LOGINIm fünften Jahr meiner Ehe mit dem Mafiadon bemerkte ich, dass mir immer schwindelig wurde, sobald ich den Schutzanhänger trug, den er mir geschenkt hatte. Also nahm ich die kleine Pille aus dem Inneren heraus und brachte sie in das Krankenhaus der Familie. Der Arzt untersuchte sie eine Weile. Dann sagte er, das sei kein Mittel zur Beruhigung der Nerven, sondern ein langsam wirkendes Gift. Wer es lange bei sich trug, wurde nicht nur unfruchtbar. Es richtete auch schweren Schaden im Körper an. Ich brach völlig zusammen. „Das kann nicht sein. Mein Mann hat mir den Anhänger geschenkt. Er heißt Vincenzo Corleone. Und er ist der eigentliche Besitzer dieses Krankenhauses.“ Der Arzt sah mich misstrauisch an. „Fräulein, vielleicht sollten Sie lieber einmal in die Psychiatrie gehen. Ich kenne Herr Corleone und seine Frau persönlich. Die beiden verstehen sich prächtig. Und seine Frau hat vor Kurzem erst ein Kind zur Welt gebracht. Gerade sind sie oben in der VIP-Suite im obersten Stockwerk und sehen nach dem Baby.“ Dabei öffnete er ein gemeinsames Foto auf seinem Handy. Auf dem Bild trug Vincenzo den schwarzen Anzug, der in seiner Familie längst zum Markenzeichen geworden war. In seinen Armen lag ein Säugling. Und die Frau neben ihm ... Ich kannte sie. Sie hieß Claudia Yorke. Genau die „Schwester“, von der Vincenzo ständig sprach.
View More„Ein Rennen? Bei so viel Schnee? Wie soll das bitte gehen? Und du bist halb erfroren. Glaubst du im Ernst, dass du überhaupt noch die Kraft hast, ein Auto zu fahren?“Die eine Sache, auf die Vincenzo gekommen war, war ausgerechnet ein Rennen.Ich liebte den Rennsport mehr als alles andere. Und offenbar glaubte er ernsthaft, dass ich ihm noch eine Chance geben würde, wenn er Alessandro in einem Rennen schlug.Vincenzo sah mich fest an. Sein ganzer Körper zitterte unaufhörlich vor Kälte.„Ich fahre gegen Alessandro. Wenn ich gewinne, gibst du mir dann eine Chance?“Ich antwortete ruhig mit nur zwei Wörtern: „Ganz sicher nicht.“Vincenzo lachte bitter.„Selbst dann fahre ich. Isabella ... wirst du mein Beifahrer sein? Betrachte es als dein letztes Geschenk an mich.“Langsam stieg Ärger in mir auf.Weil Alessandro gar kein Rennfahrer war.Doch ausgerechnet Alessandro sagte ohne jedes Zögern:„Gut.“Ich sah ihn fassungslos an.„Wenn du das nicht kannst, dann zwing dich nicht dazu. Es ändert
Da erklang plötzlich neben uns eine tiefe Stimme.Vincenzo fuhr herum, sah zur Quelle der Stimme – und riss erschüttert die Augen auf.„Alessandro ... Was machst du hier?“Alessandro legte mir den Arm fest um die Schultern. In dem Moment, in dem er spürte, dass ich nicht auswich, zog er mich noch ein wenig näher an sich.„Ich bin ihr Verlobter. Warum sollte ich also nicht hier sein?“Dieses eine Wort traf Vincenzo wie ein Blitzschlag.Verlobter.In seinem Kopf krachte es. Für einen Moment hörte er gar nichts mehr.„Verlobter? Wie soll das möglich sein? Isabella ... Wie kann ER dein Verlobter sein?“Seine Augen wurden rot. Sogar seine Lippen zitterten.Ich streifte Alessandros Arm ab, griff stattdessen nach seiner Hand und hob sie vor Vincenzos Augen, unsere Finger fest ineinander verschränkt.„Warum sollte das nicht möglich sein? Ich bin unverheiratet und habe keine Kinder. Ist es so schwer zu begreifen, dass ich einen Verlobten habe?“Vincenzos Lippen bewegten sich lautlos. In seinen
Egal, wie laut Vincenzo mir hinterherrief, der Wagen wurde nicht langsamer.Im Gegenteil.Alessandro trat das Gaspedal noch weiter durch, bis das Auto in der Ferne nur noch wie ein schwarzer Punkt wirkte.Erst als die Gestalt im Rückspiegel endgültig verschwunden war, nahm Alessandro langsam den Fuß vom Pedal.Ich warf ihm einen misstrauischen Blick zu.„Warum fährst du heute so?“Alessandro ging auf meinen Ton gar nicht ein. Stattdessen fragte er plötzlich:„Wenn Vincenzo eines Tages vor dir steht, weint, alles bereut und dich anfleht, zu ihm zurückzukommen ... würdest du zustimmen?“Ich zog die Brauen zusammen, als hätte ich gerade etwas Widerliches gehört. Trotzdem antwortete ich ernst: „Nein. Nicht einmal, wenn ich sterben würde.“Sobald ich nur daran dachte, was Vincenzo mir angetan hatte, lief mir die Kälte den Rücken hinunter. Nachts fuhr ich noch immer oft aus dem Schlaf hoch.Alessandro sah den entschlossenen Ausdruck in meinen Augen. Ein kaum merkliches Lächeln glitt über sei
In jener Nacht ließ Alessandro alles über Vincenzo und Claudia prüfen, was sich nur finden ließ. Noch vor Tagesanbruch hatte er einen lückenlosen Plan ausgearbeitet.Er hätte mich damals auch einfach mit Gewalt herausholen können.Doch ich hatte gesagt:„Dann lässt er nie wieder los. Er wird mich ein Leben lang verfolgen.“Also zwang Alessandro sich zur Geduld und begann, Zug um Zug alles vorzubereiten.Erst da begriff er, wie tief die Wurzeln der Familie Corleone wirklich reichten.Er tat so, als wolle er Claudia heiraten, nur um die Aufmerksamkeit der Familie Corleone auf etwas anderes zu lenken. In Wahrheit stellte er heimlich Leute zusammen, die mich weit wegbringen sollten.Trotzdem kam er zu spät.Als er mich endlich fand, waren meine Beine durch den Unfall so schwer verletzt, dass ich weder das Familiengeschäft weiterführen noch mit meinem geliebten Wagen noch einmal frei über die Strecke jagen konnte.Damals war ich wie ausgehöhlt.Als hätte man mir die Seele aus dem Körper ger