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Kapitel 4

Crystal K
m anderen Ende der Leitung herrschte Totenstille.

Die Hintergrundgeräusche verstummten.

Durch das Glas sah ich, wie Luciano erstarrte. Seine Bewegungen stoppten.

Er stieß Maya von sich und blickte hektisch umher.

„Catherine...“ Seine Stimme veränderte sich. „Warum fragst du so etwas? Wo ... wo bist du?“

Mein Herz blutete.

„Catherine, zerdenk das nicht.“ Lucianos Stimme klang dringend.

„Die Hochzeit ist in einer Woche. Du bist die Einzige, die ich liebe. Das weißt du doch.“

Die Einzige?

„Ich erledige gerade eine dringende Familienangelegenheit, Baby“, fuhr er fort und webte weiter sein Lügengeflecht, mit jener Zärtlichkeit in der Stimme, die ich früher geliebt hatte.

„Geh nach Hause und ruh dich aus. Ich komme zu dir, sobald ich fertig bin, okay? Morgen ist die letzte Anprobe für dein Kleid.“

Ich erinnerte mich daran, wie er mir einmal gesagt hatte: „Meine Prinzessin verdient das schönste Kleid der Welt.“

Alles war nur gespielt.

Er konnte mit mir über Hochzeitsdetails sprechen, während er mit Maya schlief – ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

Was für schauspielerisches Talent brauchte das?

Was für ein eiskaltes Herz?

„Okay.“

Meine Stimme klang überraschend ruhig.

„Ich werde warten.“

Es war die letzte Lüge, die ich jemals für ihn aussprach.

Ich legte auf, bevor er antworten konnte.

Ich hatte genug von seiner Stimme gehört.

Und von Mayas.

Ich ging zurück zu meinem Auto. Meine Knöchel waren weiß vom Griff um das Lenkrad.

Meine Hände zitterten unkontrolliert – genau wie damals, als siebzehnjähriges Mädchen, in der Gasse.

Aber diesmal war keine Maya da, um mich zu retten.

Diesmal war Maya diejenige, die mir wehgetan hatte.

Tränen verschwammen die Straße vor mir.

Draußen lag das raue Industriegebiet von Brooklyn – Gewalt, Drogen, jeder nur denkbare schmutzige Deal.

Doch nichts davon war so dreckig wie die Dunkelheit, die mein Herz vergiftete.

Ich wollte wegfahren.

Dieser Albtraum sollte endlich enden.

Aber meine Hände zitterten zu stark, um überhaupt den Schlüssel festzuhalten.

Vor lauter Tränen konnte ich nichts sehen.

Ich musste mich beruhigen.

Um fünf Uhr morgens hörten meine Hände endlich auf zu zittern.

Meine Tränen waren versiegt.

Ich war bereit, diesen Ort zu verlassen und nie zurückzublicken.

In diesem Moment quietschte die schwere Stahltür des Clubs auf.

Ein paar Männer kamen heraus, Zigaretten im Mundwinkel, lachend, gut gelaunt.

Ich kannte jeden Einzelnen von ihnen.

Marco – Lucianos rechte Hand, immer so respektvoll zu mir.

Tony – der Buchhalter der Familie. Wir hatten bei einem Familienessen über den Aktienmarkt gesprochen.

Luca – Lucianos Cousin. Seine Frau und ich machten gemeinsam Wohltätigkeitsarbeit.

Ich hatte geglaubt, sie seien meine Freunde.

Meine Familie.

„Sieht so aus, als stünde der Boss eher auf Frauen mit etwas mehr Feuer“, lachte Marco und blies eine Rauchwolke aus.

„Sonst wäre er wohl kaum die ganze Nacht da drin geblieben und hätte das Familientreffen verschoben.“

„Eine Prinzessin wie Catherine ist fürs Vorzeigen da, nicht für den Spaß“, sagte Tony und schnippte die Asche von seiner Zigarette, Verachtung tropfte aus seinem Tonfall.

„Zu rein. Wetten, sie ist im Bett eine tote Hose? Der Boss ist immer noch ein Mann. Er braucht ein bisschen Würze.“

Luca brüllte vor Lachen.

„So ein Hitzkopf wie Maya weiß, wie man spielt. Ich habe gehört, sie ist im Bett für alles zu haben. Kein Wunder, dass der Boss besessen von ihr ist.“

Ihre Worte waren wie Messer, die mich aufschlitzten.

Also war ich das für sie.

Eine langweilige Vase.

Ein hübsches, dummes Mädchen zum Herzeigen.

Und Maya war das Echte. Diejenige, die einen Mann wirklich befriedigen konnte.

Sie wussten es alle. Jeder Einzelne.

Während ich mir Sorgen um Mayas Sicherheit gemacht hatte, hatten sie über meine Naivität gelacht.

Als ich Luciano gesagt hatte: Ich werde warten, hatten sie die Vorstellung genossen.

Während ich geglaubt hatte, bald die Herrin der Familie Carbone zu werden, hatten sie hinter meinem Rücken darüber getratscht, wie langweilig ich war.

In diesem Moment öffnete sich die Clubtür erneut.

Luciano und Maya traten heraus.

Mayas Gesicht war noch gerötet vom Sex, ihre Augen träge vor Zufriedenheit.

Sie sahen wirklich aus, als hätten sie eine gute Nacht gehabt.

Maya schwang sich auf ihr Motorrad.

Luciano ging auf sie zu, seine Hand glitt zu ihrem Oberschenkel, streichelte Haut, die ich in der Öffentlichkeit niemals gezeigt hätte.

Diese Geste war so intim, dass mir übel wurde.

Wie echte Liebende, die sich verabschiedeten.

In genau diesem Moment schaltete ich die Scheinwerfer ein.

Das grelle Licht traf Luciano. Er kniff die Augen zusammen und hob schützend die Hand.

Als er sich an das Licht gewöhnt hatte und mich im Auto erkannte, wurde sein Gesicht kreidebleich.

„Catherine...“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

Aber ich hörte es ganz genau.
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