LOGINDer Henker hob die Klinge. Sonnenlicht glitt dünn und grausam über ihre Schneide und verwandelte Stahl in einen glühenden Reißzahn … hell genug, um zu blenden, und scharf genug, um Welten zu vernichten.Für einen einzigen Atemzug zerbrach die Zeit.Der Wind legte sich. Die Menge vergaß zu atmen. Selbst die Angst schien innezuhalten, als könne auch sie den Anblick dessen, was kommen würde, nicht ertragen.Dann senkte sich die Klinge in einer furchtbaren Stille herab, in der etwas bereits beschlossen hatte, dass es keine Gnade geben würde.Stahl traf auf Fleisch…Der Klang war unnatürlich … zu nass und endgültig, er durchbrach die Stille. Er haftete an den Steinen, an der Luft, an den Gedanken derer, die ihn hörten. Noch lange, nachdem er verklungen war, hallte er nach.Eine Stille folgte… dicht und schwerer als der Tod selbst. Sie lastete schwer auf den Herzen. Und noch schlimmer: Sie ließ selbst Krieger klein erscheinen.Dann offenbarte sich die Wahrheit.Kades Kopf riss sich los und
Lucien ging nur ein paar Schritte weg… dann blieb er stehen.Der plötzliche Stillstand verstummte jegliche Geräusche… Atemzüge stockten. Herzen vergaßen zu schlagen. Selbst der Wind schien vor ihm zurückzuweichen.Langsam drehte er sich um.Sein Blick schweifte über den Hinrichtungsplatz … über die vom Blut verhärteten Krieger, über die zitternden Rudelmitglieder, über die aufgerissenen, verängstigten Augen der Flüchtenden. Niemand konnte sich diesem Blick entziehen. Er fesselte sie an ihren Platz, schwer wie Ketten.Als Lucien sprach, schrie seine Stimme nicht… sie senkte sich.„Hiermit sei bekanntgegeben“, sagte er, jedes Wort wie ein in Stein getriebener Nagel, „dass die Hinrichtung von Kade vom Halbmond jetzt beginnt.“Ein Schauer des Entsetzens ging durch die Menge… Die Schultern versteiften sich. Manche zuckten zusammen, als wären sie getroffen worden. Andere senkten die Köpfe und betrauerten bereits das, was sie gleich sehen würden.„Ihm wird kein sanfter Tod zuteilwerden“, fuh
Ronan fuhr fort…„Ich habe Kade nicht getötet“, sagte er mit ruhiger, beherrschter Stimme. „Sein Tod ist deine Schuld. Ihn selbst zu töten, wäre Gnade … und Gnade hieße, ihn zu früh ins Jenseits zu schicken.“Luciens Augen verdunkelten sich langsam, eine gefährliche Zustimmung legte sich in ihre Tiefen.„Er wurde hinter einem Pferd hergeschleift“, fuhr Ronan ungerührt fort. „Durch Staub. Durch Steine. Durch Blut.“ Seine Lippen verzogen sich zu einem leichten Lächeln kalter Genugtuung. „Was von ihm übrig ist, ist kaum noch menschlich. Kade ist noch immer an den Baum in der Mitte des Hofes gefesselt.“Stille folgte… schwer und dicht, erfüllt von dem, was nun entfesselt werden sollte.Dann verzogen sich Luciens Lippen zu einem tödlichen Versprechen.„Das hast du gut gemacht, Ronan.“Er erhob sich in seiner vollen Größe, und die Luft selbst schien sich um ihn herum zusammenzuziehen.„Bereitet den Hinrichtungsplatz vor“, befahl Lucien. „Jede Seele in diesem Haufen soll Zeuge werden, was mi
Zuerst brach ein Flüstern hervor. Es entfuhr einer Frau wie ein Geheimnis, das sie sich nicht eingestehen wollte.„Das …“, hauchte sie, ihre Finger krallten sich in ihr Kleid, ihre Knöchel wurden weiß. „Das hätte ich sein können.“Die Worte zitterten, als wären sie zu schwer für sie zu tragen.Eine andere Stimme antwortete, heiser vor Schreck. „Wenn wir nicht entkommen wären …“ Er schluckte schwer, den Blick auf die Gestalt gerichtet, die hinter dem Pferd hergeschleift wurde. „Würden wir mit den anderen in Asche liegen.“Ein Mann neben ihm strich sich mit der Hand übers Gesicht. Seine Lippen zitterten, bevor er endlich etwas sagte. „Wir wären mit ihnen gestorben. Jeder einzelne von uns.“Die Luft wurde stickig. Niemand rührte sich. Selbst das Atmen fiel schwer.Dann sprach eine Frau, ihre Stimme kaum mehr als ein Schluchzen. „Sie haben nicht nur das Rudel getötet …“ Ihre Kehle schnürte sich um die Worte zusammen. „Sie haben ihn völlig vernichtet.“Alle Blicke folgten dem Seil, dem Blu
Das Seil schnitt in Kades Handgelenke, als das Pferd schneller wurde und seine Hufe erbarmungslos über den zerstörten Pfad hämmerten.Er taumelte hinterher, eher geschleift als gehend. Jeder Schritt war ein Kampf, den er verlor. Seine Beine zitterten, knickten ein, versagten ihm immer wieder. Jedes Mal, wenn er stürzte, hielt niemand an. Niemand drehte sich um.Das Seil riss. Sein Körper wurde nach vorn gerissen, rutschte über Steine und Asche, über zerklüfteten Boden, der keine Gnade kannte. Ihm stockte der Atem. Schmerz durchfuhr ihn in Wellen, dumpf und blendend zugleich. Seine Kleidung wurde zerrissen. Jeder Kratzer brannte auf seinem Körper.Vor ihm ritten die Krieger weiter… lachend, plaudernd, Flüche in die Luft spuckend, als wäre er nichts weiter als Staub hinter ihren Stiefeln.Für sie war er kein Alpha mehr. Er war nicht einmal mehr ein Mann.Er war nur ein Symbol ihres Sieges… an ein Pferd gebunden und durch die Trümmer seiner Welt geschleift.Kade krallte sich in den Boden
Kade wandte sich abrupt dem Krieger zu, der die Warnung ausgesprochen hatte, und in seinen Augen blitzte Feuer auf.„Wo sind sie?“, fragte er.Der Krieger schluckte schwer, seine Kehle schnürte sich zusammen, während Angst und Pflicht in ihm tobten. „Vor den Eingangstoren der Gemächer, Alpha. Wir konnten sie eine Weile aufhalten … aber nicht mehr lange.“Bevor Kade antworten konnte, stürmte ein anderer Krieger durch die rauchgeschwängerte Luft, ging auf ein Knie und hob mit beiden Händen auf, was er trug.„Deine Rüstung und deine Klinge, Alpha.“Kade nahm sie ohne zu zögern entgegen.Stahlplatten glitten Stück für Stück über seinen Körper, jede Platte rastete mit dem Geräusch der Unausweichlichkeit ein. Das Gewicht der Rüstung lastete nicht auf ihm … es vervollständigte ihn, wie das Schicksal, das sich wieder auf seine Schultern legte. Er schnallte sein Schwert an die Seite, zog es halb heraus, spürte seine Balance und steckte es dann mit stiller Entschlossenheit wieder in die Scheide







