Se connecterEmily hat nie die Wärme einer echten Familie gekannt. Bevor sie geboren wurde, wurde sie verlassen, und schon in jungen Jahren wurde sie zur Waise. Sie wuchs im Haus ihrer besten Freundin auf – sie bekam Essen, Kleidung und eine Ausbildung, wurde aber nie wirklich geliebt. Für sie war sie nur das Mädchen, das sie von der Straße aufgelesen hatten. Trotzdem glaubte sie an eines – an die Liebe. Sie vertraute ihrem Freund. Sie vertraute ihrer besten Freundin. Bis zu der Nacht, in der sie die beiden zusammen erwischte … auf seinem Bett. Mit gebrochenem Herzen und betrunken verbrachte Emily eine rücksichtslose Nacht mit einem geheimnisvollen Fremden, in der Hoffnung, den Schmerz zu vergessen. Doch am nächsten Morgen war er verschwunden und hatte nur einen Namen hinterlassen. Mr. Harrison Grey. Sie hätte nie erwartet, ihn wiederzusehen. Bis sie nach Hause zurückkehrte … und ihre beste Freundin in die Arme desselben Mannes laufen sah. „Daddy! Ich habe dich vermisst!“ In diesem Moment zerbrach Emilys Welt erneut. Denn der Fremde, mit dem sie die Nacht verbracht hatte … war der Vater ihrer besten Freundin. Nun wächst ein gefährliches Geheimnis in ihr heran, eines, das das fragile Leben, das ihr geblieben ist, zerstören könnte. Während verbotene Gefühle, Eifersucht und dunkle Familiengeheimnisse ans Licht kommen, muss Emily sich der Wahrheit stellen: Was passiert, wenn der Mann, der dir eine Nacht des Trostes schenkte … zu deinem verbotenen Baby-Daddy wird?
Voir plusIch ging durch den Flur, als mich das laute Stöhnen aus Gabriels Zimmer mitten im Schritt stehen ließ.
„Ahh … Baby, lass mich dich spüren … härter … härter!“
Ich erstarrte.
Meine Finger schlossen sich fester um den Riemen meiner Tasche, während mein Herz wild in meiner Brust zu schlagen begann. Das Geräusch kam aus Gabriels Schlafzimmer. Ich wusste, dass ich dort nicht hingehen sollte. Ich wollte nur wissen, mit wem er mich dieses Mal betrog.
Ich kannte diese Stimme. Ich kannte die Art, wie sie seinen Namen stöhnte. Aber mein Verstand weigerte sich, es zu akzeptieren.
Vielleicht irrte ich mich. Vielleicht lief der Fernseher. Vielleicht bildete ich mir das alles nur ein.
Doch dann ertönte die Stimme erneut.
„Gab … bitte … härter, Baby …“
Mir stockte der Atem. Meine Beine fühlten sich plötzlich schwer an, als hätte jemand Steine daran gebunden. Ich wollte mich bewegen, aber ich konnte meine Beine einfach nicht bewegen.
Mein Herz schrie, und in mir kochte bereits die Wut, während ich vor Hass brannte.
Nein … das konnte nicht wahr sein. Nicht Gabriel. Nicht er.
Trotzdem drängte mich etwas in meinem Inneren weiterzugehen.
Ich musste es mit eigenen Augen sehen.
Langsam ging ich den Flur entlang, jeder Schritt fühlte sich wie Folter an. Je näher ich dem Schlafzimmer kam, desto lauter wurden die Geräusche. Das Bett knarrte gegen die Wand, und leises Kichern mischte sich mit atemlosem Stöhnen.
Meine Hände begannen zu zittern.
Wer war dort mit ihm?
Die Wut verdrängte langsam meine Angst. Meine Brust brannte, und meine Sicht verschwamm von heißen Tränen.
Doch in dem Moment, als ich mich wieder auf die Stimme konzentrierte, schien mein Blut zu gefrieren.
Sie klang … vertraut.
Viel zu vertraut.
„Nein“, flüsterte ich vor mich hin. „Das kann nicht sie sein.“
Ich wollte nicht darüber nachdenken. Ich wollte nicht, dass meine Gedanken recht hatten.
Mit zitternden Beinen stieg ich die letzten Schritte zu seinem Zimmer hinauf.
Dann sah ich es.
Gabriels schwarze Turnschuhe lagen neben der Tür. Und direkt daneben stand ein Paar eleganter goldener High Heels.
Ich kannte diese Schuhe.
Ich hatte sie schon oft gesehen.
Sie gehörten nur einer Person.
Tessa.
Meiner besten Freundin.
Mein Herz setzte einen Schlag aus.
Aber das war unmöglich.
Tessa hatte mir erzählt, dass sie nach Toronto reisen würde, um jemanden zu treffen. Sie hatte mich heute Morgen sogar zum Abschied umarmt.
Warum waren ihre Schuhe also hier? Im Haus meines Verlobten? Direkt vor seinem Schlafzimmer?
Mein Atem ging unregelmäßig.
„Nein … nein, das ist nicht echt.“
Bevor ich mich davon abhalten konnte, stieß ich die Tür auf.
Und die Szene vor mir hätte mich beinahe den Verstand verlieren lassen.
Gabriel lag auf dem Bett, mit dem Rücken zu mir. Sein Körper bewegte sich in schnellen, verzweifelten Stößen. Unter ihm lag eine Frau, deren Hände um seine Schultern geschlungen waren.
Ihr langes braunes Haar lag über das Kissen ausgebreitet. Ihr Gesicht war vor Lust nach hinten geneigt.
Es war Tessa.
Meine beste Freundin.
Mein Verlobter seit vier Jahren schlief mit dem Mädchen, das ich meine Schwester nannte, und stieß immer wieder in sie, als hinge sein Leben davon ab.
Für einen Moment wurde alles um mich herum still. Ich konnte das Bett nicht hören. Ich konnte ihr Stöhnen nicht hören. Ich konnte nicht einmal meinen eigenen Herzschlag hören.
Alles, was ich spürte, war Schmerz.
„Was genau geht hier vor?“ Meine Stimme zitterte, als ich sprach. „Gabriel … was soll dieser Unsinn?“
Sie hörten nicht einmal auf.
Sie sahen mich nicht einmal an.
Gabriel warf nur für eine Sekunde einen Blick über seine Schulter, und seine Augen trafen meine. Dann wandte er sich wieder Tessa zu und bewegte sich weiter, als wäre ich überhaupt nicht da.
Als wäre ich unsichtbar.
Als würde ich nicht existieren.
Da liefen endlich die Tränen.
Heiße, schmerzhafte Tränen liefen über mein Gesicht, während sich meine Brust zusammenzog. Ich fühlte mich, als würde mir jemand das Herz aus der Brust reißen.
Ohne ein weiteres Wort drehte ich mich um und rannte aus dem Zimmer.
Ich stürmte die Treppe hinunter, meine Sicht von Tränen verschwommen. Es war mir egal, wohin ich ging. Ich musste einfach weg.
Weg von diesem Haus. Weg von diesem Bett. Weg von diesem Verrat.
Ich hatte das Tor fast erreicht, als ich schwere Schritte hinter mir hörte.
„Emily! Emily, warte!“
Ich musste mich nicht umdrehen, um zu wissen, wer es war.
„Emily, bitte bleib stehen! Es ist nicht so, wie du denkst!“, rief Gabriel.
Ich blieb stehen.
Langsam drehte ich mich zu ihm um.
Der Junge, den ich mein ganzes Leben lang geliebt hatte, stand vor mir und atmete schwer. Derselbe Junge, den ich vielen gutaussehenden und erfolgreichen Männern vorgezogen hatte.
Der Junge, dem ich mein ganzes Herz anvertraut hatte.
Ich dachte, er wäre anders. Ich dachte, er würde mich niemals verletzen.
Aber ich hatte mich geirrt.
„Wie konntest du nur?“ Meine Stimme zitterte. „Wie konntest du mich vor meiner besten Freundin wie eine Närrin aussehen lassen?“
„Baby, bitte hör mir zu“, flehte er. „Es war nicht beabsichtigt. Es war nur ein Fehler. Ich bereue es. Bitte verlass mich nicht. Trenn dich nicht von mir.“
Seine Stimme klang erbärmlich, beinahe verzweifelt.
Aber ich fühlte nichts.
Kein Mitgefühl. Keine Liebe. Keine Zärtlichkeit.
Nur Wut.
Wenn das früher passiert wäre, hätte ich ihm vielleicht wieder vergeben. Ich hätte vielleicht seine süßen Worte und leeren Versprechen geglaubt.
Aber dieses Mal nicht.
Ich hatte genug.
„Das sagst du immer“, fuhr ich ihn an. „Jedes Mal, wenn ich dich beim Fremdgehen erwische, sagst du, es war ein Fehler.“
Sein Gesicht wurde blass.
„Beim letzten Mal war es eure Hausangestellte. Du hast gesagt, du warst betrunken. Du hast mich angefleht, dir zu vergeben.“
Wieder liefen Tränen über meine Wangen.
„Du hättest mir einfach sagen können, dass du mich nie geliebt hast. Aber stattdessen hast du dich dafür entschieden, mit meiner besten Freundin zu schlafen. Warum sie? Warum nicht irgendein fremdes Mädchen? Du hast mir gerade gezeigt, dass ich dir nichts bedeute.“
„Emily, bitte—“
„Nein!“, schrie ich. „Für meine eigene psychische Gesundheit gehe ich. Es ist vorbei zwischen uns, Gabriel. Nichts, was du sagst, wird mich jemals dazu bringen zu bleiben.“
In diesem Moment hörte ich leise Schritte hinter ihm.
Tessa kam aus dem Haus, als würde sie über einen Laufsteg gehen. Sie trug nur Gabriels Hemd, und ein zufriedenes Grinsen lag auf ihren Lippen.
Sie sah … glücklich aus.
Glücklich darüber, mein Leben zu zerstören.
„Ich glaube, ich habe lange auf diesen Tag gewartet“, sagte sie beiläufig. „Ich weiß nicht einmal, warum du so dumm warst, Emily.“
Mein Herz zog sich zusammen.
„Wie konntest du glauben, dass ich dich wirklich geliebt habe?“, fuhr sie fort. „Ich habe nur so getan, als wärst du meine Schwester, weil ich Mitleid mit dir hatte. Du hattest niemanden sonst auf dieser grausamen Welt.“
Ihre Worte fühlten sich an wie Messer, die sich in meine Brust bohrten.
„Ich war es leid, so zu tun“, fuhr sie fort. „Jedes Mal, wenn ich dein Gesicht sah, empfand ich Ekel. Du bist nichts weiter als ein armes, unerwünschtes Mädchen. Also geh und such dir jemand anderen, der Mitleid mit dir hat, denn ich bin fertig mit dir. Du bist nur jemand, dem meine Mutter und ich geholfen und den wir von der Straße aufgelesen haben.“
Meine Ohren klingelten.
Ich konnte nicht verarbeiten, was sie sagte.
Es fühlte sich wie ein Albtraum an. Als würde ich träumen. Als wäre nichts davon wirklich.
Aber es war real.
„Wenn ich dich ansehe, dreht sich mir der Magen um“, fügte sie kalt hinzu.
Ich sah Gabriel an und erwartete, dass er mich verteidigte. Dass er etwas sagte. Irgendetwas.
Doch er senkte nur schweigend den Kopf.
Dieses Schweigen tat mehr weh als jede Beleidigung.
In diesem Moment verstand ich alles.
Ich hatte den falschen Menschen vertraut. Die falschen Menschen geliebt. Den falschen Menschen geglaubt.
Ich war die Närrin.
Tränen liefen über mein Gesicht, als ich einen Schritt zurücktrat.
„Ich hoffe, ihr beide verrottet in der Hölle“, sagte ich schwach. „Gabriel, dafür wirst du bezahlen.“
Dann drehte ich mich um und ging durch das Tor hinaus.
Dieses Mal sah ich nicht zurück.
Denn in dem Moment, in dem ich es getan hätte … wusste ich, dass mein Herz in Stücke zerbrechen würde.
Und ich war mir nicht sicher, ob es jemals wieder geheilt werden konnte.
Der Tag war ein einziger, verschwommener Albtraum aus Angst und Verwirrung gewesen. Tessas düstere Warnung bezüglich Gabriel hing wie eine drohende Unwetterwolke über meinem Kopf. Den gesamten Nachmittag über hatte ich versucht, allen aus dem Weg zu gehen, indem ich mich in der kleinen Bibliothek im hinteren Teil der Villa versteckte. Ich war nicht einmal zum Mittagessen nach unten gegangen. Der bloße Gedanke, Gabriel und Tessa zusammen zu sehen, während Harrison stumm am Kopfende der Tafel saß und zusah, war schlicht zu viel für meine strapazierten Nerven.Als schließlich die Nacht einbrach, hüllte sich das Anwesen wieder in vollkommenes Schweigen. Doch es war keineswegs ein friedlicher Frieden. Es war jene gefährliche Art von Stille, die sich anfühlte wie ein überspanntes Gummiband, das kurz davor stand, mit heftigem Knall zu zerreißen.Ich lag auf meinem Bett und starrte starr an die Decke. Mein Magen war leer, doch beim bloßen Gedanken an Nahrung stieg sofort wieder diese lähmende
Der Arbeitstag fühlte sich an, als würde er hundert Jahre dauern. Jedes Mal, wenn das Telefon klingelte oder sich eine Tür öffnete, zuckte ich zusammen, weil ich befürchtete, es könnte Harrison sein. Doch er rief nicht an. Ich verbrachte die Stunden damit, Dokumente abzuheften und starr auf meinen Computermonitor zu blicken, doch meine Gedanken waren längst zurück am Frühstückstisch — gefangen in der Erinnerung an die wohlige Wärme seiner Hand auf der meinen.Als ich schließlich zum Anwesen zurückkehrte, war es bereits dunkel. Die Villa glich einem riesigen, schlafenden Raubtier. Ich schlich hinein, in der Hoffnung, niemandem zu begegnen. Glücklicherweise war das Wohnzimmer leer. Tessa war vermutlich mit Gabriel unterwegs, und Diana befand sich wahrscheinlich in ihrem Zimmer.Ich zog mich in mein kleines Schlafzimmer zurück, streifte die Schuhe ab und versuchte mich zu entspannen. Doch es gelang mir nicht. Das gesamte Haus fühlte sich erdrückend schwer an vor lauter Geheimnissen.Gege
Die Sonne ging am nächsten Morgen zwar auf, doch es fühlte sich keineswegs wie ein neuer Tag an. Es fühlte sich an wie die nahtlose Fortsetzung eines albtraumhaften Schreckens.Ich hatte die gesamte Nacht kein Auge zugetan. Jedes Mal, wenn ich die Lider schloss, sah ich Harrisons undurchdringliches Gesicht vor mir. Ich hörte seine dunkle Stimme, wie er mir einschärfte: „Wir sagen gar nichts.“ Ich spürte noch immer den schemenhaften Nachklang seiner Hand auf meiner Schulter. Mein Körper fühlte sich bleischwer an, und mein Kopf verlor sich in einem rasenden Karussell unlösbarer Fragen. Wie um alles in der Welt sollte ich nur nach unten gehen und mit einem Mann am Frühstückstisch sitzen, mit dem ich meine intimsten Geheimnisse — und meinen eigenen Körper — geteilt hatte?Ich verbrachte eine gefühlte Ewigkeit vor dem Badezimmerspiegel und versuchte verzweifelt, die tiefen, dunklen Schatten unter meinen Augen mit Make-up zu kaschieren. Ich musste makellos und unauffällig aussehen. Ich muss
Tessa blinzelte und sah mich an, als hätte sie glatt vergessen, dass ich überhaupt im Raum war. „Oh, sie schmoolt wahrscheinlich nur wegen ihrer Trennung herum. Mach dir keine Sorgen um sie, Papa. Sie war schon immer ein bisschen dramatisch.“„Ich bin nicht dramatisch“, flüsterte ich und fand schließlich meine Stimme wieder.Diana funkelte mich böse an. „Sei still, Emily. Ruiniere nicht das Abendessen mit deinen Launen.“Ich spürte das vertraute, schmerzhafte Brennen von Tränen in meinen Augen. Mein Blick wanderte hinab in meinen Schoß, während ich mir sehnlichst wünschte, der Boden würde sich auftun und mich auf der Stelle verschlingen. Ich hasste dieses Haus. Ich hasste es abgrundtief, wie sie mich behandelten, als wäre ich lediglich ein wertloses Möbelstück.Ich spürte, wie Harrisons Blick noch einen Moment länger auf mir verweilte, ehe er sich wieder seiner Tochter zuwandte. Doch seine Stimme klang nun angespannter. Wesentlich weniger geduldig.Nach dem Essen versuchte ich sofort











