Mag-log inEine Frau. Drei Alphas. Eine Bindung, die es nicht geben dürfte. Doch ihr Verlangen ist erst der Anfang. Während Lyra in ihre gefährliche Welt hineingezogen wird, beginnen sie seltsame Visionen zu verfolgen. Uralte Prophezeiungen erwachen. Feinde tauchen aus den Schatten auf. Und Geheimnisse rund um ihre Geburt drohen alles zu entwirren, von dem sie glaubte, es über sich selbst zu wissen. Die Brüder wollen sie beschützen. Ihre Feinde wollen sie tot sehen. Und Lyra beginnt zu vermuten, dass ihre bloße Existenz die größte Bedrohung von allen sein könnte. Um das Königreich zu retten, muss sie die Wahrheit über ihre Blutlinie aufdecken, bevor sich die Prophezeiung erfüllt. Doch die Wahrheit kommt mit einer verheerenden Wahl – die Alphas wählen… oder das Reich retten. Und egal, wofür sie sich entscheidet, jemand, den sie liebt, wird den Preis zahlen.
view moreEin schriller Knall hallte durch die Schlossküche. Lyra zuckte zusammen, als ihr ein weiteres Holztablett aus den Händen glitt und auf den Steinboden schlug.
Das Geräusch zog alle Blicke auf sich. Noch bevor sie sich bücken konnte, um es aufzuheben, hallte die Stimme der Obermagd durch den Raum.
„Lyra!“, rief Marta und marschierte mit fest in die Hüften gestützten Händen auf sie zu. „Muss ich dich daran erinnern, dass heute Abend nicht einfach nur ein weiteres Bankett ist?“
„Es tut mir leid“, sagte Lyra schnell und kniete sich hin, um die verstreuten Tassen einzusammeln. „Das war keine Absicht –“
„Ich weiß, dass es keine Absicht war.“ Marta seufzte und rieb sich die Stirn. „Aber Entschuldigungen werden drei Alpha-Prinzen oder die Hälfte der Adelsfamilien dieses Kontinents nicht beeindrucken.“
„Ich werde vorsichtiger sein“, sagte Lyra. „Das solltest du auch.“
Marta wurde gerade so weit nachsichtiger, dass sie einen unsichtbaren Mehlfleck von Lyras Ärmel wischte. „Du arbeitest seit fünfzehn Jahren in diesem Schloss. Lass heute Abend nicht zu, dass sich alle aus den falschen Gründen an dich erinnern.“
Lyra nickte. „Das werde ich nicht.“
Marta warf einen letzten Blick in die geschäftige Küche, bevor sie neue Befehle herausschrie. „Bewegt euch! Das Festmahl bereitet sich nicht von selbst vor.“ Im Raum brach wieder hektische Betriebsamkeit aus.
Dampf stieg aus riesigen Töpfen auf. Der Duft von frischem Brot erfüllte die Luft mit Wärme. Bedienstete eilten vorbei und trugen Silbertabletts, die hoch mit gebratenem Fleisch, Obst und Wein beladen waren.
Lyra nahm die letzte Tasse und machte sich leise wieder an die Arbeit. Sie mochte die Küche. Niemand erwartete Großartiges von einer Bediensteten. Sie konnte zuhören, beobachten, unsichtbar werden. Manchmal war das Verschwinden das Sicherste, was ein Mensch tun konnte.
Eine Stunde später … Das Schloss glich in nichts der lauten Küche. Tausende Kerzen tauchten den großen Saal in goldenes Licht. Lange purpurrote Banner hingen an hoch aufragenden Steinmauern. Kristallkronleuchter funkelten über den Köpfen.
Musiker stimmten ihre Instrumente, während adelige Gäste durch den Eingang strömten, gekleidet in bestickte Mäntel, glitzernde Roben und polierte Rüstungen.
Heute Abend begann das Mondfeuerfest. Jede einflussreiche Familie des Kontinents war der Einladung des Königs gefolgt. Das bedeutete: Ein einziger Fehler … könnte schon morgen zum Klatsch und Tratsch werden.
Lyra balancierte ein silbernes Tablett mit Kristallgläsern, während sie den anderen Bediensteten in den Saal folgte. „Blick nach unten“, flüsterte eine ältere Bedienstete. Nicht reden, nicht starren.
Lyra lächelte schwach. „Als ob ich das jemals täte.“ Die Frau neben ihr kicherte. „Da ist sie.“
„Was?“ Du. Wenn du lächelst, siehst du tatsächlich deinem Alter entsprechend aus. Lyra lachte leise vor sich hin. „Ich werde versuchen, das nicht zur Gewohnheit werden zu lassen.“
Eine Trompete ertönte. Alle Gespräche verstummten. Die massiven Türen am anderen Ende des Saals öffneten sich. König Aldric Ravencrest trat als Erster ein. Selbst nachdem sie ihn jahrelang nur aus der Ferne gesehen hatte, verstand Lyra immer noch, warum die Menschen ihn respektierten.
Er trug sich wie ein Mann, der unzählige Stürme überstanden hatte. Neben ihm schritt Königin Selene, anmutig und gefasst, und begrüßte die Gäste mit einem ruhigen Lächeln.
Dann … betraten die drei Alpha-Brüder den Saal. Die Atmosphäre veränderte sich. Alpha Kael schritt schweigend herein. Schwarze, militärisch anmutende Kleidung. Aufrechte Haltung. Ein Gesicht, das fast nichts verriet.
Die Menschen traten instinktiv beiseite. Neben ihm kam Darius. Lächelnd, entspannt. Als ob ihn die Aufmerksamkeit amüsierte.
Er begrüßte die Adligen mit mühelosem Charme und ließ selbst angespannte Gespräche leicht erscheinen.
Lucien betrat als Letzter den Saal. Er bedankte sich bei einem Diener, der ihm die Tür aufhielt. Er bedankte sich tatsächlich bei ihm. Der junge Diener hätte fast vergessen zu atmen. Lyra musste unwillkürlich lächeln. Manche Dinge änderten sich nie.
Musik erfüllte den Saal. Das Bankett begann offiziell. Die Diener bewegten sich mit geübter Präzision zwischen den Tischen hin und her.
Lyra füllte sorgfältig die Kelche nach und tauschte leere Teller aus. Alles lief perfekt. Bis – ein junger Adliger ohne hinzuschauen einen Schritt zurücktrat. Seine Schulter prallte gegen Lyra, das Tablett kippte. Kristallgläser flogen durch die Luft, die Zeit schien sich zu verlangsamen.
Lyra griff instinktiv danach, doch es war zu spät. Die Gläser zerschellten auf dem polierten Boden. Der schrille Klang hallte durch den Saal. Die Musik verstummte, die Gespräche verstummten, alle Köpfe drehten sich um.
Lyras Herz sank. „Oh nein …“ Der Adlige runzelte die Stirn, als er das zerbrochene Glas sah. „Sie sollten besser aufpassen, wohin Sie gehen.“
Lyra starrte ihn ungläubig an. Er war doch in mich hineingelaufen … Bevor sie etwas sagen konnte, eilte Marta herbei, ihr Gesicht blass. „Verzeihen Sie uns, Eure Hoheit“, sagte Marta mit einer Verbeugung. „Wir werden das sofort aufräumen.“
Lyra öffnete den Mund. Dann schloss sie ihn wieder. Ein Streit mit einem Adligen endete für Bedienstete nie gut. Sie kniete sich hin, um die Glasscherben aufzulesen. Eine winzige Scherbe schnitt ihr in die Handfläche, sie zuckte zusammen. Ein einzelner Blutstropfen landete auf dem polierten Boden.
Genau in diesem Moment … blieb Kael stehen. Er drehte den Kopf. Darius’ Lächeln verschwand. Lucien erstarrte. Die drei Alpha Brüder blickten gleichzeitig in Lyras Richtung. Nicht auf die zerbrochenen Gläser, nicht auf die verängstigten Bediensteten. Sondern auf … sie.
Kaels Miene verhärtete sich. Darius runzelte zum ersten Mal an diesem Abend die Stirn. Lucien machte unwillkürlich einen Schritt nach vorne.
Der gesamte Saal schien den Atem anzuhalten. Dann … strömte ein Duft durch den Raum. Uralt, wild, unmöglich.
Jeder Instinkt in den drei Alphas erwachte mit voller Wucht zum Leben.
Kaels Wolf knurrte. Darius’ Puls pochte wie ein Donner. Luciens Augen weiteten sich vor Schreck. Nein … Dieser Duft konnte nicht existieren. Es war unmöglich. Denn gemäß jedem heiligen Gesetz der Mondgöttin … konnte eine einzige Frau niemals bei drei Alphas gleichzeitig das Partnerband wecken.
„Du hast mich schwören lassen, dich dafür zu bestrafen, falls du es tätest.”Lyra konnte nicht atmen.Das Geständnis der Ersten Luna traf tiefer als jede Waffe. Die Frau behauptete nicht nur, Lyra habe sie verraten, sie sagte, Lyra habe ihren eigenen Verrat vorausgesehen und eine Strafe in ihre eigene Bindung eingebaut.„Warum?”, flüsterte Lyra. „Warum sollte ich dich darum gebeten haben, mir das anzutun?”„Weil du wusstest, was du werden würdest.” Die Erste Luna streckte ihre Hand aus. Als sich die schwarzen Fäden um die drei Alphas strafften, sank Kael auf ein Knie. Darius stützte sich an einer zerbrochenen Säule ab, und Lucien presste eine Hand gegen seine Brust, als würde etwas ihn von innen zerreißen.Lyra eilte zu ihnen, doch eine unsichtbare Barriere schleuderte sie zurück. „Haltet ein!”, rief sie.„Du hast mir das Recht gegeben”, erwiderte die Erste Luna, ihre Stimme brach. „Du hast mich zu deiner Richterin gemacht, als du noch fähig warst zu wählen. Du sagtest mir, sollte Mac
„Die drei Männer, die dich töteten, in die Knie zu zwingen.”Die Worte der Ersten Luna hingen über dem zerschmetterten Thron. Lyra spürte, wie sich Kaels Arm fester um ihre Taille legte, doch ihre Aufmerksamkeit blieb auf die Frau gerichtet, die in den Trümmern stand. Das Silber und Schwarz in ihren Augen wechselte wie entgegengesetzte Flammen, und die Luft um sie trug das Gewicht von etwas, das viel zu lange darauf gewartet hatte, nicht länger verweigert zu werden.„Ihr wollt Rache”, sagte Lyra. „Ich will, was mir genommen wurde.” „Dann sagt mir, was Ihr verloren habt. Erwartet nicht, dass ich mich einer Geschichte ergebe, an die ich mich kaum erinnere.”Für einen Moment wirkte die Erste Luna fast amüsiert. „Ihr sprecht noch immer, als schulde Euch die Welt Erklärungen.” „Nein. Ich spreche als jemand, der es satt hat, für Entscheidungen zu büßen, die andere Menschen in ihrem Namen getroffen haben.”Darius trat neben Lyra und wischte sich Blut vom Mundwinkel. „Ich weiß nicht, was in u
„Das, was er seit Jahrhunderten gefangen hält, wird endlich frei sein.”Die Warnung der Blutkönigin traf tiefer als jede Drohung, die sie zuvor ausgesprochen hatte.Lyra wandte sich der uralten Frau zu. „Was ist es?” Zum ersten Mal, seit sie unter Ravencrest erschienen war, wirkte die Blutkönigin ängstlich. „Etwas, das ich gefangen zu nehmen half.”Cassians Gesichtsausdruck veränderte sich, eine subtile, verräterische Veränderung.Lyra bemerkte es sofort. „Ihr wusstet es.” „Ich wusste, wovor sich der Mondhof fürchtete”, erwiderte Cassian mit gemessener Stimme. „Ich wusste, warum der Thron geschmiedet wurde. Doch ich wusste nie, ob der Gefangene noch existierte.”„Wie bemerkenswert praktisch”, murmelte Darius. „Jedes Mal, wenn wir die Wahrheit ausgraben, erinnert sich plötzlich jemand an ein weiteres Geheimnis.” „Darius”, warnte Kael sanft.„Nein, lasst ihn sprechen.” Lyra hielt ihren Blick fest auf Cassian gerichtet. „Ich bin es leid, die letzte Person zu sein, die die Wahrheit über i
Lyra starrte in die Dunkelheit unter Ravencrest. Zum ersten Mal klang die Stimme nicht mächtig. Sie klang ängstlich. Kael erhob sich langsam, eine Hand auf seine Brust gepresst, wo der Fluch Wurzeln geschlagen hatte. Darius blickte zu ihm. „Du lebst?”Kael sah ihn müde an. „Zu Eurem Pech.” Darius atmete aus. „Gut. Ich war noch nicht bereit, allen zu erklären, wie ich endlich meinen nervigen Bruder losgeworden bin.” Lucien lächelte fast.Dann erbebte der Boden erneut, und Lyras Gesichtsausdruck verhärtete sich. Der kurze Moment der Erleichterung verschwand. „Was geschieht, wenn ich dort hinuntergehe?”„Ihr findet heraus, warum Ihr zurückgebracht wurdet”, sagte Cassian, bevor jemand anders antworten konnte. Lyra wandte sich ihm zu. „Ich wurde nicht zurückgebracht.” Sie blickte auf ihre Hände hinab. „Ich habe überlebt.”Cassians Augen verengten sich. „Vielleicht.” Lyra wandte sich der Öffnung unter der Kammer zu. „Dann gehe ich hinunter.” Kael trat neben sie. „Ich auch.”Darius seufzte.












Rebyu