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Kapitel 4

Penulis: Eternity
Ich riss mich los. „Hat der Alpha nicht hundert andere Aufgaben? Seit wann interessiert es dich, wohin ich gehe?“

Ronan verstummte. Monate zuvor hatte ich ihn gefragt: „Warum bist du seit drei Nächten nicht nach Hause gekommen?“ Genau diese Worte hatte er mir damals entgegengeworfen.

Schließlich sagte er: „Ich hätte dir von Vancouver erzählen müssen. Das war falsch von mir.“ Er zögerte. „Aber morgen muss ich zu Siennas Disziplinaranhörung. Ihr wird vorgeworfen, ein Patrouillenmitglied zuerst angegriffen zu haben. Wenn ihr Einspruch abgewiesen wird, darf sie drei Monate lang keine Rudelversammlungen besuchen. Ich muss herausfinden, was wirklich passiert ist.“

Selbst bei einer Entschuldigung stand Sienna an erster Stelle.

„Verschieb deine Operation auf übermorgen“, sagte er. „Sobald die Anhörung vorbei ist, begleite ich dich.“

„Spar dir die Mühe. Ich brauche niemanden an meiner Seite.“

Er sprach weiter, als hätte er meine Ablehnung nicht gehört. „Ich halte den besten Chirurgen für dich bereit und bleibe, bis du aufwachst.“

Bevor ich antworten konnte, klingelte sein Handy. Aus dem Lautsprecher drang Siennas verängstigte Stimme. „Ronan, jemand läuft vor meinem Hotelzimmer auf und ab. Gerade hat er versucht, die Tür zu öffnen. Ich habe Angst.“

Seine ganze Haltung veränderte sich. Er griff nach seinen Schlüsseln.

„Warte.“

Ungeduldig drehte Ronan sich um. „Ich brauche keine Erlaubnis, um ein Mitglied meines Rudels zu beschützen, Maeve. Sie könnte wirklich in Gefahr sein.“ Dann fügte er hinzu, als würde er mir einen Trostpreis überreichen: „Zu deiner Operation komme ich. Im Moment musst du verstehen, was am wichtigsten ist.“

Er hatte mich völlig missverstanden.

Ich wollte ihn nicht bitten zu bleiben. Ich wollte ihm sagen: „Nach morgen musst du nie wieder wegen mir nach Hause eilen.“

Doch die Tür war bereits hinter ihm ins Schloss gefallen.

Am nächsten Morgen erfuhr ich in der Klinik, dass meine Operation verschoben worden war.

Ronan hatte in der Nacht zuvor den Klinikleiter angerufen und als Alpha und mein rechtmäßiger Ehemann auf einer Terminänderung bestanden. Niemand im Territorium des Silberkamm-Rudels wollte sich ihm widersetzen.

Dr. Morris nahm ihn sogar in Schutz. „Seien Sie nicht zu streng mit Ihrem Mann. Er hat mir erklärt: ‚Wir haben uns gestritten, deshalb besteht Maeve darauf, allein zu kommen.‘ Er ist bereit, Ratssitzungen für Sie zu verschieben. Das macht ein Mann nur, wenn ihm etwas an seiner Frau liegt.“

Nach meinem ursprünglichen Plan sollte ich heute operiert werden, morgen nach London fliegen und übermorgen früh meine neue Stelle antreten.

Ein einziger Anruf von Ronan hatte meinen gesamten Zeitplan über den Haufen geworfen.

Ich rief ihn an. Sienna ging ans Telefon.

„Er ist gerade erst eingeschlafen“, flüsterte sie. „Er hat sich solche Sorgen um mich gemacht, dass er die ganze Nacht wach geblieben ist. Wenn du etwas brauchst, kannst du es mir sagen.“ Sie hielt kurz inne und fügte mit gespielter Unschuld hinzu: „Ach, solltest du nicht heute operiert werden? Tut mir leid. Ich glaube nicht, dass Ronan es schafft. Versteh das bitte nicht falsch. Zwischen uns ist nichts passiert …“

Ich legte auf.

Sekunden später postete sie schon wieder etwas.

„Das größte Glück auf der Welt ist die Gewissheit: Egal, wann ich mich umdrehe, mein Alpha kommt und rettet mich.“

Das Foto zeigte eine luxuriöse Hotelsuite. Ronan saß im Hemd vom Vortag neben ihrem Bett. Die Schatten unter seinen Augen verrieten, dass er die ganze Nacht gewacht hatte.

Ich blockierte beide und vereinbarte einen Operationstermin in einer privaten Werwolfklinik in London.

Es war eine kleine Operation. In welchem Land sie stattfand, spielte keine Rolle.

Am nächsten Morgen stieg ich in ein Flugzeug, das mich endgültig aus New York fortbringen würde. Mit der Hand auf meinem noch flachen Bauch atmete ich so frei wie seit Jahren nicht mehr.

Niemand kam, um mich aufzuhalten.

Ronan wusste nicht einmal, dass seine Luna und sein ungeborenes Kind Silberkamm bereits aus der Luft hinter sich gelassen hatten.

Um elf Uhr rief Beta Kyle im Büro des Alphas an. „Maeve ist nicht in der Klinik erschienen. Soll der OP noch für sie freigehalten werden?“

Ronan sah auf die Uhr. Er war bis sechs bei Sienna geblieben und dann direkt zur Anhörung gefahren. Er hatte sich auf Maeves Worte verlassen: „Ich kümmere mich um alles selbst.“

„Hat sie den Termin verschoben?“

„Da ist noch etwas“, sagte Kyle vorsichtig. „Dr. Morris dachte, Sie wüssten Bescheid. Maeve ist ungefähr in der achten Woche schwanger. Deshalb mussten sie die Betäubung anpassen.“

Ronan erstarrte.

Langsam breitete sich ein seltenes Lächeln auf seinem Gesicht aus. „Wir bekommen ein Baby?“

Er wiederholte die Worte leise, als könnte ein lauterer Ton sie verscheuchen. „Diese sture Frau. So etwas Wichtiges hat sie mir verschwiegen?“

Kyles nächste Worte ließen das Lächeln verschwinden. „Ich erreiche sie nicht, Alpha. Können Sie Ihre Luna erreichen?“

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