Die Gestohlene Identität, Die Geraubte Liebe

Die Gestohlene Identität, Die Geraubte Liebe

last updateLast Updated : 2026-10-28
By:  TiannahUpdated just now
Language: Deutsch
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Amira Hayes hat ihr ganzes Leben damit verbracht, der Zwilling zu sein, für den sich niemand entscheidet. Ihre schöne Schwester bekommt Liebe, Aufmerksamkeit und ein perfektes Leben. Amira hingegen erntet Vorwürfe, Ablehnung und ständige Erinnerungen daran, dass sie niemals an ihre Schwester heranreichen wird. Doch in der Hochzeitsnacht ihrer Schwester ändert sich alles. Ein tragischer Unfall lässt Anaya ins Koma fallen, und Amira bleibt nur noch eine letzte Aufgabe, die sie für ihre Schwester erfüllen muss. Anaya hat ihre Beziehung zu ihrem wohlhabenden Ex-Freund Adrian Blackwood nie offiziell beendet, bevor sie einen anderen Mann heiratete. Nun muss Amira ihn aufsuchen und einen endgültigen Schlussstrich unter ihre ungelöste Vergangenheit ziehen. Klingt einfach, oder? Doch Adrian Blackwood ist ganz anders, als sie erwartet hat.

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Chapter 1

Kapitel 1: Die Schwester, die niemand wollte

„Amira, was um alles in der Welt hast du da an?“

Die Stimme meiner Großmutter schneidet durch den Lärm der Hochzeitsfeier.

Ich schaue an mir hinunter. Die Ärmel meines schwarzen Hosenanzugs sind etwas zu lang, und die Hose sitzt unangenehm an meiner Taille. Aber es ist das Beste, was ich mir leisten kann.

„Was stimmt denn damit nicht?“, frage ich.

Margaret Hayes starrt mich an, als hätte ich sie absichtlich blamiert. „Deine Schwester heiratet heute, und so willst du dich wirklich anziehen? Konntest du dir nicht ein einziges Mal Mühe geben?“

„Das habe ich.“

„Dann musst du dich wohl noch mehr anstrengen.“

Sie richtet die Diamantkette um ihren Hals, dreht sich um und geht davon. Ich bleibe neben einem Tisch voller unberührter Champagnergläser stehen.

Ich schlucke die Antwort hinunter, die mir auf der Zunge liegt.

Mit Oma zu streiten, bringt sowieso nichts. Irgendwie bin am Ende immer ich das Problem.

Am anderen Ende des Ballsaals steht Anaya neben ihrem frisch angetrauten Ehemann Daniel. Ihr weißes Brautkleid sitzt perfekt, ihre Haare sind wunderschön frisiert, und ihr Lächeln erhellt den ganzen Raum. Jeder möchte Fotos mit ihr machen. Jeder möchte ihr sagen, wie glücklich sie sich schätzen kann.

Sie verdient es, glücklich zu sein. Das weiß ich.

Trotzdem zieht sich ein schmerzhaftes Gefühl in meiner Brust zusammen, während ich ihr dabei zusehe, wie ihr alles so mühelos in den Schoß fällt. Ich versuche, es zu ignorieren.

Anaya und ich sind eineiige Zwillinge. Wir haben dasselbe Gesicht, dieselben Augen und dasselbe Lächeln.

Doch niemand hat uns jemals gleich behandelt.

Mein Handy vibriert in meiner Tasche.

Ich hole es heraus und lese die Nachricht der Personalvermittlung, bei der ich mich Anfang der Woche beworben habe.

Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass Ihre Bewerbung nicht erfolgreich war.

Einen Moment lang starre ich auf den Bildschirm, dann sperre ich ihn.

Schon wieder eine Absage.

„Amira!“

Ich hebe den Kopf und sehe, wie Oma mich zu sich winkt. Neben ihr steht eine ältere Frau, die mich höflich anlächelt.

„Das ist meine Enkelin Anaya“, sagt Oma stolz, als ich näher komme. „Sie war schon immer außergewöhnlich. Intelligent, verantwortungsbewusst und fleißig.“

Die Frau blickt zwischen uns hin und her. „Aber ich dachte, Sie hätten zwei Enkelinnen, die Zwillinge sind.“

Omas Lächeln verblasst ein wenig. Sie dreht sich zu mir. „Das stimmt. Das hier ist Amira. Sie versucht immer noch, ihren Platz im Leben zu finden.“

Die Frau schenkt mir ein verlegenes Lächeln.

Ich erwidere es gezwungen.

„Entschuldigen Sie mich“, murmele ich und gehe weg, bevor Oma noch eine weitere Gelegenheit findet, allen zu zeigen, wie enttäuschend ich bin.

Ich gehe zu einer ruhigeren Ecke des Ballsaals und hoffe, dem Lärm für ein paar Minuten entkommen zu können.

„Amira, warte.“

Anaya eilt mir hinterher und hebt den vorderen Teil ihres Kleides ein wenig an, damit sie schneller gehen kann.

„Was ist?“, frage ich.

„Ich muss dich um etwas bitten.“

Ich werfe einen Blick auf ihren Ehering. „Solltest du nicht lieber deine Hochzeit genießen, anstatt mir Besorgungen aufzutragen?“

Sie ignoriert meinen Kommentar und nimmt meine Hand.

„Ich brauche dich, um Adrian Blackwood zu besuchen.“

Ich runzele die Stirn. „Wen?“

„Meinen Ex-Freund.“

Ich kenne den Namen. Jeder scheint Adrian Blackwood zu kennen. Er ist ein wohlhabender Geschäftsmann, und nach allem, was Anaya mir erzählt hat, ist er genau die Art von Mann, um dessen Nähe andere kämpfen würden.

Ich habe ihn noch nie getroffen und auch keinen Grund dazu.

„Warum sollte ich deinen Ex-Freund besuchen?“, frage ich.

„Weil er immer wieder versucht, mich zu kontaktieren. Ich möchte, dass du ihm sagst, dass ich über ihn hinweg bin und er mich in Ruhe lassen soll.“

„Dann sag es ihm selbst.“

„Amira, bitte. Ich will nicht, dass irgendetwas meine Ehe ruiniert.“

„Dann blockier seine Nummer.“

„So einfach ist das nicht.“

Ich verschränke die Arme. „Für mich klingt es ziemlich einfach.“

Ihr Gesichtsausdruck verändert sich. Das süße Lächeln, das sie den Hochzeitsgästen geschenkt hat, verschwindet. Für einen Moment sehe ich die Frustration, die sie sonst vor allen verbirgt.

„Warum musst du immer alles so kompliziert machen?“

Ich starre sie an. „Ich bin nicht diejenige, die ihre Schwester am eigenen Hochzeitstag zu einem fremden Mann schicken will.“

„Er ist für mich kein Fremder.“

„Genau. Er ist dein Ex-Freund, Anaya. Kümmere dich selbst um deine Probleme.“

Sie blickt zum Ballsaal, wo Oma sich gerade mit einigen Gästen unterhält. Dann wendet sie sich wieder mir zu.

„Du weißt, wie viel Oma für uns geopfert hat. Das Mindeste, was du tun kannst, ist, mir bei einer Kleinigkeit zu helfen.“

Da ist es wieder.

Omas Opfer. Diese Worte geben mir immer das Gefühl, meiner Familie mehr schuldig zu sein, als ich jemals zurückzahlen könnte.

Meine Finger krümmen sich in meinen Handflächen.

„Ich habe meine eigenen Probleme, Anaya.“

„Und was tust du dagegen?“, fragt sie leise. „Du kannst nicht ständig allen anderen die Schuld geben, nur weil dein Leben nicht so läuft, wie du es dir wünschst.“

Ihre Worte treffen mich, weil sie genau weiß, wo sie mich verletzen kann.

Bevor ich antworten kann, ruft ein Fotograf ihren Namen.

„Anaya! Wir brauchen Braut und Bräutigam noch für ein weiteres Foto!“

Ihr Gesichtsausdruck verändert sich augenblicklich. Sie lächelt, dreht sich zu ihm und sieht dann noch einmal mich an.

„Bitte denk darüber nach.“

Sie geht, bevor ich antworten kann.

Ich bleibe an der Wand stehen und sehe ihr dabei zu, wie sie zu Daniel zurückkehrt. Er legt einen Arm um ihre Taille, und sie lehnt sich an ihn, während der Fotograf seine Kamera hebt.

Der Blitz leuchtet auf.

Alle applaudieren.

Ich schaue wieder auf mein Handy, doch die Absage steht noch immer auf dem Bildschirm. Nichts hat sich verändert. Meine Probleme warten draußen vor diesem wunderschönen Ballsaal auf mich, und so sehr ich auch versuche, mir etwas anderes vorzumachen, sie verschwinden nicht einfach.

Stunden später neigt sich die Feier dem Ende zu.

Die Gäste sammeln ihre Sachen ein, die Musik wird leiser, und das Personal beginnt, die Tische abzuräumen. Anaya und Daniel machen sich bereit, zu ihrer Hochzeitsnacht aufzubrechen.

Oma umarmt Anaya fest und flüstert ihr etwas ins Ohr, das sie zum Lachen bringt.

Dann dreht sie sich zu mir um.

„Versuch, keinen Ärger zu machen, solange wir weg sind.“

Ich presse die Lippen zusammen. „Werde ich nicht.“

Sie wirft mir einen letzten warnenden Blick zu und folgt dann den anderen Gästen nach draußen.

Ich bleibe noch ein paar Minuten, um einem Mitarbeiter beim Wegräumen einiger Dinge zu helfen. Als ich schließlich nach draußen gehe, ist das Auto von Anaya und Daniel bereits verschwunden.

Die Nachtluft fühlt sich kühl auf meiner Haut an.

Ich gehe auf den Parkplatz zu, um ein Taxi zu rufen, als ich Scheinwerfer auf der Straße entdecke.

Das Auto fährt viel zu schnell.

Zuerst beachte ich es kaum. Dann erkenne ich die Hochzeitsdekorationen, die an den Türgriffen befestigt sind.

Anayas und Daniels Auto.

Mein Lächeln verschwindet.

Das Auto gerät leicht ins Schlingern, bevor der Fahrer gegenlenkt. Durch die Windschutzscheibe sehe ich, wie Anaya sich Daniel zuwendet. Selbst aus der Entfernung wirken ihre Bewegungen angespannt.

Sie streiten sich.

Ich mache einen Schritt nach vorn.

„Was machen die beiden da?“

Plötzlich gerät das Auto an den Straßenrand.

Mein Herz rutscht mir in die Kehle.

„Daniel!“

Die Reifen quietschen.

Für einen schrecklichen Moment leuchten die Scheinwerfer direkt auf mich. Dann verliert der Fahrer die Kontrolle, und das Auto kracht mit ohrenbetäubendem Knall gegen die Betonbarriere.

Ich erstarre.

Das Geräusch zerreißt die Nacht. Danach scheint alles andere verstummt zu sein.

Dann renne ich los.

Meine Schuhe rutschen über den Asphalt, während ich auf das Wrack zurase. Die Front des Autos ist völlig zerquetscht, und Rauch steigt unter der Motorhaube auf.

„Anaya!“

Ich erreiche das Beifahrerfenster und spähe hinein.

Meine Schwester hängt regungslos in ihrem Sicherheitsgurt. Blut befleckt den weißen Stoff ihres Brautkleides, und ihre Augen sind geschlossen.

„Anaya, wach auf!“

Ich packe den Türgriff und ziehe daran. Die Tür bewegt sich nicht.

„Nein, nein, nein.“

Ich ziehe kräftiger, doch die Tür bleibt verkeilt.

„Daniel!“, schreie ich und blicke durch die zerbrochene Windschutzscheibe.

Er sitzt regungslos hinter dem Lenkrad.

Meine Hände beginnen zu zittern.

„Hilfe!“, schreie ich. „Wir brauchen Hilfe! Bitte!“

Einige Menschen eilen zum Auto. Einer von ihnen fordert mich auf, zurückzutreten, aber ich kann den Blick nicht von meiner Schwester lösen.

Noch vor wenigen Stunden stand sie in einem wunderschönen weißen Kleid da und lächelte, während alle ihre Zukunft feierten.

Jetzt liegt sie in einem zerstörten Auto, und ich kann sie nicht erreichen.

Ich presse beide Hände gegen die Scheibe.

„Anaya, bitte öffne die Augen.“

Sie bewegt sich nicht.

Irgendwo in der Ferne ertönt eine Sirene.

Ich sinke neben dem Auto auf die Knie. Mein Atem geht stoßweise, und jeder Atemzug schmerzt.

„Bitte“, flüstere ich und starre auf das reglose Gesicht meiner Schwester. „Bitte verlass mich nicht.“

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