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Author: Fireflies
last update publish date: 2026-07-03 22:21:21

Lyra

„Mylady, Ihr hättet Euch beinahe verletzt. Wenn Ihr noch mehr Wunden davongetragen hättet … wärt Ihr wieder eingesperrt worden“, sagte Elin mit zitternder Stimme, während sie meinen Körper sorgfältig auf Verletzungen untersuchte.

Doch ich hörte ihr kaum zu.

Meine Gedanken kreisten noch immer um den Moment, in dem ich in diesen starken Armen gelegen hatte.

Die Wärme von Aces Berührung schien noch immer auf meiner Haut nachzuklingen.

„Mylady, hört Ihr mir überhaupt zu?“, fragte Elin und beugte sich etwas näher.

„Ja“, flüsterte ich und kam endlich wieder zu mir, während ich mich auf den Rand meines Bettes setzte.

Ich sah zu ihr auf.

Das Geheimnis, das in meiner Brust brannte, wollte unbedingt ausgesprochen werden.

„Elin … hast du ihn gesehen? Ace?“

Sie nickte vorsichtig.

„Er ist so unglaublich hübsch“, murmelte ich, und ein leiser Seufzer entwich meinen Lippen.

„Genau wie der Prinz aus meinen Träumen.“

Von einem plötzlichen Hoffnungsschimmer erfasst, sprang ich auf und zog Elin näher zu mir.

„Weißt du, Elin … ich habe mir mein ganzes Leben lang nur zwei Dinge gewünscht.“

„Von meinem Vater geliebt zu werden.“

„Und mit meinem Märchenprinzen zusammen zu sein … genau wie in den Geschichten.“

„Aber Mylady … Ihr seid verheiratet“, sagte sie sanft.

Ihre Worte trafen mich wie eiskaltes Wasser.

Die Wirklichkeit holte mich schlagartig ein.

Meine Hoffnung zerbrach.

Ich setzte mich wieder.

Meine Schultern sanken herab, während mein Herz lautlos weinte.

„Du hast recht, Elin. Du hast recht“, flüsterte ich und starrte auf meine Hände.

„Aber ich weiß nicht warum … irgendetwas fühlt sich einfach völlig falsch an.“

„Glaubst du, mit mir stimmt etwas nicht?“

„Bin ich böse, weil ich an einen anderen Mann denke … statt an meinen Ehemann?“

„Nein … nein, eigentlich nicht“, seufzte Elin, während ihr Blick voller Mitgefühl wurde.

„Euer Ehemann hat Euch schließlich auch nie gut behandelt.“

„Das stimmt … Mein Mann sorgt sich nur um seinen Bruder, und ich weiß, dass ich für keinen von beiden jemals von Bedeutung sein werde.“

„Schließlich bin ich nur ein Schmuckstück, das das Rudelanwesen verschönern soll.“

„Eine Schönheit, die einen Fluch in sich trägt.“

Unwillkürlich lief mir ein Schauer über den Rücken, als ich diese bitteren Worte aussprach.

Plötzlich packte ich Elins Handgelenk.

Mein Blick wurde ernst.

„Wage es nicht, irgendjemandem zu erzählen, dass ich sprechen kann.“

„Wenn du es tust, wird mein Vater dich töten.“

„Ich weiß, Mylady“, versicherte Elin mir hastig. „Aber was wolltet Ihr mir draußen unbedingt sagen? Das, weshalb Ihr so schnell losgerannt seid und beinahe gestürzt wärt?“

Ich stand wieder auf.

Die dunklen Wolken meiner Traurigkeit verschwanden augenblicklich, als mir die Erinnerung wieder in den Sinn kam.

Ein echtes Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus – etwas, das für mich nur selten vorkam.

„Ich wollte in den Garten! Draven hat gesagt, ich dürfe hingehen, wohin ich möchte, solange ich unversehrt zurückkomme“, sagte ich und kostete zum ersten Mal den süßen Geschmack der Freiheit.

„Dann lasst uns gehen“, sagte Elin lächelnd und streckte mir ihre Hände entgegen.

Ich zögerte einen Moment, betrachtete ihre offenen Handflächen und legte schließlich meine Hände in ihre.

„Nur weil ich dich meine Stimme hören lasse, heißt das nicht, dass ich dir schon vollkommen vertraue.“

Sie nickte verständnisvoll.

„Das weiß ich, Mylady.“

„Ich meine es ernst“, betonte ich.

Doch tief in meinem Herzen breitete sich Wärme aus.

Elin war der erste Mensch in dieser lebendigen Hölle, der mich jemals wie einen wirklichen Menschen behandelt hatte.

Ich glaube nicht, dass ich jemals den Mut gefunden hätte, meine Stimme zu benutzen, wenn ich ihr nicht begegnet wäre.

Jetzt konnte ich innerhalb dieser vier Wände frei sprechen, ohne dass die Welt davon erfuhr.

Vater … ich wünschte, du könntest mich jetzt sehen, dachte ich glücklich.

Als wir den Garten erreichten, brannte die Nachmittagssonne unerbittlich vom Himmel.

Elin hielt einen Spitzen-Sonnenschirm über meinen Kopf, um meine helle Haut vor der Sonne zu schützen.

Während wir über die geschwungenen Steinwege gingen, verspürte ich den starken Wunsch, aus dem Schatten herauszutreten.

Ich wollte das Sonnenlicht auf meiner Haut spüren.

Ich wollte die Hitze fühlen – wie ein Brandmal, das mir bewies, dass ich endlich wieder draußen war, auch wenn ich technisch gesehen noch immer gefangen war.

„Seht mal, wen wir hier haben.“

Die scharfe, nur allzu bekannte Stimme zerschnitt die friedliche Stille des Gartens.

Ich drehte mich zu ihr um.

Mein Magen zog sich zusammen.

Selena.

Ich schluckte schwer und ballte unbewusst die Fäuste.

Nicht aus Wut.

Sondern aus purer, erdrückender Angst.

Der Angst, dass sie sofort zu Draven laufen und dafür sorgen würde, dass mir mein winziger Funke Freiheit wieder genommen wurde.

„Wolfslose Omegas gehören in die Sklaverei, nicht an die Seite eines Alphas als Luna“, höhnte Selena, während sie langsam wie ein Raubtier um mich herumging.

Ihr Blick glitt voller Verachtung über meinen Körper.

„Aber was soll ich sagen? Dein Vater muss dich wirklich lieben. Denn du bist nicht nur wolflos, sondern auch noch stumm.“

„Du bist wie geschaffen dafür, eine Sklavin zu sein“, zischte sie.

Ich hielt mein Gesicht vollkommen regungslos.

Dann wandte ich mich Elin zu.

Mit schnellen Bewegungen formten meine Hände die Gebärden, mit denen ich der Welt meine Gedanken mitteilte.

Ich bedeutete ihr, meine Worte zu übersetzen.

Elin räusperte sich und sprach höflich, aber bestimmt:

„Vielen Dank, Lady Selena. Aber mein Vater hat immer gesagt, dass eine Schönheit wie ich niemals eine Sklavin sein kann, sondern nur eine Luna.“

„Was? Eine Luna?“

Selena brach in lautes, spöttisches Gelächter aus.

„Wen interessiert das schon?“

„Sorg einfach dafür, dass du heute Abend ein schwarzes Kleid trägst. Du wirst direkt neben Alpha Draven stehen, und die anderen Rudel werden ebenfalls anwesend sein.“

Mit einem hochmütigen Schwung ihrer Haare drehte sie sich um und ging davon.

Die anderen Rudel werden hier sein …

Diese Worte hallten in meinem Kopf wider.

Das bedeutete, dass mein Vater heute kommen würde.

Trotz meiner Angst konnte ich ein kleines Lächeln nicht unterdrücken.

Schnell gab ich Elin mit Gebärden zu verstehen, dass sie mich sofort zurück in mein Zimmer bringen sollte.

Ich musste mich vorbereiten.

Ich musste meinem Vater von der grausamen Ohrfeige erzählen, die Draven mir gegeben hatte.

Ich musste ihn erkennen lassen, dass Alpha Draven sich überhaupt nicht um mich kümmerte …

… dass sein Herz Lady Selena gehörte.

Zurück in meinen Gemächern bereitete Elin ein warmes Blütenbad für mich vor.

Ich ließ mich tief in das duftende Wasser sinken und versuchte, meine Angst darin zu ertränken.

Mein Vater würde zur Feier kommen.

Doch während ich auf die sanften Wellen im Wasser starrte, schlich sich ein dunkler Gedanke in meinen Kopf.

Würde er mich überhaupt mit nach Hause nehmen?

Oder würde er mein Versagen sehen …

… und mich in eine noch schlimmere Hölle schicken?

Ich schluckte schwer, während sich meine Kehle bei dieser furchtbaren Vorstellung zuschnürte.

Nach dem Bad trocknete Elin meine Haut behutsam ab.

Anschließend holte sie das Kleid aus dem Kleiderschrank, das ich aufgrund von Selenas Worten ausgewählt hatte:

Ein bodenlanges, tiefschwarzes Kleid mit herzförmigem Ausschnitt und langen, fließenden Ärmeln.

Es war wunderschön.

Elin steckte mein silberweißes Haar zu eleganten Dutts auf meinem Kopf hoch und schmückte die Frisur mit roten Bändern und zarten Perlen.

Als ich in den Spiegel blickte, konnte ich den Blick nicht mehr von meinem Spiegelbild lösen.

Normalerweise empfand ich meine Schönheit als Fluch.

Doch in diesem Kleid wirkte sie zugleich tragisch und wunderschön.

Ich wusste, dass mir nichts geschehen durfte.

Denn wenn ich verletzt würde, müsste ich Dravens Zorn ertragen.

Zum Schluss legte Elin mir ein zartes, dunkles Halsband um den Hals.

Es verlieh dem Kleid und der Frisur den letzten Hauch von Eleganz.

„Ihr seht wunderschön aus, Mylady“, sagte sie mit einem warmen Lächeln.

Schließlich war es Zeit für die Feier.

Meine Brust zog sich vor Nervosität zusammen, während Elin mich durch die langen, kalten Flure zum großen Festsaal führte.

Doch in dem Moment, als wir die Schwelle überschritten, blieb ich wie angewurzelt stehen.

Meine Hände begannen so heftig zu zittern, dass ich den Stoff meines schwarzen Kleides fest umklammern musste, um das Zittern zu verbergen.

Jeder einzelne Blick in dem riesigen Saal richtete sich auf mich.

„Mylady …“, flüsterte Elin neben mir, und ihre Stimme klang plötzlich panisch.

„Ich dachte, Lady Selena hätte gesagt, Schwarz sei das Motto?“

Ich ließ meinen Blick durch den Saal schweifen.

Ein Meer aus strahlendem Blau.

Jede einzelne Person im Saal trug Blau.

Außer mir.

Ich war eine Närrin.

Eine riesige, blinde Närrin, weil ich meiner Feindin geglaubt hatte.

Ich war direkt in Selenas Falle getappt.

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