LOGINManche Legenden werden geboren. Andere wachsen Flügel.Seit Jahrhunderten leben die Einhörner verborgen vor den anderen magischen Völkern. Doch als die wunderschöne Einhornfrau Lyriana erfährt, dass ihr Volk vom Aussterben bedroht ist, trifft sie eine mutige Entscheidung: Sie verlässt die Sicherheit ihrer Heimat und wagt sich in die verbotenen Länder jenseits der Silberwälder.Als sie ihre Heimat verlässt, ahnt sie nicht, dass ein einziger mutiger Schritt ihre Magie für immer verändern wird. Was beginnt als Flucht vor dem Untergang ihres Volkes, wird zum Auslöser einer uralten Prophezeiung – und zu einer Verwandlung, die niemand für möglich hielt.Zwischen verborgener Magie und gefährlichen Reichen begegnet sie drei Männern, die ihr Schicksal unwiderruflich verknüpfen: dem feurigen Drachen Kael Draven, dem wilden Werwolf-Alpha Ronan Blackfang und dem geheimnisvollen Flügelträger Cassian Vale.Zwischen verbotenen Anziehungen, rivalisierenden Kräften und einer erwachenden Dunkelheit muss Lyriana lernen, wer sie wirklich ist.
View MoreDer Wald gab ihn nicht ohne Widerstand frei. Nicht physisch – kein Ast versperrte ihm den Weg, keine Wurzel griff nach seinen Füßen. Aber etwas in der Luft veränderte sich, als Cassian die Lichtung hinter sich ließ, ein Druck, der subtil genug war, um nicht Alarm zu schlagen, und deutlich genug, um bemerkt zu werden. Der Wald mochte keine Abreisenden. Oder vielleicht war es nur er selbst, der nicht gehen wollte. Er ging trotzdem. ✦ Pyrathos empfing ihn mit Hitze und Lärm und dem Geruch nach verbranntem Stein, der hier so selbstverständlich in der Luft lag wie anderswo der Regen. Das Schloss war wacher als vor einer Woche. Wachen an Positionen, die vorher leer gewesen waren. Boten, die mit gesenkten Köpfen durch die Gänge eilten. Ein Tonfall in den Stimmen der Männer, die er passierte – nicht Panik, aber die Anspannung kurz davor. Cassian folgte der Wärme. Kael war leicht zu finden. Man musste n
Der Wald begann dort, wo die Straße aufhörte, sich zu entschuldigen. Kein sanfter Übergang. Kein Saum aus niedrigem Gebüsch, der den Eintritt ankündigte. Nur ein Punkt, an dem der Boden unter ihren Füßen aufhörte, aus Stein zu sein, und anfing, etwas Älteres zu sein. Lyriana blieb kurz stehen. Cassian auch. „Riechst du das?", fragte sie. „Ja." „Was ist das?" Er überlegte einen Moment – nicht weil er es nicht wusste, sondern weil er nach dem richtigen Wort suchte. „Alter", sagte er schließlich. „Der Wald hier ist älter als die Stadt. Älter als die Feuerberge. Er erinnert sich an Dinge, die dort oben schon lange vergessen sind." Lyriana atmete tief ein. Erde. Moos. Etwas Harziges, Dunkles, das nicht nach Gefahr roch, sondern nach Zeit. Ihr Körper reagierte, bevor sie es zuließ. Die Schultern gaben nach, kaum merklich, aber genug. ✦ Sie gingen zwei Stunden, ohne
Er klopfte nicht. Nicht aus Respektlosigkeit – sondern weil er wusste, dass sie bei einem Klopfen nicht antworten würde, und er dann vor einer geschlossenen Tür stünde und sich fragen müsste, ob Warten besser war als Eintreten. Er entschied sich für Eintreten. ✦ Lyriana saß am Fenster. Nicht weil sie hinaussah – ihre Augen lagen auf dem Fensterbrett, auf einem Punkt ohne Bedeutung, der ihr trotzdem ausreichend schien. Die Flügel eng angelegt, fast unsichtbar, als hätte sie entschieden, so wenig Raum wie möglich zu beanspruchen. *So wenig wie möglich.* Das Denken hatte sie in den letzten Tagen nicht verlassen. Es kreiste, gleichmäßig, unerbittlich, wie Wasser, das immer denselben Stein findet. *Du hast es zugelassen.* Nicht Ember. Nicht die Magie, nicht die Erschöpfung, nicht der Raum ohne Fenster tief unter dem Kaltfeuer. Sie selbst. Das war das, was sich nicht wegschob. Cassi
Ronan lag reglos auf dem großen, weichen Bett in den Gemächern des Schlosses der Feuerberge. Die Flammen in den Kaminen warfen tanzende Schatten auf seine sonnengebräunte, narbenübersäte Haut. Tage und Nächte der Isolation hatten ihn tief in sich selbst zurückgezogen. Seine golden-braunen, sonst so wachen und tierischen Augen starrten leer an die Decke. Er atmete, sein Herz schlug – doch er war nicht wirklich da. Kael und Cassian knieten rechts und links von ihm, die Gesichter angespannt vor Sorge und Liebe. „Ronan… komm zurück zu uns“, flüsterte Kael, seine tiefe Stimme rau vor Verzweiflung. Er strich mit der großen Hand über Ronans Brust, doch es kam keine Reaktion. Cassian beugte sich vor, seine dunklen Flügel leicht gespreizt. „Wir haben dich endlich befreit. Du bist zu Hause. Bei uns.“ Nichts. Kein Blinzeln. Kein Muskelzucken. Kael sah Cassian an, die goldenen Augen voller Schmerz.