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Chapter 4

Author: Enny
last update publish date: 2026-07-26 00:34:39

Kapitel 4

Die Sonne schien durch die schweren Vorhänge des Gästezimmers, doch ich fühlte mich, als würde eine dunkle Wolke über mir hängen.

Ich starrte auf den Bildschirm meines Handys. Die Nachricht von der unbekannten Nummer war immer noch da. Das Bild von Zyran und Mina, die zusammen so glücklich aussahen, verspottete mich.

Ich werde ihn später genießen.

„Hör auf, es anzustarren“, sagte eine scharfe Stimme.

Ich blickte auf. Nixie kam mit einem Tablett ins Zimmer, auf dem Toast, Obst und ein Glas Milch standen. Sie sah wütend aus, doch ihre Augen wurden weicher, als sich unsere Blicke trafen.

„Du hast überhaupt nicht geschlafen, oder?“, fragte sie und stellte das Tablett auf dem Bett ab.

„Ich konnte nicht“, gab ich zu und setzte mich langsam auf. Mein Körper fühlte sich schwer an. Mein Knöchel war steif und in einen Verband gewickelt, und mein Bauch fühlte sich empfindlich an. „Nixie, diese Textnachricht... glaubst du, dass sie...“

„Miteinander schlafen?“, beendete Nixie meinen Satz. Sie setzte sich auf die Bettkante und seufzte. „Ganz ehrlich, Rose? Ich weiß es nicht. Männer können ziemlich ahnungslos sein. Aber Zyran ist nicht der Typ, der fremdgeht. Dafür ist ihm sein Ruf und seine sogenannten Prinzipien zu wichtig.“

Sie nahm sich eine Apfelscheibe und zeigte damit auf mich.

„Aber das heißt nicht, dass Mina es nicht versucht. Sie ist eine Schlange, und dein Mann lässt sie wegen eines Versprechens, das er seiner Mutter gegeben hat, durch eure Ehe kriechen.“

Ich rieb mir die Schläfen.

„Er fühlt sich für sie verantwortlich. Er sagte, sie sei wie Familie.“

„Du bist seine Familie!“, fuhr Nixie mich an. „Du bist seine Frau! Und du trägst sein...“

Sie brach ab und senkte ihre Stimme zu einem Flüstern.

„Du trägst sein Kind, Roosevelt. Du musst es ihm sagen. Du kannst das nicht für immer geheim halten.“

„Ich weiß“, flüsterte ich zurück und sah auf das Glas Milch. „Aber noch nicht. Hast du gesehen, wie er sie letzte Nacht angesehen hat? Er hat sie verteidigt. Wenn ich es ihm jetzt sage, denkt er vielleicht, ich benutze das Baby nur, um sie loszuwerden. Oder noch schlimmer, Mina erfährt davon und versucht, dem Baby etwas anzutun.“

Nixie sah entsetzt aus.

„Du glaubst wirklich, dass sie so weit gehen würde?“

„Sie hat mich die Treppe hinuntergestoßen, Nixie“, sagte ich nüchtern. „Ich traue ihr alles zu.“

Genau in diesem Moment klopfte es an der Tür.

Nixie stand auf, verschränkte die Arme und setzte ihr „Kampfgesicht“ auf.

„Herein“, rief ich.

Die Tür öffnete sich, und Zyran trat ein. Er trug einen grauen Anzug und sah wie immer makellos aus. Er roch nach teurem Eau de Cologne und Kaffee. Er sah nicht aus wie ein Mann, der die ganze Nacht mit Polizei und Stalkern beschäftigt gewesen war.

Er warf einen Blick zu Nixie und dann zu mir.

„Guten Morgen“, sagte er. Seine Stimme war ruhig und sachlich. „Wie geht es deinem Knöchel?“

„Es geht“, log ich. Bei jedem Herzschlag pochte er.

„Gut“, sagte Zyran und sah auf seine Uhr. „Ich muss für ein paar Stunden ins Büro. Es gibt eine Vorstandssitzung, die ich nicht verpassen kann. Der Sicherheitsdienst steht draußen vor der Tür. Niemand kommt ohne meine Erlaubnis hinein oder hinaus.“

„Du gehst?“, fragte ich und spürte einen Stich der Unruhe. „Zyran, wir sind in einem Safe House. Ist es sicher, dass du gehst?“

„Ich habe Sicherheitspersonal bei mir“, versicherte er mir. Er machte einen Schritt auf das Bett zu, blieb jedoch einige Schritte entfernt stehen. „Mina kommt mit mir.“

Nixie schnaubte laut.

„Natürlich tut sie das. Hat sie jetzt auch einen Sitz im Vorstand?“

Zyran warf Nixie einen kalten Blick zu.

„Mina braucht neue Ausweispapiere. Ihre Dokumente sind beim Brand zerstört worden. Mein Assistent trifft uns im Büro, um das zu regeln. Ich kann sie hier nicht allein lassen.“

„Sie wäre nicht allein“, entgegnete Nixie. „Roosevelt ist doch hier.“

„Genau deshalb nehme ich sie mit“, sagte Zyran und sah mich wieder an. „Ich möchte keine weiteren ‚Unfälle‘, während ich weg bin. Es ist besser, wenn ihr beide getrennt seid.“

Ein Kloß bildete sich in meinem Hals. Er trennte uns, aber er entschied sich, sie mitzunehmen. Er ließ seine verletzte, schwangere Frau in einem fremden Haus zurück, damit er sich um seine Ex kümmern konnte.

„In Ordnung“, sagte ich und blickte auf meine Hände hinunter. „Tu, was du tun musst.“

Zyran zögerte. Für einen Moment sah es aus, als wolle er noch etwas sagen. Sein Blick fiel auf den Verband an meinem Knöchel, und seine Hand zuckte leicht an seiner Seite.

„Ich bin zum Abendessen zurück“, sagte er schließlich. „Bitte... ruh dich einfach aus. Reg dich nicht auf.“

Dann drehte er sich um und verließ das Zimmer.

Ich lauschte seinen Schritten, bis sie im Flur verklangen. Ich hörte Minas fröhliche Stimme unten im Haus, und kurz darauf fiel die Haustür ins Schloss.

Nixie setzte sich wieder aufs Bett und biss demonstrativ in ihre Apfelscheibe.

„Er ist ein Idiot“, erklärte sie. „Ein gut aussehender, reicher, gigantischer Idiot.“

„Ich weiß“, sagte ich und hob das Glas Milch auf. Ich zwang mich zu trinken. Ich musste stark sein. Nicht für Zyran und auch nicht für mich. Sondern für das kleine Leben, das in mir heranwuchs.

„Also, was ist der Plan?“, fragte Nixie. „Wir können doch nicht einfach hier sitzen und darauf warten, dass sie zurückkommen.“

Ich wischte mir den Mund ab und sah meine Freundin an. Die Traurigkeit war noch da, aber tief in meiner Brust begann wieder ein kleines Feuer zu brennen.

„Nein“, sagte ich. „Wir werden nicht einfach herumsitzen. Ich muss jemanden anrufen. Wenn Zyran seiner ‚alten Freundin‘ den Vorrang gibt, dann muss ich anfangen, mich selbst zu schützen.“

„Wen rufst du an?“, fragte Nixie.

„Meinen Anwalt“, antwortete ich schlicht. „Ich muss wissen, welche Möglichkeiten ich habe. Nur für den Fall.“

Nixie nickte zustimmend.

„Das ist meine Rose.“

Wir saßen dort in dem stillen Zimmer, aßen Toast und schmiedeten Pläne, während mein Mann mit der Frau davonfuhr, die mich zerstören wollte.

Zwei Tage später war die Schwellung an meinem Knöchel weit genug zurückgegangen, dass ich wieder gehen konnte, ohne zu hinken. Der Arzt sagte, das Baby sei stabil, doch in meiner Brust summte ständig eine leise Angst.

Ich konnte nicht länger im Safe House bleiben. Die Wände waren zu grau, und die Stille war zu laut. Jedes Mal, wenn ich Mina sah, schenkte sie mir ein kleines Lächeln, das ihre Augen nicht erreichte, oder sie stand in irgendeiner Ecke und flüsterte mit Zyran.

Ich musste wieder Luft holen. Ich musste wieder ich selbst sein.

„Bist du sicher, dass du dafür bereit bist?“, fragte Nixie und schloss den Reißverschluss ihrer Reisetasche. Sie fuhr zurück zu ihrem Mann und ihren Kindern.

„Ich muss bereit sein“, sagte ich und strich meinen Rock glatt. „Heute habe ich eine Präsentation für den Henderson-Auftrag. Wenn ich hier bleibe, werde ich verrückt.“

Nixie umarmte mich fest.

„Ruf mich an, wenn der ‚Geist‘ irgendetwas versucht. Ich meine es ernst, Rose.“

„Das werde ich“, versprach ich.

Nachdem Nixie gegangen war, rief ich mir ein Auto. Ich fragte Zyran nicht um Erlaubnis. Ich schickte ihm lediglich eine Nachricht.

Ich fahre ins Büro. Ich habe Arbeit zu erledigen.

Als ich meine Designfirma Elite Interiors betrat, fühlte es sich an, als könnte ich endlich wieder frei atmen. Der Duft von frischem Kaffee und Zeichenpapier beruhigte mich sofort. Meine Assistentin Sarah kam auf mich zugelaufen, sobald ich aus dem Aufzug trat.

„Mrs. King! Wir hätten nicht erwartet, dass Sie so schnell zurückkommen“, sagte Sarah erleichtert. „Wir haben versucht, den Henderson-Auftrag zu betreuen, aber sie verlangen ausdrücklich nach Ihnen.“

„Jetzt bin ich hier“, sagte ich und ging in mein Büro.

Ich strich mit der Hand über meinen Schreibtisch. Das war mein Königreich. Hier war ich nicht die vernachlässigte Ehefrau oder die ungeschickte schwangere Frau. Hier war ich Roosevelt King, die beste Innenarchitektin der Stadt.

Vier Stunden lang arbeitete ich ohne Unterbrechung. Ich verlor mich in Stoffmustern, Farbpaletten und Bauplänen. Für eine kurze Weile vergaß ich Mina.

Dann klingelte das Telefon in meinem Büro.

„Mrs. King?“, erklang Sarahs Stimme über die Sprechanlage. „Mr. King ist auf Leitung eins. Er sagt, es sei dringend.“

Mein Magen zog sich zusammen. War es wegen Mina?

Ich nahm den Hörer ab.

„Zyran? Ist alles in Ordnung?“

„Mir geht es gut“, erklang Zyrans tiefe Stimme. Er klang ruhig, doch in seinem Ton lag ein Zögern, das ich von ihm nicht kannte. „Ich habe deine Nachricht gelesen. Es freut mich, dass es dir gut genug geht, um wieder arbeiten zu können.“

„Ich brauchte die Ablenkung“, sagte ich ehrlich. „Was ist los?“

„Nichts ist los“, antwortete er. „Eigentlich möchte ich dich um einen Gefallen bitten. Einen geschäftlichen Gefallen.“

Ich setzte mich gerader hin. Zyran respektierte meine Arbeit. Er bat mich nur dann um einen Gefallen, wenn es wirklich wichtig war.

„In Ordnung“, sagte ich. „Was brauchst du?“

„Ich habe gerade den Kauf einer neuen Immobilie abgeschlossen“, sagte Zyran. „Es ist eine Luxus-Eigentumswohnung im Stadtzentrum. Sie braucht eine komplette Neugestaltung der Innenräume. Möbel, Farben, einfach alles. Und es muss schnell gehen. Innerhalb von zwei Wochen.“

„Zwei Wochen sind ein sehr enger Zeitplan, Zyran“, sagte ich und griff nach einem Stift. „Aber für dich kann ich ein paar Fäden ziehen. Ist das für einen Kunden oder für eine Kapitalanlage?“

Am anderen Ende der Leitung entstand eine lange Pause. Ich konnte Zyran atmen hören.

„Sie ist nicht für einen Investor“, sagte er schließlich. „Ich habe sie für Mina gekauft.“

Mein Stift erstarrte auf dem Papier.

„Für Mina?“, flüsterte ich.

„Sie kann nicht für immer im Safe House bleiben“, erklärte Zyran hastig. „Und sie kann auch nicht in ihre alte Nachbarschaft zurück. Dort ist es nicht sicher. Deshalb habe ich ihr eine Wohnung gekauft. Einen Neuanfang.“

Ich spürte, wie mir das Blut aus dem Gesicht wich. Er hatte ihr eine Eigentumswohnung gekauft? Eine Luxuswohnung?

„Und du möchtest, dass ich sie einrichte?“, fragte ich mit vor Unglauben zitternder Stimme.

„Du bist die beste Designerin, die ich kenne, Roosevelt“, sagte Zyran. „Mina hat viel durchgemacht. Ich möchte, dass sie einen Ort bekommt, an dem sie Frieden finden kann. Sie bewundert deinen Geschmack. Tatsächlich war es ihre Idee.“

Es war ihre Idee.

Natürlich war es das.

Sie wollte kein Zuhause. Sie wollte sehen, ob ich mich beugen und ihr dienen würde. Sie wollte, dass ich die Vorhänge für das Haus aussuchte, das mein Mann ihr gekauft hatte.

„Zyran, ich glaube nicht...“

„Bitte, Roosevelt“, unterbrach er mich. Seine Stimme klang weich und flehend. „Ich möchte sie einfach nur gut unterbringen, damit für uns wieder alles normal werden kann. Wenn du das tust, ist sie aus unserem Leben verschwunden. Dann können wir uns wieder auf unsere Ehe konzentrieren. Auf uns.“

Ich starrte auf den leeren Notizblock vor mir.

Mein Herz schrie Nein.

Es war demütigend.

Es war falsch.

Aber wenn ich Nein sagte, würde ich genau wie die eifersüchtige, kleinliche Ehefrau wirken, für die er mich hielt. Wenn ich Nein sagte, würde er jemand anderen beauftragen, und trotzdem ständig Zeit damit verbringen, das Projekt zu überwachen.

Doch wenn ich Ja sagte...

...würde ich ein Nest für die Frau bauen, die versuchte, mir mein Leben zu stehlen.

„Roosevelt?“, fragte Zyran. „Wirst du es machen?“

Ich umklammerte den Hörer so fest, dass meine Fingerknöchel weiß wurden. Ich musste eine Entscheidung treffen.

Meinen Stolz bewahren oder das Spiel mitspielen, um meinen Mann zurückzugewinnen?

„Schick mir die Adresse“, sagte ich.

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