FAZER LOGINMein Alpha-Gefährte verpasste den sechsten Geburtstag unseres leiblichen Sohnes, weil er den gekränkten Sohn seiner Ziehschwester trösten musste. Als ich an diesem Abend Finns Zimmer aufräumte, hörte ich aus seinem mechanischen Spielzeugwolf mit Aufnahmefunktion eine leise Kinderstimme. „Kleiner Wolf, mein Papa ist nicht bei mir. Bleibst du bei mir und wirst mit mir groß?“ Am nächsten Tag fragte eine Lehrkraft in der Rudelschule beiläufig, warum Finns Vater nicht zur Zeremonie gekommen war. Finn hielt einen Wachsmalstift in der Hand und antwortete leise: „Papa ist sehr beschäftigt. Er ist der Alpha unseres Rudels.“ „Seine Zeit gehört seiner Arbeit und Tante Selina, die immer seine Hilfe braucht. Nur mir gehört sie nie.“ Bei diesen Worten standen den Eltern ringsum Tränen in den Augen. In mir aber blieb nur noch der Zorn auf Damian. Einen Monat später erinnerte Damian sich endlich daran, Finn den versäumten Geburtstag nachzuholen. Kaum betrat er das Kinderzimmer, sah er Finn dabei, seine Zuordnungskarten zu sortieren. Die Karte mit Damians Bild legte Finn unter „Rudelmitglieder“. Das Feld „Familie“ ließ er leer. Damian wollte danach greifen, doch Finn hob den Kopf und sah ihn mit fremder Distanz an: „Alpha, bitte legen Sie die Karte nicht an die falsche Stelle.“ „Papa gehört zur Familie. Sie gehören nur zum Rudel.“ Damian wurde schlagartig kreidebleich.
Ver maisSelina verlor sämtliche Privilegien als Angehörige der Führungsfamilie. Weil sie Nico außerdem für fingierte Hilferufe benutzt hatte, wurde sie dauerhaft von der Jungwolf-Schutzstelle beaufsichtigt.Der Rudelrat gab Damian seine Entscheidungsbefugnisse zurück.Er ordnete das alte Anwesen und die Hilfsregeln neu und verbot fortan, Rudelressourcen aufgrund persönlicher Beziehungen zu vergeben.„Ich habe alles geändert.“Er sah mich an.„Elara, ich weiß jetzt wirklich, wie falsch ich lag.“Ich hörte schweigend zu.„Sonst noch etwas?“Damian starrte mich an.„Willst du nicht wissen, was später aus Selina geworden ist?“„Das hat nichts mit mir zu tun.“„Aber wenn sie mich nicht getäuscht hätte ...“Mitten im Satz brach er ab.Vermutlich merkte selbst er, wie lächerlich das klang.Ich sprach den Gedanken für ihn aus.„Wenn sie nicht geweint hätte, hättest du uns also nicht immer wieder stehen lassen?“Damian wurde blass.„Ich will mich nicht herausreden.“„Elara, jeder einzelne Fehler war me
Der Wind im Norden hatte Finn kräftiger werden lassen.Er konnte inzwischen mit dem Holzbogen umgehen und den gesamten Rudelkodex von Frostkamm allein aufsagen.Sein Großvater nahm ihn zum Schneelauf der Jungwölfe mit, und Finn gewann den ersten Platz.Als er über die Ziellinie lief, suchte er nicht nach seinem Vater in der Menge.Er stürmte direkt auf mich zu.„Mama, ich bin Erster geworden.“Ich wischte den Schnee von seinen Wimpern.„Ich habe es gesehen.“Am Nachmittag endete das Gipfeltreffen des Rudelbundes.Als ich Finn vom Trainingsplatz abholen wollte, sah ich unter einer Kiefer eine vertraute Gestalt.Damian war deutlich dünner geworden.Sein früher immer tadellos sitzendes Festgewand hing locker an ihm, und an seinen Schläfen war eine graue Strähne hinzugekommen.Als er Finn sah, wurden seine Augen sofort rot.„Finni.“Finn blieb stehen.Er musterte Damian einige Sekunden lang und neigte dann nach der Etikette des Nordens den Kopf.„Alpha von Dämmerfluss.“Damians Lippen zitt
Auf der großen Leinwand in der Mitte des Saals lief die Aufnahme vom Familientag der Rudelschule immer wieder.Damian drückte seinen Handabdruck auf Nicos Banner.Finn riss den Platz ab, den er für seinen Vater freigelassen hatte.Dann breitete sich die Alpha-Aura aus.Der sechsjährige Junge stand hinter Elara, blass im Gesicht und mit zitternden Schultern.Der Oberste Älteste stoppte das Bild.„Damian, ist Ihnen bewusst, dass ein Alpha seine Alpha-Aura nicht zur Disziplinierung minderjähriger Jungwölfe einsetzen darf?“„Ja.“„Ist Ihnen bekannt, dass ein Handabdruck auf einem Familienbanner einer öffentlichen Anerkennung von Schutzpflicht und familiärer Verantwortung gleichkommt?“„Ja.“„Und die Mantelschließe?“„Sie ist ausschließlich für den Alpha und seinen Erben bestimmt.“„Trotzdem haben Sie sie Nico gegeben.“Damian senkte den Blick.„Ja.“Der Älteste rief anschließend die Dienstprotokolle vom Abend des Mondscheinrituals auf.„Ihr leiblicher Sohn hat gewartet, bis die letzte Stra
Selina gab den Mondstein nicht bei den Wachen ab, sondern ging direkt in die Alpha-Residenz.„Ich habe gehört, dass Elara gegangen ist.“Das Leuchten in ihren Augen ließ sich kaum verbergen, auch wenn ihre Stimme weiterhin sanft klang.„Sei nicht zu traurig. Sie schmollt nur. Wenn sie sich beruhigt hat, kommt sie von allein zurück.“Damian saß vor dem Kamin. Er hatte die ganze Nacht kein Auge zugemacht.„Wo ist das Amulett?“Selinas Lächeln erstarrte.„Nico hat erst letzte Nacht wieder ruhig geschlafen. Kann er es nicht noch ein paar Tage behalten?“„Es gehört Finn.“„Aber Finn ist doch schon zurück im Norden.“Sie kam zwei Schritte näher.„Er hat seine Mutter, seinen Großvater und ganz Frostkamm. Nico hat nur mich. Und außer dir kümmert sich niemand um ihn.“Damian sah sie an.Diesen Satz hatte er selbst unzählige Male gesagt.Weil Finn mehr hatte, durfte man ihm etwas wegnehmen.Weil Nico weinte, sollte er immer zuerst bekommen, was er wollte.Damian hatte diese Ausplünderung einmal





