LOGINNach einer schmerzhaften Scheidung glaubt Evelina, endlich einen Neuanfang wagen zu können. Doch das Schicksal hat andere Pläne für sie. Umgeben von Werwölfen, Vampiren, Dämonen und uralten Feenwesen gerät sie in ein gefährliches Spiel um Macht und Geheimnisse, in dem niemand wirklich der ist, der er zu sein scheint. Zwischen ihrem geheimnisvollen Ex-Mann, der sich weigert, aus ihrem Leben zu verschwinden, und einem rätselhaften Fremden, der Gefühle in ihr weckt, die sie längst begraben glaubte, muss Evelina erkennen, dass manche Herzen vom Schicksal füreinander bestimmt sind. In einer Welt voller Magie, Gefahren und verbotener Liebe könnte die Liebe selbst ihre größte Prüfung werden.
View MoreEvelyn Blackthorne, die Vampirkönigin des Blutrose-Clans, schaute in den Spiegel und lächelte total aufgeregt. Ihr Hochzeitskleid saß einfach perfekt. Endlich war der Tag ihrer Hochzeit mit Seo Joon-ho gekommen, dem Alpha-Werwolf des Mondschatten-Rudels. Diese Hochzeit war viel mehr als nur ein Friedensbündnis zwischen den Werwölfen und Vampiren von Raven Hollow es war die Vereinigung zweier Seelen, die dazu bestimmt waren, die Ewigkeit miteinander zu verbringen. Evelyn war Joon-hos Luna.
»Nichts und niemand wird diesen Tag heute ruinieren. Endlich werden wir eins sein, mein Schatz.« Die Vampirin lächelte, während sie das Porträt ihres Liebsten ansah.
Es klopfte an der Tür, und kurz darauf hörte sie die Stimme ihrer Cousine, Herzogin Daniele:
»Cousine, es ist so weit! Alle warten schon total gespannt auf dich, und dein Bräutigam ist der Schlimmste von allen. Er fragt ununterbrochen nach dir. Fast wäre er dir hinterhergelaufen!«
Evelyn lachte.
»Ach, Daniele! Sag meinem Bräutigam, dass ich in ein paar Minuten unten bin. Ich muss mich nur noch fertig schminken.«
»Soll ich dir helfen? Ich versteh echt nicht, warum du dich ganz allein fertigmachen wolltest.«
»Nicht nötig. Du kennst mich doch, Cousine. Ich bin Perfektionistin und mache die Dinge lieber selbst, um sicherzugehen, dass alles glattläuft. Beruhige Joon-ho bitte und richte ihm einen Kuss von mir aus.«
»Na gut, Cousine. Mach schnell!«
Evelyn hörte das Klackern von Danieles Absätzen, als sie sich schnellen Schrittes entfernte, und trat an den Schminktisch. In dem Moment fühlte sich die Luft plötzlich seltsam an und ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken. Sie sah sich misstrauisch um und bemerkte einen Nebel, der sich im Zimmer breitmachte. Sie wusste sofort, was das bedeutete, und rannte mit übernatürlicher Geschwindigkeit zur Tür, um zu entkommen. Doch als sie die Klinke berührte, war diese so heiß, dass sie sich die Hand verbrannte.
Die Vampirin drehte sich um und überlegte, ob sie es noch schaffen würde, zum Balkon zu rennen und hinunterzuspringen, aber der Nebel verschluckte bereits alles um sie herum. Ein hämisches Lachen hallte durch den Raum.
»Ich habe dir doch gesagt, dass du dich nicht vor mir verstecken oder weglaufen kannst und dass du für das, was du getan hast, bezahlen wirst. Habe ich nicht?«
Eine blonde Frau mit großen, durchsichtigen Flügeln, die an die einer Libelle erinnerten, tauchte vor Evelyn auf. Die Vampirin fauchte und zeigte ihre Reißzähne, doch noch bevor sie ihre Feindin angreifen konnte, machte die F*e eine Handbewegung. Diese einfache Geste paralysierte Evelyns gesamten Körper und machte sie völlig wehrlos.
»Heute wirst du am eigenen Leib erfahren, wie es ist, einen Teil von sich selbst zu verlieren, du Elende.«
Die F*e stieß ihre Hand durch Evelyns Brust, als wäre sie unsubstanziell, und zog einen Schatten aus dem Körper der Vampirin. Evelyn stöhnte vor Schmerz auf, als sie die Trennung spürte. Ihr Schatten fiel zu Boden und nahm eine Gestalt an, die der Vampirin aufs Haar glich, obwohl sie im Moment nicht bei Bewusstsein war.
»Ich habe deine gütige Seite entfernt die Seite, die gute Dinge fühlt. Von nun an verdamme ich dich dazu, ohne Emotionen zu leben und unfähig zu sein, jemals wieder zu lieben. Zumindest so lange nicht, bis du diesen Teil von dir opferst und wieder ganz wirst«, sagte die F*e und ließ Evelyn schließlich wieder bewegen.
Die Vampirin brach auf die Knie ein, schnappte nach Luft und fühlte sich, als hätte sie gerade ganz allein gegen eine ganze Armee gekämpft.
»Viel Glück dabei, deine andere Hälfte zu finden. Du wirst es brauchen.« Die F*e lachte noch einmal, bückte sich, berührte den Kopf des Klons, der immer noch bewusstlos war, und verschwand im nächsten Augenblick.
»Aislin... Nein!«, sagte Evelyn, und dann zerbrach etwas in ihrem Inneren.
Die Vampirin ging zum Schminktisch, machte ihr Make-up fertig, nahm ihren Rosenstrauß und ging nach unten. Ohne jede Miene zu verziehen, schritt sie zum Altar.
Joon-ho lächelte, als er sie sah, und stellte sich neben sie vor den Altar. Die Priesterin, die die Zeremonie leitete, sprach kurz über die Bedeutung dieser Verbindung und bat das Brautpaar, sich das Eheversprechen zu geben. Alpha Joon-ho sprach seine Gelübde und legte sein ganzes Herz in jedes einzelne Wort. Er lächelte und wartete darauf, dass seine Liebste ihr Versprechen abgab, aber sie starrte ihn mit einer Kälte an, die ihm das Herz gefrieren ließ. Dann sprach sie laut und deutlich die Worte aus, die ihm das Herz zerrissen:
»Ich will diese Hochzeit nicht mehr. Diese Verbindung ist völlig nutzlos, da ich dich nicht liebe und du mir offensichtlich nichts zu bieten hast... Werwolf.«
Joon-ho stand da wie erstarrt, als könnte er diese grausamen Worte nicht glauben. Das durfte nicht wahr sein. Das musste ein schlechter Scherz sein. Sie liebten sich doch! Sie war seine vorbestimmte Gefährtin, seine Luna. Selene selbst hatte es ihm in einer Vision gezeigt.
»Eve, Schatz... Du musst keine Angst vor diesem Schritt haben. Ich liebe dich und...« Er wollte seine Hand an ihre Wange legen, aber sie wich zurück.
»Ich habe gesagt: Ich liebe dich nicht.«
Dann drehte sie sich zu den Gästen um.
»Die Hochzeit ist abgesagt. Verlasst sofort mein Haus, oder ihr werdet es bereuen. Ich schwöre es euch!«
Die Gäste standen erschrocken und verwirrt auf und fingen an zu gehen. Die Vampir-Herzogin trat sichtlich nervös an ihre Cousine heran.
»Cousine, das kannst du nicht tun!«
»Misch dich da nicht ein, Daniele! Das geht dich nichts an!«
»Aber ich...« Daniele wich verletzt zurück und ging weg.
»Was machst du da? Ich glaube dir kein einziges Wort! Schau mir in die Augen und sag mir, dass du mich nicht liebst!«, forderte Joon-ho.
Evelyn starrte ihn voller Hass an.
»Ich liebe dich nicht und ich will dich JETZT sofort aus meinem Haus haben!«
Fassungslos zog Joon-ho sie an sich und stahl ihr einen Kuss. Evelyn stieß ihn weg und verpasste ihm eine Ohrfeige.
»Du dreckiger Wolf, wie kannst du es wagen?«, zischte Evelyn voller Verachtung, bevor sie pfiff, um ihre Wachen herbeizurufen. »Schafft dieses Tier weg! Und wenn er versucht, wiederzukommen, könnt ihr ihn töten, das ist mir völlig egal! Ich will ihn einfach nur weghaben!«
Die Wachen näherten sich dem Alpha, und seine Augen leuchteten vor Wut gelb auf.
»Wagt es ja nicht, mich anzufassen! Ich warne euch!«
Der Alpha blickte zu Evelyn, die stolz wegging, und sein Blick wurde weicher.
»Mein Schatz, bitte! Lass uns reden!«
Zwei Vampirwachen packten den Alpha an den Armen und schleppten ihn in Richtung Ausgang.
»Lasst mich los! Evelyn? Evelyn, das kannst du uns nicht antun!«
Aber Evelyn drehte sich nicht einmal um. Sie trat nur auf ihren Brautstrauß und ging in ihre Villa, ohne ihm auch nur den Hauch einer Chance zu geben.
Der Alpha wurde bis vor die Grenzen des Grundstücks gebracht, wo die Wölfe seines Rudels auf ihn warteten.
»Nein! Das ist noch nicht vorbei! Evelyn?«
Noch bevor der Alpha Evelyns Wachen herausfordern konnte, spürte er einen festen Griff an seinem linken Arm. Er drehte den Kopf und blickte in die Augen seines besten Freundes.
»Es bringt nichts. Evelyn hat ihre Entscheidung getroffen. Wir haben hier nichts mehr zu suchen.«
»Lass mich los!«, riss sich der Alpha unsanft los, bevor er sich umdrehte, sich in einen riesigen schwarzen Wolf mit gelben Augen verwandelte und in den Wald flüchtete, während er vor Trauer heulte. Er hatte die einzige Person verloren, die er liebte: seine Luna.
Der letzte Tag dieses Krieges fühlte sich nicht wie der letzte an.Vielleicht fühlte sich kein Ende in dem Moment wie ein Ende an, in dem es geschah.Die Welt hielt nicht inne, um anzuerkennen, dass etwas zu Ende gegangen war. Der Himmel riss nicht auf. Die Sterne kamen nicht herab. Keine alte Glocke schlug von selbst in den Türmen vergessener Schlösser, keine Prophezeiung erschien in Feuer an den Wänden, keine Göttin beugte sich hinab, um die Überlebenden in die Arme zu nehmen.Der Morgen kam einfach.Kalt.Grau.Mit einem Geschmack von Erschöpfung.Im Vampirschloss saß Evelyn Blackthorne viel zu lange vor ihrem Schreibtisch und starrte auf ein leeres Blatt.Es gab so vieles zu schreiben.Befehle für den Hof.Briefe an Verbündete.Neue Sicherheitsregeln.Namen von Toten.Namen von Verrätern.Namen von Menschen, die niemals zu Fußnoten hätten gemacht werden dürfen.Die Feder ruhte zwischen ihren Fingern, bewegte sich aber nicht.Hinter ihr schwieg Romina.Ein seltenes Schweigen.Nicht
Evelina blieb allein hinter der weißen Tür. Oder fast. Maggie war bei ihr. Nicht stehend, nicht vollständig, nicht wie eine Frau, die mit einem grausamen Lächeln und hungrigen Augen an der Wand lehnte. Das wäre einfacher gewesen. Es wäre leichter gewesen, sie zu hassen, wenn Maggie getrennt von ihr existiert hätte, wenn Evelina in eine Ecke hätte zeigen und sagen können: Dort ist die Eindringling. Aber Maggie war nicht in einer Ecke. Sie war in der Kehle. In den Zähnen. Im Hunger. In einer Erinnerung, die Evelina nicht gehörte und trotzdem von innen an ihrem Schädel kratzte, als wäre sie dort geboren worden. Die unterirdische Kammer wirkte kleiner, nachdem Aislinn, Sol und Seraphine sich entfernt hatten. Die gesprungenen Spiegel warfen gebrochene Versionen derselben Frau zurück: schwarzes Haar, blasse Haut, braune Augen mit violetten Rissen, getrocknetes Blut am Mundwinkel, Finger, gezeichnet von Fleisch und Silber. Maggie. Evelina. Keine von beiden. Beide. Sie hasste je
Am Tag nach Evelinas Tod kehrte Evelyn ins Vampirschloss zurück.Sie kehrte nicht als Siegerin zurück.Das war klar, noch bevor sie die Tore durchquerte.Der Himmel hing schwer und grau über ihnen, als wollte selbst der Morgen keine Seite wählen. Die Pferde bewegten sich langsam über die feuchte Straße, flankiert von Vampirwachen, Wölfen, die Kol geschickt hatte, und zwei Streghe, die Romina ausgewählt hatte. Die Eskorte war zu klein für eine Königin, die zu ihrem eigenen Thron zurückkehrte, und zu groß für eine Frau, die sich nur Stille wünschte.Evelyn saß in der Hauptkutsche.Romina saß neben ihr.Nicht als offizielle Beraterin.Nicht als Geliebte.Nicht als Freundin, obwohl sie vielleicht bereits etwas Gefährliches zwischen einem Wort und dem nächsten war.Einfach dort.Anwesend.Das wirkte ärgerlich notwendig.Daniele fuhr hinter ihnen in einer anderen Kutsche, mit Jelle, die blass, aber wach gegen die Lehne sank. Ashley war im Haus der Wölfe geblieben, um sich zu erholen und Ayl
Evelyns Freiheit roch nach Blut.Das war das Erste, was sie bemerkte, als sie endlich allein sein konnte.Es war kein fairer Gedanke.Vielleicht nicht einmal ein wahrer.Das Blut, das sie noch immer zu riechen glaubte, war mehr Erinnerung als Wirklichkeit. Joon-ho, Evelina, Daniele, die mit befleckter Klinge zurückgekehrt war, das Haus der Wölfe, das Schuld in den Ecken atmete. In dieser Woche hatte alles so sehr geblutet, dass die ganze Welt wie aus offenen Wunden gemacht wirkte.Und trotzdem war es dieser Geruch, den Evelyn fand, als sie die Tür des geliehenen Zimmers schloss und vor dem alten Spiegel an der Wand stehen blieb.Blut.Und Raum.Schrecklicher Raum.Der Fluch, der sie geteilt hatte, war verschwunden.Jahrelang hatte Evelyn etwas in sich gefangen gespürt. Ein Gewicht unter der Haut, ein seltsames Echo, eine zweite Anwesenheit, die nicht ganz Stimme war, nicht ganz Schatten, aber immer da, als Erinnerung daran, dass mit ihrer Seele etwas nicht stimmte. Eine Naht. Ein Riss
Evelyn starrte Joon-ho an, während sie auf ihn zuging und sein Gesicht berührte. Ihre kalte Berührung brachte alte Gefühle zurück und die Erinnerung an eine Winternacht, als Evelyn in ihrem Bett lag und sich an Joon-ho kuschelte.»Du bist so schön warm... Es ist echt seltsam, wieder Wärme zu spüren
Evelyn war stinksauer, als sie mitbekam, dass ihre Gefangene abgehauen war. Sie trommelte all ihre Wachen zusammen, aber kein Schwein konnte ihr erklären, wie oder wann Evelina entwischt war. Evelyn hatte sofort die Herzogin im Verdacht und stellte sie zur Rede.»Ich schwöre dir, ich habe keinen bl
Joon-ho kam mit einem Pick-up zum Haus zurück und brachte den leblosen Körper des Bären in den Schuppen. Dort holte er so viel Plasma wie möglich aus dem Tier heraus, füllte die Flüssigkeit in Einmachgläser und packte sie in die Gefriertruhe. Als er fertig war, nahm er eins der Gläser, ging durch
Joon-ho saß auf dem Sofa und trank Whiskey direkt aus der Flasche, als er hörte, wie die Tür seiner Hütte aufging. Der Alpha blickte zur Tür, seine Augen wurden gelb und er ließ ein wütendes Knurren hören.»Ich wusste doch, dass ich dich hier in der Hütte vom großen bösen Wolf finde.« Kol, der best











