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Kapitel 3

Penulis: Herbst
Tobias führte Laura ins Hotel.

„Frau Schneider, Herr Weber sagte, dass Sie in letzter Zeit viel durchgemacht haben. Er hat das hier extra für Sie arrangiert, damit Sie sich gut ausruhen und entspannen können.“

Laura warf einen Blick in die Hotellobby. Einige Leute sahen aus wie Touristen, doch wenn man genauer auf die Handys in ihren Händen achtete, schienen sie alle zu filmen.

Das waren wohl alles Paparazzi.

Laura zog den Blick zurück. Auf ihrem Gesicht erschien ein schwaches Lächeln.

„Mir ist gerade eingefallen, dass ich etwas im Wagen vergessen habe. Geben Sie mir die Zimmernummer. Ich gehe später selbst zu ihm.“

Tobias schöpfte keinen Verdacht.

„Herr Weber ist in der Präsidentensuite im obersten Stock. Sie müssen einfach direkt nach oben fahren.“

„Gut.“

Laura antwortete lächelnd, drehte sich um und ging zum Ausgang des Hotels. Auf ihrem Gesicht blieb nur noch kühle Ruhe zurück.

Sophie war im Moment nicht mehr im Zimmer. Selbst wenn die Paparazzi jetzt im Hotel warteten, konnten sie nichts mehr fotografieren.

Vom Himmel fiel wieder Schnee.

Aus dem Thermenbereich stieg weißer Dampf auf. Die hellen Lichter der Ferienanlage verschwammen darin wie eine Schicht billiger Zuckerglasur. Süßlich und widerlich!

Laura atmete tief ein. Die eisige Luft stach ihr wie unzählige feine Nadeln in die Lunge, doch der Schmerz machte ihren Kopf klarer.

Seit Laura von Markus’ Affäre wusste, wollte sie diese Ehe nicht mehr weiterführen.

Ursprünglich wollte sie das Video auf ihrem Handy als Beweis und als Druckmittel bei den Scheidungsverhandlungen mit Markus nutzen.

Doch jetzt hatte Markus Sophie einen Schritt früher fortgeschickt. Ihr blieb nur noch, alles auf eine Karte zu setzen.

Laura schickte das Video von ihrem Handy ab und schaltete das Gerät aus.

Aus der Ferne drangen Jubelrufe an ihr Ohr.

Ihr Blick fiel auf den Eissee unweit von ihr. Dort fand gerade ein Lagerfeuerfest statt. Viele private Streamer standen dort mit ihren Handys und übertrugen das Fest live, um dafür Werbung zu machen.

Sie sah auf das brennende Lagerfeuer in der Menge und auf die Flammen, die in die Höhe züngelten und die Luft ringsum flimmern ließen.

Vielleicht lag es daran, dass hier so viele Menschen waren und das Feuer brannte. Auf dem See lag nur eine dünne Eisschicht.

Laura ging zum Ufer und starrte auf das Eis.

In ihrer Benommenheit spürte sie plötzlich einen Stoß. Noch bevor sie erkennen konnte, wer es war, stürzte sie direkt auf die Eisfläche zu.

In dem Moment, als das Eis brach, spürte Laura nur noch Schmerz. Unzählige feine Nadeln bohrten sich in ihren Körper.

Die Kälte raubte ihr in einem einzigen Augenblick jede Wärme. Der Schmerz schnitt durch Haut und Fleisch und drang bis in die Knochen.

Als Kind war sie einmal fast ertrunken. Seitdem hatte sie Angst vor Wasser. Auch später, als ihr Vater ihr einen Schwimmlehrer besorgte, verlor sie diese Angst nie ganz.

Und das hier war ein Eissee!

Sie spürte, wie die Luft in ihrer Lunge Stück für Stück herausgepresst wurde. Der Mantel an ihrem Körper wurde wie ein schweres Leichentuch und zog sie unaufhaltsam in die Tiefe.

In diesem Moment durchbrach eine Gestalt die Eisfläche und schwamm ohne jedes Zögern auf sie zu.

Die gewaltigen Wasserspritzer ließen Lauras Sicht verschwimmen. Eine große Hand packte ihren sinkenden Körper.

Am seltsam schimmernden Grund des Sees konnte Laura das Gesicht des Mannes nicht erkennen. Doch diese Hand hielt sie sehr fest. Laura sah in seine vertraut wirkenden Augen, und eine Erinnerung aus langer Vergangenheit legte sich über diesen Moment.

Kurz darauf wurde sie aus dem Wasser gezogen.

Sie hörte jemanden ihren Namen rufen. Die Stimme klang so besorgt, so drängend.

In ihrem Herzen löste sich etwas.

Dann sank sie in die Dunkelheit.

...

Als Laura wieder zu sich kam, lag sie in einem Bett.

Langsam öffnete sie die Augen und sah eine Decke, die ihr nur allzu vertraut war.

Das war das Schlafzimmer, das sie und Markus im alten Anwesen der Familie Weber hatten.

Sie bewegte sich leicht. Sofort schoss ein stechender Schmerz von ihrer Schläfe aus durch ihren Kopf. Vor ihren Augen drehte sich alles.

Die Schlafzimmertür wurde heftig aufgestoßen.

Claudia Weber kam mit zwei Hausangestellten herein. Kaum war sie im Zimmer, schrie sie Laura an.

„Das ist alles deine Schuld! Du bist im Resort in den See gesprungen. Damit hast du den Skandal nicht nur bestätigt, sondern auch Markus mit hineingezogen! Opa hat ihn nach den Familienregeln bestraft und sein Einzug in den Vorstand ist auch geplatzt!“

„Du bist seine Frau. Statt Markus zu helfen, die Sache zu deckeln, spielst du dieses Drama um Leben und Tod. Wenn du wirklich nicht mehr leben willst, dann such dir einen Ort ohne Menschen und mach es nicht vor dem Publikum. Aber du hast dir ausgerechnet so einen Ort ausgesucht, um eine Show abzuziehen.“

„Du willst doch nur, dass Opa sich einschaltet. Diese kleine Rechnung durchschaue ich ganz genau!“

Laura hatte in diesem Moment hohes Fieber. Ihr Kopf war völlig benommen.

Von den spitzen Vorwürfen ihrer Schwiegermutter verstand sie nur einen Teil.

Offenbar hatte das Video, das sie verschickt hatte, genau die Wirkung erzielt, die sie wollte. Die Sache zwischen Markus und Sophie Keller war inzwischen allen bekannt.

Nur ihr Sturz in den See war nun zu einem Selbstmordversuch geworden, weil sie die Affäre ihres Mannes nicht ertragen konnte.

Sie hatte nicht erwartet, dass ein Unfall durch einen seltsamen Zufall ebenfalls das Ergebnis brachte, das sie wollte. Nur sie selbst hatte dafür etwas leiden müssen.

Sie hob den Kopf und sah Claudia an.

Früher hätte sie natürlich nicht widersprochen, weil sie Markus nicht in Schwierigkeiten bringen wollte.

Doch jetzt wollte sie sich von Markus scheiden lassen. Also musste sie keinen Menschen aus der Familie Weber mehr ertragen.

„Derjenige, der fremdgegangen ist, heißt Markus Weber. Was hat das mit mir zu tun? Habe ich ihn etwa gezwungen, fremdzugehen? Habe ich ihn gezwungen, mit einer anderen Frau so etwas Beschämendes zu tun?“

„Er hat einen Fehler gemacht. Opa hat ihn bestraft. Also verdient er die Schläge und die Strafe!“

„Klatsch!“

Eine laute Ohrfeige schnitt Lauras nächste Worte ab.

„Was heißt hier verdient!“

Claudias Gesicht verzerrte sich vor Wut. In ihrem Blick lagen Verachtung und Abscheu.

„Ach, ein Mann geht fremd, und für dich ist das also schon ein Verbrechen?“

Claudia kniff die Augen zusammen und sah auf Laura hinab, die am Boden lag.

Dieser Blick voller Verachtung und Abscheu ließ Lauras Herz heftig zusammenzucken.

Dann rissen Claudias nächste Worte Lauras tiefste Wunde auf.

„Wenn Männer nicht fremdgehen, kann deine Mutter heute Frau Zimmermann sein? Und womit hast du es verdient, in unsere Familie Weber einzuheiraten?“

„Denkst du noch immer, du bist die Tochter des damaligen Bürgermeisters? Dein Vater hat so etwas getan und so viele Menschen in den Tod getrieben. In ganz Seestadt verfluchen ihn die Leute bis heute!“

„Deine liebe Mutter war die Geliebte eines verheirateten Mannes und hat seine Ehefrau in den Tod getrieben!“

„Die Schamloseste bist du! Ich habe mich schon immer gefragt, warum ihr in eurem jungen Alter nie ein Kind bekommen habt. Erst heute weiß ich, dass du krank bist!“

„Du wurdest damals von einem Mann missbraucht und kannst seitdem keinen Mann mehr an dich heranlassen!“

„Markus hat das die ganze Zeit für dich geheim gehalten! Dass Markus sich draußen eine Frau sucht, hast du ihm doch aufgezwungen!“

„Denk einmal daran, wie gut Markus zu dir war. Schämst du dich denn gar nicht?“

„Du gehst nicht los, um Markus aus dieser Sache herauszuhelfen, sondern führst dich auf, als wolltest du sterben.“

„Ich sehe es genau. Du bist ein undankbares Biest ohne Gewissen!“

In Lauras Kopf dröhnte es. Die Vergangenheit, die sie vor Schmerz fast zerbrechen ließ, wurde von ihrer Schwiegermutter so blutig aufgerissen.

Sie wusste nicht, woher diese Kraft kam. Sie stützte sich ab, richtete sich auf, griff nach dem Wasserglas auf dem Tisch und schleuderte es in Claudias Richtung.

Sie konnte es ertragen, dass Claudia sie beschimpfte. Aber sie konnte nicht zulassen, dass ihre Eltern so gedemütigt wurden!

Zum ersten Mal in ihrem Leben verlor Laura jede Beherrschung. Sie stürzte auf Claudia zu. In die Enge getrieben, dachte sie nur noch daran, diesen Mund zum Schweigen zu bringen.

Genau in diesem Moment kam Markus herein.

Kaum trat er ein, sah er seine sonst so elegante und gepflegte Mutter. Ihr nasses Haar klebte ihr im Gesicht, und ihr sorgfältiges Make-up war verschmiert.

Seine sonst so schwache und folgsame Frau stand mit roten Augen vor ihr. Ihr Blick war wild und hasserfüllt, fast schon furchteinflößend.
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