LOGINDer letzte Tag dieses Krieges fühlte sich nicht wie der letzte an.Vielleicht fühlte sich kein Ende in dem Moment wie ein Ende an, in dem es geschah.Die Welt hielt nicht inne, um anzuerkennen, dass etwas zu Ende gegangen war. Der Himmel riss nicht auf. Die Sterne kamen nicht herab. Keine alte Glocke schlug von selbst in den Türmen vergessener Schlösser, keine Prophezeiung erschien in Feuer an den Wänden, keine Göttin beugte sich hinab, um die Überlebenden in die Arme zu nehmen.Der Morgen kam einfach.Kalt.Grau.Mit einem Geschmack von Erschöpfung.Im Vampirschloss saß Evelyn Blackthorne viel zu lange vor ihrem Schreibtisch und starrte auf ein leeres Blatt.Es gab so vieles zu schreiben.Befehle für den Hof.Briefe an Verbündete.Neue Sicherheitsregeln.Namen von Toten.Namen von Verrätern.Namen von Menschen, die niemals zu Fußnoten hätten gemacht werden dürfen.Die Feder ruhte zwischen ihren Fingern, bewegte sich aber nicht.Hinter ihr schwieg Romina.Ein seltenes Schweigen.Nicht
Evelina blieb allein hinter der weißen Tür. Oder fast. Maggie war bei ihr. Nicht stehend, nicht vollständig, nicht wie eine Frau, die mit einem grausamen Lächeln und hungrigen Augen an der Wand lehnte. Das wäre einfacher gewesen. Es wäre leichter gewesen, sie zu hassen, wenn Maggie getrennt von ihr existiert hätte, wenn Evelina in eine Ecke hätte zeigen und sagen können: Dort ist die Eindringling. Aber Maggie war nicht in einer Ecke. Sie war in der Kehle. In den Zähnen. Im Hunger. In einer Erinnerung, die Evelina nicht gehörte und trotzdem von innen an ihrem Schädel kratzte, als wäre sie dort geboren worden. Die unterirdische Kammer wirkte kleiner, nachdem Aislinn, Sol und Seraphine sich entfernt hatten. Die gesprungenen Spiegel warfen gebrochene Versionen derselben Frau zurück: schwarzes Haar, blasse Haut, braune Augen mit violetten Rissen, getrocknetes Blut am Mundwinkel, Finger, gezeichnet von Fleisch und Silber. Maggie. Evelina. Keine von beiden. Beide. Sie hasste je
Am Tag nach Evelinas Tod kehrte Evelyn ins Vampirschloss zurück.Sie kehrte nicht als Siegerin zurück.Das war klar, noch bevor sie die Tore durchquerte.Der Himmel hing schwer und grau über ihnen, als wollte selbst der Morgen keine Seite wählen. Die Pferde bewegten sich langsam über die feuchte Straße, flankiert von Vampirwachen, Wölfen, die Kol geschickt hatte, und zwei Streghe, die Romina ausgewählt hatte. Die Eskorte war zu klein für eine Königin, die zu ihrem eigenen Thron zurückkehrte, und zu groß für eine Frau, die sich nur Stille wünschte.Evelyn saß in der Hauptkutsche.Romina saß neben ihr.Nicht als offizielle Beraterin.Nicht als Geliebte.Nicht als Freundin, obwohl sie vielleicht bereits etwas Gefährliches zwischen einem Wort und dem nächsten war.Einfach dort.Anwesend.Das wirkte ärgerlich notwendig.Daniele fuhr hinter ihnen in einer anderen Kutsche, mit Jelle, die blass, aber wach gegen die Lehne sank. Ashley war im Haus der Wölfe geblieben, um sich zu erholen und Ayl
Evelyns Freiheit roch nach Blut.Das war das Erste, was sie bemerkte, als sie endlich allein sein konnte.Es war kein fairer Gedanke.Vielleicht nicht einmal ein wahrer.Das Blut, das sie noch immer zu riechen glaubte, war mehr Erinnerung als Wirklichkeit. Joon-ho, Evelina, Daniele, die mit befleckter Klinge zurückgekehrt war, das Haus der Wölfe, das Schuld in den Ecken atmete. In dieser Woche hatte alles so sehr geblutet, dass die ganze Welt wie aus offenen Wunden gemacht wirkte.Und trotzdem war es dieser Geruch, den Evelyn fand, als sie die Tür des geliehenen Zimmers schloss und vor dem alten Spiegel an der Wand stehen blieb.Blut.Und Raum.Schrecklicher Raum.Der Fluch, der sie geteilt hatte, war verschwunden.Jahrelang hatte Evelyn etwas in sich gefangen gespürt. Ein Gewicht unter der Haut, ein seltsames Echo, eine zweite Anwesenheit, die nicht ganz Stimme war, nicht ganz Schatten, aber immer da, als Erinnerung daran, dass mit ihrer Seele etwas nicht stimmte. Eine Naht. Ein Riss
Maggies Körper atmete zum dritten Mal, während das ganze Schloss schlecht schlief. Es gab keine echte Nacht im Feenreich. Nicht wie in der Menschenwelt, wo die Sonne verschwand und die Schatten Erlaubnis bekamen, sich über die Wände zu strecken. Hier veränderte die Helligkeit nur ihre Laune. Wurde silbern. Bläulich. Dunkelte in feinen Schichten ab, als wäre der Himmel eine alte Seide, die langsam gefaltet wurde. Aber in dieser Nacht schien das Schloss sogar sein eigenes Licht vergessen zu haben. Die Flure waren viel zu still. Die Feen sprachen nur flüsternd. Die Elfen mieden die Fenster. Die Fossegrim spielten nicht. Selbst die Spiegel blieben trüb, als hätten sie Angst, das Gesicht der Königin zu reflektieren. Aislinn schlief nicht. Sie saß vor Evelinas Grab im oberen Garten und blieb so lange reglos, dass die Mondblumen um sie herum auf- und zugingen, verwirrt, unfähig zu entscheiden, ob sie eine lebende Königin oder einen Geist bewachten. Nyx lag auf der frisch aufgewühlten
Aislinn ließ Evelina nicht los.Nicht, als der Garten um sie herum endgültig starb.Nicht, als der Brunnen flüssiges Silber überlaufen ließ und dann austrocknete, glänzende Spuren auf dem Stein hinterlassend. Nicht, als die weißen Blumen, geboren aus dem Zerbrechen des Fluchs, an den Rändern dunkel wurden und sich über das Gras neigten. Nicht, als die Bäume, viel zu sehr von der Explosion der Magie verbogen, zu knarren begannen wie uralte Wesen, die einen Schmerz hielten, der ihnen nicht gehörte.Sol blieb ein paar Schritte entfernt stehen.Zum ersten Mal seit langer Zeit wusste sie nicht, was sie sagen sollte.Das ärgerte sie.Sol hatte immer einen Satz. Eine verbale Klinge. Eine Provokation. Einen Kommentar, grausam genug, um Unbehagen in Überlegenheit zu verwandeln. Über Jahrhunderte hinweg hatte sie Kriege, Tode und Auferstehungen genau so überlebt: indem sie die Welt von oben betrachtete, als wäre alles ein leicht schlecht geschriebenes Theaterstück und sie die einzige intelligen
Evelyn war stinksauer, als sie mitbekam, dass ihre Gefangene abgehauen war. Sie trommelte all ihre Wachen zusammen, aber kein Schwein konnte ihr erklären, wie oder wann Evelina entwischt war. Evelyn hatte sofort die Herzogin im Verdacht und stellte sie zur Rede.»Ich schwöre dir, ich habe keinen bl
Joon-ho kam mit einem Pick-up zum Haus zurück und brachte den leblosen Körper des Bären in den Schuppen. Dort holte er so viel Plasma wie möglich aus dem Tier heraus, füllte die Flüssigkeit in Einmachgläser und packte sie in die Gefriertruhe. Als er fertig war, nahm er eins der Gläser, ging durch
Joon-ho saß auf dem Sofa und trank Whiskey direkt aus der Flasche, als er hörte, wie die Tür seiner Hütte aufging. Der Alpha blickte zur Tür, seine Augen wurden gelb und er ließ ein wütendes Knurren hören.»Ich wusste doch, dass ich dich hier in der Hütte vom großen bösen Wolf finde.« Kol, der best
Evelyn Blackthorne, die Vampirkönigin des Blutrose-Clans, schaute in den Spiegel und lächelte total aufgeregt. Ihr Hochzeitskleid saß einfach perfekt. Endlich war der Tag ihrer Hochzeit mit Seo Joon-ho gekommen, dem Alpha-Werwolf des Mondschatten-Rudels. Diese Hochzeit war viel mehr als nur ein Fri







