LOGIN"Du bist wie eine Schwester für mich." Das waren die Worte, die das Fass endgültig zum Überlaufen brachten. Nicht nach dem, was gerade passiert war. Nicht nach dieser heißen, atemlosen, seelenerschütternden Nacht, in der wir uns in den Armen des anderen verheddert hatten. Ich wusste von Anfang an, dass Tristan Hayes eine Grenze war, die ich nicht überschreiten durfte. Er war nicht irgendjemand – er war der beste Freund meines Bruders. Der Mann, den ich jahrelang heimlich begehrte. Aber in jener Nacht… waren wir beide zerbrochen. Wir hatten unsere Eltern gerade beerdigt. Die Trauer war zu schwer, zu real… also bettelte ich ihn an, mich zu berühren. Damit er mich vergessen ließ. Damit er die Stille füllte, die der Tod hinterlassen hatte. Und er tat es. Er hielt mich, als wäre ich etwas Zerbrechliches. Er küsste mich, als wäre ich das Einzige, das er zum Atmen brauchte. Dann ließ er mich blutend zurück mit sechs Worten, die tiefer brannten als jede Zurückweisung es je gekonnt hätte. Also floh ich. Weg von allem, was mir Schmerz bereitet hatte. Fünf Jahre später bin ich zurück. Frisch von der Zurückweisung des Gefährten, der mich misshandelt hatte. Immer noch mit den Narben eines Welpen, den ich nie halten durfte. Und der Mann, der am Flughafen auf mich wartet, ist nicht mein Bruder. Es ist Tristan. Und er ist nicht mehr der Mann, den ich zurückgelassen habe. Er ist ein Biker. Ein Alpha. Und als er mich ansah, wusste ich, dass es keinen Ort mehr gab, an den ich fliehen konnte.
View MoreKapitel 96Tristans SichtDie Leere, die ich durch unsere Gefährtenbindung eigentlich nicht hätte spüren dürfen, weil ich Athena dadurch fühlen können sollte, fühlte sich plötzlich an, als würde sie mich von innen heraus auffressen. Es war, als hätte jemand ein riesiges Loch in meine Brust gerissen, genau dort, wo mein Herz sein sollte. Diese Leere trieb mich langsam in den Wahnsinn.Ich konnte nicht atmen. Nicht denken. Ich konnte nichts tun, außer das erdrückende Gewicht meines eigenen Versagens zu spüren.„Tristan“, sagte Orion vorsichtig und machte einen Schritt auf mich zu. „Wir müssen ruhig bleiben.“Ruhig bleiben? Wie sollte ich ruhig bleiben, wenn meine Gefährtin verschwunden war und der Mann, der sie zwei Jahre lang gefoltert hatte, möglicherweise noch am Leben war? Wie sollte ich ruhig bleiben, wenn mein eigener Beta mich womöglich über die Ermordung dieses Bastards belogen hatte?Ich spürte, wie sich meine Knochen zu verändern begannen. Mein menschlicher Körper kämpfte daru
Kapitel 95Tristans SichtWir folgten dem Geräusch. Dabei bewegten wir uns nun beide vorsichtig, unsere Sinne waren bis zum Äußersten geschärft. Das Klingeln kam von irgendwo hinter der Tür.Bevor wir sie erreichen konnten, hörten wir Dereks Stimme durch die Wohnung hallen.„Hey, Leute, was geht?“Orion und ich tauschten verwirrte Blicke aus, als uns klar wurde, dass wir seine Stimme beide deutlich über die Telefonverbindung hören konnten.Dann hörten wir ein Klopfen an der Tür.„Hallo, Tristan, bist du da? Ich bin gerade bei Athena“, sagte Derek immer noch in sein Telefon, während ich nach der Türklinke griff.Ich riss die Tür auf. Dereks Augen weiteten sich vor Schock, als er erkannte, dass ich derjenige war, der vor ihm stand.„Was machst du hier?“, fragten wir beide genau im selben Moment.Ich hob eine Augenbraue. Mein Misstrauen wurde stärker. Warum fragte er mich, was ich in der Wohnung meiner Gefährtin zu suchen hatte?Derek musste den gefährlichen Ausdruck in meinem Gesicht be
Kapitel 94 Tristans Sicht Jetzt, da ich gezielt danach suchte, entdeckte ich Spuren eines Kampfes. Ein Stuhl stand in einem ungewöhnlichen Winkel zurückgeschoben da, ein Glas war unter den Küchenschrank gerollt, und auf dem Linoleumboden waren Kratzspuren zu sehen, die aussahen, als hätte jemand jemanden darübergeschleift. „Nein, nein, nein“, flüsterte ich. Meine Gedanken überschlugen sich, während ich verschiedene Möglichkeiten durchging, von denen jede schlimmer war als die vorherige. Mit zitternden Händen hob ich ihr Handy auf und überprüfte die Anrufliste, um herauszufinden, ob es irgendwelche Hinweise darauf gab, was passiert war. Es war nicht schwer, das Handy zu entsperren. Ich musste nur unsere Nachnamen miteinander kombinieren – Slayes. Das war unser gemeinsames Passwort für alles. Der letzte Anruf war vor etwa einer Stunde von Derek gekommen. Davor war nichts Ungewöhnliches zu sehen. Derek. Er hatte sie angerufen, und jetzt war sie verschwunden. Aber das ergab keine
Kapitel 93Tristans SichtIch wollte Athena nicht allein lassen, aber ich musste für Seraphine da sein. Sie machte gerade eine schreckliche Zeit durch, und als ihr Alpha hatte ich Pflichten, denen ich mich nicht entziehen konnte.Doch wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst war, steckte mehr dahinter als nur Pflichtgefühl.Manchmal nutzte ich es als Vorwand, Seraphine zu helfen, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, weil ich so oft nicht für Athena da gewesen war.All die Jahre, in denen sie unter Daxons Grausamkeit gelitten hatte und jemanden gebraucht hatte, der sie beschützte, waren Orion und ich nicht für sie da gewesen.Deshalb kam ich jedes Mal, wenn Seraphine mich rief. Es war meine Art, meine früheren Fehler wiedergutzumachen, obwohl ich wusste, dass ich damit die Vergangenheit nicht wirklich ausgleichen konnte.Ich wusste auch, dass Athena Seraphine nicht mochte, und ich konnte es ihr nicht verübeln. Es gab etwas an Seraphine, das die Menschen misstrauisch machte, auch wenn i
Kapitel 3Das kann nicht passieren.Nicht jetzt. Nicht nach allem, wovor ich gerade entkommen bin. Nicht, wenn ich endlich frei bin, endlich wieder atme, endlich mich daran erinnere, wie es sich anfühlt, meine eigenen Entscheidungen zu treffen.Aber da ist er. Tristan Hayes. Der Mann, den ich zwei
Kapitel 2Das ist es. Der Moment der Wahrheit. Der Punkt ohne Wiederkehr.Ich schaue Daxon an, in sein erwartungsvolles Gesicht, auf die Art, wie seine Augen Strafe versprechen, wenn ich ihm nicht gebe, was er will. Ich schaue auf die Menge der Pack-Mitglieder, alle schauen zu, alle warten, alle gl
Kapitel 1Fünf Jahre späterAthenaDas weiße Kleid fühlt sich wie Ketten um meinen Hals an.Ich starre mich im Spiegel der Brautsuite an, meine Reflexion schwankt durch die Tränen, die ich mich weigere fallen zu lassen. Die Frau, die zu mir zurückschaut, ist eine Fremde, hohle Wangen, dunkle Ringe
PrologAthenaIch kann nicht atmen.Tristan bewegt sich in mir, langsam und tief, und ich ertrinke in der Empfindung. Jeder Stoß schickt Hitze spiralförmig durch meinen Körper, füllt all die hohlen Räume, die die Trauer heute ausgehöhlt hat.Seine Hände finden ihren Weg unter meinen Oberschenkel, h






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