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Author: Fireflies
last update publish date: 2026-07-03 22:17:31

Ace

Rache war der einzige Grund, warum ich beschlossen hatte, zum Blackthorn-Rudel zurückzukehren.

Während wir auf das Territorium zuritten, kreisten meine Gedanken unaufhörlich und zogen mich immer wieder in die Schatten der Vergangenheit zurück. Unwillkürlich umklammerte ich die ledernen Zügel meines Pferdes so fest, dass meine Fingerknöchel weiß wurden, während die alte Wut erneut ein vertrautes Loch in meine Brust brannte.

„Ich war es nicht!“, hatte ich damals geschrien.

Meine kleine Gestalt hatte zitternd in der Mitte der Gerichtshalle des Rudels gestanden. Von allen Seiten starrten mich höhnische und verachtende Blicke an. Niemand war bereit, mir zu glauben.

Mein schmächtiger Körper bebte unter dem Gewicht ihres Hasses.

„Ich habe gesehen, wie er es getan hat“, hatte Draven behauptet und war mit kühler, berechnender Ruhe einen Schritt nach vorn getreten.

„Er konnte sie noch nie leiden. Deshalb hat er es getan.“

Vor lauter Wut hatte ich die Fäuste geballt.

Er war älter als ich.

Stärker.

Und der Liebling unseres Vaters.

Warum tut er mir das an?, hatte ich verzweifelt gedacht, während mich die Ungerechtigkeit beinahe erstickte.

„Dad, ich bin dein Sohn! Kannst du mir nicht einfach glauben?“, hatte ich gefleht.

Tränen verschleierten meine Sicht, während ich auf einen einzigen Funken väterlichen Erbarmens hoffte.

Doch seine Antwort zerschmetterte den letzten Rest meiner Hoffnung.

„Du bist mein Sohn. Und genau deshalb sollte ich dich töten“, hatte mein Vater gebrüllt. Seine Stimme hallte von den steinernen Wänden wider.

„Stattdessen wirst du ins Exil geschickt.“

„Aber, Alpha, er ist noch viel zu jung“, hatte der Beta eingewandt und war vorgetreten, um mich zu verteidigen.

„Das ist mir egal. Er verdient Schlimmeres, und ich bin bereits großzügig, indem ich ihn am Leben lasse“, entgegnete mein Vater eiskalt.

Dann richtete er einen harten Blick auf den Beta.

„Da dir so viel an ihm liegt, wirst du gemeinsam mit ihm ins Exil gehen.“

Mein Vater drehte sich um und verließ mit schweren Schritten die Halle, seine Entscheidung war endgültig. Ich werde diesen Augenblick niemals vergessen – genauso wenig wie den Ausdruck auf Dravens Gesicht danach.

Dieses kalte Grinsen.

Diese spöttischen Augen.

Sie hatten sich für immer in mein Gedächtnis eingebrannt.

Rache war in den vergangenen zehn Jahren der einzige Gedanke gewesen, der mich angetrieben hatte.

Tag für Tag hatte ich meine Pläne geschmiedet und darauf gewartet, dass der Tod meines Vaters mir endlich den Weg zurück ins Rudel freimachen würde.

Doch wer hätte gedacht, dass der alte Mann so früh sterben würde?

Als wir schließlich das Blackthorn-Rudel erreichten, hielt ich vor den gewaltigen Toren des Rudels an.

Erinnerungen schossen wie ein chaotischer Sturm durch meinen Kopf.

Die schönen.

Und die bitteren.

Als wir mit unseren Pferden durch das Tor ritten, richteten sich die Blicke aller Menschen auf dem Platz auf uns.

Vor allem auf mich.

„Der verfluchte Sohn ist zurück“, hörte ich sie flüstern.

„Er wurde verbannt, und jetzt, wo der Alpha tot ist, ist er zurückgekehrt, um sich den Thron zu holen.“

„Ich habe gehört, er hat seinen leiblichen Bruder, seine Stiefmutter und sogar seine eigene Mutter getötet.“

Ich erinnerte mich noch gut daran, wie diese Worte mein Herz wie silberne Messer durchbohrt hatten, als ich als Junge dieses Rudel ins Exil verlassen musste.

Doch jetzt?

Jetzt war es mir egal.

Sollen sie doch reden.

„Alpha Ace, geht es Euch gut?“, fragte Ronan mit leiser, besorgter Stimme, während er neben mir ritt.

„Ja. Mir geht es gut“, antwortete ich, ohne den Blick von meinem Weg abzuwenden.

Es dauerte nicht lange, bis wir die Treppe des Rudelanwesens erreichten.

Die Festung sah fast genauso aus wie damals in meiner Kindheit.

Doch als ich vom Pferd sprang, durchschnitt plötzlich ein scharfer Duft die klare Bergluft und drang unmittelbar in meine Sinne.

Ich erstarrte.

Jedes einzelne Haar auf meinen Armen richtete sich auf.

Gefährtin.

Mein Wolf brüllte in meinem Kopf und rüttelte wütend an den Gittern seines Käfigs.

Was?

Panik schoss durch meinen Körper.

Eine Gefährtin war niemals Teil meines Plans gewesen.

Ich hatte nie eine gewollt.

Und ich hatte mir geschworen, dass ich sie sofort zurückweisen würde, sollte ich ihr jemals begegnen.

Doch als sich mein Blick in ihrem Gesicht verfing, begannen die eisigen Mauern meiner Entschlossenheit zu bröckeln.

Sie wirkte überirdisch.

Fast unwirklich.

Ihr silberweißes Haar fiel wie flüssige Seide über ihre Schultern und bildete einen faszinierenden Kontrast zu ihrer hellen Haut, die im Licht des Innenhofs beinahe zu leuchten schien.

Als ihre kleine Hand versehentlich die zerklüftete Narbe auf meinem Gesicht streifte, schoss ein heftiger elektrischer Schlag durch meinen ganzen Körper.

Sie sprang erschrocken zurück wie ein scheues Reh.

Und obwohl mein Herz längst erkaltet war, fand ich diese panische Reaktion seltsam bezaubernd.

„Ace. Und du …“, murmelte ich, trat näher und hob ihr Kinn sanft mit meinen Fingern an.

Sie war atemberaubend.

Das konnte ich nicht leugnen.

Doch Rache blieb mein oberstes Ziel.

„Sie ist stumm, Ace. Und sie ist Dravens Ehefrau.“

Selenas allzu vertraute, gehässige Stimme durchschnitt die Luft und zerstörte den Augenblick.

Dravens Ehefrau?!

Diese Worte schmeckten wie Gift.

Schon wieder Draven.

Warum nahm er mir immer alles weg, was mir gehörte?

Ein dunkles, gefährliches Versprechen entstand in meiner Brust.

Ich würde nicht nur meine Rache bekommen.

Ich würde mir auch meine Gefährtin zurückholen.

„Geht es Euch gut, Lady Lyra? Kommt, wir gehen“, sagte eine zierliche Dienstmagd leise und trat rasch zu ihr.

Behutsam führte sie Lyra fort.

Doch mein Blick folgte ihrer kleinen Gestalt, bis sie vollständig hinter den schweren Holztüren verschwunden war.

„Lange nicht gesehen“, sagte Selena und trat absichtlich in mein Blickfeld.

„Stimmt“, erwiderte ich mit gefährlich ruhiger Stimme.

„Nur damit du es weißt: Das Mädchen, das du gerade angefasst hast, ist Dravens Ehefrau“, höhnte Selena und verschränkte die Arme.

„Sie ist vollkommen stumm und wolflos. An deiner Stelle würde ich mich von ihr fernhalten.“

Da traf mich die Erkenntnis.

Ach so.

Jetzt verstehe ich.

Eine Vorzeige-Ehefrau.

Genau das war meine Gefährtin für ihn.

Draven benutzte ihre seltene, unwirkliche Schönheit wie eine Trophäe, um der Welt seine Macht zu demonstrieren.

Ich hatte Gerüchte über eine schweigsame Schönheit mit silbernem Haar im Rudel gehört.

Doch ich hatte sie immer für übertriebene Geschichten gehalten.

Offenbar hatte ich mich geirrt.

Ich machte einen Schritt auf Selena zu.

So entschlossen, dass sie erschrocken einen Schritt zurückwich.

Ich beugte mich zu ihr hinunter und ließ meine Lippen dicht an ihr Ohr gleiten.

„Ich kann deine Angst riechen, Schwester Selena“, flüsterte ich, während das dunkle Knurren meines Wolfs in meiner Stimme mitschwang.

„Hast du Angst, dass das stumme Mädchen deinen Platz einnehmen wird?“

Selena schnaubte verächtlich.

Doch ihre Brust hob und senkte sich heftig vor Wut.

„Als ob sie das könnte! Draven wirft ihr nicht einmal einen Blick zu. Sie ist nur für politische Zwecke da. Mehr nicht.“

Mit einem wütenden Stampfen drehte sie sich um und ging davon.

Ronan blickte ihr kopfschüttelnd hinterher.

Er war noch immer völlig verwirrt.

„Alpha … die Gerüchte über die Lady waren also wahr?“

„Ja“, antwortete ich.

Langsam breitete sich ein dunkles Lächeln auf meinem Gesicht aus.

„Anscheinend haben die Gerüchte nicht gelogen.“

„Und ehrlich gesagt … ich bin froh, dass sie meine Gefährtin ist.“

„Gefährtin?“, fragte Ronan erschrocken. Seine Augen weiteten sich, während er seine Stimme senkte. „Alpha … aber sie ist Alpha Dravens Ehefrau!“

„Ich weiß“, antwortete ich kühl und wandte mich den Stufen des Rudelanwesens zu.

„Er ist nur ein Ehemann zur Schau. Nicht mehr. In diesem Rudel bedeutet eine erzwungene Ehe für mich überhaupt nichts.“

„Alpha Ace, aber …“, rief Ronan und eilte hinter mir her, als ich entschlossen durch die großen Türen schritt.

Ich musste meinen Stiefbruder sehen.

Schließlich war er es gewesen, der mich in dieses Höllenloch zurückgerufen hatte.

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