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Kapitel 7 – Nachtlichter

Penulis: Azilla
last update Tanggal publikasi: 2026-05-15 03:43:21

In dieser Nacht konnte Mara nicht schlafen.

Die Wohnung war still, bis auf das entfernte Rauschen der Stadt draußen vor den Fenstern. Irgendwo heulte eine Sirene auf. Autos zogen über die nassen Straßen. Wasser tropfte rhythmisch von der Dachrinne des Nachbarhauses.

Normalerweise waren diese Geräusche einfach Hintergrund geworden.

Etwas, das sie nicht mehr bewusst wahrnahm.

Doch heute lag Mara wach im Dunkeln und hörte jedes einzelne davon.

Als hätte ihr Kopf plötzlich aufgehört, sich selbst zu betäuben.

Neben ihrem Bett zeigte der Radiowecker 1:43 Uhr.

Sie drehte sich auf den Rücken und starrte an die Decke.

Schlafen hätte eigentlich leicht sein müssen. Sie war erschöpft. Jede Faser ihres Körpers fühlte sich schwer an.

Und trotzdem arbeitete ihr Inneres weiter.

Die Worte von Leonie gingen ihr nicht aus dem Kopf.

Du klingst, als würdest du langsam untergehen.

Mara presste die Lippen zusammen.

Vielleicht hatte sie genau davor solche Angst gehabt:

Dass irgendwann jemand bemerkte, wie schlecht es ihr wirklich ging.

Denn solange niemand etwas sagte, konnte sie so tun, als wäre alles noch kontrollierbar.

Sie setzte sich langsam auf.

Das Zimmer lag im schwachen Licht der Straßenlaternen. Schatten bewegten sich über die Wände, wenn draußen Autos vorbeifuhren.

Die Wohnung wirkte nachts noch leerer als sonst.

Kälter.

Mara stand auf und ging barfuß in die Küche.

Der Boden war kühl unter ihren Füßen.

Im Vorbeigehen fiel ihr Blick auf den Spiegel im Flur.

Sie blieb kurz stehen.

Im Halbdunkel erkannte sie nur Umrisse ihres Gesichts.

Müde Augen.

Lose zusammengebundene Haare.

Schmale Schultern.

Wann war sie eigentlich so still geworden?

Früher hatte sie laut gelacht.

War spontan gewesen.

Chaotisch.

Jetzt bestand ihr Leben aus Kalendern und Erinnerungen im Handy.

Fast alles an ihr war organisiert.

Außer ihre Gedanken.

In der Küche öffnete sie das Fenster.

Kalte Nachtluft strömte herein.

Sie atmete tief ein.

Die Stadt roch nachts anders.

Weniger nach Menschen.

Mehr nach Regen, Asphalt und Wind.

Für einen Moment schloss Mara die Augen.

Und plötzlich stellte sie sich vor, wie das Meer nachts klingen musste.

Keine Sirenen.

Keine Stimmen.

Nur Wasser und Wind.

Der Gedanke fühlte sich beinahe schmerzhaft schön an.

Sie machte sich einen Tee, obwohl sie keinen Hunger und keinen Durst hatte. Vielleicht brauchte sie einfach etwas, das ihre Hände beschäftigte.

Während das Wasser kochte, wanderte ihr Blick durch die Wohnung.

Überall lagen Spuren eines Lebens, das nur noch aus Funktionieren bestand.

Ordner auf dem Tisch.

Arbeitsunterlagen auf dem Sofa.

Ungelesene Bücher neben dem Bett.

Eine Pflanze auf der Fensterbank, deren Blätter langsam vertrockneten.

Mara ging langsam zu ihr hinüber.

Die Erde war trocken.

Natürlich hatte sie vergessen, sie zu gießen.

Sie strich vorsichtig über ein brüchiges Blatt.

„Tut mir leid“, murmelte sie leise.

Und plötzlich traf sie ein seltsamer Gedanke.

Vielleicht war sie selbst genau wie diese Pflanze.

Nicht plötzlich kaputtgegangen.

Sondern langsam vertrocknet.

Weil etwas Wichtiges gefehlt hatte.

Licht.

Ruhe.

Zeit.

Das Wasser begann zu pfeifen.

Mara schreckte leicht aus ihren Gedanken hoch und goss den Tee auf.

Dann setzte sie sich mit der heißen Tasse ans Fenster.

Draußen glänzte die Stadt unter den Laternen wie eine endlose Landschaft aus Glas und Licht.

So viele Fenster.

So viele Leben.

Sie fragte sich, wie viele Menschen in diesem Moment ebenfalls wach lagen und heimlich hofften, irgendwo anders zu sein.

Vielleicht waren Städte voller Menschen, die sich verloren hatten.

Der Gedanke machte sie traurig.

Und seltsam verbunden zugleich.

Ihr Blick fiel auf ihr Handy auf dem Tisch.

Mehrere ungelesene Nachrichten blinkten auf dem Bildschirm.

Sie ignorierte sie.

Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich das nicht falsch an.

Langsam nahm sie einen Schluck Tee.

Die Wärme breitete sich in ihrer Brust aus.

Und plötzlich erinnerte sie sich an etwas, das ihr Vater früher oft gesagt hatte.

„Menschen merken meistens zu spät, dass sie nicht wirklich leben.“

Damals hatte sie den Satz nie verstanden.

Jetzt verstand sie ihn vielleicht zu gut.

Mara blickte hinaus in die Nacht.

Was wäre eigentlich das Schlimmste daran, ein paar Tage zu verschwinden?

Die Arbeit würde weiterlaufen.

Die Welt würde sich weiterdrehen.

Vielleicht war sie gar nicht so unersetzlich, wie sie immer geglaubt hatte.

Der Gedanke hätte sie verletzen sollen.

Stattdessen fühlte er sich befreiend an.

Sie stellte sich plötzlich vor, auf einem Schiff zu stehen.

Wind im Gesicht.

Salz in der Luft.

Nichts außer Wasser am Horizont.

Kein Empfang.

Keine Termine.

Keine Erwartungen.

Nur Stille.

Etwas tief in ihr begann sich danach zu sehnen.

Nicht nach Luxus.

Nicht nach Abenteuer.

Einfach nur nach einem Ort, an dem sie wieder fühlen konnte, wer sie eigentlich war.

Mara zog die Knie leicht an ihren Körper und beobachtete die Nachtlichter der Stadt.

Und während irgendwo weit entfernt ein Zug durch die Dunkelheit fuhr, traf sie still und ohne große Worte eine Entscheidung.

Sie würde mitfahren.

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