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Kapitel 3

Author: The Red
Als ich wieder zu Bewusstsein kam, stellte ich fest, dass ich in der Luft schwebte.

Mein Körper lag noch immer in der Ecke des Kühlraums, in dieser kauernden Haltung. Eine dünne Eisshicht bedeckte meine Haut. Ich ertrug den Anblick nicht, wandte mich ab und schwebte durch die schwere Eisentür zum Haupthaus der Familie Wester.

Im Festsaal fand gerade eine Party statt. Eine Feier zu Bonnies Genesung.

Unter den Kristallleuchtern trug Karl einen schwarzen Samtanzug und hielt ein Glas Whisky in der Hand. Bonnie saß neben ihm in einem Sessel, ihre Beine mit einer Kaschmirdecke bedeckt. Sie war noch immer blass, aber ihre Schminke war makellos.

„Der Arzt sagte, fünf Minuten später und man hätte sie nicht mehr retten können“, sagte Bonnies Vater, der alte Müller, ein Berater der Familie Wester, während er sein Glas hob. „Es ist Karls schneller Reaktion zu verdanken.“

Die Gäste pflichteten ihm eifrig bei.

„Wo ist Daisy?“, fragte einer der Senior-Partner. „Sie sollte eigentlich hier sein.“

Karls Miene verfinsterte sich: „Sie denkt über ihr Fehlverhalten nach.“

„Noch immer im Kühlraum? Es ist schon eine ganze Nacht vergangen, Karl, es reicht langsam. Daisy ist immerhin die Tochter der Familie Reich ...“

„Ich sagte, sie denkt nach“, unterbrach ihn Karl. Die Warnung in seiner Stimme ließ den Saal für einen Moment verstummen.

Bald darauf setzte ein vielstimmiges Getuschel ein: „Man sagt, Fräulein Reich sei eifersüchtig auf die Gefühle zwischen Fräulein Müller und dem jungen Herrn Karl ..“

„Es ist doch nur eine strategische Verbindung. Wie soll das gegen eine Jugendliebe ankommen?“ „Herr Karl ist diesmal wirklich wütend. Wer weiß, wie lange er sie dort einsperren wird ...“

Bonnie zog leicht an Karls Ärmel: „Lass sie raus, Karl. Ich bin sicher, sie hat es nicht absichtlich getan. Siehst du, mir geht es wieder gut.“

Karl sah auf sie herab, sein Blick wurde weich: „Du bist einfach zu gütig. Aber die Familie hat ihre Regeln.“

Er tätschelte ihren Handrücken, eine zärtliche Geste.

Ich schwebte vor sie und wollte Bonnie eine Ohrfeige geben. Doch meine Hand glitt einfach durch ihr Gesicht.

Sie bemerkte nichts und lächelte Karl weiter an. Bei diesem Anblick durchzuckte mich ein stechender Schmerz an der Stelle, wo mein Herz saß.

Einst gehörte diese Zärtlichkeit nur mir allein.

„Junger Herr“, trat der Verwalter heran und sagte leise, „die Wachen beim Kühlhaus lassen fragen ... ob man Fräulein Daisy etwas zu essen und Wasser bringen soll. Es ist schließlich schon viel Zeit vergangen.“

Karl blickte auf und sah zur Uhr. Er zögerte. Ich sah, wie er mit den Fingern auf die Tischplatte klopfte. Das ist seine typische Angewohnheit, wenn er nachdenkt. Ja, Karl, vergiss mich nicht wirklich.

„Es ist tatsächlich schon lange her, dann gebt ihr ...“, setzte er an.

In diesem Moment begann Bonnie plötzlich zu husten. Sie hielt sich die Brust, wurde bleich und ihr Atem wurde hastig.

„Bonnie?“, Karl stützte sie sofort.

„Es ist nichts ...“, sagte sie schwach, „mir bleibt nur ... plötzlich die Luft weg ... vielleicht eine Spätfolge vom Ertrinken ...“

Karl hielt sie fest und sagte zum Verwalter: „Rufen Sie den Arzt.“

„Und was ist mit Fräulein Daisy ...?“

„Das muss warten“, Karl hob Bonnie hoch und ging hinaus. „Zuerst der Arzt.“

Der Verwalter setzte an, etwas zu sagen, senkte aber schließlich den Kopf: „Sehr wohl, Herr.“

Bonnies Stimme war noch aus der Ferne zu hören: „Karl, es tut mir so leid, dass ich ausgerechnet jetzt wieder einen Anfall bekommen. Mach dir keine Umstände, lass Daisy ...“

„Erwähne sie nicht“, unterbrach Karl sie mit kalter Stimme. „Sie verdient ihre Strafe.“

Um Bonnies Mundwinkel zuckte ein fast unsichtbares Lächeln, das sie jedoch schnell wieder in einen besorgten Ausdruck verwandelte: „Ich habe nur Angst, dass sie mich hassen wird.“

„Das wird sie nicht wagen.“

Stimmt, ich bin bereits tot. Was würde es bringen, sie zu hassen? Selbst wenn ich noch leben würde, könnte ich gegen Bonnie nichts ausrichten, solange du sie beschützt ...

Als ich das sah, war ich plötzlich nicht mehr in Eile. Es spielte keine Rolle mehr, wann Karl entdeckte, dass ich tot war.

Nur ... wie wurdest du wohl aussehen, Karl, wenn du die Wahrheit erfuhrst?

Ich freute mich schon darauf.

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