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OLIVIA
„Verdammt! Sie stöhnt so laut. Wirklich laut. Ich musste sie mit einem Kuss zum Schweigen bringen“, plaudert Aiden und kichert. „Ich weiß, dass ich gut im Bett bin, aber ich wollte nicht, dass sie mich in Schwierigkeiten bringt, weil sie so laut stöhnt.“ „Und dabei hat sie immer so getan, als wäre sie das heiligste Mädchen der ganzen Uni. Was für eine verrückte Heuchlerin!“ lacht meine Schwester Sarah. Ich ballte die Faust. Ist das der Dank dafür, dass ich zugestimmt habe, mit meiner Schwester und ihrem Arschloch von bestem Freund zur Schule zu fahren, der nicht aufhören kann, über seine Sexabenteuer zu reden? Ich unterdrücke beinahe ein Zischen. Seit wir mein Haus verlassen haben, reden sie nur über Sex. Können die nicht über Bücher reden? Können die nicht über Sci-Fi-Filme reden? Können die nicht über Animes reden? Ich hole tief Luft und versuche, mich zu beruhigen. Ich sollte ihnen keinen Vorwurf machen. Sie sind nicht wie ich. Über mein Auto sollte ich mich ärgern. Wenn es heute Morgen nicht kaputtgegangen wäre, wäre ich jetzt nicht in dieser verrückten Situation. „Reiß dich zusammen, Olivia. Ich überstehe diese Fahrt“, murmle ich vor mich hin. Einen Moment lang ist das Auto still. Ich stoße einen erleichterten Seufzer aus und werfe einen Blick zu meiner Schwester. Sie ist mit ihrem Handy beschäftigt und schaut nicht einmal vom Bildschirm auf. Ich schätze, das ist es, was sie diesmal so ruhig hält. Ich hoffe, sie bleiben so still, bis wir an unserer Uni ankommen. Ich spüre, wie ein Paar Augen auf mir liegt, während ich die Beine übereinanderschlage. Ich schaue in den Rückspiegel und treffe den Blick von zwei warmen braunen Augen, wie eine Flamme, die niedrig und langsam brennt. Er starrt mich durch den Rückspiegel an, seine Augen intensiv. Dann schaut er weg, um sich auf die Straße zu konzentrieren, aber ich spüre, wie seine Augen einen Moment später wieder zu mir zurückkehren. Ein Knoten aus Schmetterlingen dreht sich in meinem Magen. Ich beiße mir auf die Unterlippe und wende den Blick zum Fenster hinaus. Was passiert mit mir? Warum flattert mein Herz und verdreht sich mein Magen jedes Mal, wenn sich unsere Blicke treffen? Aiden Blacksmith. Hübscher Gesicht. Der größte Player, den ich je getroffen habe. Er spielt mit den Herzen von Mädchen wie mit einem Football. Immer neue Flirts jede Woche. Er ist der beste Freund meiner Schwester seit der Highschool, mit dem ich nie wirklich interagiert habe. Wann immer er vorbeikam, war ich immer in meinem Zimmer. Wann immer ich ihn zufällig getroffen habe, haben wir nur kurze Blicke ausgetauscht. „Oh shit!“ platzt Sarah heraus und reißt mich aus meinen Gedanken. Ich wende den Blick zu meiner Schwester. „Was ist los?“ Die Worte kommen gleichzeitig mit Aidens aus meinem Mund. Ich schaue in den Rückspiegel, und seine Augen bohren sich in meine. Eine Welle von Hitze steigt mir in die Wangen, und ich wende mich von ihm ab. Was zum Teufel ist nur mit mir los? Sarah beginnt, ihre Sachen zusammenzusuchen. „Ich muss den nächsten Bus erwischen. Ich muss meine beste Freundin treffen – ihr dummer Freund hat ihr gerade das Herz gebrochen“, sagt sie. Eine Falte erscheint zwischen meinen Brauen. „Warte, du schwänzt deswegen den Unterricht?“ platzt es aus mir heraus, bevor ich mich zurückhalten kann. Verdammt, das war taktlos. Das hätte ich nicht sagen sollen. Es ist zu spät. Ich kann es nicht mehr zurücknehmen. Meine Schwester wirbelt herum und starrt mich an. Ich weiß, dass ich sie verärgert habe. „Du hattest noch nie einen Freund, also kannst du nicht verstehen, wie es sich anfühlt, wenn einem das Herz gebrochen wird“, platzt Sarah heraus. „Meiner besten Freundin wurde gerade das Herz gebrochen, und du machst dir Sorgen um den langweiligen Unterricht. Ernsthaft? Du kannst unserem Dad ruhig sagen, dass ich geschwänzt habe, wenn du willst.“ Ich schlucke schwer. „Es tut mir leid“, murmle ich und beiße mir auf die Lippe, um nicht zusammenzubrechen. „Das ist alles, was du nach deinem Fauxpas zu sagen hast“, erwidert Sarah. Ich spüre, wie mir Tränen in die Augen steigen, aber ich weigere mich, sie fallen zu lassen. Ich weiß, dass ich oft Fehler mache, aber musste sie das jetzt auch noch ansprechen? Die Autos halten an, und Sarah steigt aus. Sie gibt Aiden eine kurze Umarmung, bevor sie die Tür hinter sich schließt. Jetzt, da meine Schwester weg ist, bin ich allein im Auto mit Aiden. Ich weiß, dass die Fahrt zur Schule so still wie ein Friedhof sein wird, und das gefällt mir. Ich starre aus dem Fenster, während das Auto losfährt. Ich kneife die Augen zusammen und genieße die warme Brise, die mein Haar sanft bewegt. Es fühlt sich an wie Frieden. Es fühlt sich an wie die alten Tage, bevor meine Mama starb. Ich vermisse sie so sehr. Meine Mama. „Wann hast du dir die Haare kürzer schneiden lassen? Und warum?“ Eine heisere Stimme reißt mich aus meinen Gedanken. Ich schlucke. Es war Aiden. „Ich wollte etwas Kürzeres“, antworte ich und streiche mir eine Strähne meines blonden Haars hinters Ohr. „Mir haben deine Haare besser gefallen, als sie länger waren“, murmelt er vor sich hin. Meine Brauen ziehen sich zusammen. „Woher hast du überhaupt bemerkt, dass ich mir die Haare geschnitten habe?“ frage ich ihn. Es dämmert mir. Wie konnte jemand, der mich kaum einmal angesehen hat, die Veränderung an meinen Haaren bemerken? „Du denkst, ich kenne nur die Länge deiner Haare?“ sagt Aiden mit tiefer, sanfter Stimme. „Ich weiß weit mehr, als du denkst.“ Ich treffe Aidens Blick im Rückspiegel, und er schaut nicht weg. Sein Blick ist durchdringend, als könnte er direkt durch mich hindurchsehen. Ich reiße den Blickkontakt ab und schaue weg. Er würde uns bestimmt umbringen, wenn er mich weiter so anstarrt. Keiner von uns spricht, bis wir an unserer Schule ankommen. Ich spüre seine Augen auf mir, selbst wenn ich nicht hinschaue. Ich weiche seinem Blick aus, bis er aufhört, in den Rückspiegel zu schauen. Ich bekomme seine Worte nicht aus dem Kopf. Was weiß er sonst noch über mich? Das Auto kommt auf dem Parkplatz zum Stehen, und ich stoße einen langen, zitternden Atemzug aus. Ich bin erleichtert. Aber jetzt weiß ich, dass ich den neugierigen Blicken und dem Geflüster meiner Mitschüler standhalten muss. Ich wusste allerdings, dass das passieren würde. Schließlich bin ich mit dem beliebtesten Typen der Uni unterwegs. Aufmerksamkeit. Ich verabscheue sie. Ich hasse es, im Mittelpunkt zu stehen. Ich murmele ein schnelles „Danke“ und will aussteigen, aber eine feste Hand an meinem Arm hält mich zurück. Aiden zieht mich näher, sodass ich nur Zentimeter von ihm entfernt stehe. Ich habe den seltsamsten Drang, noch näher zu treten, und hasse mich dafür. Meine Brüste sind an seine Brust gepresst, und ich kann nicht einmal entscheiden, ob mir das gefällt oder nicht. Seine braunen Augen treffen meine. „Ich werde dich nach deinen Vorlesungen nach Hause fahren“, sagt er. Ich spüre seinen Atem auf meiner Wange, der mir Schauer über den Rücken jagt. „Nein. Ich… ich meine, danke, aber ich brauche keine Mitfahrt“, stottere ich. „Das ist keine Bitte. Ich werde hier sein, wenn du fertig bist, ob es dir gefällt oder nicht.“ Aiden kichert leise und lässt meinen Arm los.AIDENIch lehne an der Wand und beobachte, wie Marcel vor mir auf und ab geht. Wir sind in einem schwach beleuchteten Raum, der Geruch von Rauch liegt dick in der Luft.Ich ziehe lange an meiner Zigarette und spüre das vertraute Brennen in den Lungen. „Wann bist du aus Italien zurückgekommen?“ frage ich.„Vor zwei Tagen“, antwortet er.Ich war mit meinen Freunden im Hauptbereich der Party, als ich Marcel entdeckt habe. Ich erinnere mich, dass ich dachte, es sei der richtige Zeitpunkt, ihm von meiner Entscheidung zu erzählen, aus dem Drogengeschäft auszusteigen. Marcel ist still, seit ich ihm die News gebracht habe – ich frage mich, was ihm durch den Kopf geht.„Aiden“, ruft er und reißt mich aus den Gedanken. „Bist du dir damit wirklich sicher? Du willst einfach von allem weglaufen?“Ich atme langsam aus und beobachte, wie der Rauch zur Decke hochkringelt. „Ja, ich bin mir sicher“, sage ich.Ich weiß, dass diese News ihn schockiert haben. Ich hätte nie gedacht, dass ich den Punkt erre
OLIVIASarah kneift die Augen zu und öffnet sie dann langsam wieder. „Ich weiß, dass ich keine gute Schwester für dich war. Ich habe dich nie so behandelt, wie eine ältere Schwester es sollte“, gibt sie zu.Meine Augen weiten sich. Wo kommt das her? Verarscht sie mich wieder? „Warum sagst du das alles?“ frage ich. „Das ist nicht wie du. Dir war immer egal, wie du mich behandelst – ob es mir gefällt oder nicht.“Sarah holt tief Luft. „Du lässt mich mich noch schlechter fühlen, als ich mich schon fühle. Ich weiß, dass ich schrecklich war. Tief drinnen wusste ich, dass es falsch war, aber ich konnte einfach nicht aufhören.“ Sie fährt fort: „Als sich unsere Eltern scheiden ließen, habe ich mich komplett verloren. Ich wusste nicht, wie ich mit dem Schmerz umgehen sollte – geschweige denn, für dich da zu sein. Also habe ich angefangen, mit meinen Freunden abzuhängen, und ich habe dich im Stich gelassen. Das weiß ich auch.“„Ich war auch verloren“, sage ich, die Lippen zittern. „Wir hä
~ ZWEI WOCHEN SPÄTER ~OLIVIAVerrückt.Das ist das einzige Wort, das mir in den Sinn kommt, während ich mitten im überfüllten Raum stehe und der Lärm und das Chaos um mich herum lauter werden.Meine Augen streifen den Raum. Rauch erfüllt die Luft von unzähligen Zigaretten. Die Musik dröhnt. Flaschen liegen verstreut auf dem Boden. Leute reiben sich aneinander, betrunken und rücksichtslos. Wenn sie nicht rauchen oder knutschen, sind sie definitiv betrunken. Manche machen alles drei gleichzeitig. Ich war schon auf ein paar Partys, aber keine war so wild wie diese. Das ist Wahnsinn. Was soll ich das nennen? Aidens Welt?Und wo zum Teufel ist Aiden? Er ist immer noch nicht vom Auto zurück. Aiden und ich sind vor ein paar Minuten auf der Party angekommen, und er musste sein Handy holen, das er im Auto vergessen hatte, während ich hiergeblieben bin und auf ihn gewartet habe. Ich bereue diese Entscheidung jetzt. Ich hätte ihm einfach zurück zum Auto folgen sollen.Aiden hat mich zu dies
AIDENDer warme Wind streicht über mich und schickt Schauer über die Haut, als ich den See erreiche. Der See ist unser Lieblingsplatz – immer ruhig am Nachmittag, mit einem abgelegenen Spot, den wir uns als unseren eigenen beansprucht haben. Wir waren schon unzählige Male hier, bevor Sarah beschlossen hat, ihn unseren besonderen Ort zu nennen. Es ist zur Routine geworden, zwei- oder dreimal die Woche hierherzukommen. Aber jetzt bin ich mir nicht sicher, wie lange das noch so weitergeht. Ich habe eine Freundin, und sie ist Sarahs Schwester. Wie viel komplizierter kann es noch werden?Ich erblicke Sarah, den Rücken zu mir gewandt. Der Plan ist, die Dinge mit ihr zu klären. Egal was – ich sollte nicht zu viel mit ihr streiten oder sie an meine Nerven gehen lassen. Ich gehe näher und setze mich neben sie. Sarah bläst den Rauch der Zigarette aus, die sie hält, und reicht sie mir. Ich ziehe daran, atme tief ein und blase den Rauch aus.„Also, du wirst jetzt meine Schwester heiraten, huh
OLIVIAIch steige aus dem Auto und gehe zu Aidens Türschwelle. Ich hole tief Luft und klingle. Nach einem Moment Warten ohne Antwort will ich erneut drücken. Doch bevor ich das tun kann, schwingt die Tür auf, und mein braunäugiger Junge steht vor mir.„Hazel“, sagt Aiden und öffnet die Tür weiter, um mich hereinzulassen.„Hey“, murmele ich.„Du bist wunderschön“, flüstert Aiden und zieht mich in eine Umarmung, die Hand streichelt sanft mein Haar.„Wunderschön?“ platzt es aus mir heraus. „Versuch nicht, mir zu schmeicheln, nur um mich besser zu fühlen – ich bin sicher, ich sehe gerade aus wie ein Chaos.“„Du siehst gestresst aus, aber so schön wie immer. Du siehst nie aus wie ein Chaos, und das wirst du auch nie.“„Aiden –“„Du siehst dich nicht so, wie ich dich sehe“, murmelt er, der Atem kitzelt mein Ohr.Ich schließe die Augen und lege den Kopf auf seine Brust. Wenn ich nicht so gestresst wäre, würde ich ihn küssen wollen, als hinge meine ganze Welt davon ab. Er ist so süß.Wir höre
OLIVIAMeine Augen öffnen sich, und ich werde vom warmen Morgenlicht begrüßt, das in mein Zimmer sickert. Ich hole langsam Luft und genieße den ruhigen Moment. Ich setze mich aufs Bett, greife nach meinem Handy auf dem Nachttisch und reibe mir den Schlaf aus den Augen.„Oh shit“, platzt es aus mir heraus, als ich die Menge an Benachrichtigungen auf meinem Handy sehe. Ich spüre ein Flattern in der Brust. Die Anrufe und Nachrichten sind von einer Person: Aiden. Ich erinnere mich, dass ich gestern Abend den Nicht-stören-Modus eingeschaltet und mich direkt ins Bett gelegt habe, weil ich versucht habe, vor einer Menge Emotionen zu fliehen, die ich empfunden habe.Ich will die Nachrichten jetzt nicht checken. Ich will nicht. Ich will nichts, was meine Stimmung ruiniert – ich will meinen friedlichen Morgen bewahren. Ich will keinen scheißigen Tag haben. Ich weiß nicht warum, aber die Neugier siegt. Ich öffne die Nachrichten von ihm. Ich schaue über den Bildschirm, die Augen scannen die N







