die Öffnung, beide mit einer Miene, die jede weitere Annäherung im Keim erstickte.Juna musterte die Gesichter ringsum und sagte kalt: „Spart euch eure verdammten Pred
Auf dem Motorboot des Mannes lagen offenbar zahlreiche Taschen und Kisten.Wer in dieser Welt viele Vorräte besaß, brachte sich damit in Gefahr.Solange die Sicht noch schlecht war, musste Juna ihre nächtliche Beschaffungstour glaubwürdig erscheinen lassen. Sie griff mit einer Hand hinter den Rücken, holte zwei wasserdichte Rucksäcke aus der Taschendimension und paddelte auf den Mann zu.An Größe und Statur erkannte sie ihn sofort. Das konnte nur Leander aus Wohnung 1801 sein. Regenanzug und Maske verdeckten zwar sein Gesicht, doch Juna erkannte ihn trotzdem auf den ersten Blick.Nun wusste sie auch, weshalb Mila trotz der Katastrophe wohlgenährt aussah: Leander ging nachts ebenfalls auf Beschaffungstour.Sie taten beide dasselbe. Es gab keinen Grund, sich voreinander zu schämen.Auch Leander erkannte Juna trotz ihrer Maske und begrüßte sie im strömenden Regen mit einem kurzen Nicken.Nachdem er sein Motorboot verstaut hatte, streckte er ihr die Hand entgegen.Juna nahm die Hilfe ohne
Auf dem Parkdeck war niemand. Die zweite Etage stand inzwischen mehr als zur Hälfte unter Wasser.Bevor Juna aufbrach, fiel ihr Blick noch einmal auf den schweren Geländewagen, der ihr schon zuvor gefallen hatte.Es war das gleiche Modell wie Leanders Wagen: hohe Bodenfreiheit, enorme Motorleistung und eine wuchtige Karosserie. Damit konnte man einen gewöhnlichen SUV mühelos von der Straße drängen – ein echtes Fahrzeug für den Untergang.Leider war in der Taschendimension kein Platz mehr. Zwischen dem Geländewagen und dem geräumigeren, vielseitigeren Wohnmobil musste Juna sich entscheiden. Sie blieb beim Wohnmobil.Wehmütig strich sie über die Motorhaube. Der Verzicht fiel ihr schwer.Bald standen sämtliche Fahrzeuge auf diesem Deck unter Wasser und wurden von der Strömung fortgerissen. Was für eine Verschwendung.Der Pegel stieg rasant, die Strömung wurde immer stärker. Ein einfaches Schlauchboot konnte leicht abgetrieben werden.Juna holte deshalb ein Schlauchboot mit Außenbordmotor
Wäre die Taschendimension hundertmal so groß gewesen, hätte Juna im Wettlauf gegen die Zeit die ganze Stadt leer geräumt.Stattdessen konnte sie nur hilflos mitansehen, wie lebenswichtige Vorräte in den Fluten versanken. Schon bald begann ein noch erbarmungsloserer Überlebenskampf, bei dem Menschen wegen eines verschimmelten Stücks Brot mit Messern aufeinander losgingen.Die Wirklichkeit war grausam. Juna konnte nur dafür sorgen, dass sie selbst überlebte.Sie riss sich aus ihren Gedanken und setzte den Wettlauf gegen das steigende Wasser fort.Shampoo, Duschgel, Seife, Damenbinden, Desinfektionsmittel …H-Milch, Joghurt, Milchpulver, haltbare Ziegenmilch, Kakaopulver, Haferflocken, Vanillepuddingpulver, Grießbrei, Zucker, Kandiszucker und brauner Zucker.Das Wasser reichte Juna bereits bis zu den Oberschenkeln. Für Markenvergleiche oder wählerisches Aussuchen blieb keine Zeit. Ihre Hände flogen über die Regale. Ob ihr etwas schmeckte oder nicht, spielte keine Rolle – in ihren Vorräten
Mit einiger Mühe zog Juna das Schlauchboot auf die überflutete Auffahrt und brachte es dort sicher zum Liegen.Nachdem sie es wieder in der Taschendimension verstaut hatte, folgte sie der Auffahrt hinauf zum Parkdeck.Das weitläufige Parkdeck war dicht mit Autos belegt, überwiegend Luxuswagen: Mercedes, BMW, Ferrari, Lamborghini …In Falkenstadt lebten viele wohlhabende Menschen. Vermutlich hatten die Besitzer ihre teuren Wagen vor dem Taifun auf das erhöhte Parkdeck gebracht, um sie vor dem Hochwasser zu schützen.Juna ließ den Lichtkegel ihrer Taschenlampe Reihe für Reihe über die Fahrzeuge wandern.Ein großes Wohnmobil zog ihren Blick auf sich. Schon am Herstellerlogo erkannte sie ein Spitzenmodell im Wert von rund einer Million Euro. Karosserie und Scheiben waren kugelsicher, die Reifen pannensicher und besonders robust. Entscheidend war jedoch der Hybridantrieb: Das Fahrzeug ließ sich sowohl mit Kraftstoff als auch elektrisch betreiben, auf dem Dach waren ausklappbare Solarmodule