LOGINWir bringen Seraphina innerhalb einer Stunde ins Krankenhaus – die Fahrt vom Lager zurück ist angespannt und still außer ihrem gelegentlichen, erschrockenen Wimmern, als irgendwann um die Hälfte herum die Wehen beginnen.„Es ist zu früh“, sagt Caleb – Panik flutet seine Stimme, während er ihre Hand fest auf dem Rücksitz hält. „Sie ist erst in zwei Wochen fällig.“„Stress kann vorzeitige Wehen auslösen“, sagt die Sanitäterin, die mit uns fährt, ruhig und prüft bereits Seraphinas Vitalwerte. „Wir überwachen genau. Einfach atmen, Ms. Vale. Sie machen das gut.“Seraphinas Gesicht ist blass – Schweiß perlt an der Schläfe –, aber ihre Fassung hält trotz allem, was ihr Körper heute Nacht durchgemacht hat.„Dem Baby geht es gut“, schafft sie zwischen Atemzügen. „Oder? Sag mir, dass dem Baby gut geht.“„Herzschlag ist stark“, bestätigt die Sanitäterin. „Alles sieht stabil aus. Wir müssen Sie nur richtig überwachen.“Wir kommen im Krankenhaus in einem chaotischen Ansturm von Bewegung an – Schwe
Alles passiert auf einmal.Lucien schreit „runter!“ in demselben Moment, in dem Volkovs Hand aus der Jacke kommt – und ich bewege mich, bevor ich es bewusst entschieden habe: tauche seitwärts hinter die eingestürzten Regale, während der ohrenbetäubende Knall von Schüssen die tote Stille des Lagers zerreißt.„Seraphina!“, Caleb’s Stimme – roh vor Terror – schneidet durchs Chaos.Ich spähe um die Kante der Regaleinheit – das Herz hämmert – und sehe sie immer noch an den Stuhl gefesselt, unverletzt, aber schreiend: Volkovs Schuss ist daneben gegangen und hat den Betonboden irgendwo nahe Luciens Team getroffen.Lucien feuert bereits zurück – kontrolliert, präzise –, zwingt Volkov, sich hinter eine alte Stützsäule zurückzuziehen statt seinen Vorteil zu nutzen.„Wir müssen sie rausholen“, sagt Rhys – hockt neben mir, die Stimme eng vor Dringlichkeit. „Jetzt – während er festgenagelt ist.“„Ich gehe“, sagt Caleb sofort und bewegt sich bereits in tiefer Hocke zu Seraphinas Position.„Deckt ih
Lucien legt den Einstiegsplan in gedämpften, raschen Details aus – hockt neben dem Fahrzeug mit einer taktischen Karte, die schwach auf seinem Tablet leuchtet.„Zwei Einstiegspunkte“, sagt er. „Haupteingangs-Laderampe – stark exponiert – und eine seitliche Wartungstür, die uns näher an die Wärmesignaturen bringen sollte, ohne seine wahrscheinliche Sichtlinie zu kreuzen.“„Ich gehe rein“, sage ich.„Aries…“„Ich gehe rein“, wiederhole ich und treffe seinen Blick standhaft. „Das ist mein Kampf, Lucien. War es, bevor ich überhaupt seinen Namen kannte. Ich sitze nicht in einem Auto, während Seraphina da drin allein mit ihm ist.“Er betrachtet mich eine lange Weile – wägt klar jedes Argument gegen die simple, unerschütterliche Entschlossenheit in meinem Ausdruck ab –, bevor er schließlich einmal nickt.„Seiteneingang“, sagt er. „Du bleibst direkt hinter mir. In dem Moment, in dem ich sage zurück, gehst du zurück – kein Zögern, kein Streiten. Verstanden?“„Verstanden.“Caleb besteht darauf,
„Das ist nicht möglich“, sage ich – die Worte kommen schneller als der Gedanke. „Elias war die ganze Nacht in diesem Haus. Er war mit uns im Safe Room, als Luciens Team an der Kapelle engagiert hat.“„Ich weiß“, sagt Lucien – bereits in Bewegung, zieht bereits etwas auf seinem Tablet hoch, während er geht. „Genau deshalb ergibt das keinen Sinn – es sei denn…“„Es sei denn, jemand hat sein Auto benutzt, ohne dass er es wusste“, beendet Cassian – Verständnis dämmert schnell. „Oder es sei denn, das Kennzeichen wurde geklont.“„Wo ist Elias gerade“, verlange ich.„Immer noch im Safe Room“, bestätigt Lucien und prüft den internen Feed. „Er war die ganze Zeit dort. Ich sehe ihn gerade auf der Kamera.“Erleichterung flutet durch mich – unmittelbar und scharf –, gefolgt sofort von kälterer, dringenderer Angst. Wenn es nicht Elias ist – wenn jemand absichtlich sein Fahrzeug in Szene gesetzt hat, um sich Zeit oder Verwirrung zu kaufen –, dann haben wir gerade kostbare Minuten damit verloren, de
Ich warte nicht auf Erlaubnis. Ich bewege mich, bevor Lucien mich stoppen kann – aus dem Safe Room, den Flur hinunter, zu den Kapellenruinen, wo sein Team festhält, wen auch immer sie gefangen haben.„Aries!“, ruft Rhys hinter mir und holt schnell auf – Cassian dicht hinter ihm.„Ich muss sein Gesicht sehen“, sage ich und werde nicht langsamer. „Ich muss wissen, ob wir ihn tatsächlich haben.“Das Gelände ist jetzt mit tragbaren Flutlichtern erleuchtet – Sicherheitspersonal bewegt sich in sorgfältiger, kontrollierter Formation um den bröckelnden Steinbogen der alten Kapelle. Ich dränge mich durch – Lucien holt schließlich auf, um neben mir zu gehen –, und dort, kniend auf dem Boden, die Hände hinter dem Rücken mit Kabelbindern gefesselt, ist ein Mann.Älter. Silbernes Haar, kurz geschnitten – passt genau zum Foto von vor Wochen. Präzise, gefasste Züge: die Art Gesicht, die in jedem Vorstandssaal der Stadt unbemerkt durchgeht.Aber etwas stimmt nicht.Er lächelt.„Ms. Virelle“, sagt er
Niemand atmet volle zehn Sekunden, nachdem der Bericht des Leiters durch das Funkgerät knistert.„Sucht die Gartenmauer noch einmal ab“, befiehlt Lucien – die Stimme eng, aber kontrolliert. „Volles Team, Wärmebild, jetzt.“„Bereits unterwegs, Sir.“Ich starre auf die Monitore und beobachte, wie die kleinen grünen Punkte, die Sicherheitsteams repräsentieren, zur letzten bekannten Position zusammenlaufen – mein Herz hämmert bei jeder vergehenden Sekunde der Stille gegen die Rippen.„Er könnte jetzt überall sein“, sagt Cassian und läuft im kleinen Raum auf und ab – seine frühere Trauer über die Aufnahmen ersetzt durch rohe, ängstliche Energie. „Wenn er auch nur eine Minute Vorsprung hatte…“„Nicht“, sagt Rhys leise. „Spekulieren hilft jetzt nicht.“Ich zwinge mich, mit den Beweisdateien zu sitzen, die immer noch auf dem Terminal offen sind – versuche, mich auf etwas Produktives zu konzentrieren statt einfach in Grauen zu warten. Die Aufnahmen. Die Dokumente. Was auch immer tatsächlich hi







