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Kapitel 3 – Ein Kuss voller Rache

last update publish date: 2026-10-22 16:12:40

Liana – Ich-Perspektive

Als ich aus dem obersten Stockwerk nach unten kam, standen Nolan und Severine noch in der Lobby.

Sobald er mich sah, eilte Nolan auf mich zu und packte mein Handgelenk. »Liana! Wo zum Teufel bist du gerade gewesen?«

Ich schüttelte seine Hand ab, mein Gesicht ausdruckslos. »Das geht dich nichts an.«

Nolans Blick wanderte über mich. Als er die Liebesmale an meinem Hals sah, verengten sich seine Pupillen plötzlich.

»Was ist das?!«

Sein Schrei erregte die Aufmerksamkeit der Menschen um uns herum. »Bist du so verzweifelt nach einem Mann? Wie lange bin ich weg? Und schon bist du so eifrig, mit jemand anderem ins Bett zu gehen?«

Severine trat heran und ergriff Nolans Arm, ihr Gesicht spöttisch. »Liana, ich weiß, es tut dir weh, dass Nolan dich verlassen hat, aber du kannst dich nicht so erniedrigen.«

»Sag es mir! Wer ist dieser Mann?« Nolans Augen waren blutunterlaufen, als er mich befragte.

Früher hätte mich solch eine Beleidigung vielleicht gebrochen.

Aber jetzt fand ich einfach, dass sie wie zwei laute Clowns aussahen.

Ich umspielte meine roten Lippen, in meinen Augen lag eine leichte Herausforderung. »Warum kümmert dich das? Sag nicht, du kannst immer noch nicht von mir lassen?«

Nolan wollte gerade sprechen, doch dann fiel sein Blick auf Severine an seiner Seite, und er schluckte seine Worte wieder hinunter.

Severine verdrehte die Augen. »Kein Wunder, dass du fast an den Paten verkauft wurdest. Du hast überhaupt keinen Selbstrespekt.«

Ich tat so, als hätte ich den größten Witz der Welt gehört. »Das erste Mal, dass ich eine Geliebte über Selbstrespekt reden höre.«

»Du …« Severines Augen weiteten sich, vor Empörung brachte sie kein Wort hervor.

»Genug!«, sagte Nolan streng, sein Gesicht dunkel. »Liana, Severine ist jetzt meine Verlobte. Bitte zeige ihr Respekt, wenn du mit ihr sprichst!«

Severine lächelte triumphierend zur Seite. »Diejenige, die nicht geliebt wird, ist die Geliebte. Liana, du kannst mich nicht verleumden, nur weil du verlassen wurdest.«

Die Worte »wird nicht geliebt« stachen schmerzhaft in mein Herz.

Meine sieben Jahre mit Nolan konnten nicht gegen ein paar Worte dieser Frau vor mir bestehen.

Meine Hand zitterte, als ich Severine eine schallende Ohrfeige gab.

Die Menschen um uns herum hielten den Atem an.

Niemand hatte erwartet, dass die Tochter der Camorra-Familie öffentlich geohrfeigt würde.

»Liana! Was tust du? Bist du verrückt?« Nolan zog Severine hinter sich und blickte mich zornig an.

Severine war völlig erstaunt und hob die Hand, um zurückzuschlagen, aber ich ergriff ihren Arm.

»Severine, kenne deine Stellung.« Ich lehnte mich nah an ihr Ohr und flüsterte: »Du möchtest doch nicht, dass Don Vincent denkt, seine Tochter sei eine Zänkerin, oder?«

Severine erstarrte.

Die Camorra-Familie hatte strenge Regeln. Auch ihre Tochter wurde wie eine Dame aus vornehmem Hause erzogen.

Deshalb bewahrte Severine in der Öffentlichkeit stets das elegante Auftreten einer Gesellschaftsdame. Sollte Don Vincent erfahren, dass sie sich wegen eines Mannes mit einer Bürgerlichen geprügelt hatte, würde sie zweifellos streng zurechtgewiesen werden.

Nach einem heftigen inneren Kampf senkte Severine schließlich ihre Hand und sagte zwischen den Zähnen: »Du wirst es noch bereuen.«

Ich blickte sie ruhig an, sagte nichts und drehte mich um, um zu gehen.

Wer auf wen warten würde, war noch längst nicht entschieden.

Am nächsten Tag, als ich die Tür von Vincents Arbeitszimmer erreichte, hörte ich einen Schuss.

Daraufhin eilten sieben oder acht Personen aus dem Raum, trugen eine Leiche und mehrere Kisten mit Drogen – ihre Gesichter voller Angst.

Ich trat ein und sah Vincent, der gelassen Blut von seiner Waffe mit einem Taschentuch abwischte. Neben ihm lagen mehrere Drogenpakete.

Als er mich kommen sah, verengte er die Augen. »Du wagst es tatsächlich zu kommen?«

Seine eisblauen Pupillen waren dunkel und tief, er wirkte noch einschüchternder als in der vergangenen Nacht.

Ich wusste, dass Severine sich zweifellos bei ihm beschwert hatte.

Ich unterdrückte die Angst in mir, ging auf ihn zu und ergriff seinen Arm, meine Stimme spielerisch. »Warum sollte ich es nicht wagen? Immerhin hat Don Vincent mich eingeladen.«

Vincent hob mein Kinn mit dem Lauf seiner Waffe, sein Gesicht ausdruckslos. »Severine ist immerhin meine Tochter. Du hast sie geohrfeigt und erwartest, damit davonzukommen?«

»Bin ich nicht hier, um meine Strafe entgegenzunehmen?«

Ich fuhr mit dem Finger leicht über seine Krawatte und blickte zu ihm auf. Meine Augen waren verführerisch, mein Atem streifte seinen Hals.

Vincents Körper versteifte sich sichtlich, seine Augen wurden sofort dunkler. Er packte mein Handgelenk und senkte die Stimme. »Das ist nicht der richtige Ort für Spielereien.«

»Und wo wäre er? Wie in der Präsidentensuite gestern Abend?« Ich flüsterte fast direkt an seinem Ohr und spürte, wie sein Atem allmählich schwerer wurde.

Gerade als Vincent sich nicht mehr zurückhalten konnte und nach meiner Taille griff, erblickte ich plötzlich eine vertraute Gestalt aus dem Augenwinkel.

Nolan ging auf die Tür des Arbeitszimmers zu.

Ich zog die Stirn zusammen. Warum tauchte er ausgerechnet jetzt hier auf?

Als ich Nolans eilige Erscheinung sah, schoss mir sofort ein Gedanke durch den Kopf.

Ich schlang sanft meine Arme um Vincents Hals, meine Stimme so süß, dass sie fast tropfte. »Wie möchtest du mich bestrafen?«

Vincent blinzelte leicht, dann stieß er mich plötzlich zurück. Mein Rücken prallte gegen das Bücherregal.

Er stützte eine Hand neben meinem Ohr ab und hob mit der anderen mein Kinn.

»Du suchst den Nervenkitzel so sehr?« Seine tiefe Stimme klang rau und anziehend.

Ich legte den Kopf willig zurück und blickte ihn mit verschwommenen Augen an. Als ich sah, dass Nolan die Tür erreichte, stellte ich mich auf die Zehenspitzen und küsste Vincent von mir aus.

Meine Initiative schien sein Verlangen nach Kontrolle zu wecken. Er übernahm die Führung, seine Finger fuhren durch mein Haar und ergriffen es fest, während er den Kuss vertiefte.

Dieser Kuss hatte nichts mit Liebe zu tun. Er war eher wie eine intensive Entladung von Leidenschaft.

Aber was mich noch mehr erregte, war der Anblick von Nolan, der alles von der Tür aus beobachtete.

 

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