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Die Unabhängigkeit, die mein Alpha bereute

Die Unabhängigkeit, die mein Alpha bereute

By:  EternityCompleted
Language: Deutsch
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Endlich fiel Ronan auf, dass ich ihm nichts mehr erzählte. Als ich mir ein neues Kleid für die Vollmondgala kaufte, schickte ich ihm keine Fotos und fragte ihn nicht nach seiner Meinung. Zum jährlichen Winterball des Silberkamm-Rudels erschien ich als Luna allein. Und als die Ärzte erklärten: „Die Silbersplitter unter Ihrem Schulterblatt müssen entfernt werden“, vereinbarte ich den Operationstermin selbst. Kein Anruf. Keine Nachricht. Ich versuchte nicht einmal, ihn über unser Gefährtenband zu erreichen. Als mein Arzt Ronan von der Operation erzählte, verhärtete sich sein Gesichtsausdruck. „Warum hast du mir nichts gesagt? Gib mir die Aufnahmen. Ich lasse die Klinik alles neu organisieren.“ „Das ist nicht nötig. Ich komme zurecht, und du hast ohnehin genug zu tun.“ Schweigen legte sich zwischen uns. Zwei Wochen zuvor hatte ich ihm noch Fotos von Ohrringen geschickt. „Welches Paar soll ich zum Ratsessen tragen?“ Mittags hatte ich ihm geschrieben: „Hast du schon gegessen?“ Nachts war ich wach geblieben, bis das Licht seiner Autoscheinwerfer durch die Fenster unseres Hauses fiel. Früher hatte sich jede Kleinigkeit in meinem Leben um meinen Mann gedreht. Meinen Gefährten. Meinen Alpha. Doch jetzt, als mich die Silberwunde vor Schmerzen zittern ließ, während er geduldig dem Weinen meiner Stiefschwester lauschte, sagte ich kein Wort. Auch von meiner Schwangerschaft erzählte ich ihm nichts. Bald würde er noch etwas ganz von selbst herausfinden. Ich hatte sein Territorium für immer verlassen.

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Chapter 1

Kapitel 1

„Morgen früh?“ Dr. Morris sah von meiner Krankenakte auf, überzeugt, sich verhört zu haben. „Wollen Sie nicht ein paar Tage warten? Alpha Ronan kommt heute Abend zurück. Er möchte seiner Luna dabei bestimmt zur Seite stehen.“

Ich klappte die Mappe zu. „Sie entfernen ein paar Silbersplitter unter örtlicher Betäubung. Sie tauschen mir nicht das Herz aus. Die Einverständniserklärungen habe ich bereits unterschrieben.“

Er starrte mich weiter an.

Jeder in Silberkamm wusste, wie abhängig ich einmal von Ronan gewesen war. Als ich mir beim Training den Knöchel verstaucht hatte, hatte ich jede Behandlung verweigert, bis seine Ratssitzung vorbei war. Einmal hatte ich mich an der Metallkante einer Mappe in den Finger geschnitten und ihn Ronan so lange hingehalten, bis er den Schmerz weggeküsst hatte.

Als ich nun erklärte: „Ich komme allein zurecht“, wusste Dr. Morris nichts mit mir anzufangen.

Ich verließ sein Sprechzimmer und blieb in der Eingangshalle der Klinik wie angewurzelt stehen.

Ronan Hale kam gerade mit einem Handgepäckkoffer durch die Eingangstür. Mit seinen breiten Schultern und seiner einschüchternden Ausstrahlung ließ er die jüngeren Wölfe ihm unwillkürlich aus dem Weg gehen. Eine Hand hatte er schützend auf den Rücken meiner Stiefschwester Sienna gelegt. Er half ihr über die beiden flachen Stufen, als wäre sie aus Glas.

Um ihren Hals lag ein handgestrickter marineblauer Schal.

Ich hatte ihn Ronan zum dritten Jahrestag unserer Gefährtenzeremonie gestrickt.

Sein Blick fiel auf die Mappe in meiner Hand. „Maeve? Was machst du hier? Bereitet dir die Silberwunde schon wieder Probleme?“

Schon wieder. Zwei kleine Wörter, die mich wie eine weitere lästige Angelegenheit erscheinen ließen, um die er sich auch noch kümmern musste.

Bevor ich antworten konnte, nahm er mir die Mappe aus der Hand und überflog den Befund. „Morgen kommt nicht infrage. Mein Terminkalender ist voll. Verschieb den Eingriff auf nächste Woche.“

Ich zog ihm die Unterlagen aus der Hand. „Dein Terminkalender spielt dabei keine Rolle. Ich komme allein zurecht.“

Ronan blinzelte.

Noch vor zwei Wochen hatte ich ihn gefragt: „Soll ich zum Ratsessen Rot oder Schwarz tragen?“ Jetzt ließ ich mich operieren, ohne ihm auch nur ein Wort davon zu sagen. Wären wir uns nicht zufällig begegnet, hätte er wahrscheinlich nie davon erfahren.

Als ich einen Schritt zurücktrat, rutschte eine weiße Medikamentenschachtel aus seiner Manteltasche und fiel auf den Boden. Auf dem Etikett stand, dass es sich um ein Mittel handelte, das häufig gegen starke Schwangerschaftsübelkeit verschrieben wurde.

Ronan hob die Schachtel hastig auf. „Fang gar nicht erst an. Sienna war während des ganzen Fluges übel. Ich habe das Medikament für sie besorgt.“

Sienna senkte den Blick und hielt den Schal mit beiden Händen fest. „Es tut mir leid, Maeve. Ronan wollte eigentlich direkt nach Hause, aber mir ging es so schlecht. Ich hatte Angst, allein herzukommen.“ Dann lächelte sie mich schüchtern und verlegen an. „Ich wünschte, ich wäre so selbstständig wie du. Dann müsste sich der Alpha nicht ständig um mich sorgen.“

Selbstständig. Beinahe hätte ich gelacht.

Vor einem Monat hatte sich die Haut um die Silbersplitter so stark entzündet, dass ich mitten in der Nacht davon aufgewacht war. Vor Schmerzen hatte ich meine Schulter kaum noch bewegen können. Ich hatte Ronan angerufen und auf, in der Hoffnung, dass er wenigstens ein paar tröstende Worte für mich übrig. Doch seine ersten Worte waren gewesen: „Ist es wirklich so schlimm, dass du mich ausgerechnet jetzt anrufen musst?“

„Ich weiß es nicht“, hatte ich geantwortet. Ich hatte Angst und wollte einfach nur, dass mein Gefährte bei mir zu Hause war.

„Ruf den Arzt an, Maeve. Du bist eine erwachsene Wölfin und die Luna von Silberkamm. Du kannst mir nicht wegen jeder Kleinigkeit in den Ohren liegen. Ich bin dein Mann, nicht dein persönlicher Krankenpfleger.“

Seltsam, wie das funktionierte.

Der stärkste Alpha der Region hatte Zeit für die Probleme aller anderen, nur nicht für die seiner eigenen Gefährtin. Doch Sienna musste nur leise sagen: „Mir ist nicht gut“, und schon brachte er sie vom Flughafen direkt hierher.

Wer die beiden sah, hätte Sienna mit seinem Schal glatt für seine Luna gehalten.

Früher hatte ich eine Erklärung verlangt. Ich hatte geweint, gestritten und ihn gezwungen, mir zu beweisen, dass diese Medikamentenschachtel nichts zu bedeuten hatte.

Diesmal nickte ich nur. „Verstanden.“ Keine Vorwürfe, keine Eifersucht, keine Tränen.

Ronan ahnte noch immer nichts von dem winzigen Herzschlag in meinem Bauch.

Unser Baby würde niemals mit miterleben müssen, wie ich seinen Vater anflehte, nach Hause zu kommen.

Es würde bei mir aufwachsen, weit weg von Silberkamm.

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