Compartir

Kapitel 5

Autor: Lady Ivory
last update Fecha de publicación: 2026-10-16 22:12:16

Kapitel 5

♡ SAGES SICHTWEISE ♡

Die Fahrertüren der Aufzugskabine glitten mit einem leisen Zischen zu.

Ich stand in der hinteren Ecke, die Arme fest um meinen eigenen Körper geschlungen, als wären sie das Einzige, was mich noch am Boden hielt.

Die Wände bestanden von unten bis oben aus Spiegeln, so makellos poliert, dass ich mich dutzendfach darin gespiegelt sah. Blasse Haut. Strähniges Haar. Eine abgetragene Jacke, die unter dem warmen, goldenen Licht noch elendiger wirkte.

Ich sah aus wie ein streunender Hund, der sich in einen prächtigen Palast verirrt hatte.

Mikko stand neben dem Bedienfeld, die Reisetasche nun in ihrer Hand, den Blick starr nach vorne gerichtet. Sie hatte kein einziges Wort gesprochen, seit wir die Tiefgarage verlassen hatten.

Victoria befand sich in der Mitte des Aufzugs, den Rücken kerzengerade, die Hände locker vor sich gefaltet. Sie starrte auf die Türen, als könnte sie durch sie hindurchsehen.

Die Kabine summte leise und begann sich nach oben zu bewegen.

Ich beobachtete, wie die Ziffern über der Tür kletterten. Zehn. Fünfzehn. Zwanzig. Meine Ohren gingen zu. Die Stille war so dicht, dass sie sich wie ein physisches Gewicht auf meiner Brust anfühlte. Ich versuchte leise zu atmen. Ich versuchte, so wenig Platz wie möglich einzunehmen. Alte Gewohnheiten legte man eben nicht so leicht ab.

Der Aufzug passierte das dreißigste Stockwerk. Und in diesem Moment bewegte sich Victoria.

Sie drehte langsam den Kopf, bis ihre Augen meine im Spiegelbild fanden. Sie waren eisblauen und völlig unlesbar.

Aber darunter brannte etwas. Etwas Wildes. Etwas, das mir den Atem abschnürte.

«Sage», sagte sie.

Ihre Stimme klang tief. Rau. Es war das erste Mal, dass sie meinen Namen aussprach, seit sie mein Haus betreten hatte.

Ich öffnete den Mund, um zu antworten. Doch bevor ich auch nur einen Laut von mir geben konnte, bevor ich überhaupt blinzeln konnte, schnellte ihre Hand nach oben.

Ihre Finger schlossen sich um meinen Hals.

Ich erstarrte und mein Herz setzte für einen Moment aus. Ihre Handfläche fühlte sich warm auf meiner kalten Haut an. Ihre Finger lagen fest an den Seiten meines Halses, ohne wirklich zuzudrücken oder mich zu würgen.

Sie hielten mich einfach nur fest. Gekidnappt von diesem Moment. Eingenommen. Als würde sie mein Gewicht testen, als wollte sie sich vergewissern, dass ich real war.

Mein Rücken presste sich fester in die verspiegelte Ecke.

Das Glas kühlte meine Schultern. Ich spürte jede einzelne Stelle, an der sie mich berührte... ihre Fingerspitzen an den Seiten meines Halses, den Ballen ihrer Hand direkt über der Grube meiner Kehle und ihren Daumen, der leicht auf meinem rastlosen Puls ruhte.

Sie wandte den Blick nicht ab.

Ich tat es ebenfalls nicht.

Ihr Gesicht war nur Zentimeter von meinem entfernt. Ich erkannte die feinen Linien um ihre Augen, die blasse Narbe, die quer durch ihre Augenbraue schnitt, und die Art, wie ihre Lippen zu einer harten, unerbittlichen Linie aufeinandergepresst waren.

Aus der Nähe roch sie nach etwas Teurem und Kühlem.

Der Aufzug setzte seinen langsamen Aufstieg fort, während die Zahlen weiter kletterten.

Niemand sagte ein Wort.

Mikko blieb regungslos an ihrem Platz stehen. Ich spürte zwar ihre Gegenwart, aber sie unternahm keinen Versuch einzugreifen. Sie beobachtete schlicht die Stockwerksanzeige, als gehörte dieser Moment ganz allein der Frau, deren Hand meinen Hals umschloss.

Victorias Daumen strich einmal, fast gedankenverloren, über den rasenden Puls unter meiner Haut.

«Du gingst jahrelang durch die Hölle in den Händen meines nutzlosen Sohnes», sagte sie, und ihre Stimme war kaum lauter als ein Flüstern, füllte jedoch jeden Zentimeter dieser Kabine aus.

«Jetzt lass uns gut für dich sorgen.»

Die Worte trafen mich wie ein Fausthlag in die Magengrube. Ich konnte mich nicht rühren. Ich konnte den Blick nicht abwenden.

Ihr Daumen verharrte auf meinem Puls, genau dort, wo mein Herz wie ein gefangener Vogel flatterte.

Sie konnte es spüren. Sie spürte alles.

Die anschließende Stille war schlimmer als die Worte selbst. Sie dehnte sich gefühlt ins Unendliche, erfüllt nur von dem sanften Summen des Aufzugs und dem Geräusch meiner eigenen ungleichmäßigen Atmung.

Mir war jede einzelne Berührung ihrer Haut übermäßig bewusst. Die Hitze ihrer Hand, die kontrollierte Kraft in ihren Fingern, die Art, wie sie mich festhielt, als stünde es ihr völlig zu.

Meine eigenen Arme blieben nutzlos um meinen Körper verkrampft. Ich stieß sie weder fort, noch lehnte ich mich an sie an. Ich stand einfach nur da, gefangen zwischen dem kalten Glas in meinem Rücken und ihrer warmen, unnachgiebigen Präsenz.

Ihr Blick hielt den meinen fest, ohne zu blinzeln; da war keine Weichheit oder Mitleid zu finden. Nur diese wilde, brennende Entschlossenheit... als hätte sie bereits eine Entscheidung über mich getroffen und war lediglich darauf aus, dass der Rest der Welt nachzog.

Der Aufzug verlangsamte sich, als die Ziffer bei achtunddreißig stehen blieb.

Die Türen öffneten sich mit einem leisen Glockenton.

Sie hielt meinen Blick noch einen Herzschlag lang, ehe sie mich langsam losließ.

Ihre Hand sank an ihre Seite zurück. Das plötzliche Ausbleiben ihrer Berührung hinterließ ein seltsam entblößtes, beinahe kaltes Gefühl an meinem Hals.

Sie drehte sich um und schritt aus dem Aufzug, ohne sich noch einmal umzusehen; die Absätze ihrer Schuhe klackten auf dem polierten Boden jenseits der geöffneten Türen.

Ich stand wie angewurzelt, meine Kehle fühlte sich noch warm an dort, wo ihre Finger geruht hatten. Mein Herz hämmerte so wild gegen meine Rippen. Ich presste die eigene Hand auf meine Brust, um nach Luft zu ringen, während meine Finger über die schwache, nachwirkende Hitze strichen, die sie zurückgelassen hatte.

Mikkos sanfte Stimme erklang neben mir.

«Komm mit.»

Ich verließ den Aufzug auf Beinen, die sich nicht wie meine eigenen anfühlten.

Und im nächsten Augenblick blieb mir der Atem stockend im Hals stecken.

Das Penthouse breitete sich vor mir aus wie eine gänzlich andere Welt.

Dunkle Holzböden erstreckten sich in jede Richtung, spiegelblank gewachst.

Die Decken ragten so hoch empor, dass sie in den Schatten zu verschwinden schienen. Und die Fenster... eine komplette Glasfront, die den Blick über die von Wolkenkratzern gesäumte Skyline freigab.

Die Luft roch frisch und kühl. Wie Schnee kurz vor dem Fallen. Etwas Scharfes lag darunter. Etwas Teures.

Und dort warteten vier Frauen auf mich.

Sie standen in einer lockeren Gruppe nahe der Mitte des weitläufigen Wohnbereichs, als hätten sie mich schon seit Langem erwartet. Ihre Haltung wirkte gefasst. Ihre Blicke waren wachsam. Keine von ihnen lächelte.

Es fühlte sich an, als wäre ich kein Gast, sondern jemand, der endlich nach Hause gebracht worden war.

Continúa leyendo este libro gratis
Escanea el código para descargar la App

Último capítulo

  • Meine Schwiegermutter, der Hockey-Captain   Kapitel 8

    Kapitel 8♡ SAGES SICHTWEISE ♡Ich konnte nicht schlafen.Ich versuchte es. Gott, ich versuchte es wirklich. Ich lag in diesem großen, weichen Bett mit den viel zu vielen Kissen und der warmen grauen Decke, die mir bis zum Kinn hochgezogen war, und starrte an die Decke.Das Zimmer war ruhig. Die Lichter der Stadt flimmerten durch das Fenster und warfen weiche Schatten an die Wände. Der Tee, den Mikko mir gemacht hatte, stand immer noch halb getrunken auf dem Nachttisch. Alles war perfekt. Alles war bequem.Und trotzdem wollten sich meine Augen einfach nicht schließen.Jedes Mal, wenn ich blinzelte, sah ich die Reporter. Jedes Mal, wenn das Haus knarrte, zuckte ich zusammen. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, spürte ich Ellis' besitzergreifende Hände auf mir... Sie kontrollierten mich stets. Die Art und Weise, wie er mich berührte, als wäre ich etwas, das ihm gehörte.Ich warf die Decken fort und setzte mich auf.Das war dumm. Ja, ich war in Sicherheit. Victoria hatte dafür gesorgt

  • Meine Schwiegermutter, der Hockey-Captain   Kapitel 7

    Kapitel 7 ♡ SAGES SICHTWEISE ♡ Die Stille nach Fens Weggang lag so schwer im Raum, dass ich hätte ersticken können. Ich stand einfach da mitten im Penthouse, die Reisetasche zu meinen Füßen, während meine abgenutzten Turnschuhe aussahen, als wären sie direkt aus einem Müllcontainer gekrochen und dort gestorben. Meine Finger waren vor Kälte praktisch blau angelaufen. Meine Nase lief. Meine Haare bildeten ein strähniges Chaos, das seit vier Tagen kein Shampoo gesehen hatte. Und hier standen ein paar Frauen und musterten mich, als wäre ich ein Rätsel, das sie zu lösen versuchten. Jules bewegte sich als Erste. Sie klatschte in die Hände, der Laut klang scharf und hell in dem ruhigen Zimmer, und jenes breite Lächeln kehrte zurück, als wäre es nie dagewesen. «Okay», sagte sie und dehnte das Wort. «Das ist ja deprimierend. Du siehst aus, als würdest du gleich umkippen. Komm, ich zeige dir dein Zimmer.» Sie ging auf mich zu, hakte ihren Arm in den meinen, als kennten wir uns schon seit

  • Meine Schwiegermutter, der Hockey-Captain   Kapitel 6

    Kapitel 6 ♡ SAGES SICHTWEISE ♡ Vier Frauen warteten auf mich. Die Erste trat vor, noch ehe ich blinzeln konnte. Sie hatte goldbraune Haut und einen wilden Haufen dunkler Locken, die von einem leuchtend gelben Stirnband aus dem Gesicht gehalten wurden. Ihr Lächeln wirkte breit und warm – jene Sorte Lächeln, die einen dazu brachte, ihr sofort vertrauen zu wollen, selbst wenn man sie überhaupt nicht kannte. «Da ist sie ja», sagte sie. Ihre Stimme besaß einen weichen, musikalischen Akzent, den ich nicht recht einordnen konnte. Vielleicht Französisch. «Wir fingen schon an zu glauben, du hättest dich irgendwo zwischen Garage und Aufzug verlaufen. Mikko, du solltest sie eigentlich direkt nach oben bringen.» Mikko erwiderte nichts. Sie ging einfach an mir vorbei, stellte meine Reisetasche an der Wand ab und nahm ihren Platz neben den anderen ein. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und verharrte dort wie eine schweigende Wächterin. Die lockige Frau verdrehte theatralisch die Augen

  • Meine Schwiegermutter, der Hockey-Captain   Kapitel 5

    Kapitel 5♡ SAGES SICHTWEISE ♡Die Fahrertüren der Aufzugskabine glitten mit einem leisen Zischen zu.Ich stand in der hinteren Ecke, die Arme fest um meinen eigenen Körper geschlungen, als wären sie das Einzige, was mich noch am Boden hielt.Die Wände bestanden von unten bis oben aus Spiegeln, so makellos poliert, dass ich mich dutzendfach darin gespiegelt sah. Blasse Haut. Strähniges Haar. Eine abgetragene Jacke, die unter dem warmen, goldenen Licht noch elendiger wirkte.Ich sah aus wie ein streunender Hund, der sich in einen prächtigen Palast verirrt hatte.Mikko stand neben dem Bedienfeld, die Reisetasche nun in ihrer Hand, den Blick starr nach vorne gerichtet. Sie hatte kein einziges Wort gesprochen, seit wir die Tiefgarage verlassen hatten.Victoria befand sich in der Mitte des Aufzugs, den Rücken kerzengerade, die Hände locker vor sich gefaltet. Sie starrte auf die Türen, als könnte sie durch sie hindurchsehen.Die Kabine summte leise und begann sich nach oben zu bewegen.Ich

  • Meine Schwiegermutter, der Hockey-Captain   Kapitel 4

    Kapitel 4♡ SAGES SICHTWEISE ♡Fünf Minuten.Wunderbar. Schließlich war das Zusammenpacken der zertrümmerten Trümmer meines gesamten Lebens ganz bestimmt eine Aufgabe für fünf Minuten.Ich stand noch eine Sekunde lang im Wohnzimmer und starrte abwechselnd auf den schwarzen Ordner auf der Theke und die orangefarbene Benachrichtigung auf dem Tisch. Mein Gehirn fühlte sich an, als bestünde es nur noch aus Rauschen.«Du hast fünf Minuten.»Ich drehte mich um und ging die Treppe hinauf. Meine Beine zitterten noch immer vor Kälte, und die dritte Stufe quietschte unter meinem Gewicht wie gewohnt.Aus purer Gewohnheit stieg ich über sie hinweg.Brav so, Sage. Weck bloß das Monster nicht. Nur dass das Monster längst nicht mehr da war. Das Monster war mit vierzig Millionen Dollar abgehauen und hatte mich zurückgelassen, um elend zu erfrieren.Ich betrat das Schlafzimmer. Hier oben war es noch kälter. Ich riss die Schranktür auf und zog die alte grüne Reisetasche aus der hintersten Ecke.Sie war

  • Meine Schwiegermutter, der Hockey-Captain   Kapitel 3

    Kapitel 3♡ SAGES SICHTWEISE ♡Das Klopfen blieb aus.Ich kauerte noch immer am Fenster, beobachtete Victoria Harlowe, wie sie auf meinem Rasen stand, als gehöre ihr das Anwesen, und wartete darauf, dass sie den Weg heraufkam und an die Tür hämmerte. Ich wartete auf das Drama. Auf die Konfrontation.Aber sie klopfte nicht.Stattdessen hörte ich, wie sich die Haustür knarrend öffnete.Mein Herz setzte aus. Ich herzte den Kopf herum und starrte in den Flur.Ich hatte die Tür nicht abgeschlossen. Ich schloss sie nie ab. Wer verriegelt schon seine Haustür, wenn nichts mehr da ist, das gestohlen werden könnte?Die kalte Luft strömte als Erste herein, scharf und beißend, und zog wie ein unwillkommener Gast durch den Flur.Und dann hörte ich ihre schweren Schritte. Sie klangen langsam, bedächtig und selbstbewusst.Sie trat einfach ein.Sie ging einfach in mein Haus, ohne anzuklopfen, ohne zu fragen, ohne ein einziges Wort.Ich rappelte mich auf die Beine, während meine Beine vom langen Sitze

Más capítulos
Explora y lee buenas novelas gratis
Acceso gratuito a una gran cantidad de buenas novelas en la app GoodNovel. Descarga los libros que te gusten y léelos donde y cuando quieras.
Lee libros gratis en la app
ESCANEA EL CÓDIGO PARA LEER EN LA APP
DMCA.com Protection Status