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Kapitel 2: Paarung vor dem Rudel

last update publish date: 2026-08-03 23:39:23

Elaras Klinge ließ Caelan den Atem stocken.

Seine Hand schloss sich so schnell um ihr Handgelenk, dass sie seine Bewegung kaum bemerkte. Ein stechender Schmerz durchfuhr ihre Finger, doch sie hielt das Messer fest und stemmte die Schulter nach vorn, um die Spitze zwischen die Platten seiner Rüstung zu treiben.

Caelan wandte sich ab.

Die Klinge schabte über das Leder.

Ein ohrenbetäubender Lärm hallte durch die Halle.

Wachen stürmten auf sie zu, Tische kippten um und Wölfe flohen von der Plattform. Jemand schrie nach dem Beta des Alphas. Ein anderer rief, der Heiler habe eine vergiftete Waffe.

Elara konnte nichts davon deutlich verstehen.

Etwas war in ihr erwacht.

Ihr stummer Wolf prallte mit solcher Wucht gegen die Barriere in ihrem Kopf, dass Elaras Knie beinahe einknickten. Hitze breitete sich unter ihrer Haut aus. Jeder Geruch in der Halle wurde plötzlich intensiver: gebratenes Fleisch, verschütteter Wein, Angst, heißes Metall.

Caelan überwältigte sie alle.

Zedernrauch. Regen auf Stein. Ein wilder, dunkler Duft, der etwas in ihr weckte.

Ihr Wolf prallte erneut gegen die Barriere.

Ein Riss tat sich auf.

Tod.

Das Wort erschien in Elaras Kopf so klar wie ihr eigener Name.

Sie erstarrte.

Caelan tat das auch.

Silber flutete seine Augen.

Die Veränderung dauerte nur einen Herzschlag lang, doch jeder Wolf im Saal spürte sie. Köpfe wurden gesenkt. Mehrere Gäste stolperten zurück. Ein Dienstmädchen ließ ein ganzes Tablett fallen, als die Macht des Alphas ohne Vorwarnung durch den Raum fegte.

Caelan starrte Elara an, als ob das Messer zwischen ihnen keine Rolle mehr spielte.

Seine Lippen öffneten sich.

„Noctis?“

Der Name war fast zu leise, um ihn zu hören.

Elaras Wolf antwortete mit einem verzweifelten Stoß.

Astra.

Mit dem Schmerz kehrte auch der Name zurück.

Sie hatte sich seit Jahren nicht mehr daran erinnert.

Astra kratzte verzweifelt an dem Siegel in ihrem Inneren, um den schwarzen Wolf zu erreichen, der auf der anderen Seite der Verbindung gegen sie drückte.

Kumpel. Unserer.

„Nein“, flüsterte Elara.

Caelans Griff lockerte sich.

Sie nutzte die Gelegenheit.

Elara richtete das Messer auf die freiliegende Haut unterhalb seines Kiefers.

Caelan packte ihr anderes Handgelenk, bevor sie zuschlagen konnte. Der Zusammenstoß war so heftig, dass ihm der Becher aus der Hand fiel. Rotwein spritzte auf den Boden.

Sein Beta erreichte sie zuerst.

Ein breitschultriger Mann mit dunkelroten Haaren legte einen Arm um Elaras Taille und zog sie weg. Sie trat nach hinten, traf sein Schienbein und wäre beinahe entkommen, bevor zwei Wachen sie an den Schultern packten.

„Vorsicht!“, schnauzte Caelan.

Der Befehl hinderte sie daran, sie zu Boden zu zwingen.

Der Beta starrte ihn an.

„Sie hat versucht, dir die Kehle durchzuschneiden.“

„Mir ist es aufgefallen, Ronan.“

„Warum machst du dir dann Sorgen um ihre Ellbogen?“

Elara rammte einen in den nächsten Wächter.

Er fluchte und verstärkte seinen Griff.

Ronan nahm ihr mit einer gefalteten Serviette das Messer aus der Hand. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich, als er die dunkle Schneide untersuchte.

„Nachtbane.“

Die Nachricht verbreitete sich unter den versammelten Wölfen.

Aus allen Ecken der Halle drang Knurren. Die Rudelmitglieder rückten näher, Wut ersetzte ihren Schock. Elara spürte die sich um sie herum aufbauende Feindseligkeit, schwer und scharf.

Caelan stellte sich zwischen sie und die Menge.

Das ergab keinen Sinn.

Sie war gekommen, um ihn zu töten. Seine eigenen Wölfe waren bereit, sie zu zerreißen, doch er legte seinen Körper ihnen in den Weg.

„Alle bleiben, wo sie sind“, befahl er.

Ein Stadtrat mit roter Schärpe schob sich durch die Wachen.

„Alpha, geh weg von ihr.“

Caelan rührte sich nicht.

„Lord Halric.“

„Sie hat Nachtschatten in eure Festung gebracht. Es mag noch andere geben.“

„Versiegelt die Halle und findet sie.“

Halric blickte Elara an, als wäre sie etwas, das man aus einem Grab gezerrt hatte.

„Töte sie zuerst.“

Astra prallte gegen das Siegel.

Elara zuckte zusammen.

Caelan drehte sich sofort um.

"Was ist passiert?"

Sie lachte atemlos und verbittert. „Fragen Sie etwa, ob es Ihrem Gefangenen gut geht?“

Sein Kiefer verkrampfte sich.

Die seltsame Anziehungskraft zwischen ihnen wurde stärker. Elara spürte sein Misstrauen, seinen Zorn und eine fassungslose Erkenntnis, die ihre eigene widerspiegelte. Darunter verbarg sich etwas Wärmeres, etwas Instinktives und Unerwünschtes.

Es fühlte sich nicht nach Liebe an.

Es fühlte sich an, als würden zwei Wölfe eine Tür entdecken, die schon immer zwischen ihnen bestanden hatte.

Ronan schien es zu spüren. Sein Blick wanderte von Caelans silbernen Augen zu Elaras Gesicht.

„Alpha“, sagte er bedächtig. „Dein Wolf.“

Caelan blickte zu ihm hinüber.

Das war die Bestätigung, die Ronan brauchte.

Sein Gesichtsausdruck erstarrte.

„Oh je, das wird eine Katastrophe werden.“

Halric hörte ihn.

„Was ist?“

Niemand antwortete.

Die betagte Mondpriesterin in der Nähe des Podests erhob sich von ihrem Stuhl. Sie trug weiße Gewänder, bestickt mit den Mondphasen, und ihre trüben Augen sahen mehr, als Elara den Anwesenden in der Halle preisgeben wollte.

Sie atmete langsam ein.

Dann verbeugte sie sich.

Nicht nur für Caelan.

Auch an Elara.

Durch den Flur hallten Flüstern.

Halrics Gesicht verfinsterte sich. „Priesterin?“

„Ihre Wölfe haben einander erkannt.“

Die Stille kehrte so plötzlich ein, dass Elara hörte, wie das Nachtbannmesser auf Ronans gefaltetes Tuch tropfte.

Eine Frau in der Nähe des vorderen Teils stieß ein überraschtes Lachen aus.

„Das kann nicht wahr sein.“

„Sie hat keinen Rucksack dabei.“

„Sie riecht nicht nach Wolf.“

„Sie hat ihn angegriffen.“

Die Priesterin hob den Kopf.

„Nichts davon ändert etwas an dem, was die Wölfe wissen.“

Astra lief wütend hinter dem beschädigten Siegel auf und ab, weil man ihr den Zutritt verweigert hatte.

Caelans Blick wandte sich wieder Elara zu.

„Dein Wolf ist wach.“

„Mein Wolf geht Sie nichts an.“

„Sie sprach.“

„Du hast nichts gehört.“

„Die Nacht tat es.“

Der Name verlieh der Verbindung Wärme.

Elara hasste ihren Körper für seine Reaktion.

Halric trat näher an Caelan heran. „Weise sie ab.“

Mehrere Ratsmitglieder brachten ihre Zustimmung zum Ausdruck.

„Jetzt, bevor die Anleihe beglichen wird.“

„Sie ist eine Attentäterin.“

„Sie kann nicht Luna von Obsidian Crown werden.“

Elara starrte sie an.

„Was werden?“

Halric ignorierte sie. „Alpha, das Rudel hat den Angriff mitangesehen. Wenn du zögerst, werden sie glauben, dass die Bindung dich bereits kompromittiert hat.“

Caelan blickte seinen Berater an.

„Ich entscheide gerade, ob ich einen Fremden hinrichten soll, der mit gefälschten Papieren, königlichem Gift und der Hilfe einer Person, die mit dieser Festung vertraut ist, durch unsere Tore gekommen ist.“

„Sie gestand mit der Klinge.“

„Nein. Sie hat mich damit angegriffen. Das beantwortet eine Frage.“

Ronans Mundwinkel zuckten trotz der Anspannung.

Halric fand die Unterscheidung nicht amüsant.

„Die verbleibenden Fragen können nach ihrem Tod an ihren Körper gerichtet werden.“

Elara spürte Caelans Abscheu, noch bevor er sein Gesicht erreichte.

„Sie lebt noch.“

Das Rudel reagierte sofort.

Knurren erfüllte die Halle. Mehrere Wachen verlagerten ihr Gewicht, als wären sie sich unsicher, wessen Befehl sie befolgen sollten.

Caelans Macht dehnte sich nach außen aus.

Alle Wölfe verstummten.

„Sie lebt noch“, wiederholte er, „weil sie jemand hierher geschickt hat, in der Annahme, sie würde mich erreichen. Ich möchte wissen, wer und warum.“

„Ich habe mich selbst geschickt“, sagte Elara.

Er warf einen Blick über die Schulter.

„Dann lügen Sie entweder oder Sie verfügen für einen reisenden Heiler über bemerkenswert gute finanzielle Mittel.“

„Sie schätzen Ihre Sicherheit sehr.“

„Vor heute Abend hatte ich eine höhere Meinung davon.“

Ronan gab ein leises, zustimmendes Grunzen von sich.

Die Spannung in der Halle hatte sich verändert, sie war nicht mehr wild, sondern angespannt. Die Rudelwölfe warteten darauf, dass ihr Alpha entschied, ob die Frau, die ihm das Schicksal zugeteilt hatte, eine Bedrohung, eine Luna oder beides war.

Elara weigerte sich, für sie irgendetwas davon zu werden.

Sie blickte zu Ilyne.

Die ältere Heilerin stand noch immer in der Nähe ihres verlassenen Arbeitsplatzes, eine Hand umklammerte den Tischrand. Ihr Gesicht war erbleicht, als die Priesterin die Verbindung verkündet hatte.

Angst, erkannte Elara.

Keine Überraschung.

Ilyne hatte gewusst, dass dies passieren könnte.

Elaras Wut flammte auf.

Caelan spürte es.

Sein Kopf drehte sich leicht, er folgte ihrem Blick.

„Du bist mit ihr gekommen.“

„Sie hat nichts mit dem Messer zu tun.“

Ilynes Finger verkrampften sich.

Halric deutete auf den Heiler. „Verhaftet beide.“

Die Wachen wurden versetzt.

Elara kämpfte heftiger.

Caelan drehte sich um, als ein Soldat ihr den Arm auf den Rücken zwang.

„Verletze sie nicht.“

„Sie leistet Widerstand“, sagte der Wachmann.

„Dann nutze deine Ausbildung statt deines Temperaments.“

Der Schutzmechanismus ließ so viel Druck nach, dass Elara wieder richtig atmen konnte.

Sie starrte Caelan an.

„Du beschützt die Frau, die versucht hat, dich zu töten.“

„Ich schütze meine Antworten.“

„Sag dir das immer wieder.“

Seine Augen blitzten auf.

Noctis streifte die Verbindung mit einem tiefen, besitzergreifenden Knurren.

Astra antwortete.

Elaras Knie gaben nach, als sich die Verbindung weiter öffnete. Einen unerträglichen Moment lang spürte sie Caelans Herzschlag unter ihrem eigenen. Die Verwirrung seines Wolfes. Seine menschliche Zurückhaltung. Den alten Schmerz, der tief in seiner linken Schulter verborgen lag.

Dann zog sich die Dichtung um Astra wieder fest.

Ein stechender Schmerz durchfuhr Elaras Brust.

Sie keuchte auf und krümmte sich vornüber.

Caelan erreichte sie, bevor einer der Wachen begriff, was vor sich ging. Er packte sie an den Oberarmen und fesselte sie.

In dem Moment, als sich ihre Haut berührte, durchdrang silberne Kraft den Saal.

Die Kerzen erloschen.

Die Fenster wackelten in ihren Rahmen.

Jeder anwesende Wolf beugte sich unter der Kraft des neu erwachten Bandes.

Elara hörte Astra heulen.

Noctis antwortete aus dem Inneren von Caelan.

Der Klang drang tief in ihn ein, so tief, dass er in ihren Knochen vibrierte.

Caelans Gesicht war nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt.

„Was wurde mit Ihrem Wolf gemacht?“

Die Frage verblüffte sie.

Er hatte die Robbe gespürt.

Elara zwang sich, aufrecht zu stehen.

"Loslassen."

Seine Hände öffneten sich sofort.

Das überraschte auch sie.

Ronan befahl den Wachen, den Bereich zu räumen. „Nehmt den Heiler in Gewahrsam. Durchsucht jeden Eingang, jeden Korridor und jedes Dienerzimmer. Niemand darf gehen, bis ich es erlaube.“

Halrics Zorn wuchs. „Ihr nehmt Befehle von mir entgegen, wenn das Urteilsvermögen des Alphas beeinträchtigt ist.“

Ronan sah ihn an.

„Ich habe von Ihnen nie Befehle entgegengenommen.“

Caelan bückte sich und hob das Messer mit seiner bandagierten Serviette auf. Er betrachtete die dunkle Klinge und warf dann einen Blick zu Elara.

„Du wusstest, wo meine Rüstung ihre Schwachstelle hat.“

„Ich habe dich studiert.“

"Für wie lange?"

„Lange genug.“

„Wer hat es dir beigebracht?“

Elara sagte nichts.

Sein Blick wanderte zu Ilyne, die nun von Wachen umringt war.

Hinter seinem Gesichtsausdruck drängten sich Fragen, doch er beantwortete keine einzige.

„Bringt Elara in die westlichen Gemächer.“

Halric starrte ihn an. „Nicht die Zellen?“

„Die westlichen Kammern sind leichter zu sichern.“

„Sie befinden sich auch in Ihrem Privatflügel.“

„Deshalb sind sie leichter zu sichern.“

Im Saal kam es erneut zu Protesten.

Elara hörte sie kaum.

Ein Wachmann packte ihren Ärmel, als er sie zum Ausgang drehte. Der Stoff verfing sich in seinem Handschuh und riss vom Handgelenk bis zum Ellbogen.

Kalte Luft berührte ihre Haut.

Die halbmondförmige Narbe lag frei.

Ilyne hörte auf zu atmen.

Caelan hat es gesehen.

Sein Gesicht war völlig farblos.

Er überbrückte die Distanz zwischen ihnen, bevor irgendjemand etwas sagen konnte, packte Elaras Handgelenk und drehte es zum Licht.

Sein Daumen schwebte über der Narbe, ohne sie zu berühren.

Die Bindung war erfüllt von etwas viel Stärkerem als bloßer Anerkennung.

Kummer.

Erleichterung.

Vierzehn Jahre lang.

Elara versuchte, sich loszureißen.

Caelan blickte ihr in die Augen.

„Woher hast du das?“

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