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kapitel: 6 Der erste Zug

Author: Sheila Banks
last update Petsa ng paglalathala: 2026-08-23 20:09:35

Kalter Regen trommelte gegen die Windschutzscheibe. Der schwarze Range Rover raste über die kurvenreichen Straßen außerhalb von Valdoria, während seine Scheinwerfer die Dunkelheit durchschnitten.

Im Inneren herrschte Stille.

Serafina starrte aus dem Fenster und beobachtete, wie die Reihen von Zypressen zu verschwommenen Schatten wurden. Ihre Kleidung war noch immer feucht von der Brücke. Ihre Hände hatten aufgehört zu zittern. Dante saß ihr gegenüber, einen Ellbogen an der Tür abgestützt, den Blick auf die Straße vor ihnen gerichtet. Ein frischer Schnitt zog sich über seine Kieferlinie, und getrocknetes Blut befleckte den Ärmel seines schwarzen Hemdes.

Seit sie die Brücke verlassen hatten, hatte er kein Wort gesagt. Sie ebenfalls nicht. Das einzige Geräusch war der gleichmäßige Rhythmus des Regens. Schließlich sprach Dante.

„Du blutest.“ Serafina sah nach unten. Erst jetzt bemerkte sie den Schnitt in ihrer Handfläche, den sie sich beim Aufprall auf dem Asphalt zugezogen hatte.

„Ich habe es nicht einmal gespürt.“

„Das passiert bei einem Schock.“ Er griff in die Mittelkonsole und holte einen kleinen schwarzen Erste-Hilfe-Kasten heraus.

„Gib mir deine Hand.“

„Mir geht es gut.“

„Serafina.“ In seiner Stimme lag keine Wut. Nur ruhiges, bestimmtes Beharren. Nach einem Moment des Zögerns legte sie ihre Hand in seine. Seine Finger waren trotz der Kälte warm. Er reinigte die Wunde vorsichtig. Seine Bewegungen waren geübt und überraschend sanft. Sie beobachtete ihn schweigend.

„Das hast du schon einmal gemacht.“

„Ich musste.“ Er wickelte einen sauberen Verband um ihre Handfläche.

„So.“ Sie musterte sein Gesicht.

„Du hast dir nach dem Angriff auf das Lagerhaus selbst die Schulter genäht.“ Er warf ihr einen Blick zu.

„Das ist dir aufgefallen.“

„Ich bemerke mehr, als du denkst.“ Zum ersten Mal in dieser Nacht hob sich Dantes Mundwinkel zu einem kaum wahrnehmbaren Lächeln. Es verschwand fast genauso schnell, wie es gekommen war.

Der Wagen bog durch ein schmiedeeisernes Tor und kam vor einer alten Steinvilla zum Stehen, die von Weinbergen umgeben war. Warmes Licht drang aus den Fenstern. Das Anwesen war ruhig. Friedlich. Fast unmöglich, es mit der Gewalt in Verbindung zu bringen, der sie gerade entkommen waren. Serafina runzelte die Stirn.

„Wo sind wir?“

„Im Weinberg meines Großvaters.“

„Du besitzt einen Weinberg?“

„Meine Familie besitzt ihn seit Generationen.“

Sie stieg aus dem Wagen und sah sich um. Sanfte Hügel erstreckten sich unter dem Mondlicht in die Ferne. Reihen von Weinreben wiegten sich leicht im Wind.

„Es sieht nicht wie ein Mafia-Anwesen aus.“ Dante verriegelte das Auto.

„Genau deshalb sind wir hier.“ Er blickte zum Haus.

„Wenn uns heute Nacht jemand verraten hat …“ Sein Gesicht verhärtete sich.

„… wird er nicht erwarten, dass wir hier verschwinden.“ Serafina folgte ihm zur Eingangstür.

Zum ersten Mal seit dem Verschwinden ihres Vaters … hatte sie das Gefühl, als wäre die Welt auf seltsame Weise still geworden. Doch tief in ihrem Inneren wusste sie, dass diese Stille nicht von Dauer sein würde. Irgendwo in der Dunkelheit hatte bereits ein anderer Spieler den ersten Zug gemacht. Dante öffnete die Tür. Warme Luft umfing sie.

Serafina trat ein.

Die Villa roch schwach nach Zedernholz, alten Büchern und etwas Süßem, das sie nicht identifizieren konnte. Sie sah sich um. Die Eingangshalle war schlicht, aber wunderschön. Eine große Treppe führte geschwungen in die obere Etage, während alte Fotografien eine Wand bedeckten. Dante bemerkte, wie sie die Bilder betrachtete.

„Meine Großmutter hat den größten Teil der Einrichtung ausgesucht.“

„Sie hatte guten Geschmack.“

„Sie hätte dich gemocht.“ Serafina sah ihn an.

„Du kennst mich kaum.“

„Meine Großmutter war gut darin, Menschen zu lesen.“

„Und du nicht?“

„Ich habe jahrelang gelernt, nicht dem zu vertrauen, was Menschen zeigen.“ Sie sah ihn aufmerksam an.

„Wem oder was vertraust du dann?“ Dante zog seine nasse Jacke aus.

„Taten.“ Die Antwort blieb ihr im Gedächtnis. Bevor sie antworten konnte, deutete er auf die Treppe.

„Oben ist ein Zimmer für dich vorbereitet.“

„Vorbereitet?“

„Jedes sichere Haus hat ein vorbereitetes Zimmer.“

„Wie viele sichere Häuser hast du?“

„Genug.“

„Das ist nicht gerade beruhigend.“

„Das war auch nicht meine Absicht.“ Sie hätte beinahe gelächelt. Beinahe. Dante bemerkte es trotzdem.

„Du solltest schlafen.“

„Ich kann nicht.“

„Warum?“

„Weil ich jedes Mal, wenn ich die Augen schließe, meinen Vater sehe.“ Dantes Gesichtsausdruck veränderte sich. Serafina sah weg.

„Ich denke immer wieder, wenn ich in jener Nacht irgendetwas bemerkt hätte, wäre er vielleicht nicht verschwunden.“

„Du warst seine Tochter.“

„Ich hätte es wissen müssen.“

„Nein.“ Seine Stimme war fest.

„Du hättest einfach seine Tochter sein dürfen.“ Sie sah ihn an. Etwas in seinem Gesicht ließ ihre Brust eng werden. Kein Mitleid. Verständnis.

„Du klingst, als hättest du ihn gut gekannt.“

„Ich wusste genug.“

„Hat er jemals über mich gesprochen?“ Dante hielt inne.

„Oft.“ Ihr Atem stockte.

„Was hat er gesagt?“

„Dass du stur bist.“ Serafina blinzelte.

„Das hat er gesagt?“

„Er sagte, du hättest die Angewohnheit, genau im schlimmstmöglichen Moment Fragen zu stellen.“ Sie lachte leise.

„Das klingt nach mir.“ Dantes Blick wurde weicher.

„Er war stolz auf dich.“ Das Lächeln verschwand. Serafina schluckte.

„Danke.“

„Wofür?“

„Dafür, dass du mir das erzählt hast.“ Dante nickte einmal. Dann wandte er sich dem Sicherheitspanel zu.

„Bleib heute Nacht drinnen.“ Sie runzelte die Stirn.

„Du gehst irgendwohin?“

„Nein.“

„Warum dann?“

„Weil die Gefahr nicht einfach verschwindet, nur weil wir den Ort gewechselt haben.“ Er überprüfte die Kameras.

„Jemand hat uns angegriffen, weil er den Schlüssel wollte.“ Serafina berührte die Tasche, in der der Messingschlüssel lag.

„Warum haben sie ihn dann nicht genommen?“ Dante sah sie an.

„Weil sie nicht wissen, was er öffnet.“ Sie runzelte die Stirn.

„Weißt du es?“

„Nein.“

„Dann raten wir beide.“

„Vorerst.“ Ein Fahrzeug näherte sich der Villa. Dante griff sofort unter seine Jacke. Serafina versteifte sich. Auf dem Sicherheitsmonitor erschien ein vertrauter schwarzer SUV. Dante entspannte sich.

„Luca.“ Das Tor öffnete sich. Der SUV fuhr in den Innenhof. Einige Sekunden später betrat Luca die Villa. Doch er war nicht allein. Chloe eilte hinter ihm durch die Tür.

„Serafina!“ Serafina hatte kaum Zeit zu reagieren, bevor Chloe sie in die Arme schloss.

„Oh mein Gott!“ "Du lebst."

„Mir geht es gut.“

„Du blutest!“

„Es ist nur ein Schnitt.“ Chloe löste sich von ihr und betrachtete den Verband.

„Das ist nicht nur ein Schnitt.“ Serafina warf Dante einen Blick zu.

„Er hat geholfen.“ Chloe sah zwischen ihnen hin und her. Etwas Schelmisches blitzte kurz in ihren Augen auf.

„Interessant.“ Serafina runzelte sofort die Stirn.

„Lass es.“

„Ich habe gar nichts gesagt.“

„Du wolltest etwas sagen.“

„Ich habe nur nachgedacht.“

„Das ist noch schlimmer.“ Luca räusperte sich.

„Können wir uns vielleicht um die Leute kümmern, die versuchen, uns umzubringen, bevor ihr beide anfangt zu streiten?“ Chloe drehte sich um.

„Ich habe nicht gestritten.“ Luca hob eine Augenbraue.

„Doch.“

„Und du bist nervig.“

„Das wurde mir schon gesagt.“

„Von jedem?“

„Von den meisten.“ Chloe verschränkte die Arme. Serafina sah die beiden an. Trotz allem konnte sie sich ein Lächeln nicht verkneifen. Für ein paar Sekunden verschwand die Angst in der Villa. Dann durchschnitt Dantes Stimme den Raum.

„Luca.“ Die Wärme verschwand augenblicklich. Luca deutete auf das Arbeitszimmer.

„Wir müssen reden.“ Dante ging davon. Luca folgte ihm. Chloe sah Serafina an.

„Etwas stimmt nicht.“

„Seit gestern stimmt überhaupt nichts mehr.“

„Fairer Punkt.“ Sie folgten den Männern. Im Arbeitszimmer legte Luca einen schwarzen Ordner auf den Schreibtisch. Dante öffnete ihn. Sein Gesicht verhärtete sich.

„Was ist passiert?“

„Drei Wachen wurden während des Angriffs getötet.“ Serafinas Magen zog sich zusammen.

„Und die Angreifer?“

„Sechs bestätigte Tote. Vier sind entkommen.“ Dante sah auf die nächste Seite.

„Wird jemand vermisst?“ Luca zögerte.

„Marco Bellini.“ Serafina hob den Kopf.

„Bellini?“ Luca nickte.

„Der Moretti-Wächter?“

„Ja.“

„Warum sollte er verschwinden?“

„Wir wissen es nicht.“ Dante schloss den Ordner.

„Wo wurde seine Waffe gefunden?“

„Am östlichen Eingang.“ Dante starrte ihn an.

„War Blut daran?“

„Nein.“

„Dann lebt er.“ Luca runzelte die Stirn.

„Das denkst du?“

„Wenn er tot wäre, hätten sie Spuren hinterlassen.“ Serafina trat näher.

„Vielleicht hat er ihnen geholfen.“ Dante sah sie an.

„Vielleicht.“ Sie runzelte die Stirn.

„Aber du glaubst das nicht.“

„Nein.“

„Warum?“

„Weil Marco seit sechs Jahren für mich arbeitet.“

„Menschen verändern sich.“

„Das tun sie.“ Dantes Blick wurde kälter.

„Aber Verrat hinterlässt Spuren.“ Luca legte ein weiteres Foto auf den Tisch.

„Da ist noch etwas.“ Das Foto zeigte das alte Moretti-Archiv. Ein zerbrochenes Fenster. Verstreute Papiere. Ein dunkles Symbol, das an die Wand gemalt worden war. Ein Schachkönig. Serafinas Herz sank.

„Dasselbe Symbol.“ Dante nickte.

„Jemand will, dass ich weiß, dass er mich beobachtet.“ Chloe trat näher.

„Was bedeutet die Schachfigur?“ Dante starrte darauf.

„Eine Herausforderung.“ Serafina erinnerte sich an das Schachbrett ihres Vaters. Die schwarze Dame. Der weiße König. Das unvollendete Spiel. Ihre Finger wanderten instinktiv zu ihrer Tasche.

„Das Foto.“ Dante sah sie an.

„Was?“

„Das Foto aus dem Arbeitszimmer meines Vaters.“

Sie zog es heraus. Antonio. Dante. Der geheimnisvolle dritte Mann. Dante betrachtete es aufmerksam. Dann blieb sein Blick an etwas hängen.

„Dreh es um.“ Serafina tat es. Auf der Rückseite stand eine Nachricht. Sie hatte sie zuvor nicht bemerkt. Drei Worte.

Der erste Zug. Stille erfüllte den Raum. Luca beugte sich näher.

„Antonio wusste es.“ Dantes Kiefer spannte sich an.

„Er wusste, dass das passieren würde.“ Serafina schüttelte den Kopf.

„Nein.“ Alle sahen sie an.

„Er wusste nicht, dass es passieren würde.“ Sie deutete auf die Worte.

„Er wusste, dass jemand ein Spiel spielte.“ Dante sah sie an.

„Genau.“ Die Erkenntnis legte sich schwer zwischen ihnen.

Antonio war nicht einfach verschwunden. Er hatte sich vorbereitet. Serafina vorbereitet. Dante vorbereitet. Auf denjenigen, der kommen würde.Serafinas Atem ging unregelmäßig.

„Was wusste mein Vater?“ Dante antwortete nicht.

„Dante.“ Er sah zum Fenster.

„Ich weiß es nicht.“

„Du lügst.“ Sein Blick schnellte zurück zu ihr. Sie wich keinen Schritt zurück.

„Du hast mir gesagt, dass Taten zählen.“ Sein Gesicht blieb ausdruckslos.

„Dann zeig mir deine.“ Für einige Sekunden sagte keiner von beiden etwas. Dann ging Dante zum Kamin.

„Es gab eine Vereinbarung.“

„Zwischen dir und meinem Vater?“

„Zwischen unseren Familien.“

„Was für eine Vereinbarung?“

„Einen Schwur.“ Das Wort ließ Serafinas Haut prickeln.

„Welchen Schwur?” Dante blickte auf das Foto.

„Schutz. Loyalität. "Schweigen."

„Und was ist passiert?“

„Der Schwur wurde gebrochen.“

„Von wem?“

„Wir wissen es nicht.“ Serafina starrte ihn an.

„Dann wie finden wir es heraus?“ Dantes Augen wurden hart.

„Dein Vater hat uns einen Hinweis hinterlassen.“ Er nahm den Brief, den sie zuvor gefunden hatte, aus dem Ordner. Serafina erkannte die Handschrift sofort.Dante reichte ihn ihr.

Sie faltete ihn auseinander. Die Nachricht war kurz. Wenn du das liest, dann haben die Menschen, vor denen ich mich gefürchtet habe, dich gefunden. Ihre Finger zitterten. Sie las weiter. Vertraue niemandem, der dir die Wahrheit zu leicht erzählt.

Chloe flüsterte: „Antonio.“ Serafina las weiter. Es gibt drei Orte, an denen diese Geschichte begann. Valdoria war nur der erste. Ihr Blick wanderte weiter nach unten. Der letzte Satz wartete darunter. Finde das Haus, in dem der Schwur geschrieben wurde. Serafina sah auf.

„Wo ist das Haus?“ Dante antwortete nicht sofort. Luca tat es.

„Sizilien.“ Serafinas Augen weiteten sich.

„Du kennst es?“

„Wir haben davon gehört.“

„Was für Geschichten?“

„Geschichten über ein altes Anwesen, das drei Familien gehörte.“ Dante verschränkte die Arme.

„Eine Moretti.“

„Eine Santoro.“

„Und die dritte?“ Dantes Augen verdunkelten sich.

„Das müssen wir herausfinden.“ Draußen grollte der Donner. Serafina starrte auf den Brief. Dann machte es klick.

„Der dritte Mann.“ Dante sah sie an.

„Der Mann auf dem Foto.“

„Ja.“

„Mein Vater kannte ihn.“

„Mein Vater auch.“

„Und er ist verschwunden.“ Dante nickte. Serafinas Stimme wurde leiser.

„Vielleicht ist er gar nicht verschwunden.“ Niemand antwortete.

Die Stille war Antwort genug. Plötzlich klingelte Lucas Handy. Er sah auf den Bildschirm.

„Sprich.“ Sein Gesichtsausdruck veränderte sich.

„Wo?“ Eine Pause.

„Fass nichts an.“ Er beendete das Gespräch. Dante wartete.

„Was?“

„Der alte Bahnhof.“Luca sah ihn an.

„Sie haben Marco gefunden.“ Serafina hielt den Atem an.

„Lebend?“ Luca schüttelte den Kopf.

„Nein.“ Chloe hielt sich die Hand vor den Mund. Dantes Gesichtsausdruck wurde erschreckend ruhig.

„Wie?“

„Das wissen wir noch nicht.“

„Gab es eine Nachricht?“ Luca nickte. Er zog ein Foto aus seinem Handy. Unter der alten Bahnhofsuhr lag ein lebloser Körper.

Es waren keine grausamen Details zu erkennen, doch die Szene war eindeutig absichtlich inszeniert worden. An der Wand dahinter befand sich derselbe schwarze Schachkönig. Darunter standen vier Worte.

DU BIST DRAN, MORETTI.

Dante starrte auf die Nachricht. Dann legte er das Foto beiseite.

„Wir fahren zurück nach Valdoria.“ Serafina trat vor.

„Ich komme mit.“

„Nein.“

„Mein Vater hat diesen Hinweis für mich hinterlassen.“

„Es ist gefährlich.

„Das ist alles andere auch.“ Dantes Augen verengten sich.

„Du verstehst nicht, worum du mich bittest.“

„Dann erklär es mir.“

„Ich kann dich nicht beschützen, wenn du nicht auf mich hörst.“

„Dann beschütze mich nicht.“ Sein Gesichtsausdruck veränderte sich. Serafina überraschte sich selbst mit ihren eigenen Worten.

„Ich brauche nicht noch jemanden, der für mich entscheidet, was ich aushalten kann.“ Dante starrte sie an. Luca blickte zwischen ihnen hin und her und trat leise zurück. Schließlich sprach Dante.

„Du bleibst an meiner Seite.“ Serafina nickte.

„Das kann ich.“

„Zu jeder Zeit.“

„In Ordnung.“

„Und wenn ich dir sage, dass du rennen sollst …“

„Dann renne ich.“ Er musterte sie noch einen Moment.

„Gut.“ Serafina wandte sich der Treppe zu.

„Ich brauche fünf Minuten.“ Dante nickte. Als sie nach oben verschwand, sah Luca ihn an.

„Du hast dich verändert.“ Dante runzelte die Stirn.

„Was?“

„Vor einer Woche hättest du befohlen, sie in einem Zimmer einzuschließen.“

„Sie ist keine Gefangene.“

„Nein.“ Luca lächelte schwach.

„Genau das ist mein Punkt.“ Dante warf ihm einen warnenden Blick zu.

„Fang nicht an.“

„Ich habe gar nichts gesagt.“

„Du wolltest etwas sagen.“ Luca lachte leise.

„Vielleicht wirst du berechenbar.“ Dante sah zur Treppe. Sein Gesicht wurde für kaum eine Sekunde weicher. Dann verschwand die Sanftheit wieder.

„Finde jeden, der von diesem Weinberg weiß.“ Lucas Lächeln verschwand.

„Bin schon dabei.“

„Und Luca?“

„Ja?

„Niemand verlässt Valdoria.“ Luca nickte.

„Verstanden.“ Dante ging zum Fenster.

Jenseits der Glasscheibe hatte der Regen begonnen, nachzulassen. Doch irgendwo in der Ferne, verborgen hinter den Reihen der Weinreben, stand eine Gestalt unter einem schwarzen Regenschirm. Ein Telefon wurde ans Ohr gehoben.

„Sie geht mit ihm.“ Eine Pause.

„Gut.“ Der Fremde blickte zu den erleuchteten Fenstern der Villa.

„Sollen wir sie aufhalten?“ Die Stimme am anderen Ende antwortete ruhig.

„Nein.“

„Warum?“ Ein leises Lachen erklang am anderen Ende der Leitung.

„Weil sie immer noch glauben, dass sie nach der Wahrheit suchen.“ Der Fremde senkte das Telefon.

„Und was tun sie wirklich?“ Die Antwort kam leise.

„Sie gehen genau dorthin, wohin wir sie haben wollen.“ Das Gespräch endete. Im Inneren der Villa wandte Dante sich vom Fenster ab. Er sah nicht, wie die Gestalt in der Dunkelheit verschwand. Er sah nicht den schwarzen Wagen, der jenseits der Weinberge wartete.

Und er wusste nicht, dass der Feind seinen nächsten Zug bereits vorausgesehen hatte. Doch Serafina begann etwas zu verstehen, das ihr Vater ihr vor langer Zeit hatte beibringen wollen. Bei einem Schachspiel ist der gefährlichste Zug nicht immer der, den man sehen kann. Manchmal … ist es der Zug, den der Gegner von Anfang an vorbereitet hat.

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