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Kapitel 2

Author: Rui Rui
Brenda lachte verächtlich. „Ach bitte. Du bist nur neidisch, weil du keine Chance hast wie ich.“

In diesem Moment hallte Josephs Stimme von draußen herein.

Brendas Augen leuchteten wie am Weihnachtsmorgen. Sie sprang auf, strich mit der Hand schon über das Kleid, und war bereit, hinauszugehen und sicherzustellen, dass er sie sah.

Sie drehte sich zu mir um und zeigte mit dem Finger auf mich. „Du – versteck dich. Wage es ja nicht, mir das zu vermasseln.“

Wir waren Zwillinge. Dasselbe Gesicht. Sie hatte schreckliche Angst, dass ich hinausgehen und seine Aufmerksamkeit von ihr ablenken würde.

Aber ihre Sorge war unnötig. Der Don interessierte mich kein bisschen. Ehrlich gesagt wollte ich so weit wie möglich von ihm weg sein.

Sie wippte mit den Hüften aus der Tür, und eine Minute später hörte ich, wie sie es bei Joseph dick auftrug. Diese gekünstelte, zuckersüße Stimme, die vor Sorge nur so überlief – so ekelhaft süßlich, dass sie einem die Zähne weh tat.

Ich hatte gerade Blut gespendet und war völlig am Ende. Ich kuschelte mich in einen Sessel und dämmerte.

Als ich aufwachte, war es totenstill.

Ich sah auf die Uhr. Es war Zeit, nach Hause zu gehen. Der Aufzug brauchte eine Ewigkeit, also schlüpfte ich ins Treppenhaus.

Da hörte ich Stimmen – Joseph und sein Unterboss, direkt unter mir.

„Don, wir haben ihr Handy geortet. Vorhin war es hier im Krankenhaus – aber jetzt hat es sich bewegt.“

Ich erstarrte, und wagte kaum zu atmen.

Keiner von beiden bemerkte mich.

Josephs Stimme wurde eiskalt. „Das bleibt inoffiziell. Keine Polizei.“

„Maria würde nie an einen solchen Ort gehen. Irgendwas ist faul. Und diese Brenda – sie war viel zu schnell da. Fang bei ihr an.“

Eine Pause. Dann erklang Josephs Stimme wieder, leise und mit tödlichem Unterton:

„Wenn ich herausfinde, wer Maria das angetan hat, bringe ich deren ganze Familie unter die Erde.“

Diese Worte trafen mich wie ein Eimer Eiswasser. Ich musste handeln. Sofort.

Diesmal würde ich sie aufhalten.

Ich rannte nach Hause. Kaum war ich zur Tür hereingekommen, hörte ich Brenda im Wohnzimmer mit Mama und Papa lachen.

Mama war ganz in Sorge um sie – all das Geld, das sie in die Krankenhausrechnung gesteckt hatte, all das Blut, das sie gespendet hatte – und hatte sogar schon Eisenpräparate für sie besorgt.

Brenda winkte ab. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wenn ich die Rechnung bezahle, bleibe ich in Josephs Nähe.“

Sie stürzten sich in ihre übliche Fantasie – Brenda im großen Haus, voller Diamanten, an der Seite des Dons.

Ich trat aus dem Flur und zeigte direkt auf Brenda. „Das kannst du nicht machen.“

Sie alle drei verstummten sofort.

Ich packte Brendas Arm und versuchte, sie zur Tür zu ziehen. „Komm mit mir. Stell dich der Polizei. Jetzt. Es ist noch nicht zu spät.“

Sie stieß mich weg, als wäre ich Dreck. „Hast du den Verstand verloren? Mein Plan ist perfekt. Keine Kameras. Das Auto ist schon geregelt. Solange du den Mund hältst, wird es nie jemand erfahren.“

Ich starrte sie an, die Zähne zusammengebissen. „Glaubst du, die Reichen sind so dumm wie du? Es gibt Zeugen. Du hast doch selbst die Presse gerufen, verdammt noch mal – du hast dich in den Mittelpunkt gestellt. Du bist nicht schlau, Brenda. Du bist eine Idiotin!“

Sie blinzelte, für eine halbe Sekunde aus dem Konzept gebracht – dann war das höhnische Grinsen wieder da. „Selbst wenn es Zeugen gibt, wird niemand auf mich zeigen. Was ist los mit dir, Sharon? Eifersucht?“

„Nenn es Selbsterhaltung“, konterte ich. „Du wirst diese ganze Familie mit in den Abgrund reißen. Wenn du nicht zur Polizei gehst, gehe ich.“

Ich hatte den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, da griff eine Faust in meine Haare.

Papa riss mich nach hinten und gab mir einen Tritt ans Bein.

„Hier ruft niemand die Polizei!“

Ich sackte auf die Knie, der Schmerz schoss durch mich – aber er war noch nicht fertig. Zwei harte Ohrfeigen landeten auf meinen Wangen.

„Deine Schwester tut das für uns alle, und du willst sie anzeigen? Ich hätte dich niemals nach Hause holen dürfen. Niemals!“

Nach Hause geholt?

Ich hatte diese Worte kaum wahrgenommen, da krachte sein Stiefel auch schon wieder gegen meine Rippen.

Brenda stand mit verschränkten Armen daneben, und sah mit einem eisigen Grinsen zu. „Schlag fester zu, Papa. Mach sicher, dass sie mir nicht im Weg steht.“

Da summte ihr Handy.

Ihr Gesicht strahlte, als hätte sie im Lotto gewonnen.

„Sie ist tot. Maria ist tot. Ich muss ins Krankenhaus – ich muss für Joseph da sein!“

Sie flitzte nach oben, zog sich um, schminkte sich neu und kam in Stöckelschuhen wieder herunter. Sie war bereit, den trauernden Engel zu spielen.

Sie blieb an der Tür stehen und warf Mama und Papa einen Blick zu.

„Sperrt sie ein. Lasst nicht zu, dass sie alles ruiniert.“

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