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Ich war schon weg, als er mich lieben wollte

Ich war schon weg, als er mich lieben wollte

By:  WowoKumpleto
Language: Deutsch
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Vor unserer Hochzeit hielt mein Verlobter Carlo Vitale – der jüngste Don an der Ostküste – eine kirchliche Trauung mit meiner Stiefschwester ab. Er sagte: „Nach den Regeln der Mafia ist nur die Frau, die die Trauung mit mir vollzieht und den Segen der gesamten Familie erhält, meine wahre Ehefrau.“ „Selbst wenn deine Schwester Elena mein Kind austrägt, ist sie nicht mehr als eine Mätresse.“ Nach dem Segen des Priesters tauschten sie die Ringe. Ich stand draußen vor der Kirche und sah durch den Regenvorhang, wie er eine andere Frau küsste. Mein Gesicht war kreidebleich. Zwölf Jahre lang hatte ich Carlo geliebt – von meinem sechzehnten bis zu meinem achtundzwanzigsten Lebensjahr. Doch in seinem Herzen hatte immer nur meine Stiefschwester Sophia Platz gehabt. Nicht ich. Ich entschied mich, ihn loszulassen. Danach reiste ich nach Europa ab. Alles, was ich Carlo zurückließ, war eine Mitteilung über die Auflösung unserer Verlobung und ein Abschiedsgeschenk. Aus irgendeinem Grund schien der Mann, der mich all die Jahre mit Gleichgültigkeit behandelt hatte, über Nacht um zehn Jahre gealtert zu sein.

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Kabanata 1

Kapitel 1

Ich stand im Regen und beobachtete schweigend meinen Verlobten, Carlo Vitale.

Ich sah zu, wie er meiner Stiefschwester Sophia eigenhändig den Ehering an den Finger steckte.

Sophia trug ein maßgeschneidertes Designer-Brautkleid und lächelte bezaubernd.

Kaum saß der Ring an ihrem Finger, zog Carlo sie ohne zu zögern in seine Arme.

Familienmitglieder umringten die beiden, dazu die sogenannten Freunde, die ich einst kannte – alle jubelten ihnen zu.

Sie küssten sich fast zehn Minuten lang. Erst als Sophias Knie so weich wurden, dass sie kaum noch stehen konnte, ließ Carlo außer Atem von ihr ab.

Regen lief mir übers Haar und ließ meinen Blick verschwimmen.

Doch ich bekam das Bild nicht aus dem Kopf: der Mann, den ich zwölf Jahre lang geliebt hatte, küsste die Frau, die mich einst gequält hatte.

Erinnerungen kehrten wie eine Flut über mich zurück.

Ich lernte Carlo zum ersten Mal kennen, als ich sechzehn war.

Er war der Sohn des Geschäftspartners meines Vaters. Damals war er erst achtzehn, doch schon damals strahlte er die Autorität eines künftigen Don aus.

An jenem Tag wollte mein Vater wieder auf mich einschlagen. Carlo trat vor mich. Eine zerbrochene Flasche riss ihm einen langen Schnitt in den Arm.

Blut lief seinen Arm hinab, doch er drehte sich nur zu mir um und sagte: „Hab keine Angst.“

An meinen achtzehnten Geburtstag dachte niemand.

Nur er blieb die ganze Nacht über an meiner Seite.

Er sagte nicht viel, legte mir nur seinen Mantel um die Schultern.

Als das Morgenlicht anbrach, sagte er: „Elena, von jetzt an beschütze ich dich.“

Mit zweiundzwanzig machte ich meinen Universitätsabschluss.

Er stand in der letzten Reihe des Auditoriums, einen Strauß weißer Rosen in der Hand.

Er gestand: „Ich mag dich. Sei mit mir zusammen. Ich werde dich von jetzt an beschützen.“

Ich hatte geglaubt, er würde mich lieben.

Es stellte sich heraus, dass alles nur mein Wunschdenken gewesen war.

Sophia warf den Brautstrauß.

Alle drängten nach vorn, um ihn zu fangen.

Erst da bemerkte ich, dass auch meine Familie bei der Hochzeit war.

Mein jüngerer Bruder Michael, für den ich einst mein Leben riskiert hatte, stand lächelnd dort. Seine ganze Aufmerksamkeit galt Sophia – derselben Frau, die ihn einst gequält hatte.

Er hatte längst vergessen, wie wir vor Jahren beinahe durch Sophia und ihre Mutter ums Leben gekommen wären.

Ich hingegen erinnerte mich noch genau daran.

Ich war erst zehn, als Sophia und ihre Mutter zum ersten Mal in unser Haus einzogen.

Vor meinem Vater gaben sie sich sanft und liebenswürdig, doch sobald er aus dem Haus war, sperrten sie Michael und mich in den Keller.

Michael hatte Fieber, also flehte ich sie um Medizin an. Sophias Mutter trat mir in die Brust und sagte: „Deine Mutter ist tot. Warum gehst du nicht in die Hölle und leistest ihr Gesellschaft?“

Sophia stand daneben und setzte ein süßes Lächeln auf. „Gib meiner Mutter nicht die Schuld, Elena. Du warst einfach ungehorsam.“

Eines Tages stürzte Michael und schlug sich den Kopf an, wodurch er sein Gedächtnis verlor.

Es war Sophia, die ihn gestoßen hatte, doch sie weinte und schob die Schuld auf mich.

Als Michael aufwachte, erinnerte er sich nur an den einen Monat, in dem Sophia sich um ihn gekümmert hatte, und war ihr von da an bedingungslos ergeben.

Ich erzählte Carlo das alles.

Er hielt mich für eine Lügnerin.

„Herzlichen Glückwunsch dem Brautpaar!“

riefen Michael und die anderen.“

Kaum war das Wort verklungen, wurde vor der Kirche Feuerwerk gezündet.

Unter einem Himmel voller Feuerwerk hob Carlo Sophia auf die Arme.

Ringsum brandete Jubel auf.

Ich stand im Nieselregen und erstickte an meiner Verzweiflung.

Ich wählte Michaels Nummer.

Der Bruder, der einst geschworen hatte, immer zu mir zu halten, warf einen Blick auf das Display und legte sofort auf.

Ich gab nicht auf. Ich rief Carlo an.

Kaum sah er, dass ich es war, wurde sein Gesicht eisig.

Er wollte schon auflegen, doch Sophia flüsterte ihm etwas ins Ohr. Erst dann nahm er widerwillig ab.

Ich fragte leise: „Wo bist du?“

Er höhnte vor aller Augen.

„Was, kontrollierst du mich schon wieder? Bist schwanger und benimmst dich immer noch nicht? Elena, bist du wirklich so verzweifelt, dass du einen Mann brauchst?“

„Kannst du nicht ohne einen Mann leben?“

„Ich hab dir schon gesagt, ich bin mit Sophia wegen Familienangelegenheiten zusammen. Nur jemand mit so einer schmutzigen Fantasie wie du kann aus allem etwas Dreckiges machen!“

Jedes Wort schnitt wie ein Messer.

Mit erstickter Stimme brachte ich hervor:

„Aber Carlo, heute ist mein Geburtstag …“

Er hatte mir versprochen, egal was passiert, meinen Geburtstag mit mir zu verbringen.

Obwohl er rund zweihundert Meilen entfernt war, war ich mehrmals umgestiegen und im Regen eine Meile gelaufen, nur um ihn zu finden.

Carlo schien sich endlich zu erinnern.

Am anderen Ende der Leitung herrschte Stille.

Bevor er etwas sagen konnte, wurde ihm das Telefon aus der Hand gerissen.

„Kannst du aufhören, so widerlich zu sein, Elena?“, fuhr Michael sie an.

„Denkst du, alle sind so besessen von diesem Unsinn wie du?“

„Hör auf, Ärger zu machen! Weißt du überhaupt, wie wichtig heute ist?“

„Hör auf mit deinen dummen Aktionen, bei denen andere hinterher deinen Mist aufräumen müssen!“

Er legte auf.“

Sophia schmiegte sich in Carlos Arme und lächelte sanft.

Sie tätschelte Michael den Kopf.

„Schon gut. Ihr wisst doch alle, was für ein Mensch Elena ist.“

„Heute ist der wichtigste Tag meines Lebens. Sei brav, ja? Lächle.“

Mehr brauchte es nicht, um Michael zu beruhigen.

Lachend und feiernd zog die Gruppe zurück.

Der Lärm verhallte und ließ mich allein in der dunklen, stillen Nacht zurück.

Ich fühlte mich weggeworfen und ungewollt.

Ich wischte mir die letzte Träne ab.

Dann drehte ich mich um und ging.

Ich wollte den Mann nicht mehr, dessen kaltes Herz ich zwölf Jahre lang vergeblich zu wärmen versucht hatte.

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