Se connecterKapitel 24LoganDas Haus hatte sich noch nie so leer angefühlt.Ich ging durch die Flure, meine Schritte hallten auf dem Marmorboden wider, und fühlte mich wie ein Geist in meinem eigenen Leben. Die Räume waren leer, die Möbel mit Tüchern bedeckt, die Luft dick von Staub und Stille. Die Haushälterinnen kamen zweimal pro Woche, aber ich bemerkte sie kaum. Ich bemerkte kaum noch etwas.Ich verbrachte die meiste Zeit im Arbeitszimmer, starrte die Wand an und versuchte mich zu erinnern, wie es sich anfühlte, glücklich zu sein. Die Erinnerungen waren da, aber sie fühlten sich fern an, als gehörten sie jemand anderem. Jemandem, der nicht alles zerstört hatte, was er je geliebt hatte.Eines Nachts fand ich mich in PETUNIAs Kleiderschrank wieder. Ich war nicht absichtlich dorthin gegangen. Meine Füße trugen mich einfach, als hätten sie einen eigenen Willen. Ich stand in der Tür und sah mir ihre Kleider an, ihre Schuhe, das kleine Parfümfläschchen, das sie auf dem Regal zurückgelassen hatte.
Kapitel 23PETUNIAMia kam an diesem Wochenende vorbei.Ich hätte die Tür fast nicht geöffnet. Aber ich tat es. Sie sah müde aus. Als hätte sie nicht geschlafen. Sie trug eine Flasche Wein und zwei Gläser, und ihre Augen waren rot.»Hi«, flüsterte sie.Ich trat zur Seite. Keine von uns sprach eine Weile. Wir standen nur in meiner winzigen Küche, die Stille lastete schwer zwischen uns.Schließlich sagte sie: »Es tut mir leid.«Ich sah zu Boden. »Ich weiß.«»Ich weiß, dass du mir das nicht glaubst.«»Ich glaube dir, dass es dir leidtut, Mia.«Ihre Augen füllten sich mit Tränen. »Aber das heißt nicht, dass es nicht wehtut?«Sie nickte. »Ich weiß.«Und das war der Unterschied. Sie verteidigte sich nicht. Sie sagte nicht, dass sie mich beschützen wollte. Sie akzeptierte einfach, dass sie mich verletzt hatte.»Ich vermisse dich«, flüsterte sie.Ich sah weg. »Ich vermisse dich auch.«Die Ehrlichkeit überraschte uns beide. Aber ich war immer noch nicht bereit zu vergeben.Wir saßen auf meiner
Kapitel 22PETUNIAIch konnte nicht aufhören, über Wendys Worte nachzudenken.Ich wusste anfangs nichts von Ihnen.Aber sie war vor fünf Jahren in diesem Krankenhaus gewesen. Sie war durch Harold Finch mit der Salinger-Familie verbunden gewesen. Sie hatte lange bevor sie Logan traf um mein Leben gekreist.Warum würde sie über etwas lügen, das so leicht zu widerlegen war? Es sei denn, sie wusste nicht, dass ich Zugang zu den Aufzeichnungen hatte. Es sei denn, sie dachte, sie sei in Sicherheit.Ich ging am nächsten Tag zurück ins Archiv. Ich musste mehr wissen. Ich musste verstehen, was Wendys Verbindung zu Harold Finch wirklich bedeutete.Die Frau am Schalter warf mir einen weiteren seltsamen Blick zu, reichte mir aber die Akte. Ich setzte mich in die Ecke des Archivraums und blätterte die Seiten durch, auf der Suche nach allem, was erklären könnte, warum Wendy Harold Finch besucht hatte.Und dann fand ich es.Wendy Bright war nicht nur Harold Finchs Assistentin. Sie war seine Generalv
Kapitel 21PETUNIAIch starrte auf die Nachricht, bis die Wörter aufhörten, wie Wörter auszusehen.Ich weiß die Wahrheit über Wendy.Meine erste Reaktion war keine Neugier. Es war Erschöpfung. Eine tiefe, schwere Erschöpfung, die sich in meinen Knochen festsetzte und mich am liebsten das Handy weggelegt und nie wieder aufgenommen hätte. Ein weiteres Geheimnis. Eine weitere Information, die alles verändern würde. Wieder etwas, das alle außer mir wussten.Ich hatte vierzehn Jahre lang geglaubt, eine perfekte Ehe zu führen. Ich hatte Wochen damit verbracht herauszufinden, dass ich in einer Lüge gelebt hatte. Ich wusste nicht, ob ich die Kraft hatte, noch eine weitere aufzudecken.Mein Daumen schwebte über dem Bildschirm. Ich konnte die Nachricht löschen. Ich konnte die Nummer blockieren. Ich konnte so tun, als hätte ich sie nie gesehen. Das war es, was ich wollte. Frieden. Nicht Antworten. Frieden.Aber meine Finger bewegten sich, bevor mein Verstand sie aufhalten konnte.Wer ist das?Ic
Kapitel 20PETUNIADie Empfangsdame erkannte meinen Nachnamen nicht. Ich stand am Schalter der Behörde, einen Stapel Formulare in den Händen, und wartete darauf, dass sie meinen Antrag bearbeitete. Sie sah auf meinen Ausweis, dann zu mir, dann wieder auf den Ausweis.»Salinger?«, wiederholte sie und runzelte die Stirn. »Sind Sie sicher, dass das Ihr Name ist?«Zum ersten Mal war ich mir selbst nicht sicher. Ich öffnete den Mund, um Ja zu sagen, um darauf zu bestehen, dass ja, das war mein Name, dass das vierzehn Jahre lang mein Name gewesen war. Aber die Worte wollten nicht heraus. Denn während ich dort stand, in diesem sterilen Büro, umgeben von Fremden, die mich nicht kannten, wurde mir klar, dass ich nicht mehr wusste, wer ich war.»Ja«, sagte ich schließlich. »Es ist mein Name.«Sie zuckte mit den Schultern und bearbeitete weiter meine Unterlagen. Ich sah zu, wie sie Dokumente abstempelte, Formulare ablegte, Kopien machte. Ich war hier, um meine persönlichen Daten zu ändern. Meine
Kapitel 19PETUNIAJemand lachte im Krankenhausflur. Das Geräusch ließ mich zusammenzucken. Denn für einen Sekundenbruchteil dachte ich, es wäre mein eigenes Lachen. Ich blieb stehen, meine Hand erstarrte auf der Türklinke meines Büros, und versuchte zu ergründen, woher der Klang gekommen war. Es war das Lachen einer Frau, hell und unbekümmert, die Art von Lachen, das aus echter Freude kommt.Mir wurde klar, dass ich mich nicht erinnern konnte, wann ich das letzte Mal so gelacht hatte.Ich schob die Bürotür auf und setzte mich an meinen Schreibtisch, starrte auf den Stapel Patientenakten, der auf mich wartete. Die Arbeit war meine Zuflucht geworden, der einzige Ort, an dem ich so tun konnte, als wäre ich normal. Hier war ich Dr. Salinger. Die brillante Chirurgin. Diejenige, die immer alles unter Kontrolle hatte. Niemand hier wusste, dass ich die Nacht damit verbracht hatte, in mein Kissen zu weinen, oder dass ich aufgewacht war und nach jemandem gegriffen hatte, der nicht da war.Aber







