Mag-log in„Das, was er seit Jahrhunderten gefangen hält, wird endlich frei sein.”Die Warnung der Blutkönigin traf tiefer als jede Drohung, die sie zuvor ausgesprochen hatte.Lyra wandte sich der uralten Frau zu. „Was ist es?” Zum ersten Mal, seit sie unter Ravencrest erschienen war, wirkte die Blutkönigin ängstlich. „Etwas, das ich gefangen zu nehmen half.”Cassians Gesichtsausdruck veränderte sich, eine subtile, verräterische Veränderung.Lyra bemerkte es sofort. „Ihr wusstet es.” „Ich wusste, wovor sich der Mondhof fürchtete”, erwiderte Cassian mit gemessener Stimme. „Ich wusste, warum der Thron geschmiedet wurde. Doch ich wusste nie, ob der Gefangene noch existierte.”„Wie bemerkenswert praktisch”, murmelte Darius. „Jedes Mal, wenn wir die Wahrheit ausgraben, erinnert sich plötzlich jemand an ein weiteres Geheimnis.” „Darius”, warnte Kael sanft.„Nein, lasst ihn sprechen.” Lyra hielt ihren Blick fest auf Cassian gerichtet. „Ich bin es leid, die letzte Person zu sein, die die Wahrheit über i
Lyra starrte in die Dunkelheit unter Ravencrest. Zum ersten Mal klang die Stimme nicht mächtig. Sie klang ängstlich. Kael erhob sich langsam, eine Hand auf seine Brust gepresst, wo der Fluch Wurzeln geschlagen hatte. Darius blickte zu ihm. „Du lebst?”Kael sah ihn müde an. „Zu Eurem Pech.” Darius atmete aus. „Gut. Ich war noch nicht bereit, allen zu erklären, wie ich endlich meinen nervigen Bruder losgeworden bin.” Lucien lächelte fast.Dann erbebte der Boden erneut, und Lyras Gesichtsausdruck verhärtete sich. Der kurze Moment der Erleichterung verschwand. „Was geschieht, wenn ich dort hinuntergehe?”„Ihr findet heraus, warum Ihr zurückgebracht wurdet”, sagte Cassian, bevor jemand anders antworten konnte. Lyra wandte sich ihm zu. „Ich wurde nicht zurückgebracht.” Sie blickte auf ihre Hände hinab. „Ich habe überlebt.”Cassians Augen verengten sich. „Vielleicht.” Lyra wandte sich der Öffnung unter der Kammer zu. „Dann gehe ich hinunter.” Kael trat neben sie. „Ich auch.”Darius seufzte.
Lyra starrte in die Dunkelheit unter Ravencrest. Die Stimme war aus ihr gekommen, doch sie fühlte sich nicht ganz wie ihre eigene an. Der Mondthron pulsierte unter dem Schloss. Kael trat näher. „Lyra.”Sie antwortete nicht. Ihr silbernes Auge blieb auf den rissigen Boden gerichtet, während das schwarze etwas widerspiegelte, das keiner von ihnen sehen konnte.Darius griff nach ihrer Hand, doch sie wich zurück. Er hielt inne, die Verletzung auf seinem Gesicht war sofort da, kein Zorn, sondern reiner Schmerz.Lyra bemerkte es, und irgendwie erschreckte sie das mehr als der Thron. „Ich weiß nicht, was mit mir geschieht.” Darius senkte seine Hand sanft. „Dann steh dem nicht allein gegenüber.”Lucien betrachtete sie aufmerksam. „Du hörst sie.” Lyra wandte sich ihm zu. „Wen?” „Dein erstes Selbst.”Die Worte ließen ihre Brust sich zusammenziehen. Die Stimme unter dem Schloss sprach erneut: Du hast es versprochen.Lyra schloss die Augen. „Ich erinnere mich an kein Versprechen.” „Doch.”Cassian
„Ich bin der Grund, warum du beim ersten Mal gestorben bist.” Lyra konnte nicht atmen. Die Stimme, die aus Lioras Mund kam, war ruhig. Das machte es schlimmer. Kael trat näher, sein Schwert erhoben. „Weg von ihr.”Die Frau in Liora lächelte. „Ihr glaubt noch immer, eine Waffe könne Eure Königin beschützen.” Kaels Griff verstärkte sich. Lyra hob eine Hand. „Nicht.”Er sah sie an. „Lyra…” „Sie greift uns nicht an.”Die Frau lachte leise. „Noch nicht.” Lyra starrte in Lioras Gesicht. „Wer seid Ihr?” Die silbernen Augen schärften sich. „Diese Frage hast du schon einmal gestellt.” „Ich erinnere mich nicht an dich.” „Das solltest du auch nie.”Darius trat neben Lyra. „Dann hört auf, in Rätseln zu sprechen.” Die Frau sah ihn an. „Du versteckst noch immer Furcht hinter Humor.” Darius’ Gesichtsausdruck fiel in sich zusammen. „Und du tust noch immer so, als wäre dir alles gleich.”Ihr Blick wanderte zu Lucien. „Und du trägst noch immer Schuld, die nicht ganz dir gehört.” Lucien versteifte sich.
„Nein”, flüsterte sie.Die Blutkönigin beobachtete mit grausamer Genugtuung. „Ihr erinnert Euch.” Lyras Blick schnellte zu ihr. „Ihr habt das schon einmal getan.” „Ich habe erweckt, was immer schon da war.” „Ihr lügt.” „Tue ich das?”Die Blutkönigin hob eine Hand, und Kael stürmte vor. Lyra wich gerade noch aus, als seine Klinge durch die Luft schnitt, wo ihr Hals einen Bruchteil einer Sekunde zuvor gewesen war. Sie taumelte, ihr Rücken traf eine kalte Steinsäule. „Kael!”Er wandte sich ihr zu. Für eine halbe Sekunde flackerten seine schwarzen Augen silbern. „Lauf.” Lyra erstarrte, doch die Miene der Blutkönigin verhärtete sich. „Kael.”Die Schwärze überzog seine Augen sofort erneut, und er griff erneut an. Lyra streckte ihre Hand vor und entfesselte einen Strahl silberner Energie, der Kael mit solcher Wucht zurückschleuderte, dass die Steinwand Risse bekam.Bevor sie Atem holen konnte, stürmte Darius vor. Lyra drehte sich gerade rechtzeitig um, um seinen Schlag aufzufangen, ihre Händ
„Und Lyra war nie meine einzige Tochter.” Die Worte hingen über der Kammer. Lyra konnte den Blick nicht von der Frau abwenden, die über ihnen stand. Sie hatte Lyras silberne Augen, ihr silbernes Haar. Selbst das halbmondförmige Mal unter ihrem linken Auge entsprach dem, das Lyra in ihren eigenen Erinnerungen gesehen hatte. Doch etwas war anders an ihr, etwas Kälteres und Älteres, das jeden Instinkt in Lyra schreien ließ zu fliehen. Kael trat vor, das Schwert erhoben. „Bleibt fern von ihr.” Die Frau lächelte. „Ihr stellt Euch noch immer zwischen Gefahr und meine Tochter.” Kaels Griff verstärkte sich. „Ihr seid nicht ihre Mutter.” Das Lächeln der Frau verschwand. „Nein.” Ihr Blick wanderte zu Lyra. „Elara war es.” Lyras Brust zog sich zusammen. „Was meintet Ihr dann, als Ihr sagtet, Ihr wärt meine erste Mutter?” Die Frau stieg eine Stufe hinab. „Ich habe dir dein erstes Blut gegeben.” Eine weitere Stufe. „Ich habe dir deine erste Macht gegeben.” Eine weitere. „Und ich habe den drei







