INICIAR SESIÓNIn der Nacht ihrer Paarungszeremonie wird Mara Quinn, die einzige wolflose Tochter ihres Rudels, von ihrem Schicksalsgefährten, Alpha Kane Blackthorn, öffentlich verstoßen. Ihr Herz zerbricht, doch bevor sie den Schmerz begreifen kann, greifen Abtrünnige an und richten ein Blutbad an. Ein geheimnisvoller, vernarbter Fremder namens Rune rettet sie und bringt sie tief in den Wald. Dort zerbricht der silberne Anhänger ihrer verstorbenen Mutter und etwas Unmögliches geschieht: Mara erwacht als weiße Wölfin, die letzte Erbin einer uralten Mondlinie. Plötzlich ist sie keine Ausgestoßene mehr, sondern die Frau, deren Existenz das Königreich bedroht. Die Königin mit der Knochenkrone will ihren Tod, und Mara muss lernen, ihre neu erwachte Macht zu kontrollieren, bevor ihre Feinde sie finden. Doch Kane ist noch am Leben. Seine Verstoßung verbirgt ein dunkles Geheimnis, und die Verbindung zwischen ihnen ist stärker, als Mara glaubt. Während Verrat, alte Flüche und verborgene Wahrheiten ans Licht kommen, muss Mara entscheiden, ob sie dem Mann vertrauen kann, der sie einst öffentlich gebrochen hat. Diesmal wird sie sich nicht unterwerfen. Sie wird ihr eigenes Schicksal bestimmen.
Ver másDas Silbernetz fiel über den Zeremonienkreis, und der erste Schrei ertönte, noch bevor Mara Quinn ihren Schwur beenden konnte.
„Abtrünnige!“
Fackeln explodierten im Gras. Ein Wolf, so groß wie ein Pferd, brach aus dem Waldrand und zerriss einen Wächter in der Mitte. Heißes Blut spritzte auf Maras weißes Kleid.
Sie erstarrte. Sie hatte keinen Wolf. Keine Krallen. Keine Geschwindigkeit. Nichts. Zweiundzwanzig Jahre alt, die einzige wolflose Tochter des Rudels, und man hatte sie im weißen Kleid in die Mitte des Kreises gestellt, weil die Tradition es verlangte.
Dann drehte sich Kane Blackthorn um. Der Alpha. Ihr Gefährte. Noch vor Sekunden hatte die Verbindung sie wie ein Blitz durchzuckt, die Wirbelsäule hinab bis in die Fingerspitzen. Gefährte. Ihr Körper hatte es gewusst, bevor ihr Verstand es begriff.
Er sah sie an, mit kalten grauen Augen, und sagte vor aller Ohren:
„Ich, Kane Blackthorn, verstoße dich, Mara Quinn, als meine Gefährtin.“
Die Worte trafen härter als jeder Angriff. Die Bindung riss in ihrer Brust wie ein gebrochener Knochen. Mara brach im Dreck zusammen, rang nach Luft, schmeckte Blut.
Um sie herum starb das Rudel. Alte Wächter, junge Krieger, Männer, die sie ihr Leben lang übersehen hatten, fielen unter Klauen und Silberketten. Ein Kind schrie nach seiner Mutter. Niemand blickte zu Mara, dem wolflosen Mädchen im blutigen Weiß, das jetzt allein im Zentrum des Kreises lag.
Kane verwandelte sich bereits. Knochen knackten, schwarzes Fell brach durch seine Haut. Er sah nicht zurück.
Neben ihr landete ein Abtrünniger. Gelbe Augen. Triefende Fänge. Mara riss den Arm hoch, als die Zähne herabfuhren.
KRACK.
Der Schädel des Wolfs flog zur Seite. Über ihr stand ein Fremder in schwarzem Leder, eine Narbe zog sich durch seine Augenbraue, die Faust rauchte noch von Silberstaub.
„Auf die Beine, Wolflose“, sagte er. „Du hast ungefähr neun Sekunden.“
„Wer bist du?“
„Dein Problem.“ Er riss sie hoch. „Lauf!“
Sie erreichten den Waldrand, als hinter ihnen der Boden bebte. Drei Abtrünnige jagten ihnen nach, Äste splitterten, Krallen rissen Rinde auf. Maras Lunge brannte. Eine Kralle streifte ihre Wade, und sie schrie auf.
„Links!“, bellte der Fremde und stieß sie flach zu Boden, als ein Kiefer genau dort zuschnappte, wo eben noch ihr Kopf gewesen war.
Er ließ eine Silberklinge aus dem Ärmel schnellen und rammte sie dem Wolf in die Kehle. Das Tier brach zuckend zusammen. Noch zwei.
Mara kroch rückwärts. Ihre Hand griff in etwas Nasses. Sie sah hinab: Kanes zerrissener Umhang, blutgetränkt.
Dann sah sie ihn, zwischen den Bäumen. Der Alpha, der sie soeben weggeworfen hatte, lag unter vier Abtrünnigen begraben, die Rippen offen, und sein Brüllen ging in ein Gurgeln über.
Gut so, dachte sie.
Die Bindung in ihrer Brust schrie.
Sie krümmte sich. Alles, was er fühlte, fühlte sie: seinen Schmerz, seine Panik, seinen Herzschlag, der immer langsamer wurde.
„Wenn er stirbt, stirbst du“, sagte der Fremde nüchtern und wischte die Klinge ab. „Verstoßene Bindungen reißen nicht sauber, Süße.“
„Was? So funktioniert das nicht!“
„Doch. Wenn du sie bist.“
Mara starrte ihn an. „Wer ist sie?“
Er antwortete nicht. Sein Blick hing an ihrer Brust, wo der silberne Anhänger ihrer Mutter, den sie ihr Leben lang getragen hatte, weiß glühte und ihr die Haut verbrannte.
Hinter ihnen splitterte ein Baum. Zwei Abtrünnige stürzten aus dem Dunkel, einer von links, einer von oben. Der Fremde wirbelte herum, fing den einen mit der Klinge ab und trat dem anderen die Beine weg. „Bleib hinter mir!“, brüllte er. „Was auch immer da gleich passiert, bleib hinter mir!“
Zu spät. Am Rand der Lichtung hörten alle Abtrünnigen gleichzeitig auf zu kämpfen. Selbst die vier, die Kane zerfleischten, ließen von ihm ab. Sechzig gelbe Augen wandten sich Mara zu.
Der größte von ihnen verwandelte sich zurück in einen Mann, blutverschmiert und grinsend, und sprach ein einziges Wort, das Mara das Blut in den Adern gefrieren ließ:
„Gefunden.“
Der Fremde trat vor sie, und zum ersten Mal in dieser Nacht sah er ängstlich aus.
„Mara“, flüsterte er, „was auch immer in dir schläft … es wacht gleich auf. Und ich kann nicht aufhalten, was dann geschieht.“
Der Anhänger zersprang.
Die Sonne ging über der zerstörten Nachtspitze auf.Sie bestatteten ihre Toten im ersten Licht. Zwei Scheiterhaufen standen nebeneinander auf einem Felsvorsprung über dem Tal: einer für Aldric Blackthorn, einer für Vaelira, die Königin, die kein Grab verdient hätte, aber eines bekam. Mara hatte darauf bestanden.Es regnete Asche, als Kane die Fackel an das Holz legte. Er stand reglos da, während die Flammen emporstiegen, und Mara trat neben ihn und nahm seine Hand.„Er hat es am Ende richtig gemacht“, flüsterte sie.„Ich weiß.“ Kane starrte ins Feuer. „Das macht es nicht einfacher.“„Nein.“„Ich habe ihn zwanzig Jahre lang für tot gehalten. Zwanzig Jahre, in denen ich ihm Briefe geschrieben habe, die ich nie abgeschickt habe. Und als ich ihn wiedersah, wollte ich ihn töten.“ Er schluckte. „Jetzt will ich nur noch, dass er zurückkommt.“Mara drückte seine Hand fester. Der Faden zwischen ihnen glühte warm.Auf dem zweiten Scheiterhaufen lag eine Margerite, die Mara aus dem Glas des Abgr
„Haltet sie fest!“Kane sprang, bekam ihren Knöchel zu fassen, riss sich an ihr fest, und die Wucht ihres Aufstiegs zog ihn mit hoch. Seine Stiefel verloren den Boden. Rune packte Kanes Bein, Torin Runes Gürtel, Lina Torins Mantel. Eine Kette aus Körpern, die sich verzweifelt an eine Frau klammerten, die in den Himmel stieg.„Lasst los!“, schrie Mara. „Ihr werdet mit hochgezogen!“„Wir lassen nicht los!“, brüllte Kane.Der Mond über ihnen flammte. Ein Strahl aus silbernem Licht traf Mara mitten in die Brust, so grell, dass sie die Augen schließen musste. Er hielt sie fest, durchbohrte sie wie ein Speer, und ihr Körper bog sich im Rücken durch.„Es tut weh!“„Ich weiß!“ Kane hielt sich an ihrem Bein fest, die Zähne zusammengebissen. „Aber wir sind hier!“Aus der Dunkelheit kamen Schritte. Viele. Fackeln flackerten, Hörner schmetterten. Am Rand der zerstörten Halle strömten Gestalten herein, Krieger, Wölfe, Männer und Frauen in Fellen. Die Blackthorns. Sie hatten den Lärm gehört, das Be
„Hör nicht hin“, sagte Kane zum dritten Mal. „Alles, was er sagt, kann wahr sein und trotzdem nur die halbe Wahrheit.“Mara umklammerte seine Hand. Ihre Gedanken rasten. Das Bild im See, die Frau am Himmel, sie selbst, gefangen. Du wirst der Mond. Die Worte hallten in ihr wie Glockenschläge.„Wie viele?“, fragte sie leise. „Wie viele Erbinnen sind vor mir gestorben?“Morrak neigte den Kopf. Zwölf. Immer in der Nacht ihres fünfundzwanzigsten Geburtstages, wenn das Herz reif genug war, um den Himmel zu tragen. Sie sind freiwillig gegangen. Die meisten.„Und Selene?“Selene hätte vor zweiundzwanzig Jahren sterben sollen. Der Spiegelwolf lächelte. Deine Tante hat sie gerettet, indem sie sie weggesperrt hat. Eine hübsche Ironie, nicht wahr? Sie hat die Erbin nicht aus Hass gefangen, sondern aus Liebe.Vaelira schlug die Hände vors Gesicht. „Ich wollte nicht, dass sie stirbt“, flüsterte sie. „Ich wollte … ich wollte nur nicht, dass der Mond sie mir nimmt.“Mara starrte sie an. Dann, langsam
Es gab keinen Aufprall.Mara fiel durch Dunkelheit, bis die Dunkelheit selbst zu einem Boden wurde. Sie schlug auf, ohne zu spüren, wie sie ankam. Der Wolf in ihr war still, Ulvar fort oder verstummt. Nur das Doppelherz in ihrer Brust schlug, gleichmäßig.Sie stand auf.Eine Ebene aus grauer Asche, bis zum Horizont. Kein Wind, kein Laut. Über ihr hing ein schwarzer Mond, rund und glatt wie ein Loch im Himmel, aus dem ein kaltes, graues Licht rieselte. Vor ihr lag ein See, glasklar, spiegelglatt, und in ihm spiegelte sich nicht der Himmel, sondern etwas anderes.„Wo bin ich?“, flüsterte sie.„Im Schlund.“Neben ihr kauerte die Königin. Sie war nicht mehr die Frau mit der Krone und den roten Augen. Ihr Haar war lang und schwarz, ihr Gesicht jung, fast kindlich, und ihre Hände zitterten. Sie trug nur ein dünnes Kleid und sah aus wie ein verirrtes Mädchen.„Vaelira?“„Das ist das Reich, in das er mich gelockt hat“, flüsterte die Frau. „Als ich zwölf war. Er hat mir versprochen, dass ich h

















