Se connecterRONAN;Das Morgenlicht fiel durch mein Schlafzimmerfenster und traf genau den Spiegel, während ich dort stand und meine Kleidung zurechtrückte. Dann schlich sich die Erinnerung an den letzten Samstagmorgen in meine Gedanken – sie verdrängte alles andere, was mich in diesem Moment beschäftigte.Man kann es mir nicht verübeln. Ich war es gewohnt, dass die Badezimmertüren unverschlossen blieben; in diesem Haus gab es schließlich nie einen Grund zur Sorge. Das Hauspersonal kannte seine Grenzen und klopfte stets so laut an, dass selbst die Toten davon aufgewacht wären.Doch jetzt hatte sich alles geändert – so wie die Tatsache, dass ich nun auf ein neues Mädchen warten musste, bevor ich überhaupt an meinem eigenen Tisch zu Abend essen konnte. Ich stieß tief aus und fuhr mir mit den Fingern durch mein kastanienbraunes Haar, in dem Versuch, meinen Frust zu unterdrücken.Zuerst nahm ich das strahlend weiße T-Shirt zur Hand. Es saß perfekt und glatt an meinem Körper. Weiß war schon immer meine
JUNE;Die Sohle meines rechten Turnschuhs löste sich plötzlich mit einem lauten Riss und schlabberte unter meinem Fuß wie eine kaputte Zunge. Aua! Es fühlte sich an, als würde auch in meinem Herzen etwas zerreißen.Ich stolperte vorwärts, ruderte mit den Armen, um das Gleichgewicht zu halten, und klammerte mich an einen Hocker, um mich abzustützen. Durch den Ruck löste sich mein Haar und fiel mir ins Gesicht.Ein paar Studierende, die bereits im Raum waren, brachen in Gelächter aus. Das Geräusch hallte von den Wänden wider.„Seht euch das an!“„Die Zicke kann nicht mal geradeaus laufen … Hat sie etwa Schrottschuhe an der Uni an?“Weitere Getuschel verbreitete sich im Raum, jetzt lauter. „Zicke … Zicke …“Ich senkte den Kopf Richtung Boden; meine Wangen brannten heißer als Feuer. Ich war froh, dass mein Haar meine Scham zumindest ein wenig verbarg. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Umdrehen und hinkend zur Tür zurückgehen? Oder zu einem Platz humpeln und mich von ihren gehässigen W
JUNE;Die Morgensonne blendete mich, als ich vor dem Schultor aus dem eleganten schwarzen SUV stieg. War es wirklich die Morgensonne? Oder reagierte mein Gehirn auf das, was mich in dieser Schule erwartete?Ich drehte mich ein wenig um und sah zu, wie Mr. Grayson mit Mom davonfuhr; sie winkte mir zu. Ich schluckte schwer und brachte ein Lächeln zustande. Ich war mit ihnen im Auto mitgefahren. Mr. Grayson hatte darauf bestanden, und meine Gedanken waren so sehr mit anderem beschäftigt gewesen, dass ich vergessen hatte zu fragen, wohin die Fahrt ging. Turteltauben. Wer wagte es schon, ihnen solche Fragen zu stellen?Ich war nur für eines dankbar: Ronan war nicht mitgefahren. Als Mr. Grayson gefragt hatte, hatte Mariah gesagt, er sei schon früher zur Schule aufgebrochen.Ich sah, wie sich Mr. Graysons Mund für einen Moment verkniff, während er „Dieser Junge“ murmelte, doch dieser Ausdruck verschwand fast augenblicklich, als Mom ausstieg.Wenn er nur wüsste, wie froh ich darüber war, dass
JUNE;Der Dampf haftete noch immer an meiner Haut, als hätte er mich die ganze Treppe hinauf verfolgt. Was zum Teufel hatte ich da gerade gesehen? War das ein Schwanz gewesen oder ein langer, glatt geschnitzter Holzscheit zwischen seinen Oberschenkeln?Meine Beine fühlten sich wackelig an – wie Wackelpudding, der in der Sonne gestanden hatte –, während ich die Stufen zwei auf einmal hinaufeilte. Das Handtuch rutschte ein wenig auf meiner Brust, und ich klammerte mich fester daran; das Duschgel hielt ich fest unter den Arm geklemmt, meine Knöchel traten weiß hervor.Warum reagierte mein Körper so? Meine Brustwarzen hatten sich zusammengezogen und waren hart geworden; sie drückten schmerzhaft gegen den dicken Stoff, als würden sie darum flehen, berührt zu werden. Jede kleine Bewegung des Handtuchs sandte ein elektrisierendes Kribbeln direkt zwischen meine Beine.Und dort unten … Oh, du lieber Himmel! Mein Inneres pochte in einem tiefen, heißen Schmerz, den ich nicht ignorieren konnte. I
JUNE;Die Sonne strömte durch die hellen Vorhänge, als hätte sie nur darauf gewartet, mich zu wecken. Ich blinzelte gegen die Helligkeit an – meine Augen waren schwer und verklebt – und drehte mich in dem riesigen Bett um.Mein Körper sank tiefer in die Matratze; sie war so weich und flauschig, als hätte eine Wolke beschlossen, mich die ganze Nacht lang zu umarmen. Zum ersten Mal seit Jahren hatte ich verschlafen, und ich hasste es, mir einzugestehen, wie gut es sich anfühlte. Das Bett war einfach zu bequem, das war alles.Immerhin war das besser, als zuzugeben, dass ich fast die ganze Nacht wach gelegen hatte, weil mein Kopf ständig die verletzenden Worte wiederholte, die Ronan mir beim Abendessen an den Kopf geworfen hatte – oder weil ich an den Anblick seiner grauen Boxershorts denken musste, als er in seinem Zimmer aufgesprungen war, und an die deutliche Wölbung darin, die aussah, als würde sie den Stoff jeden Moment sprengen. Nein. Es lag einfach nur am Bett.Ich griff nach dem W
JUNE;Ich nahm die Treppe, Stufe für Stufe, die Hand fest um das Geländer geschlossen. Sie saßen bereits am Tisch – Mom, Mr. Grayson und dieser Junge –, doch ihr Besteck lag noch unberührt da, die Gläser waren noch voll. Der Duft verschiedenster Köstlichkeiten stieg mir in die Nase.Aber ich hasste den Gedanken an dieses Abendessen nach wie vor. Eigentlich hätten nur Mom und ich hier sitzen sollen, an unserem kleinen Esstisch, vielleicht bei Reis und gegrilltem Fisch – etwas Einfaches, Unaufgeregtes, ganz anders als die Fülle an Speisen, die sich auf dem langen Holztisch türmten, als wäre Weihnachten. Reiche Leute und Wichtigtuer. Sie lieben es einfach, wenn Essen kompliziert ist.Ich seufzte leise. Mein Blick fiel auf ihn – nicht zum ersten Mal, seit ich die Treppe heruntergekommen war. Doch diesmal bemerkte ich, wie seine Augen aufleuchteten. Warum verzog sich sein Mundwinkel zu diesem Ausdruck? Ich ließ meinen Blick hastig an mir herabwandern; vielleicht hatte ich meine Kleidung ja







